Die ungebremste Entchristlichung Deutschlands

An Heiligabend werden die Kirchen wieder voll sein. Doch die Realität sieht anders aus: Immer weniger Deutsche gehören einer christlichen Kirche an. Der Trend der vergangenen Jahre hat sich sogar weiter verschärft, die Kirchenaustritte nahmen den letzten verfügbaren Zahlen zufolge noch einmal deutlich zu.

Laut Deutscher Bischofskonferenz nahm die Zahl der Katholiken im Jahr 2008 um 284.000 ab. Die Gesamtzahl der Menschen in Deutschland sank im gleichen Zeitraum lediglich um 215.000.

Mit Besorgnis blicken die Kirchen besonders auf den demografischen Wandel, dabei gerät ein anderes Problem in den Hintergrund. Rund 120.000 Mitglieder verlor die Katholische Kirche im Jahr 2008 nämlich durch Austritte. Aus der Evangelischen Kirche traten sogar 160.000 Menschen aus.

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Kommentare

  1. „Mit Besorgnis blicken die Kirchen besonders auf den demografischen Wandel“
    Nun – zwar selbst Atheist – gibt es doch generell ein Bedürfnis vieler Menschen nach Religiosität. Ob es hier in erster Linie an einem demografischen Wandel liegt sei dahingestellt. Ich meine zu Erkennen, dass manche Religionsgemeinschaften – obwohl immer neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verfügung stehen, eher einen Schritt Richtung Mittelalter tun.

    Sicher: Religion ist Notwendig. Atheismus ist ja kein Sinngebungssystem. Das muss man sich schon irgendwo selbst erarbeiten. Religion hingegen sollte wohl ein Sinngebungssystem sein. Entfernt sich aber immer weiter, weil ( 🙂 ) auf ‚Teufel komm raus‘ an alten Geschichten, Sagen und Mythen festgehalten wird.

    Das hat wohl weniger mit dem ‚Neuen Atheismus‘ zu tun. Die Differenz zwischen dem, was ist, und dem, was gelehrt wird, vergrössern die Kirchen schon selbst.

    Ich finde es gut, wenn Menschen Glauben. Weil es eben Kraft geben kann, man in Gemeinschaft ist und und und. Wird allerdings der Glauben als Wissen verkauft – auch in Situationen wo dies unter anderem gefährlich sein kann (nur als Beispiel: Kondome / Afrika / wird Menschenleben kosten!) ist dies nicht gerade förderlich.

    Dies spüren die meisten Menschen schon von selbst. Ich meine: die Zahl derjeningen die noch Kirchensteuer zahlen und die Zahl derjenigen die einer (christlichen) Gemeinschaft angehören und sich aufgehoben fühlen, läuft immer weiter auseinander.

    Wie gesagt: ‚Futter‘ für Diskussionen und möglichen Sinneswandel wird von den Kirchen geliefert. Nicht von den Atheisten. Bin mir nicht sicher, ob ich dies gut finden soll…

  2. @waelti: Hallo Herr Butz, ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich Sie richtig verstanden habe, aber versuchen wir es einmal:

    Blickt man auf die Geschichte etwa der evangelischen Kirche in Deutschland in den letzten 100 Jahren zurück, dann ist ihr Weg wesentlich dadurch gekennzeichnet, dass sie versuchte sich dem Geist der jeweiligen Zeit anzupassen und möglichst nicht „von gestern zu sein“. Die Konsequenz ist, dass heute die (Groß-)Kirchen schwach und leer sind, sowohl im Blick auf ihre Verkündigung als auch auf die Mitgliederzahlen. Wenn die christlichen Kirchen also heute versuchen würden, sich dem, was vermeintlich die neusten „wissenschaftlichen“ und weltanschaulichen Trends sind (die ja oft morgen schon wieder überholt sind) anzupassen, wäre das ihr sicheres Todesurteil.

    Ich weiß zwar nicht, was Sie mit „Geschichten, Sagen und Mythen“ meinen, aber so wurden gerade in der sogenannten „historisch-kritischen Bibelwissenschaft“ immer wieder gewisse biblische Berichte bezeichnet, und es wurde aufgrund der philosophischen oder ideologischen Trends der jeweiligen Zeit versucht, diese als unglaubwürdig darzustellen – damit hat die Kirche an dem Ast gesägt, auf dem sie sitzt. Was der Kirche wirklich helfen würde, wäre aber gerade eine grundlegende Umkehr zur Bibel als ihrem gestaltenden Fundament in der Lehre und im Leben.

    Auch Ihre Aufspaltung zwischen Glauben und Wissen ist für mich nicht recht nachvollziehbar. Ich kann ja auf nichts vertrauen, wovon ich nicht auch etwas weiß?!

    Soviel mal vorerst. Freundliche Grüße, Johannes

  3. @johannes
    Ja, das mit Geschichten, Sagen und Mythen war schon auf die Bibelwissenschaft bezogen. Dass die Kirche nicht jedem Trend der jeweiligen Zeit ’nachlaufen‘ kann (und soll) ist auch klar. Vermutlich ist es sogar notwendig, manche wissenschaftlichen Erkenntisse ein bisschen auszubremsen. Wenn ich ein wissenschaftliches Gebiet als einzelnes betrachte, ist es eben kein Sinngebungssystem. Es geht nur um das sammeln von Wissen, welches in einem anderen System weiterverwendet wird.

    Denke schon, das die evangelische Kirche – im Vergleich zur katholischen – die etwas flexiblere ist.

    Der Teil „Ich kann ja auf nichts vertrauen, wovon ich nicht auch etwas weiß“ ist m.E. nicht richtig. Vertrauen DASS etwas richtig ist, setzt nicht notwendigerweise Wissen voraus. Möglicherweise ist es sogar notwendig, dass – ohne Wissen – bestimmte Gedanken gedacht werden. So nach dem Motto: Irgendwo muss ich doch beginnen. Den Gedanken habe ich schon oft gedacht, komme immer wieder zum selben Ergebnis.

    Im Englischen wird die Trennung deutlicher sichtbar mit „believe“ und „faith“. Unglaubwürdig sind IMHO schon einige Dinge. Von Religionen selbst Geschaffen. Wenn – zu einem Zeitpunkt in der Vergangenheit – zu einem Themengebiet bestimmte Aussagen gemacht wurden, zeigt es schon, dass sich die Menschen sehr viele Gedanken gemacht haben. Das ist ja nichts Negatives.

    Kritisch betrachte ich jedoch Aussagen, tlw. vor >2000 Jahren gemacht, die heute (Aufgrund von echtem Wissen) nichtmehr gültig sind. Und manche Religionen trotzdem behaupten DASS sie gültig sind.

    „Eine Hexe sollst du nicht am leben lassen“ könnte bei gehäuftem Auftreten von Schweinegrippefällen schon seltsame Auswirkungen haben. Ich brauche doch keine weiteren Zitate anführen? Nicht, dass ich nicht welche finden würde.

  4. Sinngebungssystem…?? Eine sprachliche Missgeburt ist das; außerdem stimmt es nicht: „…weil auf ‘Teufel komm raus’ an alten Geschichten, Sagen und Mythen festgehalten wird.“ – Welch ein Verlust, wenn nicht dran festgehalten würde! Gerade darin kann man ja entdecken, was Menschen immer schon bewegt hat, wenn es um die Kernfragen der Existenz ging: Die großen Geschichten um Schuld und Sühne, Liebe und Leidenschaft, Vergeltung und Vergebung, Leben und Tod sind immer wieder neu faszinierend,ergreifend.
    Und die Gleichung ´Glaube=Mythos Mittelalter´sowie ´Atheismus=wissenschaftliche Erkenntnis´ist ebenso naiv wie unreflektiert.

  5. @waelti: Natürlich kann man ohne ein Vorwissen irgendetwas denken oder annehmen, aber man kann darauf keinen Glauben stützen, der das Leben trägt. Die neutestamentichen Autoren jedenfalls können immer wieder davon Sprechen, dass ihr Glaube auf einem Wissen beruht und nicht ein „irrationaler“ Sprung oder ein vages Vermuten ist. Und eine Bewertung, ob etwas richtig oder falsch ist, kann man m. E. ohne Wissen nicht unternehmen, denn das wäre fahrlässig.

    Was bitte ist IMHO? Es wäre interessant mal zu erfahren, was das denn für Aussagen sind, die heute durch „echtes Wissen“ (was ist das?) ersetzt wurden.

    Mit dem Hexenzitat weiß ich auch nichts so recht anzufangen. Sorry.
    LG, Johannnes

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