Er hatte Tausende Horrorvideos zu Hause

Nach dem Amoklauf von Winnenden mit 16 Getöteten werden in den Expertenrunden wieder jene Fachleute auftauchen, die einen Zusammenhang von Gewaltbereitschaft und Medienkonsum bestreiten. Wie oft habe ich es schon gehört: »Bisher fehlen die wissenschaftlichen Belege«. Ich frage mich dann immer: »Warum werden mit der TV-Werbung Milliarden Euro umgesetzt, wenn das, was wir dort hören und sehen, keine Auswirkungen auf unser Denken und Handeln hat?«

Keiner wird so dumm sein und behaupten: Weil Person X Counterstrike spielte, hat X Y getan. Dass aber das, was wir mit unseren Sinnen aufnehmen, auch unser Handeln prägt, liegt sehr nah. Schon in der Bibel wird uns empfohlen, unser Herz zu bewahren (vgl. Sprüche 4,23).

Auch der 17 Jahre alte Tim K., der am Mittwoch acht Schülerinnen, einen Schüler und drei Lehrerinnen getötet hat, liebte den exzessiven Konsum von Horrorfilmen.

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Kommentare

  1. Doch – leider gibt es sie, diese dummen Leute, die in Spielen wie Counterstrike die direkte Ursache für solche Amokläufe sehen. Ich habe in den letzten 24 Stunden bestimmt drei oder vier genau solche Kommentare oder Beiträge auf Blogs und in Foren gelesen. Und das leider auch noch von Christen.

    Ich stimme Dir zu in dem, was Du über die Auswirkungen von „Gewaltkonsum“ auf unser Denken und Tun schreibst (wenngleich ich anmerken würde, daß es durchaus eine sehr große Rolle spielt, wie solcher Konsum geschieht, aus welchen Motiven heraus, mit welchem Grad an Reflexion etc.). Aber so sehr man denen widersprechen muß, die in der Diskussion um Gewaltspiele wie Counterstrike den Ernstfall für den westlichen Freiheitsgedanken gekommen sehen, so sehr muß man es eben auch denjenigen gegenüber tun, die auf der anderen Seite des Pferdes herunterfallen.

  2. Zwei Probleme habe ich mit der in diesen furchtbaren und bedrückenden Fällen ewig reiterierten Schnellschussreaktion der Medien und Bedenkenträger in Richtung Gewaltvideos und Killerspiele:

    Erstens macht man es sich zu einfach, wenn man gesellschaftliche Probleme (an ihren Kindern desinteressierte Eltern, hoher unfreiwilliger Leistungsdruck schon in der Kindheit) auf die paar Spielehersteller und Filmproduzenten abwälzt.

    Zweitens glaubt man, nur weil sich eine simple Korrelation bei den Tätern beobachten lässt (denn nur diese auffällig gewordenen werden ja letztlich betrachtet), eine Ursache gefunden zu haben. Damit begeht man aber einen klassischen Fehlschluss, die letztlich dazu führt, dass Menschen grundlos diskrimiert werden, die das gleiche Hobby pflegen, ohne dass sie irgendwann durchdrehen. Wer alle über einen Kamm schert, hat zwar ein scheinbar formschönes Weltbild mit klaren Kanten und einer sauberen Ordnung in seinen Schubladen, wird aber der Komplexität der Realität nicht gerecht.

    Sicherlich ist es gut und wichtig, darauf zu achten, was man konsumiert. Jesus sagt aber zurecht: Nicht das, was von Außen auf uns einströmt, verdirbt uns, sondern das, was wir daraus machen. (Mk.7,15-16) Also: Wie gehen wir mit dem Konsumierten um? Und gerade dabei können (und müssen!) Eltern in dieser Mediengesellschaft ihren Kindern eine Hilfe sein, etwa, indem sie ihren Kindern einen bewussten und kritischen Umgang mit Medien beibringen.

    Leider sind dazu (ähnlich wie bei der ernährungsbezogenen Erziehung) aber viele Eltern zu beschäftigt, zu uninformiert oder schlichtweg zu faul.

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  1. […] post. nein, ich glaube immer noch nicht, das horrorfilme schuld daran sind im gegensatz zu denen. exzessiver konsum von horrorfilme lässt einen menschen sicherlich nicht unberührt, […]

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