Eine abgemilderte Sündenlehre als Problem

Der Anglikanische Archbishoph von Sydney, Peter Jensen, hat am 20. Oktober vor seiner Synode ein kluge Rede gehalten. Während er sich aus gegebenen Anlass umfänglich mit der Finanzkrise befasste, nahm er auch zu prekären theologischen Entwicklungen Stellung. Unter anderem sagte er:

Ich bezweifle nicht, dass wir uns zu Recht der konservativen Theologie verpflichtet fühlen und dass unsere Hochachtung vor der Schrift der richtige Weg ist. Nur das wird das Christentum in einer Kultur wie Australien nach vorne bringen. Ich sehe jedoch einige Spannungspunkte:
Um Menschen zu erreichen, gehen einige mit großem Fingerspitzengefühl auf die Kultur unserer Zeit ein, sind aber weniger bedacht auf die Reinheit der Lehre. Das wiederum hat zur Folge, dass unser Glaube an Struktur verliert und wir zu viele Kompromisse machen und praktisch Unitarier werden [Anmerkung: Also Anhänger eines liberalen, dogmenfreien Christentums mit pantheistischen und humanistischen Tendenzen, das historisch aus der Kritik an der Trinitätslehre entstanden ist.] Die Schwäche des theologischen Lehrfundaments kommt meines Erachtens mit einer abgemilderten Lehre über die Sünde. Auf diesem Weg gelangen wir schnell zu einer semi-pelagianischen Anthropologie, einer exemplarischen Erlösungslehre und einer humanistischen Christologie. Daraus entwickeln sich dann zwei Formen des Glaubens: eine sehr süßlich pietistische, die vor allem nach der geistlichen Erfahrung Ausschau hält, und ein trockene intellektuelle, die sich vor allem um kulturelle Wertschätzung bemüht.

Die komplette Rede gibt es hier als Audio-Mittschnitt und als PDF-Datei: www.sydneyanglicans.net.

CV: AW & HB

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