Die ungläubigste Region der Welt

Ein nachhaltiges Erbe der SED: Nirgendwo sonst gibt es so wenige Menschen, die einer Religion angehören, wie auf dem Gebiet der ehemaligen DDR. Wie ist es dazu gekommen? Eine Reise durch den Osten Deutschlands auf der Suche nach Antworten, ist das Titelthema der WELT AM SONNTAG vom 31. März 2013.

Alan Posener schreibt:

Als die Forschungsgruppe „General Social Survey“ im vergangenen Jahr die neuesten Ergebnisse ihrer Langzeitstudie über den Glauben an Gott in verschiedenen Ländern veröffentlichte, waren hierzulande viele schockiert. Während etwa in den Philippinen 94 Prozent und in Westdeutschland 54 Prozent der Befragten angaben, sie hätten immer an Gott geglaubt und würden es weiterhin tun, waren es in der früheren DDR nur 13 Prozent – von denen ja viele offensichtlich nicht an den persönlichen Gott der christlichen Glaubensbekenntnisse glauben, der Gebete erhört und am Leben jedes Einzelnen Anteil nimmt. In Westdeutschland hingegen glauben noch 32 Prozent, also fast die Hälfte der Konfessionsgebundenen, an den persönlichen Gott, den ihre Kirchen verkünden; nur neun Prozent bekennen sich als Atheisten.

Einer, den die Ergebnisse der Studie nicht schockiert haben, ist Professor Gert Pickel, der an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig Religionssoziologie lehrt. „Die Ergebnisse sind nicht neu“, sagt er. „Seit 1981 werden diese Daten erhoben, ich arbeite auch mit ihnen, und sie belegen konstant einen weltweiten Trend, den wir Säkularisierung nennen. Diese Entwicklung ist in Ostdeutschland besonders stark ausgeprägt, aber sie findet fast überall in der Welt statt. Übrigens sind die Ergebnisse für China und Vietnam etwa noch schlimmer.“

Mehr: www.welt.de.

Kommentare

  1. Confessor meint:

    Man sollte nicht übersehen, was ganz offensichtlich eine weitere Ursache für die extreme Säkularisierung Ostdeutschlands ist: Die liberale Theologie.
    Denn während der Glaube in ehemaligen Ostblockstaaten sowie Russland eine Renaissance erlebt (was nicht nur für die orthodoxen Ostkirchen gilt), nimmt der Glaube in Ostdeutschland weiter ab.
    Doch schon während der DDR-Zeit machte man Kompromisse mit der Welt, so gab es die Tendenz sowohl Jugendweihe als auch Konfirmation mitzumachen. Dies ist auch Erbe der liberalen Theologie.
    Und auch gut gemeinte Missionsversuche neo-evangelikaler Prediger, die auf Show und Masse sowie Wohlfühlchristentum, denn auf theologische Qualität und Tiefsinn sowie eine „Theologia Crucis“ setzen, werden langfristig nur wenig Früchte zeitigen.

  2. „Die ungläubigste Region der Welt“

    Nordkorea?

  3. Lieber Lukas,

    In NK soll es eine beträchtliche Anzahl von Christen geben. Diese sind jedoch eine teilweise grausamen Verfolgung ausgesetzt.

    Liebe Grüße, Ron

  4. Viele Gemeiden in den neuen Bundesländern vergreisen und schrumpfen weil viele Jugendlichen nach der Schulausbildung wegziehen. Dieses Jugendlichen haben oft vor Ort oft keine Ausbildungs oder Arbeitsmöglichkeit und kommen danach auch in den wenigsten Fällen wieder zurück.

  5. auch wenn die Situation in NK anders ist als in der ehemal. DDR.
    Es ist schon erstaunlich, wie die geistliche Situation sich in den geteilten Ländern entwickelt, jenachdem, ob die Beeinflussung durch das kommunistische Russland oder die USA erfolgte. Man mag zum militärischen Eingreifen der USA stehen wie man mag, aber die Entwicklungen von Nord- und Südkorea zeigen etwas auf. Missionarische Bemühungen um die verwalteten Gebiete gab es und hatten auch Früchte gezeigt (selbst wenn von den USA nicht nur positives kommt).
    Aber dass es so ist, wie es jetzt so ist, zeigt, dass es noch eine große Aufgabe in unserem Land gibt.
    Und zwar für uns.

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