Die „Selfies“

Der digitale Mensch macht unablässig Bilder von sich selbst. Das Internet ist die Galerie seiner Porträts. Mit diesen Selfies modellieren wir unser „Ich“ und verwandeln uns alle in Prominente. Mit Nebenwirkungen.

Peter Praschl schreibt in der WELT AM SONNTAG (13.10.13, S. 49):

Jeder braucht eines. Es reicht nicht mehr, bloß zu sein oder so gut wie möglich Leistung abzuliefern. Wer so denkt, landet über kurz oder lang bei den Modernisierungsverlierern. Das Einzige, mit dem du dich davor schützen kannst, ist Ich-Pflege. Du musst es zu einer Marke machen, Aufmerksamkeit für es schaffen, seine Existenz immer wieder von Neuem verkünden. Es ist deine Währung. Erst Ende September haben sich im vorarlbergischen Lech bei einer Veranstaltung, die sich „Philosophicum“ nennt, zwei Dutzend Intellektuelle darüber unterhalten. Ihr erwartbarer Befund: Wir leben in einer narzisstischer werdenden Gesellschaft, in der soziale und familiäre Verbände an Bedeutung verlieren und die Ich-Modellierung immer wichtiger wird. Ihr ebenso erwartbares Urteil über diesen Trend: nicht sehr begrüßenswert, gefährlich, trügerisch – weil der Zwang zur Selbstdarstellung paradoxerweise Uniformität produziert. „Hinter der Vorstellung der Selbstoptimierung steckt gerade nicht die liberale Idee ‚Jeder soll so sein können, wie er will‘, sondern die Idee, dass es eine Norm gibt des schönen Menschen, des leistungsfähigen Menschen, des trainierten Menschen, des belastbaren Menschen, und an dieser Norm haben sich alle zu orientieren“, sagt der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann. Er hat durchaus recht damit.

Mehr: www.welt.de.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Ach in Wien ist er jetzt …

    Der Artikel ist in sehr gutem Deutsch geschrieben – gefällt mir gut!

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