Eine Pille für die Moral

Gibt es in Zukunft ein Medikament, das Schwerverbrecher in Gutmenschen verwandelt? Neue Studienergebnisse mit Psychopharmaka klingen vielversprechend.

Es gibt bereits Medikamente, die das Verhalten von Menschen beeinflussen: Psychopharmaka hellen die Stimmung auf, andere Medikamente beruhigen nervöse oder ängstliche Menschen, und manche Wirkstoffe verändern sogar das Sozialverhalten, wie der Arzneistoff Fluoxetin.

Er wird Patienten eigentlich verschrieben, die an einer Depression leiden, aber neuere Untersuchungen zeigen, dass er Menschen harmoniebedürftiger macht und auch Einfluss auf ihre Moralvorstellung hat.

Wenn solche Effekte möglich sind, könnten dann Pillen in Zukunft unsere Vorstellung von Gut und Böse beeinflussen? Dann würde eine Behandlung mit »Moral-Pillen« den Gefängnisbesuch ersetzen. Schwerverbrecher bekämen dann nicht 15 Jahre Knast, sondern lebenslang ein Medikament verabreicht.

»Für Schwerverbrecher könnte so eine Pille sinnvoll sein, wenn sie sicherstellt, dass sie nicht mehr straffällig werden, indem sie ihnen die Aggressivität raubt«, sagt Thorsten Galert von der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen in Bad Neuenahr-Ahrweiler.

Wir hatten das alles schon mal. Vor einigen Jahrzehnten schlug man uns vor, das Trinkwasser mit LSD anzureichern. Das hebe die Stimmung.

Hier der Artikel »Eine Pille, die Menschen moralischer macht«: www.welt.de.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Schöne neue Welt!

    Aber interessant ist das schon: Man hat ja den Müttern ja auch erfolgreich gezeigt, dass der „Zappelphilipp“ ein Ammenmärchen ist: Der Arme leidet „nur“ unter ADHS, das — unbehandelt — zu Aggression führt. Dafür gibt es Medikamente. Rechtzeitig eingeworfen, bleibt der Zappelphilipp tagsüber recht ruhig und stellt auch nichts an.

    Ist ja klar, dass die psychophysische Korrespondenz in beiden Richtungen funktioniert. Macht ein Dauerlächeln glücklich, dann muss es auch eine entsprechende Pille geben.

    Wie sieht das dann aber vor der letzten Gerichtsbarkeit aus? Die Menschen werden ja für ihre Werke verurteilt. Werden dann die Menschen der vergangenen Jahrtausende scheel blicken auf ihre medizintechnisch so weit entwickelten Nachkommen, weil die einen besseren Platz in der Hölle bekommen, nur weil sie sich — bravgedopt haben? Denn Fakt ist: Diese Medikamente *sind* wirksam — solange man sie auch brav einnimmt.

    Es ist freilich Wasser auf die Mühlen der Physikalisten: „Da, seht her: Schon LaMettrie hat es gesagt: L’homme machine!“

    Ich wünschte mir hier philosophische Einwände (da christlich-theologische bei Nichtchristen [und auch bei vielen Christen heute] nichts ausrichten).

    Vielleicht haben wir demnächst noch Pillen gegen Armut oder gegen soziale Missstände zu erwarten …

    Liebe Grüße

  2. Jürgen meint:

    Clockwork Orange…

  3. Johannes G. meint:

    @Schandor

    Ich wünschte mir hier philosophische Einwände (da christlich-theologische bei Nichtchristen [und auch bei vielen Christen heute] nichts ausrichten).

    Vielleicht ist ja die philosophische Theologie mit ihrem Ableger „natürliche Theologie“ und ihrer Kritik der naturalistischen / reduktionistischen Philosophie doch nicht ganz so nutzlos… 😉

    Was für Argumente interessieren dich denn hier? Geht es dir allgemein um den Physikalismus oder um die Bewertung menschlicher Handlungen aus christlicher Sicht in Bezug auf das Heil und die Verdammnis?

    Liebe Grüße
    Jo

  4. Schandor meint:

    @Johannes G.

    Naja, ich meine das so: John G. Bennet hat einmal ein Buch mit dem Titel „Transformation“ geschrieben, in welchem er philosophisch gezeigt hat, dass jegliche Sexualität außerhalb der Ehe (zwischen Mann und Frau — das muss man heute ja leider dazusagen) pervers ist (der Begriff des Perversen ist hier ohne moderne Beiklänge zu verstehen). Nun ist Bennet so weit ich weiß wahrlich kein Christ gewesen. Umso erstaunlicher daher auch seine Schlussfolgerungen. Genau so haben Nichtchristen schon die Unhinterfragbarkeit des Ursprungs menschlichen Lebens statuiert. Wie dem auch sei — um diese Art Philosophie geht es mir hier. Ich neige zwar dazu, eine gemeinsame Basis zwischen Christ und Nichtchrist zu leugnen, bin mir aber nicht vollkommen im Klaren darüber.

    Aber das ist freilich noch nicht alles. Ich würde gerne wissen, ob sich die Einnahme charakterverändernder Medikamente im Jüngsten Gericht positiv auswirkt? Ich weiß, diese Frage klingt seltsam, aber ich glaube dennoch, dass sie keine sophistische „Hatte-Adam-eigentlich-einen-Nabel-Frage“ darstellt.

    ADHS kommt ja bekanntlich auch in christlichen Kreisen vor. Was rät der christliche Ethiker einer jungen und hoffnungslos überforderten Mutter eines von ADHS geplagten Zappelphilipps?

  5. Johannes G. meint:

    @Schandor

    Ich neige zwar dazu, eine gemeinsame Basis zwischen Christ und Nichtchrist zu leugnen, bin mir aber nicht vollkommen im Klaren darüber.

    Na das ist doch zumindest mal ein Anfang 😉 🙂 Ich denke es gibt durchaus eine gemeinsame Basis, aber sie hat eben ihre Grenzen. Ich bin zudem davon überzeugt, dass wir diese Basis nutzen können und sollen (Ein Beispiel wäre hier für mich das Verhalten von Paulus in Athen).

    Deine Frage ist durchaus interessant. Unsere Taten wirken sich ja sowohl für Christen in Bezug auf den Lohn sowie für diejenigen, welche die Gnade Gottes ablehnen, in Bezug auf die Verdammnis aus. Ich meine diese Beurteilung kann nur anhand der jeweiligen Verantwortlichkeit des Menschen erfolgen. Z.B. eben, ob es in meinem Vermögen lag, ein bestimmtes Verhalten durch verfügbare medizinische Mittel einzudämmen, oder nicht. Mit dem Thema kann man sich aber sicherlich durchaus noch etwas intensiver beschäftigen…

    Gruß
    Jo

  6. Schandor meint:

    @Johannes G.

    Ja, das ist ein interessanter Gedanke. Man wird also nicht die Handlung als solche isoliert vom Kontext betrachten dürfen (soweit klar), sondern auch die Verantwortung (aber weniger das Bewusstsein derselben, sondern die Sache an sich) ins Kalkül ziehen müssen.
    Gott, bin ich froh, dass kein Mensch über uns zu Gericht sitzt… Aber ein Grauen überkommt mich dennoch immer, wenn ich an das Jüngste Gericht denke. Ich kann da einfach nicht gelassen bleiben. Die Stellen in den Evangelien, wo Jesus über diese Dinge spricht, jagen mir immer einen Schauer über den Rücken…

    Aber zur Sache: Ich glaube, Aldous Huxley hat über das Thema auch intensiv nachgedacht. Seine Gedanken wären in diesem Zusammenhang sicher ebenfalls interessant. Er hat es ja z. T. in seiner „schönen neuen Welt“ verarbeitet. Man wird sich halt hüten müssen, keine sophistische Kasuistik vom Stapel rollen zu lassen.

    Liebe Grüße!
    Schandor

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