Die Verstaatlichung der Kindererziehung

Immer dreister wird das „Outsourcing“ der Kindererziehung eingeklagt. Kürzlich forderte der Berliner SPD-Fraktionschef Raed Saleh eine Kita-Pflicht für alle Kinder ab drei Jahren. Die Berliner Bildungsforscherin Jutta Allmendinger wünscht nun die Abschaffung der Hausaufgaben. Hausaufgaben zementierten soziale Ungleichheit alten Stils. „Es sei viel besser, den Lernstoff im Unterricht selbst in kleinen Gruppen zusammen mit dem Lehrer noch einmal durchzuarbeiten. Voraussetzung dafür sei die Umwandlung aller Schulen in Ganztagsschulen.“ Es liegt auf der Hand: Gibt es keine Hausaufgaben, wissen die Eltern überhaupt nicht mehr, was in der Schule so läuft.

Bei der Schauspielerin und TAZ-Journalistin Jana Petersen löst dieser Konsens für die Auslagerung der Kindererziehung intuitives Unbehagen aus. In ihrem Artikel „Die erste Trennung“ beschreibt sie, wie sie von ihrer Trennungsangst auf die richte Fährte geführt wurde. Ich empfehle, darüber nachzudenken, ob es sich unterm Strich nicht lohnt, um der Kinder wegen auf Prestige zu verzichten.

Wozu sind Menschen bereit, auf Geld zu verzichten? Eine Ausbildung, ein Auslandsstudium, ein Praktikum. Ein Haus, ein Auto, eine Wohnung. Ich kenne niemanden, der einen Kredit aufgenommen hat, um sein Kleinkind kürzer und mit besserer Qualität betreuen zu lassen. Leute sparen auf Sabbaticals, auf Weltreisen oder auf Macbooks. Aber dafür ein Jahr länger zu Hause zu bleiben?

Hier: www.taz.de.

Kommentare

  1. Martina meint:

    Das mit den Hausaufgaben wäre gar nicht dumm.
    Wenn die Lehrer garantierten, dass wir uns zu Hause nicht mehr herumschlagen müssen, kämen unsere Enkel entspannt von der Schule. Wir (Groß)eltern müssten uns nicht länger als Hilfslehrer der Nation prostituieren.

  2. Nicht die Schulen, sondern Eltern sollten Lehrer der Nation sein. Außerdem: Hausaufgabenbetreuung hält Großeltern fit.

    Liebe Grüße, Ron

  3. Es ist tatsächlich leider so, dass Kinder bei den Hausaufgaben unterschiedlich viel Unterstützung bekommen und/oder darauf angewiesen sind. Kinder, deren Eltern Zeit für die Hausaufgaben haben, besitzen damit einen Bildungsvorsprung.
    Fraglich ist, ob Ganztagsklassen in der jetzigen Form die entsprechende Alternative sind.

  4. Friderico meint:

    Hallo, kennt jemand einen Aufsatz oder eine Buchveröffentlichung, die das angestrebte Ideal der Chancen- bzw. sozialen Gleichheit (auf ganz allgemeiner Ebene oder auch in einem Schulkontext) in unserem Land aus biblischer Sicht betrachtet?

  5. @Friderico: Kenne ich leider nicht. Am Rande geht darauf ein:

    http://theoblog.de/vergewaltigung-der-menschlichen-identitat/16383/

    Liebe Grüße, Ron

  6. Johannes Strehle meint:

    Der taz-Artikel von Jana Petersen ist sensationell.
    Im Sinne von Bert Brecht:
    Was sind das für Zeiten, wo
    das Normale sensationell wird …

    Von den Errungenschaften der unvollendeten Emanzipation der Frauen
    profitieren, wie nicht anders zu erwarten, nur die Frauen,
    die sich im Sinne Kants emanzipiert haben,
    also den Mut haben, zu tun und zu lassen, was sie selbst für richtig halten,
    auch wenn es nicht politisch korrekt und „Konsens“ ist.
    Für alle anderen sind neue Rollenzwänge und Instrumentalisierungen
    an die Stelle der alten getreten.

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  1. […] Die Deutschen haben offenbar ein Problem mit Eliten. Anders ist nicht zu erklären, weshalb die Berliner Soziologin Jutta Allmendinger mit ihren fahrlässigen Plänen zur Schulreform so viel Aufmerksamkeit erhält (siehe dazu auch hier). […]

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