Die Zahl der christlichen Märtyrer

Endlich stößt Thomas Schirrmacher öffentlich einen längst fälligen Disput über die Frage der christlichen Märtyrer an. Auch ich vertrete seit Jahren die Auffassung, dass die in der Regel genannten Zahlen zu hoch sind.

Seit vielen Jahren gibt es für jedes Jahr immer nur eine einzige Zahl, die jährlich als Gesamtzahl der christlichen Märtyrer pro Jahr angegeben wird, die Zahl des ›Global Status of Mission‹. Diese Zahl wird zwar von verschiedenen Institutionen zitiert, aber nur von einer Institution errechnet. Derzeit wird sie am häufigsten vom päpstlichen Missionswerk ›Kirche in Not‹ (›Aid to the Church in Need‹) zitiert, das von 130.000–170.000 Märtyrern pro Jahr spricht, aber keine eigenen Untersuchungen durchgeführt hat.

Diese Zahl wird jährlich im International Bulletin for Missionary Research vorgelegt. Für 2010 stand die Zahl bei 178.000, für 2009 bei 176.000, für 2011 ist sie – unter anderem aufgrund unseres Einspruchs – auf 100.000 korrigiert worden. Da die Zahl sich jährlich ändert, denkt jeder, es handele sich um die Zahl der Märtyrer im jeweiligen Jahr, aber tatsächlich soll den Durchschnitt des jeweils letzten vollen Jahrzehnts angeben (also z. B. 1990-2000, 2000-2010).

Der Kommentar zu ›Global Status of Mission‹ gibt selbst an, dass die Zahl die wohl am häufigsten zitierte Zahl aus dieser Statistik ist. Durch die Bücher ›World Christian Encyclopedia‹, ›World Christian Trends‹, ›Atlas of Global Christianity‹ und die elektronische ›World Christian Database‹ ist die Zahl in dieser Größenordnung weit verbreitet worden.

Es fällt mir schwer, diese Zahl wegen ihrer weiten Verbreitung zu kritisieren, zumal sie von seriösen Forschern und guten Freunden kommt. Aber als Wissenschaftler habe ich solche Zahlen zu oft vor säkularen Kollegen, Politikern weltweit, des Deutschen Bundestages oder des Europäischen Parlaments, und natürlich Journalisten zu verantworten, als dass unser Institut (das ›International Institute for Religious Freedom‹) sie einfach nur übernehmen könnte.

Da die Zahl von vielen säkularen, christlichen, darunter auch evangelikalen Forschern und Fachleuten 1. als viel zu hoch angesehen wird, und 2. als aufgrund zahlreicher Faktoren überhaupt nicht zu erheben gilt, wäre es wünschenswert, wenn es eine genaue Darstellung gäbe, aufgrund von welchen umfangreichen Recherchen die Zahl erhoben wird, welche wissenschaftliche Vorgaben dabei befolgt werden oder wie die Belastbarkeit von Forschungskollegen überprüft werden kann. All’ das liegt nicht vor – auch die ausführlichste Darstellung in den ›World Christian Trends‹ sagt nirgends, woher die Daten kommen und nach welchen Kriterien geschätzt wird.

Hier mehr: www.thomasschirrmacher.info. Here in English: www.thomasschirrmacher.net.

Kommentare

  1. Dieser Disput mag ja für einige Leute wichtig sein, die in ihren intellektuellen „Elfenbeinturm“ ihrer Forschung sitzen oder von einer Versammlung zur nächsten rennen.Dieses Schreiben von Th.Schirrmacher ist für mich ein Paradebeispiel, wie man sich mit seinen Beiträgen von dem ganz normalen Glaubensleben sehr weit entfernen kann.Es geht in diesem Beitrag ja anscheinend vordergründig darum, wie viel Märtyrer es gibt oder wer ein Märtyrer ist.Die Menschen und ihre Umgebung die davon betroffen sind, sind diese Zahlenspiele sicherlich sehr egal sie haben mit Sicherheit ganz andere Probleme.Bei diesem Beitrag werde ich den Eindruck nicht los, das es Th.Schirrmacher auch sehr um seine eigene Reputation geht, wenn er schreibt er muss die Zahlen vor… verantworten.Er muss sie nur nennen, die Taten die dahinter stehen müssen ganz andere verantworten.

  2. @Joschie: Das eine schließt das andere nicht aus und Du solltest diese Aufgaben auch nicht gegeneinander ausspielen. Es ist nicht besonders christlich, wenn in der Öffentlichkeit seit Jahren mit falschen Zahlen hantiert wird. Hier ist eine kritische Diskussion sehr wichtig. Und es ist auch nicht christlich, wenn jemand als Märtyrer Unterstützung einfordert, weil er als Christ z.B. betrügt. Um solche wichtigen Anliegen geht es hier. Dass jeder einzelne verfolgte Christ die Unterstützung anderer Christen braucht, steht außer Frage.
    Liebe Grüße, Ron

  3. @Ron, du bist aber schnell mit der Vokabel, das ist nicht christlich bei der Hand.Du nennst ein Beispiel, wo jemand sich Leistungen erschwindelt hat, ohne konkret Fakten zu nennen. Dadurch stellst du andere Geschwister unter einem Generalverdacht, als wollen sie sich irgendwelche Leistungen erschwindeln.Diese Argumentation kommt mir doch aus anderen Bereichen sehr bekannt vor.Ich kann persönlich kan nur die damalige Verfolgungssituation in Rumänien unter N.Ceausescu zum Teil beurteilen.
    Dort sind viele Geschwister wegen ihres Glaubens verfolgt und gefoltert worden, ohne das es je groß in der Öffentlichkeit bekannt wurde.Dieses gehörte für sie zum Preis der Nachfolge Christi und einige leiden bis heute an den Spätfolgen.@Ron, für die Masse der Medien hier in Deutschland, ist die weltweite Christenverfolgung nicht mal eine Randnotiz wert und was irgendwelche Politiker oder Journalisten darüber denken ist mir mehr als egal.Was mir nur sehr auffällt, ist die weichgespülte Diplomatensprache bei einigen der letzten Schreiben von Th.Schirrmacher, wenn es um den Islam und die katholische Kirche geht und nur bei diesem Schreiben ist der Ton anders.

  4. Schandor meint:

    @Joschie

    Dr. Schirrmacher bewegt sich in einer breiten Öffentlichkeit, und hier ist es erforderlich, seine Sprache sehr sorgsam abzuwägen (was Dr. Schirrmacher sicher ausgezeichnet macht). Man kann durch undiplomatisches Vorgehen vielleicht gut Farbe bekennen, aber ob das auf lange Sicht — denkt man zielorientiert — auch gut ist? Ich glaube schon, dass Dr. Schirrmacher abschätzen kann, wie man mit den Menschen sprechen muss, ohne sie buchstäblich mit falsch gewählten Worten zu verscheuchen. Als Österreicher habe ich auch lieber klare und direkte Worte, aber es ist nun mal (leider?) so, dass man die eigene Sprache an die Sprache seines Gegenübers anpassen muss, will man Gehör finden.
    Deine Vorwürfe finde ich m. E. nicht gerechtfertigt; man kann sie sehr leicht auch als verallgemeinernde Unterstellungen lesen.

    Lieben Gruß,
    S.

  5. @Joschi: Es gibt gut begründete Zweifel an den Zahlen, mit denen derzeit gearbeitet wird. Die Zweifel nicht ernst zu nehmen und einfach unkritisch mit sehr hohen Zahlen an die Öffentlichkeit zu gehen, entspricht nicht dem christlichen Ideal. Unsere Interesse ist die Wahrheit, auch dann, wenn sie anders aussieht, wie wir uns das vorstellen. Wenn Dir das egal ist, was Journalisten über dieses oder jenes denken, dann ist das okay. Aber bitte akzeptiere, dass es nicht jedem egal (sein darf).
    Liebe Grüße, Ron

  6. @Ron, ich finde deinen Beitrag jetzt schon sehr interessant, weil es doch jetzt nur noch um die Zahlen geht.Ich habe mir nie groß Gedanken um diese Zahlen gemacht, weil ich einige, persönlich kennengelernt habe und dadurch haben diese Zahlen für mich Gesichter bekommen. Gerade darum sind sie für mich nicht nur eine statistische Größe und Objekte für irgendwelche Rechenspiele.Ron, bist du derjenige, der festlegt, was das christliche Ideal ist und was ich zu akzeptieren haben?

  7. @Schandor, ich bin durch die DDR-Zeit geprägt.Auch da meinten manche Christen, man müsse mit dem Staat in einem Dialog treten aber nicht alles direkt ansprechen (die Schere im Kopf). Sie hatten nur eins vergessen, schon Lenin hat die Christen als nützliche Idioten bezeichnet und genau so ging es in der DDR weiter.Durch diese Alibichristen wurde ein Druck aufgebaut, um andere Christen auf Linie zu bringen.Ich habe gerade in den ersten Jahren meines Glaubenslebens, dadurch schnell gelernt, gegenüber diesem Staat gibt es nur ein Ja oder ein Nein.Schandor, Th.Schirrmacher bewegt sich in der breiten Öffentlichkeit, dieses zu tun war seine freie Entscheidung und auch zu seiner Mitarbeit in den verschiedensten Bereichen, hat ihn niemand gezwungen.Ja er ist eine Person, die seine Sprache sehr sorgsam abwägt, es ist, wie du schreibst „was Dr. Schirrmacher sicher ausgezeichnet macht“, genau diesen Stil kannst du auch bei heutigen Politikern und Diplomaten beobachten.@Schandor, ich meine nicht diese Bücher von Th.Schirrmacher „Der evangelische Glaube kompakt“, „Der Ablass“, „Die Ethik von 2002“, sondern besonders seine letzten Schreiben.Einige Schreiben sind so wachsweich gehalten, das da vom reformierten Glauben bei Th.Schirrmacher nichts mehr erkennbar ist!

  8. @Joschie: Wieso sollte ich festlegen, was ein christliches Ideal ist? Steht nicht in der Bibel, dass wir die Wahrheit lieben sollen? Gehst Du vielleicht zu oft von Dir und Deinen Erfahrungen aus?

    Für mich ist die Diskussion damit beendet.

    Liebe Grüße, Ron

  9. Roderich meint:

    @Joschie,
    nur mal kurz: ich denke es gibt sehr wenige Evangelikale Christen, die sich in dem Masse fuer verfolgte Christen weltweit einsetzen wie Thomas Schirrmacher (er ist ja im Vorstand bei der IGFM, und leitet das Institut fuer Religionsfreiheit, haelt Vortraege etc.). Das ist quasi seine taegliche Arbeit.

    (Siehe das Buch „Christenverfolgung heute – die vergessenen Maertyrer“ von Thomas Schirrmacher (Reihe kurz und buendig bei Haenssler) oder das „Jahrbuch der Maertyrer“, das Th. Schirrmacher mit herausgibt, oder die Vortraege, die Th. Schirrmacher haelt (auch vor Politikern – einige davon erschienen in der Zeitschrift des „Evangelischer Arbeitskreis der CDU“; siehe auch das Buch „Christenverfolgung geht uns alle an. 70 biblisch-theologische Thesen von Prof. Schirrmacher) etc. etc.

    Da hat er, denke ich, durchaus das Recht, in einem Punkt, wo wohlwollende Christen evtl. etwas uebertreiben (z.B. bei der Zahl der Maertyrer), eine etwas korrektere wissenschaftliche Vorgehensweise zu fordern. Du musst das halt im Gesamtkontext sehen.

    Wenn man nur diesen einen Blogeintrag alleine lesen wuerde, dann koennte man evtl. Deine Schlussfolgerung teilen (im Sinne von „Was soll diese Diskussion, dass die Schaetzung der Zahl der Maertyrer zu hoch ist? Das Problem in den Medien ist doch viel mehr, dass man kaum ueber christliche Maertyrer spricht, und verschweigt, wenn Tausende Christen umgebracht werden (besonders durch Moslems)“ – stimmt. Aber Th. Schirrmacher tut doch mit am meisten dafuer, dass das Thema Christenverfolgung wieder mehr beachtet wird durch viele Artikel, Vortraege, Interviews etc.

    Einige Schreiben sind so wachsweich gehalten, das da vom reformierten Glauben nichts mehr erkennbar ist

    Eine gewagte These. Da haette ich gerne ein paar Belege. Bei welcher Schrift an welcher Stelle haettest Du gerne mehr spezifisch reformierte Inhalte?

    (Abgesehen davon sind wir primaer der Bibel verpflichtet, und nicht der einen oder anderen Tradition. Es geht ja auch primaer um den INHALT eines Buches / Aufsatzes, und nicht darum ob bestimmte Vokabeln vorkommen, die man mehr bei Reformierten findet, oder?)

    OK, viele Gruesse und gutes Wochenende,
    Roderich

  10. @Ron schreibt “ Wieso sollte ich festlegen, was ein christliches Ideal ist? Steht nicht in der Bibel, dass wir die Wahrheit lieben sollen? Gehst Du vielleicht zu oft von Dir und Deinen Erfahrungen aus?
    Für mich ist die Diskussion damit beendet“
    Meine Person ist bei diesen Dingen total unwichtig! Meine Sicht ist bestimmt durch die mehrjährigen Erfahrungen in Rumänien geprägt und dazu stehe ich auch.Mir aber eine Erfahrungstheologie unter Zuschieben empfinde ich schon als überheblich. @Ron kan es sein das Du in diese Sachverhalte nur aus rein aus deiner intellektuellen Sicht betrachtest?Ja es steht in der Bibel wir sollen die Wahrheit lieben.Es hat aber auf diese Erde keine Organisation wie auch immer ihr Name ist das alleinige Monopol auf diese Wahrheit gepachtet. Dieser Diskurs zeigt mir das der garstige Graben zwischen akademische Theologie und den Glauben vieler Geschwister in den Gemeinden viel Tiefer ist als oft angenommen,Ron jeder muss seinen eigenen Weg gehen und ist dafür selbst verantwortlich!
    Mit dem Verhaltenskodex »Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt« und dem letzten Schreiben sind für mich entscheidende Linien überschritten worden! Ich kan und will diesen in meinen Augen falschen Weg nicht mitgehen darum bitte ich um sofortiger Löschung.

  11. Roderich meint:

    Lieber Joschie,
    beschraenken wir uns doch auf sachliche Widerlegung von Falschaussagen.

    Wenn Du eine falsche Aussage in einem der Dokumente siehst, bitte nenne sie. Das ist sicher sowohl Ron als auch Th. Schirrmacher sehr willkommen.
    Auch, wenn Dir eine konkrete Aussage gefehlt hat, oder wenn Dir eine konkrete Aussage „zu weich“ erscheint. (Es waere schoen, wenn Du dann auch die alternative Formulierung, die Du Dir gewuenscht haettest, nennst).

    Irgendwie habe ich den Eindruck, etwas sitzt Dir quer. Es ist okay, wenn einem etwas emotional aufstoesst. Man sollte dann sachlich ueberlegen, wovon dieses Gefuehl konkret ausgeloest wird. Wenn etwas uns quer liegt, kann es entweder an uns selbst liegen, oder an der Sache. Wenn es an uns selbst liegt, sollten wir an uns selbst arbeiten. Wenn es an der Sache liegt, sollten wir versuchen, dies nuechtern als Kritik zu formulieren, damit andere davon lernen koennen.

    OK, nochmals Gruesse und gutes Rest-Wochenende.
    Roderich

  12. Also ich möchte hier die Gelegenheit benutzen darauf hinzuweisen, dass der Artikel von Herrn Schirrmacher schon einige Irritationen bereithält.
    Auch wenn mir bewusst ist, dass Ron als Webseitenbetreiber hier die Diskussion bereits beendet hat:

    http://www.thomasschirrmacher.info/archives/1949

    Zitat: „Es fällt mir schwer, diese Zahl wegen ihrer weiten Verbreitung zu kritisieren, zumal sie von seriösen Forschern und guten Freunden kommt.“

    Frage: Diese Zahlen kommen von „seriösen Forschern und guten Freunden“? Wer sind sie?

    Zitat: „Aber als Wissenschaftler habe ich solche Zahlen zu oft vor säkularen Kollegen, Politikern weltweit, des Deutschen Bundestages oder des Europäischen Parlaments, und natürlich Journalisten zu verantworten, als dass unser Institut (das International Institute for Religious Freedom) sie einfach nur übernehmen könnte.“

    Frage: Wo liegt das Problem?
    Der Name eines seriösen Forschers oder eines guten Freundes reicht nicht. Man muss auch in der Lage sein die wissenschaftliche Methode (also das Wie zähle ich?) erklären zu können.
    Frage: Die „seriösen Forscher und guten Freunde“ haben keine Erklärung für das Zustandekommen dieser Zahlen?

    Zitat: „Da die Zahl von vielen säkularen, christlichen, darunter auch evangelikalen[5] Forschern und Fachleuten 1. als viel zu hoch angesehen wird, und 2. als aufgrund zahlreicher Faktoren überhaupt nicht zu erheben gilt, wäre es wünschenswert, wenn es eine genaue Darstellung gäbe, aufgrund von welchen umfangreichen Recherchen die Zahl erhoben wird, welche wissenschaftliche Vorgaben dabei befolgt werden oder wie die Belastbarkeit von Forschungskollegen überprüft werden kann. All’ das liegt nicht vor – auch die ausführlichste Darstellung in den ‚World Christian Trends’ sagt nirgends, woher die Daten kommen und nach welchen Kriterien geschätzt wird.[6]“

    Frage: Wie ist eine Diskrepanz zwischen „seriösen Forschern und guten Freunden“ auf der einen Seite und „säkularen, christlichen, darunter auch evangelikalen Forschern und Fachleuten“ auf der anderen Seite zu erklären????

    Das soll erst einmal reichen um darzulegen, dass der Beitrag von Herrn Schirrmacher zu einigen Irritationen Anlass gibt.

    Lutz

    PS: Mir ist schon bewusst, dass es schwierig ist eine Definition zu erstellen, die eine Datenerfassung ermöglicht. Herr Schirrmacher sieht es wohl auch so:
    Zitat: „Meine weiteste politische Definition wäre: „Getötete Christen, die nicht getötet worden wären, wenn sie keine Christen gewesen wären.“ Aber: Selbst wenn ich diese Definition zugrunde lege, komme ich bei weitem nicht auf 170.000 oder 100.000 christliche Märtyrer pro Jahr.“

    Frage: Wer definiert hier „Christ“? Ungläubige definieren so ziemlich alles unter „Christ“, wenn nur das kleinste Anzeichen von „Christentum“ vorhanden ist – und wer führt Krieg gegen das Christentum – eigentlich „Ungläubige“ – oder? Also ist damit zu rechnen, dass sich unter den Opfern „religiös motivierter“ Verfolgung auch viele befinden, die nach dem Urteil der Bibel nicht als Christen anzusehen sind.

  13. @Roderik es geht mir zuerst um dieses Schreiben http://theoblog.de/verhaltenskodex-%c2%bbchristliches-zeugnis-in-einer-multireligiosen-welt%c2%ab/12900/
    Für was die katholische Kirche steht ist bekannt, aber welche
    Glaubensüberzeugung Th.Schirrmacher hier steht ist hier für mich nicht erkennbar.Beim Lesen der Bücher von ihm wie „Der Römerbrief“ oder der „Ethik“2002“ gewann ich den Eindruck das Er lehrmäßig zu dem reformatorischen Bereich (die 5.Solas) der Christenheit vertritt.Für was er jetzt eintritt außer mehre Organisationen ist für mich nicht erkennbar.
    Bei weiteren Fragen findest du mich bei http://www.Bifo.de oder Ron wird dir bestimmt meine E-Mail Adresse geben.
    Gruß und Segen von Joschie

  14. Roderich meint:

    @Joschie,
    OK, Danke erst mal fuer die fundierten Hinweise.

    Erst mal nur zu dem Dokument „Christliches Zeugnis in einer multireligioesen Welt“: Ich habe es mir gerade durchgelesen, und finde es gut.

    Grundsaetzlich: Es wurde nicht von einer Person, sondern von vielen zusammen verfasst, man kann evtl. Schwaechen also auch nicht einem Autor zur Last legen und sagen: „Warum sagt T. Schirrmacher nicht deutlicher seine Meinung“. Es ist ja nicht „sein“ Dokument. (Die Frage ist, wie das Dokument ausgesehen haette, wenn kein Evangelikaler mitgewirkt haette).

    Aber davon abgesehen: in den letzten Jahren wurde christliche Mission an vielen Orten stark kritisiert. Beispiel: In Indien gab es anti-christliche Propaganda, z.B. von der hinduistischen BJP, die Indien als ein „hinduistisches Reich“ definieren, mit als einer der Begruendungen, dass Mission die Kultur und das Land zerstoere, und dass Mission von Christen oft unter Ausnutzung von Abhaengigkeitsverhaeltnissen oder Gewaltandrohung stattfinde. Diese Propaganda wurde benutzt, etwa bei den jaehrlichen Kumbh Festivals, bei denen 2 Millionen Leute kommen, um aufzurufen, Christen zu verfolgen, und das ist auch geschehen. (100.000e Christen wurden vertrieben, Tausende getoetet, unter dem Vorwand, Mission sei zersetzend etc.).

    Und in der Tat gab es auch sicher bei Christen auch Fehlentwicklungen / wohlgemeinte aber fehlgeleitete Missionsbemuehungen.
    So ein Dokument bewirkt folgendes: es stellt klar, in welcher Weise Kritik an Mission berechtigt sein kann (und raeumt gleichzeitig mit einigen Missverstaendnissen auf, also wo Kritik unberechtigt ist), und sagt gleichzeitig, dass Mission im Prinzip berechtigt ist. Verfolgte Minderheiten in Indien oder in Islamischen Laendern koennen sich fortan auf dieses Dokument berufen. (Das mag im Einzelfall nicht viel helfen, aber insgesamt ist so ein Dokument doch eine hervorragende Grundlage, die die Mission grundsaetzlich rechtfertigt bzw. gutheisst – vielleicht 95% oder 99% der Mission wird ja durch dieses Dokument abgedeckt bzw. gebilligt).

    Ich denke also, das Dokument dient primaer dem Schutz christlicher Minderheiten.

    Ja, interreligioeser Dialog ist wohl etwas unklar bzw. nicht definiert, aber in Punkt 10 (auf S. 6) erfaehrt man etwas mehr davon:

    10. Renouncing false witness. Christians are to speak sincerely and respectfully;
    they are to listen in order to learn about and understand others’ beliefs and
    practices, and are encouraged to acknowledge and appreciate what is true and
    good in them. Any comment or critical approach should be made in a spirit of
    mutual respect, making sure not to bear false witness concerning other religions.

    D.h. man soll sachgerecht kritisieren. Am Zuhoeren finde ich auch nichts Schlechtes.

    Nirgendwo im ganzen Dokument finde ich einen Hinweis, dass Christen ihren Glauben aufgeben sollten oder inhaltlich anpassen sollten.
    http://www.bucer.eu/fileadmin/user_upload/pdfs/BQs/zu_BQ100-199/zuBQ172/ChristianWitness_recommendations.pdf

    Natuerlich waere es schoen, wenn der Islam aehnliche Selbstverpflichtungen verfassen wuerde – die auch eingehalten werden. 🙂

    Den Punkt 12 finde ich im Englischen besser als im Deutschen:

    12. Building interreligious relationships. Christians should continue to build
    relationships of respect and trust with people of different religions so as to
    facilitate deeper mutual understanding, reconciliation and cooperation for the
    common good.

    12. Aufbau interreligiöser Beziehungen. Christen/innen sollten weiterhin von Respekt und Vertrauen geprägte Beziehungen mit Angehörigen anderer Religionen aufbauen, um gegensei-tiges Verständnis, Versöhnung und Zusammenarbeit für das Allgemeinwohl zu fördern. Des-wegen sind Christen/innen dazu aufgerufen, mit anderen auf eine gemeinsame Vision und Praxis interreligiöser Beziehungen hinzuarbeiten.

    Denn im Englischen fehlt das „auf eine gemeinsame Vision und Praxis interreligioeser Beziehungen hinzuarbeiten“, denn das klingt vielleicht missverstaendlich. Man kann ja als Christ letztlich keine gemeinsame Vision in theologischen Fragen haben – lediglich in Bezug auf praktische Fragen. So ist das vermutlich zu verstehen: gemeinsame Vision in Bezug auf die praktischen Belange des Umgangs miteinander. In der Hinsicht waere das okay.

    OK, erst mal guten Sonntag.

  15. ‚the residence was made to wow both equally in and out

  16. Match reported that 62 percent of Android owners will have sex after one date. Electrical systems, 57 percent of iPhone users and 48 percent of BlackBerry owners said they’ve gotten upon the 1st date.The opening ceremony with the Elkhorn River Research Station came about which has a visist from Chancellor John Christensen and humanities and Science Dean Booker. Dr. Kolok and ATL Student Racine Rangel both gave opening foretells present the research that can take place on the station.

  17. A multitude of lives and properties worth immeasureable naira happen to be lost on account of the sectarian crises while economic and social activities have continued to slow down in the area.

  18. rolf eicken meint:

    Auch wenn ich in religösen Dingen zeimlich unbewandert bin, fällt mir doch in den unzähligen Beiträge in disem Blog auf, dass ganz offensichtlich Gott (welcher der Vielen?) in die zweiter Reihe gerückt wird, weil Jesus, genannt Christus, die alles beherrschende Persönlichkeit darstellt.
    Im Hinduismus gibt es die Götter: Dynas Pita, Shiva, Vishnu,
    im Judentum den Gott: Jahweh, für den nur die Juden „sein Volk“ sind,
    im Christentum: einen Gott ohne Namen, dafür aber einen Sohn Jesus und den „Heiligen Geist“ (was immer das auch sein mag)
    im Islam den Gott: Allah.
    Außerdem gab es in den 5tausend Jahren Religionsgeschichte unzählige Götter, die bis heute spurlos verschwunden sind.(z.B. Zeus, Apollon, Hera, Thor, Baal usw.)Wohin?
    Hier im Blog herrscht Jesus. Wollen Sie die anderen Götter (s.o.) alle in die Tonne klopfen? Was würden die anderen Religionsvertreter sagen, wenn Sie sie fragen würden, wer der einzig wirkliche Gott sei? Denn es kann ja wohl nur EINEN geben. Oder doch mehrere? Was ist mit den anderen?
    Habt Ihr, die hier im Blog das Sagen haben, mit Jesus und dem Namenlosen den/die einzig wahren Gott/Götter und damit die universelle Wahrheit gefunden? Oder ist es eine der anderen Religionen? Wer entscheidet das?
    Vielleicht hat auch Xenophanes mit seinen Pferden recht und Gott hat nicht die Menschen erschaffen, sondern die Menschen haben sich ihre Götter erschaffen.
    Ihr setzt natürlich auf den, „der ist, der er sit“ (sehr gescheite Antwort !!) und seinen Sohn. Bei den Hebräern ist seit jeher -JEDER – der Sohn JHWHs.
    Aber was ist mit den anderen? Einfach ignorieren?
    Platon beschreibt, dass Sokares den Giftbecher, nachdem er mit seinen Freunden gesprochen hatte, in dem festen Glauben an „seinen“ Gott Apollon austrank und sich dabei auf ein Zusammentreffen mit den Heroen des Homer (u. anderen) freute. Wo sind diese Götter geblieben?
    Mein Stiefmutter sagte immer: Jede Bäuerin lobt ihre Butter, oder anders ausgedrückt: welches ist denn nun die einzig wahre Religion?
    Die anderen gehören dann konsequenterweise in die Tonne.
    Herzliche Grüße
    Rolf

  19. Schandor meint:

    „Hier im Blog herrscht Jesus.“ Was für ein Zeugnis aus dem Munde eines Atheisten!

  20. Peter meint:

    Hallo!

    Hier im Blog herrscht Jesus. Wollen Sie die anderen Götter (s.o.) alle in die Tonne klopfen? Was würden die anderen Religionsvertreter sagen, wenn Sie sie fragen würden, wer der einzig wirkliche Gott sei?

    Ich würde andere Religionsvertreter nicht fragen, da es in dieser Angelegenheit nicht um Menschenmeinungen geht! „Andere Götter in die Tonne klopfen?“ Ja – da es nur einen Gott gibt. „Hier im Blog herrscht Jesus.“ Hoffentlich, da es eigentlich nicht um die Frage geht: „Glaubst du an Gott?“, sondern um die Frage: „Setzt du dein ganzes Vertrauen auf Jesus?“. Das bwz ER ist der springende Punkt.

  21. rolf eicken meint:

    Meine Herren, bitte keine Ausreden! Das Ihnen die Fragen nicht gefallen war mir vorher klar. Trotzdem halte ich sie für legitim. Oder sind nur religiöse Menschen – Menschen?
    Herzliche Grüße
    Rolf

  22. Alexander meint:

    Lieber Rolf Eicken,
    die Fragen sind gut und berechtigt und wenn hier bislang keiner antwortet, dann am ehesten, weil Ihre Fragen, wenn man sie in schriftlicher Form diskutiert, Zeit erfordern, ein kostbares Gut. Ich hoffe, dass andere einsteigen, denn ich bin kein guter Apologet.
    Aber wenn ich anfangen soll zu antworten: Ja, es gibt nur einen Gott, und zwar den, der sich in der Geschichte zunächst als der „Ich bin, der ich bin“ und dann in seinem Sohn Jesus offenbart hat. Dass es so viele andere Gottesvorstellungen gibt, zeigt immerhin, dass es einen weit verbreiteten Glauben an eine göttliche Existenz gibt.
    Warum Christen fest davon ausgehen, dass ihr Glaube doch der einzig wahre ist? Nun, darauf gäbe es viele Antworten. Wenn ich noch einmal anfangen soll: Wenn es einen Gott gibt, dann ist der Gedanke nicht weit hergeholt, dass er dafür gesorgt hat, dass Menschen ihn erkennen. Christen glauben, dass hierfür in der Zeit nach Jesus die dritte Person der Dreieinigkeit, der Heilige Geist, zuständig ist, der dafür sorgt, dass diejenigen, die an den dreieinigen Gott glauben, darüber innere Gewissheit erlangen, dass dies wahr ist.
    Wenn ich zwei weitere Gründe anfügen soll: Die dem Christentum einzigartige Lehre, dass des Menschen Wesen verdorben ist, wir dadurch schuldig vor dem gerechten Gott geworden sind, Vergebung benötigen und diese Vergebung dadurch erlangen, dass Gott selbst in seinem Sohn am Kreuz die Strafe für unsere Schuld auf sich genommen hat – diese Idee ist eigentlich so absonderlich, dass vieles dagegen spricht, dass ein Mensch sie sich selbst ausgedacht haben soll. Der Mensch will sich, wenn er denn zu der Erkenntnis gekommen ist, irgendwie, noch dazu vor Gott, schuldig zu sein, zumeist selbst erlösen und nicht erlöst werden. Glaubt man dies einmal und erkennt dies an, dann ergibt vieles im Leben auf einmal Sinn. Zumindest mir ging es so, dass mir die Kongruenz zwischen der christlichen Sicht auf die Wirklichkeit und der Wirklichkeit selbst je länger ich Christ bin, desto klarer vor Augen steht. Ein weiterer Grund, den christlichen Glauben für wahr zu halten, denn wenn es sich nur um eine Idee, einen abstrakten Glauben handelte, der nichts für die Lebenswirklichkeit bedeutete, wäre er wertlos.
    Bedenken Sie bitte, wenn Sie dies lesen, dies sind erste, keine erschöpfenden, Antworten auf Ihre Fragen.
    Herzlich grüßt
    Alexander

  23. rolf eicken meint:

    Hallo Alexander,
    herzlichen Dank, dass Sie sich die Mühe gemacht haben, mir Ihre Sicht als Christ zu erklären. Ich wurde ja in diesem Blog aufgefordert, meine Überlegungen dazulegen.
    Da kommt noch etwas hinzu:
    Die Sumerer haben 1000 Jahre lang an Nammu und Anu geglaubt ( v. 2800-1800 v. Chr.)
    Die Babylonier haben rund 1400 Jahre an Baal geglaubt ( v. 1890-490 v. Chr.)
    Die Ägypter haben rund 2460 Jahre an Amun Re geglaubt (v. 2800-340 v. Chr.), nur unterbrochen von Aton unter Echn-aton in der Zeit v. 1353-1336 v. Chr.
    Was mit auffällt, ist, dass immer dann, wenn die Menschen aufgehört haben an ihre Götter zu glauben, diese spurlos verschwanden. Das legt doch sehr stark die Vermutung nahe, dass die Menschen sich die eigenen Götter „konstruiert“ haben. Denn wo sind sie geblieben, als man nicht mehr an sie glaubte?
    Das gilt für die Götter in Lateinamerika, in Afrika, Europa und Asien. Überall ist es das Gleiche. Das gibt mir doch zu denken. Könnte es mit dem Christentum auch so sein, wenn die Menschen mal nicht mehr an dieses Konstrukt des Paulus glauben?
    Übrigens: Mein Sohn war entsetzt über meine Bemerkung mit der Tonne. Er hat recht; ich nehme das ausdrücklich zurück.
    Herzliche Grüße
    Rolf

  24. Alexander meint:

    Ach, ich empfand das mit der Tonne nicht so schlimm, sie meinten ja „die anderen Götter“ 😉
    Das Tückische an der Bezeichnung „christlicher Glaube“ besteht natürlich darin, dass man meint, diese Gottesvorstellung sei erst mit Jesus (oder mit Paulus) in die Welt gekommen. Und man muss zugeben, selbst viele Christen können nicht erklären, was denn der erste Teil der Bibel, das Alte Testament, mit dem christlichen Glauben eigentlich zu tun habe, abgesehen davon, dass mit den ersten zwei Kapiteln Gott als der Schöpfer der Welt dargestellt wird.
    Aber das AT ist nicht zufällig Teil der christlichen Bibel. Die Bibel beschreibt ja insgesamt eine lange Geschichte beginnend mit Schöpfung und Sündenfall. In dieser langen Geschichte wird aber von Anfang zugesagt, dass Gott die furchtbaren Folgen des Sündenfalls wieder zurechtrücken und einen ‚Erlöser‘ senden will (1. Mose 3,15); dann (1. Mose 12. 17) offenbart Gott sich Abraham und gibt ihm eine große Verheißung, die ebenso auf einen Erlöser hinweist. Diese Hoffnung auf einen Erlöser wird durch weitere Offenbarungen Gottes während der alttestamentlichen Zeit immer weiter ausgestaltet (man spricht daher von ‚progressiver Offenbarung‘) und bereits im AT weiß man z.B., dass der Erlöser leiden und sterben wird (Jesaja 53). Dieser Erlöser, der aus dem Volk Israel kommen sollte, ist Jesus, der Christus.
    Insofern ist der christliche Glaube kein „neuer“ Glaube, der erst mit etwa 30 n. Chr. beginnt. Gott hat in ‚vorchristlicher‘ Zeit darauf hingewiesen, dass ein Erlöser kommen würde, und diejenigen, die das damals glaubten, glaubten sozusagen ‚im Vorausblick‘ an Jesus (natürlich ohne seinen Namen zu kennen, aber sie glaubten eben an einen Erlöser, an einen Christus, der kommen würde). Christen glauben an den Erlöser ‚im Rückblick‘. Es ist aber letztlich ein und derselbe Glaube an ein und denselben Gott. Den ‚christlichen Glauben‘ gibt es also eigentlich schon immer, und das ist vielleicht auch ein Grund, warum er nicht ausgestorben ist im Gegensatz zu den anderen Gottesvorstellungen, die erst im Laufe der Zeit aufgetaucht sind.
    Schöne Grüße
    Alexander

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