Die Visualisierung der digitalen Welt

Ende der 70er Jahre verknüpften einige Gelehrte des nachmodernen Denkens die „Entterrorisierung“ der Welt mit öffentlichen Zugängen zu Speichern und Datenbanken (vgl. z.B. F. Lyotard, Das postmoderne Wissen, S. 191–193). Die gleiche Verteilung der Spieleinsätze, also der Informationen, ermögliche den Eintritt in eine gerechtere Welt.

Rückblickend erkennen wir ernüchtert, dass zwar fast alle Daten öffentlich sind, aber die Leute sich für Texte kaum noch interessieren. Mal abgesehen davon, dass das Internet heute ein beliebter Tummelplatz für Verbrecher und Terroristen geworden ist, erobern datenhungrige bewegte Bilder das digitale Netz.

DIE WELT hat von Envisional erhobene Zahlen zum Datentausch im Internet veröffentlicht:

  1. 35,8 Prozent Pornografie
  2. 35,2 Prozent Filme
  3. 12,7 Prozent TV-Sendungen
  4. 4,2 Prozent Software
  5. 3,9 Prozent PC-Spiele
  6. 2,9 Prozent Musik

Hier:  www.welt.de.

Kommentare

  1. Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft…

  2. Jordanus meint:

    Es ist etwas früh, da schon Rückschlüsse zu ziehen. Das Internet hat seine Wirkung noch lange nicht entfaltet. Dazu eine interessanter Vortrag von Clay Shirky.
    http://www.youtube.com/watch?v=CEN4XNth61o

  3. Schandor meint:

    Ja, ich denke auch, dass Jordanus recht hat: Das wird sich noch entwickeln. Aber wohin?

    Was mich ehrlich gesagt wundert, ist der geringe Prozentsatz der Pornographie. Ich dachte wirklich, er mache mind. 2/3 der Inhalte aus. Ich glaub, vor einigen Jahren war das mW mal so. Im Jahr 2000 hat’s mal geheißen:
    „Jetzt gibts das Internet auf 17.000 CDs, und die jugendfreie Version auf 2 CDs“.

  4. Jordanus meint:

    wie aus dem Vortrag von Shirky hervorgeht, gab es auch im Buchmarkt des 16. Jahrhunderts vor allem Pornographie und Schauergeschichten. Aber dann wurden Bücher auch zum Transportmedium für Gedanken und wissenschaftliche Diskussionen…

  5. Johannes meint:

    Die Zahlen beziehen sich lediglich auf Tauschbörsen, nicht auf den Datenbestand-/austausch des gesamten Internets.

  6. Schandor meint:

    Asooo, ja dann … ich hab schon befürchtet, das Internet hätte sich in Richtung zum Guten hin entwickelt … 😉

  7. Naja, so unkommentiert kann man das nicht stehen lassen:

    1) geht es bei der Weltgrafik, wie schon vom Johannes erwähnt nur um Datentausch in Tauschbörsen und
    2) wird dabei der Datenverkehr gemessen, insofern nicht verwunderlich, wenn Videos ganz oben landen. Man kann schon sehr! viele Texte tauschen, bis man das Datenvolumen eines einzelnen Videos erreicht.

    Wenn man dies nun berücksichtigt, kann man anhand dieser Grafik überhaupt nicht sagen, dass das Interneteine bessere Verteilung von Information (auch in Textform) nicht fördere. Dass Videos und Bilder beliebt sind und und inwieweit das Auswirkungen auf eine etwaige Schriftkultur hat, dass das Internet nicht der Heilsbringer schlechthin ist, ist klar, aber das ist eine andere Frage.

  8. @Paul: Beides habe ich doch geschrieben: a) bewegte Bilder sind datenhungrig und b) es geht um den Datentausch. Den Optimismus von Jordanus, dass nämlich der Trend in Richtung Gedankenaustausch noch auf uns wartet, teile ich nicht. Die Bilder werden ihre Vormachtstellung verteidigen, zumal die Netze immer schneller werden.

    Liebe Grüße, Ron

  9. Ja, das stimmt, aber du hast den Artikel mit Zitat von Lyotard begonnen deshalb implizit geschlossen, dass das Internet eben dieser Idee des freien Datenaustauschs nicht gerecht wird. (so habe ich das zumindest verstanden).

    Und dem wollte ich teilweise wiedersprechen 🙂
    Weil, auch wenn das Internet den gemeinschamen Diskurs durch die digitale Schnelligkeit und Kürze entwissenschaftlicht, auch wenn Bilder und Videos mittlerweile vorherrschend sind, auch wenn sich durch neue Medien die digitale Kluft nicht wie gehofft schließt, auch wenn neue Medien (wahrscheinlich) die Konzentration negativ beinflussen, profitiert man mit genügend Medienkompetenz dennoch:
    Schließlich habe ich (während ich gerade meine Diplomarbeit schreibe) Zugang zu der gesamten digitalen Springerdatenbank, kann Archive online einsehen, verwende Google Books zu Recherche in sonst vergriffener Originalliteratur u.v.m.
    Auch das OpenAccess-Bewusstsein für öffentlich finanzierte Publikationen bzw. der OpenSource-Gedanke, der aus den Computerwissenschaften auch Eingang in die allgemeine Wissenschaft findet, wächst.
    Keine Frage, das dies — den Datenfluss betreffend — nur einen geringen Teil ausmacht das das Internet keine (wie vl. insgeheim gehofft) Literalisierungsmaschine ist. Da geb ich dir vollkommen recht! 🙂

  10. @Paul: Ich sehe das ja ähnlich und genieße fast täglich die großen Vorzüge des Internets. Allerdings zweifle ich eben daran, dass das Internet die Herzen der Menschen heilen wird.

    Liebe Grüße, Ron

  11. Jordanus meint:

    @Ron
    Nicht die Herzen der Menschen heilen? Das ist ja ein geradezu blasphemischer Gedanke!
    Bleibe in Verbindung!

  12. Dass das Internet keine Literalisierunsmaschine ist, merkt man auch, dass man beim schnellen Posten furchtbar viele Rechtschreibfehler macht. 😉

  13. @Paul: Wol waar! 😉
    LG, Ron

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