Ein Gott zum Kuscheln

Das FAZ-Gespräch mit dem evangelischen Theologen Friedrich Wilhelm Graf erlaubt tiefe Einblicke in den geistlichen Notstand der Evangelischen Kirche in Deutschland. Warum brauchen wir eigentlich noch kirchliche Institutionen? Graf:

Sie werden bestimmte Grundlagen unserer Kultur nur weitergeben können an kommende Generationen, wenn Sie dafür ein institutionelles Gehäuse schaffen. Und wenn diese Gehäuse erodieren, wird es mit der Tradierung schwierig.

Also, ich sage es in religiöser Sprache: Ich kann dem anderen nicht in sein Herz sehen. Aber ich weiß, dass es für viele Menschen etwas Wichtiges ist, wenn ein Angehöriger stirbt, dass er vernünftig bestattet wird. Und da gibt es eine ganz elementare Sehnsucht danach, dass es dafür eine funktionierende religiöse Institution gibt. Das sieht in Berlin sicher anders aus als in München, aber wenn wir alle religiös unmusikalisch werden, dann verlieren wir auch viel.

Hätte Schleiermacher es besser sagen können?

Hier das interessante Gespräch: www.faz.net.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Jaja, so Traditionen sollte man schon ein bisschen auch bewahren, nicht wahr? Und wenn man auch noch in Zukunft von einer Institution bestattet werden kann, das wär‘ doch auch nicht zu verachten!

    „Ich kann dem anderen nicht in sein Herz sehen.“
    Ja. Und der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, wie wir wissen 🙂

    Ach, solche Theologen hätte der Schleizi gebraucht!

    🙂

  2. ernst meint:

    Nun – es scheint mir einigermaßen kühn, irgendeine Theologelei als repräsentativ für „die Kirche“ auszugeben – angesichts einer wahren Kakophonie an Ansichten, Stellungnahmen sowie Eitelkeiten, insbesondere aus der akademischen Theologie.
    Graf ist Theologieprofessor, notabene, und hat nicht mal irgendein klitzekleines Amt in der EKD (so weit ich weiß).

    Das hier ist eben Kulturblabla – und Schleiermacher hätte es, mit Sicherheit, besser gesagt 😀

  3. Danke, ernst.

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