Die Welt bleibt unberechenbar

Immer mehr Entscheidungen werden von rechnenden Maschinen getroffen. Längst greifen sie auch in unsere Alltagswelt ein. Aber wer von uns weiß schon, was ein Algorithmus ist, wie er funktioniert und vor allem, wo seine Grenzen liegen? Was wir brauchen, ist ein Zeitalter der digitalen Aufklärung.

»Du kannst dein eigenes Gehirn mit deinem eigenen Gehirn erforschen, aber nicht ganz« – so übersetzte Hans Magnus Enzensberger den Gödelschen Unvollständigkeitssatz. Er lautet: »Jedes hinreichend mächtige formale System ist entweder widersprüchlich oder unvollständig.« Jedes interessante System produziert entweder Widersprüche, oder es enthält Aussagen, die sich nicht beweisen lassen. Es muss unentscheidbare logische Aussagen geben, folgerte Alan Turing, der britische Mathematiker, dessen Konzepte von Algorithmus und Berechenbarkeit eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung des Computers spielten. In bestimmten Fällen kann man nicht vorhersagen, ob ein Programm beendet wird oder in eine Endlosschleife gerät. Es gibt auch keinen allgemeinen Algorithmus, der dies berechnen könnte. Aber die Annahme des interessierten Publikums und der Entscheidungsträger lautet, dass Simulationen Algorithmen zur Basis haben, die berechenbare Probleme beschreiben und entscheidbar sind.

Hier der Artikel von Jürgen Kuri, stellvertretender Chefredakteur des Computermagazins c’t: www.faz.net.

VD: TD

Kommentare

  1. Johannes Strehle meint:

    „Immer mehr Entscheidungen werden von rechnenden Maschinen getroffen. …Was wir brauchen, ist ein Zeitalter der digitalen Aufklärung.“
    Das brauchen wir dringend!

    Zunächst brauchen wir die Aufklärung der Christen.
    Ich schlage vor, die nächste Studienwoche Bucer/L’abri dafür zu nutzen.
    Wie oft gibt es solche Studienwochen?
    Eine im Jahr halte ich für zu wenig, um die Welt zu durchschauen.

    Zu dem Artikel gab es einen Leserbrief.
    Ich zitiere daraus:
    „Die Hauptursache des Irrglaubens der Rechnerherrschaft über den Menschen, die Jürgen Kuri immer wieder umkreist, aber nicht berührt, ergibt sich aus dem fatalen neomaterialistischen Denkmuster am Ausgang des Darwin-Jahres 2009.“
    „Für die Berechenbarkeitsgläubigkeit sprechen ja viele augenscheinliche Dinge, zum Beispiel kann man mittels Rechner eine Atombombe, Genmanipulation, mediale Massengleichschaltung, Milliardengewinne und andere neofeudale Herrschaftsinstrumente konkret verwirklichen. Wir Deutschen sollten unser philosophisches Denken wieder auf unsere eigenen Wurzeln richten, die einst unsere Leistungsfähigkeit begründet haben, dann würde sofort klar, warum die Welt und die Menschen unberechenbar bleiben, wir aber mittels des Rechners den katastrophalen Zustand der Welt verbessern könnten.“
    Klaus Dässler, Gesellschaft für Mathematische Intelligenz, Radebeul
    FAZ 09.06.2010 Seite 15

  2. Johannes Strehle meint:

    „Von wem der Impuls zu einer Handlung ausgeht,
    ist in einer von Algorithmen und Automatismen getriebenen Welt
    oft kaum noch auszumachen.
    Der französische Soziologe und Wissenschaftstheoretiker Bruno Latour
    hat diesen unklaren Verhältnissen
    mit der Akteur-Netzwerk-Theorie Ausdruck verliehen…“
    Navigieren – Bruno Latour über das Netz
    Thomas Thiel
    FAZ 16.06.2010

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