Emergentes Glaubensbekenntnis

Donald Carson hat kürzlich ein emergentes (ist nicht ganz ernst gemeint) Glaubensbekenntnis vorgelegt (Quelle ist eine Buchempfehlung für: Andreas J. Kostenberger u. Michael Kruger: The Heresy of Orthodoxy: How Contemporary Culture’s Fascination with Diversity Has Reshaped Our Understanding of Early Christianity):

Im Anfang war die Vielfalt und die Vielfalt war bei Gott und Gott war die Vielfalt. Ohne die Vielfalt ist nichts gemacht, was gemacht ist. Es begab sich aber, dass grantige alte ›rechtgläubige‹ Leute die Vielfalt einengten und sie schließlich ausgrenzten und als Häresie ablehnten. Doch in der Fülle der Zeit (die natürlich unsere Zeit ist) erstand die Vielfalt und zerschmetterte die Rechtgläubigkeit. Und nun, die Vielfalt sei gebenedeit, als einz’ge Häresie bleibt – die Rechtgläubigkeit.

VD: AW

Kommentare

  1. Gefällt mir!
    Das trifft dem Nagel (mit Humor) auf dem Kopf.

  2. lol, auch wenn der gute DC das ein wenig übertreibt. Aber das ist manchmal auch erlaubt.

  3. wie schon beim blog zum hörenden gebet finde ich zunehmend, dass der ton deiner beiträge (auch aus zweiter hand) stark nachlässt. nicht weiter so.

  4. Hey Markus,
    das ist doch schon in Ordnung, manche Dinge kann man auch mit Humor voll gut auf dem Punkt bringen 😉 wir sind ja keine die zum lachen in den Keller müssen 😉

  5. Hallo!

    Frage: Ist das von Carson wirklich auf die EmC bezogen?

    Ich kenne das Zitat (auf Englisch) vom Buchrücken von Andreas Köstenbergers & Michael Krugers „The Heresy of Orthodoxy – How Contemporary Cultures Fascination with Diversity Has Reshaped Our Understanding of Early Christianity“. (http://www.amazon.com/Heresy-Orthodoxy-Contemporary-Understanding-Christianity/dp/1433501430) In dem Buch geht es um die Frage von Einheit und Vielfalt im NT und in der frühen Kirche, die Entwicklung des NT-Kanons und die Textüberlieferung des NT. Kurz: Um die in den letzten Jahren heftig umstrittenen Anfänge des Christentums und die These, dass sich eine Orthodoxie erst langsam und über eine lange Zeit entwickelt habe, während das „ursprüngliche“ Christentum pluralistisch, offen und vielfältig gewesen sei. Erst die sich entwickelnde Orthodoxie habe dann im engstirnigen Kampf um DIE Wahrheit die anderen Gruppen zu Häretikern erklärt, an den Rand gedrückt und die gleichberechtigte Vielfalt zerstört. Die Neuentdeckung der Vielfalt bezieht sich in diesem Kontext auf die manchmal (polemisch) als „neugnostische Schule“ bezeichnete Richtung der NT-Wissenschaft mit ihrem Schutzheiligen Walter Bauer und heute vertreten durch Leute wie H. Koester, B. Ehrmann und andere, die versuchen, dieses heimelige Bild vom frühen Christentum zu entwerfen.

    Jetzt mag man fragen, ob manche Leute in der EmC sich von dieser Theologie beeinflussen lassen – ich habe keine Ahnung – und sie darum zumindest indirekt von dem Zitat mitbetroffen sind. Aber direkt auf die EmC ist nicht bezogen, außer natürlich, Du kennst es aus einem anderen Kontext. Man kann das Zitat natürlich auch komplett in einem neuen Kontext anwenden, ohne Rücksicht auf den alten Kontext (sensus plenior? ;-), gewisse strukturelle Parallelen kann man ja evtl. entdecken, aber sollte man das nicht um Carsons willen nicht zumindest vermerken? Sonst wird er ja dauernd falsch zitiert!

    Grüße,
    Andreas

  6. @Andreas: Das Zitat stammt genau aus dem von Dir genannten Buch. Ich habe das jetzt im Beitrag nachgebessert und gekennzeichnet, um keine Missverständnisse zu schüren. Danke!

    Das sollte ein humoriger Beitrag sein. Aber wie ich merke, wird er über alle Erwartungen ernst genommen. Vielleicht ein gutes Zeichen.

    Liebe Grüße, Ron

  7. Danke, Ron.

    Vielleicht hatte ich gestern auch nur einen schlechten Tag, was sich bei mir u.a. in einem gewissen Pedantismus auswirken kann. (Frag mal meine Frau…)

    Als Erklärung, lass mich noch folgendes hinzufügen: Ich habe leider auch schon zu oft erlebt, wie sich ein „xy hat dies und das über dieses und jenes gesagt“ verbreitet hat – auch in christlichen Kreisen und Netzwerken – und bei genauerer Nachprüfung sah die Sache oft entweder ganz anders oder doch zumindest deutlich differenzierter aus. Von daher reagiere ich in letzter Zeit allergisch auf solche Zitate, die ohne jede Kennzeichnung aus dem Kontext genommen oder auf einen fremden Kontext bezogen werden. Was ich gerade tippe ist nicht als direkte Kritik an Dir gemeint, ich weiß, dass Du sehr verantwortlich und bewusst mit den Sachen umgehst, die Du hier schreibst (ein Zug, den ich sehr schätze!) und dass das hier überdies mit einem Augenzwinkern gemeint war, das ich gestern am Abend alerdings nicht mehr wahrgenommen habe (bitte entschuldige!). Es ist mehr Ausdruck einer generellen Frustration über dieses Phänomen. Plus, dass mich die von Köstenberger und Kruger angegangene Position des frühchristlichen Pluralismus und der bösen Orthodoxie a) ziemlich nervt, ich es b) historisch für so was von falsch halte und es c) m. E. auch theologisch sehr bedenkliche Folgen haben kann. Von daher hat sich in mir etwas dagegen gesträubt, Carsons berechtigte und brilliante (mit Augenzwinkern) Kritik daran aus ihrem Kontext gelöst zu sehen.

    Beste Grüße,
    Andreas

  8. @Andreas: Das ist schon richtig und gut, dass Du Dich gemeldet hast. Solche Klarstellungen sind hilfreich!
    Euch ein versöhntes und schönes Wochenende! 😉
    Liebe Grüße, Ron

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