Die Schule der Zukunft

Es lohnt sich, die Anliegen pädagogischer Strömungen konsequent zu Ende zu denken. Ein schwedischer Kommunalpolitiker hat sich die Mühe gemacht, den Gedanken der Reformpädagogik zu radikalisieren. Wie so oft denken die Schweden europäische Bildungspolitik voraus. Das Ergebnis: Die Schulen können nun auch auf „Lernbegleiter“ verzichten.

Es geht natürlich wieder um „Entgrenzung“, um die ganz persönliche Reise eines jeden Kindes. Ob der Traum der Schülers in Erfüllung geht? SPIEGEL ONLINE schreibt:

„Eine Schule, die die Zukunft ist, hat keine Klassen, keinen Unterricht, keine Stufen, keine Schüler oder Lehrer. Stattdessen ist es ein unerhört komplexes Umfeld, in der Menschen sich mit sich selbst beschäftigen, ihren Ansichten und ihren Ressourcen, um den Tag reicher zu beenden, als man ihn begonnen hat.“

Zudem solle die Schule der Zukunft subjektiv sein: Schüler sollten sich selbst überlegen, welches Ziel und welche Bedeutung ihre ganz persönliche Reise habe.

Die Bedingungen, so der Vorschlag, könnten auf zweierlei Arten gelöst werden: „Zunächst sollten Schulgebäude die letzte Alternative sein, wenn es um Umgebungen fürs Lernen geht, nicht die erste.“ Zum anderen müssten Gebäude zukünftig wesentlich effektiver genutzt werden als heute. Warum soll man die Schule nicht für andere Akteure öffnen? Für Mama und Papa beispielsweise: „Der einfachste Weg nach vorn wäre es, dass die Schule wenigstens für die Eltern der Schüler ein attraktives Umfeld ist, wenn sie in ihrem Alltag nach einem alternativen Arbeitsplatz suchen.“ Das würde die Kosten senken und die Grenze zwischen Schule und dem Rest der Welt aufweichen.

Ich schlage ganz progressiv vor, noch weiter zu denken. Schafft die Schulen wieder ab und traut den Eltern zu, dass sie die Kinder bilden können. Also: Anstatt Mama und Papa jetzt auch noch in die Schulen zu schicken, damit die Gebäude effektiver genutzt werden, lasst doch einfach die Kids bei den Eltern. Das senkt nicht nur die Kosten, sondern macht den Kindern noch mehr Spass.

Kommentare

  1. Danke, Ron, mal von einem anderen Denkansatz her zu Ende gedacht. Habe mir eben einige Gedanken zum Eltern-geleiteten Lernen gemacht. Siehe http://www.hanniel.ch/?p=6793

  2. So eine Schule wird es nie geben, da sie den staatseigenen Interessen widerspricht. Der Staat muss darauf achten, dass er neue Bürger bekommt, die bestimmte Voraussetzungen mitbringen (kritisches Denken, Demokratiebewusstsein, Gesellschaftsfähigkeit). Kinder, die auch im Lernen keine Anleitung, keinen Halt haben (z. B. in der Person des Lehrers, der den Lernweg mitgeht und das Kind vor Gefahren schützt oder zumindest darauf aufmerksam macht), sind im wahrsten Sinne des Wortes haltlos. Selbst das würde vielen der Reformpädagogen zu weit gehen (Fröbel, Landschulbewegung, Montessori, als noch lebender: Otto Herz …).

    @Hanniel
    Du weißt, warum Homeschooling in Deutschland verboten ist? Ich nicht – obwohl ich Lehrer bin. Aber ich weiß, seit wann es verboten ist: seit dem Reichsschulgesetz von 1938, unterzeichnet von Adolf Hitler. Wer sollte sich dabei nicht etwas denken!?

    Gruß
    Peter

  3. Johannes meint:

    @Peter: Das „Wann“ des Hausschulunterrichts enthält ja bereits eine Aussage zum „Warum“! Ich glaube nicht, dass es dem gegenwärtigen Staat darum geht, kritisch und selbständig denkende und demokratische Bürger hervorzubringen (das wäre vielleicht eher eine Bedrohung für ihn). Das Interesse des Staates und der Schulen scheint mir vielmehr darin zu liegen, konformistische, die Wirtschaft antreibende Arbeitskräfte hervorzubringen.

    Auch wenn diese schwedische Reform als Gesamtmodell ziemlich absurd wirkt, hat sie manches Bedenkenswertes: Nicht für jedes Kind ist das stundenlange starre sitzen in einem abgeschlossenen Raum die optimale Lernumgebung, und es ist sicher eine Bereicherung für Kinder, wenn sie nicht nur sturr Wissen vermittelt bekommen (das sie nach wenigen Jahren ohnehin weitgehend wieder vergessen haben werden), sondern auch erfahren, wie sie selbst Lernen und sich Wissen aneignen können. Ich habe drei verschiedene Schulen besucht und an vier verschiedenen Ausbildungsstätten gelernt/studiert, doch nirgens wurde auch nur eine Stunde darauf verwendet, mir beizubringen, wie man eigentlich ein Buch gewinnbringend liest – oder warum ich überhaupt ein Buch lesen sollte. All das geht jedoch nicht ohne viele gute und engagierte Lehrkräfte (das können manchmal auch die Eltern sein, aber nicht in jedem Fall).

  4. Ob man zum Lernen wirklich die Schule braucht, wage ich nicht pauschal zu beurteilen. Aber über eine Frage lohnt es sich, gelegentlich nachzudenken: Das, was du jetzt kannst – hast du das alles in der Schule gelernt? Den größten Teil unserer Bildung haben wir uns in der Regel selbst angeeignet. Eine gute Schule hat aber vielleicht wichtige Impulse gegeben. Ich persönlich plädiere dafür, dass man den Eltern mehr Entscheidungskompetenz zutraut. Unterrichtspflicht ja, aber Schulpflicht muss nicht sein.

  5. @Wolfgang:

    Den größten Teil unserer Bildung …

    Da fängt ja das Problem an: Was ist Bildung, was gehört dazu oder auch nicht?

    Z. B. das Buch von D. Schwanitz „Bildung – Alles, was man wissen muss.“ – und Naturwissenschaften kommen in diesem Buch nicht vor.

    Gruß
    Peter

  6. @Peter

    Der Schwanitz unternahm ein schwer Geschäfte,
    der Welt zum Unterricht:
    Er schätzte die gebild’ten Kräfte –
    nur seine schätzt‘ er nicht.

    🙂

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