Ehe für alle

Wenn die eingetragene Lebenspartnerschaft der Ehe quasi gleichgestellt wird, kann von einem besonderen Schutz der Keimzelle der Gesellschaft keine Rede mehr sein. Die Ehe ist am Ende, wenn sie alles, also auch nichts bedeuten kann. Während Frank Stocker kürzlich in der WELT die gesetzliche Diskriminierung homosexueller Paare beklagte, zeigt Reinhard Müller in seinem FAZ-Kommentar, weshalb eine Ehe für alle am Ende keine Ehe mehr ist. »Der Staat darf eine Lebensform besonders schützen, die ihm am besten geeignet erscheint, Kinder hervorzubringen und sie am besten (auch steuerlich) zu fördern. Das ist die traditionelle Ehe.«

Der Streit über das hohe C in der Union ist wieder einmal entbrannt. Doch das Schlachtfeld ist vernebelt. Viele Schlagworte sind zu hören, aber kaum Positionen zu erkennen. Alte Stellungen sind längst geräumt, doch mancher versucht, jetzt wenigstens noch die Fahne hochzuhalten – oft kaum aus Überzeugung.

Eine dieser aufgegebenen Bastionen ist die Ehe. Die FDP-Bundesjustizministerin will anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft die letzten Unterschiede zur Ehe beseitigen, der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Papier, ein Mitglied der CSU, erinnerte daran, dass das Grundgesetz verlange, wesentlich Gleiches auch gleich zu behandeln. Das klingt fast schon wie die Linkspartei: Ehe für alle.

Nicht einmal die rot-grüne Bundesregierung wollte das offenbar, als sie die eingetragene Lebenspartnerschaft schuf – die sie eben nicht Ehe nannte. Zentrales Argument war: Dadurch werde der Ehe nichts genommen. Doch die Lebenspartnerschaft erwies sich als semantischer Trojaner. Heute muss man sagen: Die Ehe ist am Ende.

Hier: www.faz.net.

Kommentare

  1. Hans Otto meint:

    Deutschlands Politiker geben sich allem Anschein nach Mühe, Deutschland schneller abzuschaffen, als Herr Sarrazin das befürchtet hat, und mit Erfolg: Ist die Ehe erstmal abgeschafft (die gesetzliche Verankerung ist nach der gesellschaftlichen Etablierung dieser Position keine Frage der Zeit mehr, sondern nur mehr eine Sache organisatorischer Regelung gibt es keine Zukunft mehr für unser Land. Die systematische Demontage ist rote Logenarbeit und wird seit der Studentenrevolution der 60er geplant und ausgeführt. Zusammen mit der massiven Einwanderungspolitik und der Suspension althergekommener Werte durch das Medium Film ist das Werk bald getan.

    H.O.

  2. Johannes Strehle meint:

    „Schutzlos
    … die Bundesjustizministerin (dürfte) recht haben:
    Bald werden auch“ die letzten „Unterschiede geschleift sein.
    Es ist zu einfach, dafür nur die Grünen, die SPD und die FDP verantwortlich zu machen.
    … es waren auch selbsternannte Konservative …, die dem nichts entgegenzusetzen hatten.
    Zu begrüßen ist das Ende der Diskriminierung Homosexueller …
    Daraus wurde aber eine Pflicht zur Gleichheit, die das Grundgesetz so nicht kennt.
    Dort heißt es, und das ist bisher nicht Verfassungsgeschichte, sondern geltendes Recht:
    „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.“
    Aber wer schützt sie wirklich? Nur Parkschützer gibt es genug.“
    FAZ vom 02.08.2011

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