Die vermeintliche Attraktivität des Marxismus

Kürzlich habe ich darüber berichtet, dass der Kommunismus unter jungen Intellektuellen wieder eine große Anziehungskraft entfaltet. Leider hat der Kommunismus noch nie halten können, was in seinem Namen den Menschen versprochen wurde.

Hier ein kurzes (altes) Video von Francis Schaeffer über das wahre Gesicht des Marxismus/Leninismus:

Kommentare

  1. interessant kann es dabei sein, der Frage nachzugehen, wem ein kollektivistisches System eigentlich nützt? Die säkuläre Literatur geht unbefangener und erfrischender an diese Frage heran als die fromme Literatur, wohl weil wir nicht gerne schlecht über andere reden.

    Roland Baader ist dabei in „totgedacht – warum Intellektuelle unsere Welt zerstören“ auf kein gutes Ergebnis gekommen. Im letzten Grund darf aus Sicht der Intellektuellen nicht sein, was nicht sein kann, nämlich daß ein ungebildeter, selbstständiger Einzelhändler mehr hat und/oder verdient als ein hochgebildeter Staatsdiener.

    Felix Somary sagte in „Krise und Zukunft der Demokratie“ im Jahr 1952 voraus, daß unter Anwendung des Gesetzes, daß sich geschichtliche Muster stets wiederholen, der Marxismus/Leninismus (oder ganz allgemein Sozialismus bzw. Kollektivismus) gegenüber den Demokratien mit freiheitlichem Hintergrund (ganz allgemein „der Kapitalismus“) mittelfristig die besseren Karten haben muß. Den zwischenzeitlichen Fall des sowjetischen Kollektivismus hatte er dabei übrigens schon mit eingeplant gehabt.

    Weitere erleuchtende Literatur zu diesem Thema aus dem säkulären Lager: F. von Hayek „The Way to Serfdom“ und L. v. Mises „Vom Wert der besseren Ideen: sechs Vorlesungen über Wirtschaft und Politik“.

    Honni soit qui mal y pense. Vielleicht mache ich demnächst mal einen kompletten Artikel daraus, der entsprechende säkuläre Bücherstapel liegt jedenfalls schon bereit. Es fehlt aber noch der biblische Part dazu.

    lieber Gruß aus dem fernen Singapore
    Martin

  2. @Martin: Danke für die Tipps! Nur zu!
    Liebe Grüße, Ron

  3. Johannes Strehle meint:

    Der Marxismus, Kommunismus, Sozialismus wird als pseudointellektuelle Ideologie nicht aussterben,
    einerseits als extreme Reaktion auf einen extremen Kapitalismus, dem die Globalisierung neuen Schwung verliehen hat,
    andererseits weil er eine Ursehnsucht und ein Grundbedürfnis des Menschen bedient;
    im Positiven nach einer oberflächlichen Gerechtigkeit, die sich als Variation der Ungerechtigkeit entpuppt;
    im Negativen nach Verantwortungs-losigkeit, der Illusion, dass der Mensch gut ist: Alle Probleme der Menschheit wären gelöst und das irdische Paradies erreicht, wenn (durch brutale Revolution) Verteilungsgerechtigkeit hergestellt würde.

    Immer wieder taucht auch die Idee des „dritten Weges“ auf, eines Weges zwischen Kapitalismus und Kommunismus, eines „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“, z.B. als Traum des „Prager Frühlings“.
    Der einzige ernsthafte Versuch des dritten Weges, der keine Eintagsfliege war, war meines Wissens die israelische Kibbuz-Bewegung
    – einschließlich Auflösung der Familie (mit fatalen Folgen).
    Letztere wurde später von den 68ern in die Gesellschaft infiltriert und wird heute politisch gefördert.

    Es gibt einen hochinteressanten dritten Weg, nämlich die Wirtschaftsordnung für Israel, gut beschrieben in Ronald J. Sider: Der Weg durchs Nadelöhr, so der deutsche Titel.
    Am Beispiel der Immobilien, die für jede Wirtschaftsordnung eine besondere Rolle spielen:
    (Immerhin wurden die jüngste kapitale Finanz- und Wirtschaftskrise durch eine Immobilienkrise ins Rollen gebracht.)
    Der Kommunismus kennt theoretisch kein Privateigentum.
    Im Kapitalismus ist Privateigentum eine heilige Kuh. Spekulationen und Gewinne mit Immobilien spielen eine besondere Rolle. Sie behindern oder verhindern nicht zuletzt gute Stadtentwicklung.
    Konrad Adenauer (CDU) als Bundeskanzler und später Hans-Jochen Vogel (SPD) als zuständiger Minister wollten private Gewinne, die durch kommunale Planung erzielt werden, abschaffen bzw. abschöpfen. Beide wussten als ehemalige Oberbürgermeister um deren Bedeutung. (Adenauer war vor dem Krieg in Köln, Vogel zur Zeit der olympischen Spiele in München Oberbürgermeister.) Beide konnten keine Mehrheit für diesen tendenziell dritten Weg gewinnen.
    Der dritte Weg Israels: Eigentümer von Grund und Boden ist Gott. Der Besitz wird gerecht verteilt. Der Besitz, nicht das Eigentum, kann ver- und gekauft werden, aber maximal für 50 Jahre. Dann muss es entschädigungslos dem ursprünglichen Besitzer oder dessen Erben zurückgegeben werden.
    Eine gute Balance zwischen Tüchtigkeit, die sich lohnen muss, und Gerechtigkeit. Kein Kommunismus und kein Kapitalismus.

    Die Frage ist selbstverständlich immer, ob die Christen das Lebensmodell Christi als Licht und Salz praktizieren. „Daran soll die Welt erkennen …“ Siehe Francis Schaeffer : Das Kennzeichen des Christen, das er auch in sein Vermächtnis „The Great Evangelical Disaster“ aufgenommen hat.

    Ein paar Zitate aus dem lesenswerten Artikel in der FAZ vom 24.Juli, in dem Ulrich Raulff auf seine Studienjahre im tiefroten Marburg zurückblickt und sich erinnert. Er begann sein Studium in den frühen siebziger Jahren. (Die 68er und ihre unmittelbaren Nachfolger haben als Pädagogen, Juristen usw. dieses Land geprägt.)
    „Selbstgewiss und geräuschvoll beherrschte die dritte Marburger Schule, der dogmatische Salonmarxismus, die intellektuelle oder vielmehr die akademische Szene.“
    „Aus der heutigen Distanz von vier Jahrzehnten ist es schwer zu begreifen, wie eine historisch vielfach widerlegte Doktrin des neunzehnten Jahrhunderts, der Marxismus, gegen Ende der sechziger Jahre noch einmal und für ein langes Jahrzehnt zur vorherrschenden Denkschule der westlichen Welt werden konnte.“
    „Aber der Neomarxismus war nicht das einzige Gesangbuch in der damaligen Kirche. Es gab noch andere überwältigende Gewissheiten. Über einige davon verfügte die Pädagogik.“
    „Auch der ungeheuren Evidenz pädagogischer Diskurse und Praktiken in den Siebzigern eignet im Rückblick etwas Rätselhaftes. Natürlich musste eine Zeit, die an die Veränderbarkeit der Menschen und der Verhältnisse wie an ihr Evangelium glaubte, erzieherischen Lehren generell positiv gegenüberstehen. Aber der massenhafte Zulauf, den die pädagogischen und psychologischen Fächer in jenen Jahren verzeichneten, trug Züge einer intellektuellen Epidemie.“
    „Und wieder … traf die Reformpädagogik auf eine andere Befreiungsbewegung: auf die des Sex.“
    „ Aber die Konjugation der Bewegungen von Reformpädagogik und sexueller Befreiung, die sich damals vollzog, lieferte auch die Lizenz für Aktivitäten, über die wir seit kurzem täglich lesen: Die Päderastie als schöne Erziehungskunst betrachtet – dieses Ungeheuer lag schlafend am Schnittpunkt zweier „Projekte“ der siebziger Jahre.“

  4. @Johannes Strehle:

    Vielen Dank besonders für die schöne Zusammenfassung am Anfang Deines Posts! Nur ein paar Anmerkungen zu den anderen Punkten.

    1. Zwischen der Verpachtung auf 50 Jahre und einem Verkauf besteht ökonomisch kein wesentlicher Unterschied. Auch mit gepachtetem Grund oder anderem bloßen Besitz kann man vorzüglich spekulieren, das sieht man gerade in China. Die dortige Immobilienblase basiert ausschließlich auf Gebäuden, die auf gepachtetem Grund stehen. Es gibt in China gar kein Eigentum an Grund und Boden.

    Auf Wertsteigerungen mit Enteignungen bzw. „Abschöpfungen“ zu reagieren, führt zwangsweise in Verknappung von Wohn- und Gewerberäumen und zu steigenden Mieten und Preisen. Das ist letztlich unsozial. Natürlich liegt es auf der Hand, daß sich ein Politiker gerade eine solche Einnahmequelle nicht entgehen lassen möchte.

    2. Ronald Sider ist im Hinblick auf Ökonomie nicht zitierfähig. Der Mann hat insofern keine Ahnung und er argumentiert im Hinblick auf Ethik auch nur scheinbar biblisch, zugegebenermaßen klingt er sehr populär. Lesenswert dazu ist David Chilton „Productive Christians in an age of Guilt Manipulators“, er hat Sider mustergültig ad absurdum geführt, sowohl ökonomisch als auch biblisch. Leider in unangemessener Sprache.

    3. Zum „dritten Weg“ haben nicht nur v. Hayek und v. Mises (siehe z.B. die beiden oben zitierten Bücher) nachgewiesen, daß dieser unweigerlich in einen von Verknappung und von persönlicher Unfreiheit geprägten Kollektivismus führen muß.

    Der „dritte Weg“ bleibt demnach ein Hirngespinst, wenn man ihn nicht aus irgendeiner ohnehin vorhandenen Schatulle subventionieren oder mit Gewalt und Unterdrückung zwangsweise durchsetzen kann.

    4. Vielen Dank auch für den Tip mit Francis Schaeffers „The Great Evangelical Disaster“. Vielleicht finde ich genau dort komplettierende Hinweise zu dem biblischen Hintergrund für meinen beabsichtigten Artikel über den Kollektivismus.

    Gruß
    Martin

  5. Roderich meint:

    Hallo Martin,
    das Buch von Chilton kenne ich und finde es auch sehr gut.
    Hier noch ein paar Hinweise fuer weitere Buecher, in denen man die Biblische Sicht dazu findet: Ich empfehle das Buch „Prosperity and Poverty. The Compassionate Use of Resources in a World of Scarcity“ von E. Calvin Beisner. Vom selben Autor auch „Prospects for Growth. A Biblical View of Population, Resources and the Future“. Beide im Verlag Crossway Books.
    Manche gute Aspekte auch im Buch „Almighty & Sons. Doing Business God’s Way!“ von Dennis Peacocke.
    Viele Bibelstellen zum Thema Wirtschaft findest Du auch in den Buechern von Gary North, der aber mindestens eine so „starke“ Sprache wie David Chilton hat. Siehe http://www.garynorth.com/freebooks/sidefrm2.htm
    Dort nach Autor Gary North, und seine Kommentare zu Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomium, Roemer, etc. (muesste kostenlos als PDF herunterzuladen sein).
    Die Ethik von Prof. Schirrmacher kennst Du sicher schon? (Die schreibt ja auch sehr viel Gutes zum Thema Wirtschaft aus christlicher Sicht).
    Siehe auch unter reformation.net rechts unter „Worldview Economics“.
    Hilfreich auch das Buch von Marvin Olasky: „The Tragedy of American Compassion“. Er beschreibt darin, dass der moderne Wohlfahrtsstaat nicht dem christlichen Menschenbild gerecht wird, und macht Vorschlaege fuer ein alternatives System aus christlicher Sicht.

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