Ein theologischer Dialog mit N.T. Wright

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William Evans (Erskine College, U.S.A.) hat die »Wheaton Conference« zu Ehren von N.T. Wright besucht und einen ausgezeichneten Rückblick verfasst.

I had fears that the conference would be an exercise in hagiography, but that concern was quickly dispelled when the first conference speaker, Richard Hays of Duke University, came out swinging. Still miffed over a critique by Wright at the 2008 SBL meeting of a book that Hays had edited, the Duke Neuestestamentler contended that Wright’s historical treatment of the Gospels, with its emphasis upon historical proof, still operates out of an essentially modernist/historicist mindset, and he complained that the individual voices of the Evangelists seem to disappear into Wright’s synthesis of the Synoptic Gospel accounts. Hays also asked the probing question of how the picture of Jesus which emerges from Wright’s historical reconstruction relates to the church’s confessional tradition, before concluding with a call for a rapprochement between Wright and Karl Barth.

Hier der vollständige Report von Professor Evans: www.reformation21.org. Die Vorträge gibt es als Audio- oder Videomitschnitte: www.wheaton.edu.

Ich konnte bisher nur den Vortrag von Markus Bockmuehl aufmerksam hören. Der von mir sehr geschätzte Experte für das »Judentum zur Zeit Jesu« setzt sich mit der Frage auseinander, ob der Apostel Paulus nach seinem Tod in den Himmel aufgenommen wurde. Diese Fragestellung mag für einige Christen merkwürdig klingen. Hintergrund ist die Behauptung von N.T. Wright, dass die eschatologische Bestimmung des Menschen gerade nicht der Himmel, sondern die Erde sei. Bockmuehl weist nach, dass N.T. Wright sich mit seiner These nicht nur von den Eschatologien des Judentums und der Kirchenväter absetzt, sondern auch die Eschatologie des Neuen Testamentes insgesamt nicht ernst genug nimmt. Wright liegt richtig, wenn er betont, dass die Auferstehung der Christen leiblich sein wird so wie die Auferstehung von Jesus Christus es war. N.T. Wright liegt auch richtig, wenn er hervorhebt, dass der Dualismus von der Welt oben und der Welt unten bei der Erfüllung aller Dingen überwunden wird. Aber zu behaupten, der Himmel sei nicht Bestimmungsort der Glaubenden, verkürzt den paulinischen Befund. Bockmuehl: »Nach dem Neuen Testament ging Paulus in den Himmel, als er starb.«

Hier der hervorragende Vortrag als mp3-Datei: 100417Bockmuehl.mp3.

Kommentare

  1. Vielen Dank für den Hinweis, sehr interessant. Schön, dass alle Vorträge zur Verfügung gestellt werden…

  2. Andreas meint:

    „I also came away sensing that the Wheaton invitation was not a misstep and that Wright is a man of authentic evangelical (small „e“) piety even if, in my judgment, he is not „right“ on everything–in short, he really does love the Lord and genuinely strives to be biblical.“

    Ein schönes Fazit von Evans, dessen Kritik, die darauf folgt ebenfalls ihr Ziel trifft.

    Danke, Ron, für den Hinweis auf den Artikel und auf die Audiodateien!

    Ich habe mir bisher nur den ersten Vortrag von R. Hays anhören können und fand ihn super! Gerade was seine Arbeiten zur Frage nach dem historischen Jesus angeht, bin ich ein ziemlicher Fan von Wright, habe aber auch an manchen Punkten meine Fragen bzw. Probleme. Und neben Fragen im Detail gehört dazu auch die Grundsatzfrage nach dem Verhältnis zwischen historischer Jesusforschung und dem vierfachen kanonischen Jesusbild. Oder anders ausgedrückt: In welchen Punkten hatte M. Kähler recht und in welchen nicht?

    Wie handfest praktisch diese Frage ist, wird mir jedes Mal klar, wenn ich eine Predigt über eine Jesusgeschichte höre. In einer solchen wird diese Geschichte entweder nach der Darstellung eines Evangelisten verarbeitet und es wird und versucht dessen inhaltlichen und erzählerischen Schwerpunktsetzungen zu folgen. Sprich: Die Speisung der fünftausend nach Markus bzw. nach Johannes, etc. Oder aber es wird eine Art Harmonie der Geschichte aus mehreren Evangelien gepredigt, um das ganze Geschehen einzuholen. Jesu Speisung der fünftausend, wie sie sich wirklich ereignet hat, rekonstruiert aus allen vier Evangelien. Damit wird dann aber auch, egal wie konservativ man rangeht und wie sehr man alle vie Evangelien harmonisiert, eine „historisch-kritisch“ rekonstruierte Geschichte und ein „historisch-kritisch“ rekonstruierter Jesus gepredigt.

    Letztlich denke ich, dass es beides braucht. Historische Jesusforschung einerseits, aber auch immer wieder neu die Besinnung auf die vier kanonischen Jesusdarstellungen, die ja selbst fest in der Geschichte verankert sind. Die Frage, wie beide zueinander ins Verhältnis zu setzten sind und wie man die Gewichte verteilt, bereitet mir immer wieder Kopfzerbrechen. Eben die Frage: Wie weit hatte M. Kähler recht? Oder hier: Wie weit haben N.T. Wright und/ oder R. Hayes recht?

    Spannende Fragen!

    Gruß,
    Andreas

  3. @Andreas: Meine Antwort erahnst Du: Das Kähler von der Rechtertigungslehre her denkt, finde ich richtig (glaubendes Verstehen). Zugleich meine ich, dass er noch zu stark vom kantschen und schleiermachschen Ansatz geprägt blieb.

    Liebe Grüße, Ron

  4. Andreas meint:

    Kannst Du das in zwei bis drei Sätze etwas weiter ausführen? Nur wenn Du die Zeit dazu hast!

    Und: Welche Speisung der fünftausend predigst Du? 😉

  5. @Andreas: Ich habe in der Tat nicht die Zeit, dass jetzt gründlicher auszuführen. Ich sehe bei Kähler die Aufspaltung zwischen Wissenschaft und Erbauung, wie bei seinem Lehrer, zu dem er sich immer bekannte (Tholuck). Die Bibel ist für Kähler nicht Urkunde der Offenbarung, sondern Urkunde für den Vollzug der Predigt. Das klingt nach Schleiermacher, genau so wie: Gegenstand der Theologie ist das Christentum. Diesen Ansatz würde ich wie Barth kritisieren.

    Zur Speisung: Ich glaube, ich habe noch nie darüber gepredigt. Wer sagt, dass es nur eine gab? 😉

    Liebe Grüße, Ron

  6. Hi Ron, habe gerade nicht die Zeit, den Bockmühl-Vortrag zu hören. Aber stimmt das Zitat?

    Bockmuehl: »Nach dem Neuen Testament ging Paulus in den Himmel, als er starb.« LG

  7. @Rainer: Ich meine schon. Kann jetzt auch nicht mehr reinhören. Aber würde ja auch passen. Siehe:
    http://theoblog.de/thomas-schreiner-uber-»surprised-by-hope«-2/380/
    Liebe Grüße, Ron

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