Es tut sich was: »Evangelium 21«

E12_Flyer_Online_II-1.jpgMehrmals haben wir hier schon darüber nachgedacht, ob wir in Deutschland ein Netzwerk für reformatorisch gesonnene Christen benötigen. Langsam kommt nun etwas in Bewegung. 2009 hatte sich erstmals ein Kreis von ungefähr 15 Pastoren, Verlegern und Theologen in München getroffen, um über Fragen des Evangeliums im deutschsprachigen Raum zu sprechen. Zu sehen, dass junge Christen aus verschiedenen Gemeinden, Kirchen und Bünden das Verlangen spüren, wieder Gott und sein befreiendes Evangelium in die Mitte von Gemeinde, Mission, Seelsorge und Leben zu stellen, hat mich damals sehr gefreut.

Auch John Piper war dabei und hat uns ermutigt, ähnlich wie die Gospel Coalition in Nordamerika, für Christen mit entsprechenden Präferenzen im deutschsprachigen Europa eine Plattform anzubieten. Unser Kreis hat sich seitdem mehrmals an verschiedenen Orten getroffen und so reifte allmählich das kleine Netzwerk »Evangelium 21« heran. Wir pflegen sehr gute Kontakte zur Gospel Coalition, IXMarks, Desiring God oder Sovereign Grace Ministries, bleiben aber unabhängig.

Wofür steht Evangelium 21? Einfach gesagt: Wir wollen für die Menschen im 21. Jahrhundert das eine Evangelium von Jesus Christus bezeugen. Es geht uns um das Christusgeschehen. Wir glauben, dass auch heute denen, die Christus vertrauen, die Botschaft vom Kreuz eine Kraft Gottes ist (vgl. 1Kor 1,18). Also wollen wir vom Evangelium in einer Weise sprechen, bei der das Kreuz des Christus nicht entkräftet wird (vgl. 1Kor 1,17).*

In unserem Grundsatzpapier heißt es deshalb:

Zu Evangelium21 gehören Christen aus verschiedenen Kirchen und Gemeinden, die ihren Glauben fest auf Jesus Christus gründen. Ausgerichtet auf die von den Reformatoren wiederentdeckten Wahrheiten – Gnade allein, Glaube allein, die Schrift allein, Christus allein und zu Gottes Ehre allein – wollen wir Impulse setzen, durch die Gemeinden neu belebt und gestärkt werden. Denn: Allein das biblische Evangelium bewirkt, dass Christen von einer echten Hoffnung und überwältigenden Freude an Gott erfüllt werden und diese auch ausstrahlen. Als Anlaufstelle für Gleichgesinnte und Interessierte empfehlen wir Kontakte und Ressourcen. Die von uns angebotenen Materialen und Veranstaltungen heben die Zentralität des Evangeliums für den Gemeindealltag und das gesamte Leben hervor. Danach wollen wir demütig streben, mit dem Ziel, dass die Gemeinde Christi im 21. Jahrhundert ganz neu erfährt, was es heißt, dass das »Evangelium nicht nur im Wort zu [uns] kam, sondern in Kraft und im Heiligen Geist und in großer Gewissheit« (1. Thess 1,5).

Vom 18.–20. August 2011 werden wir in Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Gemeinde & Missionswerk Arche und IXMarks eine erste Konferenz zum Thema »Das Evangelium im Zentrum der Gemeinde« anbieten (Anmeldungen sind hier möglich). Wir freuen uns besonders auf Matt Schmucker. Der Mann an der Seite von Mark Dever wird unser Hauptredner sein (zum Programm mehr im E21Flyer.pdf).

Eine Folgekonferenz ist für das Jahr 2012 geplant. Bei diesem Treffen soll es vor allem um die Heilige Schrift und ihre Auslegung gehen. Erfreulicherweise haben Professor Donald Carson und Dr. John Piper bereits zugesagt.

Die Konferenzen stehen allen Interessierten offen. Pastoren, Missionaren und Theologiestudenten, die wollen, dass »das Evangelium läuft«, ermutigen wir besonders, die Angebote wahrzunehmen.

Es tut sich also wirklich was. Gott sei Dank!

– – –

* Die »1« im von Peter Voth gestalteten Logo steht übrigens auch für das Kreuz.

Kommentare

  1. Kann ich dem Netzwerk beitreten?

  2. würde mich auch interessieren. 😉
    Wie kann man dort beitreten?

  3. „Es tut sich also wirklich was. Gott sei Dank!“

    Amen!

    Freue mich sehr, dass sich da was tut. Die Konferenz klingt schon mal sehr interessant.

  4. Man kann an der „Initiative“ teilhaben indem man Gemeinschaft hat und die Konferenz besucht 🙂

  5. Ich habe schon lange von so etwas wie TGC oder T4G für Deutschland geträumt! Nun wird der Traum mit Evangelium21 wahr und ich bin schon sehr gespannt auf die kommende Konferenz in Hamburg!

    Danke für die Initiative Ron, hast du doch eine maßgebliche Rolle bei der Gründung von E21 gespielt! Gott segne dich!

  6. Sebastian Heck meint:

    Also nun stehen John Piper und „Sovereign Grace Ministries“ für soliden reformatorischen Aufbruch? Bei all dem, was ich an beiden schätze, solch eine Nomenklatur halte ich für problematisch. Ich würde mir wünschen, man würde für die Bewegung beim Begriff „evangelikal“ bleiben. „Reformatorisch“ ist sicherlich ein konfessionell und historisch klar umrissener Begriff, mit dem man nicht so um sich schmeißen sollte. Um der Klarheit willen…

  7. Schandor meint:

    @Sebastian

    Das interessiert mich aus verschiedenen Gründen: Warum sollte man John Piper und „Souvereign Grace Ministries“ nicht als „reformatorisch“ bezeichnen? (Das ist keine Frage, der schon eine Entgegnung auf der Zunge läge, nein, ich frage wirklich als Unwissender).
    Vielleicht könntest Du ein wenig für Klarheit sorgen, indem Du in Stichworten vielleicht verrätst, weshalb man hier lieber den Begriff „evangelikal“ verwenden sollte? Mir zumindest würde das helfen…

    Liebe Grüße,
    Schandor

  8. @Sebastian: Wir haben vor einigen Jahren auf Deinem Blog über den Begriff „reformatorisch“ diskutiert. Du hattest Dich damals von der Verwendung distanziert und scharf für „reformiert“ plädiert. Ich hoffe, Du beanspruchst in Zukunft nicht das (c) für „reformatorisch“. 😉

    Liebe Grüße, Ron

  9. Schandor meint:

    @Sebastian

    „auf Deinem Blog“ — den es ja leider nicht mehr gibt (*groll & schmoll*). Gottseidank bin ich hier weich gelandet ;-)))

  10. @Schandor: Ja, schade, dass es den nicht mehr gibt. Aber Sebastian bloggt ja doch wieder sanft für seine Gemeinde.

    Ich bin dann mal weg für heute.

    Liebe Grüße, Ron

  11. Als „reformatorisch“ würde ich diejenigen bezeichnen die sich mit den 4 Solae der Reformation und den 5 Punkten des Calvinismus identifizieren können, bzw. sich dessen in irgendeiner Art und Weise verpflichtet fühlen (dazu würde ich auch Piper, Mahaney und Driscoll zählen).

    „Reformiert“ steht für mich für konfessionell reformierte in der „Tradition“ der Presybyterianer. Für „reformierte“ spielen die Bekenntnise eine sehr große Rolle. „Reformierte“ sind in der Regel Mitglieder einer konfessionell bzw. bekennenden Kirche. Der bekannteste Vertreter ist im heutigen Evangelikalismus wohl R.C. Sproul.

    Diese Unterscheidung scheint es jedoch nicht im englsichen zu geben, da ist alles „reformed“ …

    „Evangelium21“ als „reformatorisch“ zu bezeichnen, halte ich definitiv für legitim.

  12. Schandor meint:

    @Peter

    Danke für die Definitionen! Hm. „Reformiert“ kann man demnach zumindest in Österreich nicht sein 😉 — da gibt’s m. W. keine Presbyterianer…
    Ich zum Beispiel habe bis vor wenigen Jahren nicht einmal gewusst, dass es so etwas wie das Westminster-Bekenntnis überhaupt gibt …

    lg
    Schandor

  13. schlotti meint:

    Das ist eine wirklich interessante Diskussion, die übrigens auch in den U.S.A. nicht unbekannt ist. Beispielhaft kann man das an zwei reformierten (presbyterianischen) Theologen erkennen. R. Scott Clark (Recovering the Reformed Confession) z.B. hat ebenfalls Probleme damit, den Begriff “reformiert” zu weit zu gebrauchen. Seiner Meinung nach ist nur reformiert, wer auch die reformierten Bekenntnisse (Westminster, Heidelber usw.) in jedem Punkt anerkennt. Zumindest verstehe ich ihn so. Dann gibt es da noch John M. Frame (A Theology of Lordship). Er hat weitaus weniger Probleme damit Christen als reformiert anzuerkennen, selbst wenn sie den Bekenntnissen nicht hundertprozentig zustimmen. Mir ist die Position Frames sympathischer. Natürlich, weil ich selbst in einigen Punkten (Tauffrage) nicht „wirklich reformiert“ bin. 🙂

    Ich hoffe sehr, dass es bei uns nicht zu solchen „Auseinandersetzungen“ oder Meinungsverschiedenheiten kommt. Ich glaube es gibt weitaus wichtigeres. Deshalb finde ich auch das Netzwerk Evangelium21 sehr gut. Es täte unseren Kirchen/Gemeinden gut, wenn es gelingt Christen unterschiedlicher Konfessionen zusammenzubringen, die durch das Evangelium miteinander verbunden sind. Selbstredend nicht irgendeinem Evangelium, sondern dem Evangelium der souveränen Gnade.

    Liebe Grüße

  14. Schandor meint:

    @Schlotti

    Ja. Mir scheint Clark den Begriff funktional zu verstehen, während Frame weniger an den Begriff selbst, sondern mehr an die Menschen zu denken scheint. Und obgleich Definitionen wichtig sind und man „Etiketten“ einfach braucht (sonst wird alles gaaaanz schnell wischiwaschi, gell, Herr Bell!), gibt es Grenzen.

    Die Christen sehen die eigentlichen Feinde längst mit anderen Augen. Ach, könnten sie sich doch nur einmal einigen und gemeinsam (!) gegen den Feind vorgehen, den Feind, der offenkundig größte Freude daran hat, sie zu entzweien! Sein Lieblingswort heute? Inklusivismus, oder unter uns gesagt: Wischiwaschi (gell, Herr Bell!)…

    liebe Grüße

  15. Johannes G. meint:

    Wischiwaschi (gell, Herr Bell!)…

    Das sieht Ron aber anders 😉

  16. Schandor meint:

    mit Sicherheit nicht — es sei denn, extremer als ich 🙂 (har!)

  17. Ich finde diese Blogdebatten irgendwie total überflüssig. Wir sollten uns freuen das „Evangelium21“ an den Start geht! Fertig!

    http://www.evangelium21.net
    http://www.twitter.com/Evangelium21

  18. Christian S. meint:

    Evangelium21 – freut mich sehr! Die Konferenz 2011 tönt vielversprechend. Sind die Daten der Konferenz für 2012 schon bekannt?

  19. Schandor meint:

    @Peter

    Hast ja recht. Schade, dass wir in Österreich so etwas nie erleben werden, denn hier ist alles dermaßen im Katholizismus erstickt; die einzigen Lichtblicke bieten die provinzialistischen Freikirchen (allesamt arminianisch ausgerichtet) und die total verweltlichten evangelischen Kirchen 🙁

    Hamburg ist mir viel zu weit. Sonst wäre ich dabei. Aber vielleicht bin ich das ja dann auf YouTube: Denn wenn das nicht mitgefilmt wird …

  20. @Christian: Die Konferenz soll im Mai 2012 stattfinden. Voraussichtliche Austragung wieder in Hamburg. Genaue Informationen werden auf der Internetseite: http://www.evangelium21.net
    bekanntgegeben.

    Liebe Grüße, Ron

  21. „Hamburg ist mir viel zu weit“: Nach Hamburg gibt es regelmäßige Flugverbindungen z.B. von Stuttgart, Basel, Zürich, Salzburg, Klagenfurt etc. für unter 50 Euro, wenn man rechtzeitig bucht ( ca. 1 Stunde Flugzeit). Gilt für viele andere deutsche Städte auch. Insofern: „Herzlich Willkommen“

  22. Schandor meint:

    @FH

    Oooh, eine Stadt ist ganz in der Nähe! Ich erkundige mich…

    danke!

  23. @Hanniel & Johannes: Zur Frage des Beitritts werden wir uns noch äußern. Es wir wahrscheinlich eine Möglichkeit des Anschlusses geben, so ähnlich, wie das auch bei der Gospel Coalition der Fall ist.

    Liebe Grüße, Ron

  24. Vielleicht können wir eine Fahrgemeinschaft bilden von München nach Hamburg

  25. Alsterstewart meint:

    Wer in Hamburg lebt, ist hier im Vorteil. Anmeldung abgeschickt….

  26. @ Peter
    Und dann in Gießen vorbeifahren?

    Beste Grüße
    RE

  27. Ich hoffe, Du beanspruchst in Zukunft nicht das (c) für “reformatorisch”

  28. Sebastian Heck meint:

    @Ron: Nein, ich beanspruche sicherlich nicht das Copyright für den Begriff „reformatorisch“. Das ist gerade mein Punkt: es steht uns nicht zu, den Begriff „reformatorisch“ nach Gutdünken neu zu definieren. Es ist weder aufrichtig noch hilfreich, für irgendeine Bewegung einen historisch und inhaltlich relativ klar umrissenen Begriff zu gebrauchen, wenn die „Reormatoren“ von damals sicherlich im Großen und Ganzen solche Erscheinungen wie John Piper und Co. niemals als „einen von Ihnen“ wiedererkannt hätten. Das nennt man Revisionismus!

    @Peter: Nein, auch Deine Definition von „reformatorisch“ („4 Solae der Reformation & 5 Punkte des Calvinismus) ist leider sehr unzureichend. Den Reformatoren (und den von ihnen formulierten Bekenntnissen, die die Kirche angenommen hat) war es völlig fremd, den christlichen („reformatorischen“) Glauben auf 4 Solae oder 5 Punkte zu reduzieren! Das nennt man Reduktionismus! (Nebenbei, Luther hatte sicherlich kein Interesse an den „5 Punkten des Calvinismus“ und doch ist er so reformatorisch, wie es geht!)

    „Reformatorisch“ bedeutet schlicht und ergreifend: der theologische und praktische Konsens der Reformation, also das, was die verschiedenen „Schulen“ und Kirchen der Reformation gemeinsam hatten.

    Diese Definition ist gleichermaßen einfach wie komplex, denn sie erlaubt bei einem breiten gemeinsamen Nenner eben auch echte Unterschiede.

    Was „reformatorisch“ ist, misst sich an den Äußerungen der Reformatoren in ihren Schriften, aber noch viel wichtiger: an den kollektiven kirchlichen Ausdrucksformen, sprich: den Bekenntnissen (eben auch den „Kompromissen“ wie der Confessio Augustana Variata oder dem Consensus Tigurinus).

    Konkret: es gibt keine „reformatorischen Baptisten“. Es gibt keine „reformatorischen Charismatiker“. All das sind Anachronismen, durch die man sich ein Adjektiv aneignen will, das einem nicht zusteht. (Letzteres ist aber eine Eigenschaft des Evangelikalismus: da er kein eigenes „Lebensprinzip“ hat, klammert er sich an Begriffe, die ihm eigentlich fremd sind und nicht zustehen.)

    Ich will ja kein Hardliner sein, doch ich bin nicht davon überzeugt, dass eine Bewegung wie E21 (oder ähnliche) „reformatorisch“ zu nennen, in der derzeitigen kirchlichen Landschaft hilfreich ist. Eine klare und aufrichtige Debatte ist das, was wir brauchen, sowie klare und aufrichtige Bekenntnisse!

  29. Schandor meint:

    Die Orthodoxie als Stolperstein. Wie traurig.

  30. @Sebastian: Das ist ein weites Feld. Wenn Du Deine Definition nur ein wenig änderst, z.B. so: „Reformatorisch“ bedeutet schlicht und ergreifend: das theologische und praktische Anliegen der Reformatoren, also das, was die verschiedenen Reformatoren, „Schulen“ und Kirchen der Reformation gemeinsam hatten“, sieht die Sache schon wieder etwas anders aus. Dann hätten wir nämlich beispielsweise Martin Bucer, der sich in Straßburg sehr um die Täufer kümmerte, auch im Boot. Oder anders herum: Kann sich heute jemand reformiert nennen, der so etwas wie ein „Naturrecht“ ablehnt (das bei den Reformatoren bekanntlich vorausgesetzt wurde)?

    Anders als die Lutheraner mit ihrer Konkordienformel von 1577/1580 gibt es, wie Du weißt, bis heute kein reformiertes Bekenntnis, das für alle reformierten Kirchen gilt. Damit kommt der zutiefst reformierte Vorbehalt zur Geltung, dass es künftig eine bessere Belehrung durch die Schrift geben kann. E21 will keine Konfession ersetzen. Konfessionelle Fragen sind wichtig (da stimme ich Dir völlig zu!), gehören aber nicht zum Hauptanliegen von E21. Wir wollen ja gerade nicht Kirchen oder Gemeinden ersetzen! Ein Bekenntnis zu sola scriptura, sola gratia, sola fide, solos christus und soli deo gloria ist da schon so viel, dass ich mich herzlich darüber freue.

    Liebe Grüße, Ron

  31. Sebastian Heck meint:

    Nur damit ich nicht missverstanden werde, Ron: ich habe nichts gegen E21! Das sei ferne! Ich habe nur etwas gegen den Anspruch, das (und die genannten Theologen) solle „reformatorisch“ sein! Das ist unlauter!

    Deine Ausführungen (über Bucer, Vielfalt der reformierten Bekenntnisse usw.) zeigen ja gerade wie wichtig es ist, den Begriff „reformatisch“ richtig zu verstehen: nämlich als großer gemeinsamer Nenner (dem übrigens nirgendwo und niemals die Täufer angehörten, bei allem Bemühen von Calvin und Bucer!)!

  32. Teresa meint:

    Na, ob ich mich als Frau 🙂 unter den vielen Wissenschaftlern hier wohl fühlen werde? Ich freue mich auf E21 und seine Arbeit und werde mal verfolgen, wie die wichtige Debatte, was denn nun genau „reformatorisch“ ist, weitergeht. Ich fürchte ein wenig: Was ist, wenn hier einer unserer Adressaten reingerät? Ich kenne überhaupt keinen einzigen am Glauben Interessierten, der mich schon mal nach der Abgrenzung zwischen wahrhaft und nur ein bisschen reformatorisch gefragt hätte. Und ich kenne eine ganze Menge Interessierte.

  33. @Sebastian: Wie oft lese ich, die Theologie Luthers war augustinisch oder die Theologie Calvins war augustinisch. Heißt das, Luther oder Calvin glaubten in allen Dingen so wie Augustinus? Sie folgten Augustinus in vielem, ja sogar Aspekte seiner Tauflehre haben sie übernommen. An der Tauflehre allein lässt sich jedoch zeigen, dass sie hier auf je verschiedene Weise Augustinus folgten. Ist es deshalb falsch, zu sagen, ihre Theologie war augustinisch?

    Ich denke, wir lassen es dabei bewenden. Du weißt, was ich meine und ich weiß, was Du darüber denkst.

    Herzliche Grüße, Ron

  34. Ich finde den Begriff “reformatorisch” wie er von Evangelium 21 verstanden wird angemessen. Der Leitungskreis von Evangelium 21 verbindet damit keine vollständige Wiedergabe reformatorischer Theologie, sondern eine Ausrichtung an deren Prinzipien. Eine andere durchaus passende, was diese Diskussion betrifft wahrscheinlich weniger anstößige, aber insgesamt heutzutage weniger griffige und als solche verständliche Bezeichnung, wäre “evangelisch”. Denn darum geht es im Grunde: die Verkündigung der evangelischen Wahrheiten (im Kontrast zu den römisch-katholischen Lügen). Da es eben die sogenannten “Reformatoren” waren, die diese evangelischen Wahrheiten durch Gottes Gnade der Bibel entnahmen und ins Zentrum ihrer Theologie stellten, ist eine Benutzung des Begriffes “reformatorisch” für das Anliegen dieser Gruppe meiner Meinung nach völlig berechtigt. Ohne diese Aussage abschwächen zu wollen, wäre eine Neubesinnung über das Adjektiv “evangelisch” in der “evangelischen” bzw. evangelikalen Öffentlichkeit äußerst nützlich. Aus diesem Grund schien mir der Untertitel der ersten Ausgabe von Bernhard Kaisers “Christus allein” “Ein Plädoyer für den evangelischen Glauben” passender, als der neue “Rechtfertigung und Heiligung biblisch-reformatorisch”.

    Andere Institutionen (wie z.B. die ART) sind von Anfang an mit einem anderen Umgang bzw. einem verschiedenen Verständnis dieses Begriffes an den Start gegangen. Deren Anliegen war es anhand der reformatorischen Bekenntnisse, lutherischer und reformierter Prägung, die Theologie der Reformatoren als Geländer (nicht als Kerker) für die eigene Arbeit zu nutzen. Ein, aufgrund gründlicher Exegese und Überlegung von dem der Reformatoren unterschiedliches Verständnis von Römer 7, läge bspw., meiner Meinung nach, durchaus im Rahmen dieses Anliegens.

    Beide Anliegen haben ihre Berechtigung und sollten verteidigt werden. Aufgrund der verschiedenen Zielsetzungen wäre weder eine Einengung des einen noch eine Erweiterung des anderen Verständnisses wünschenswert. Sowie Evangelium 21 über denominationelle Grenzen hinweg (Bsp.: paedo und credo Baptisten) als Forum und Werkzeug reformatorischer Erweckung in Deutschland dienen möchte, verfolgt die ART ein ähnliches Ziel, indem sie ihren Studenten ein solides und fundiertes Profil reformatorischer Theologie vermittelt.

  35. @Raschu: „… eine Ausrichtung an deren Prinzipien.“ Danke!

    Liebe Grüße, Ron

  36. Sebastian Heck meint:

    Raphael,
    „Ein, aufgrund gründlicher Exegese und Überlegung von dem der Reformatoren unterschiedliches Verständnis von Römer 7, läge bspw., meiner Meinung nach, durchaus im Rahmen dieses Anliegens.“ – Meinst Du im Sinne von Arminius? Er war dort, wie aktenkundlich ist, anderer Meinung, was ihm nicht gerade das Adjektiv „reformatorisch“ eingebracht hat…

    Beachte auch die Behandlung von Römer 7 in der Vielzahl der reformatorischen Bekenntnissen: mir ist keines bekannt, das Röm 7 auf den ungläubigen Paulus bezieht, wenn es das ist worauf Du hinaus willst.

    Sicher gibt es eine Bandbreite von Ansichten innerhalb (!) dessen, was reformatorisch war und ist! Das zu sagen, ist ja gerade mein Anliegen. Doch es gab eben auch einen starken Konsens dessen, was „in“ und was „out“ ist.

    Ich denke auch „evangelisch“ ist hilfreich (auch für so etwas wie E21); hilfreicher als „evangelikal“, da es (lose) anknüpft an der Reformation und nicht an dem „erwecklichen“ (oder angelsächsisch-amerikanischen) Evangelikalismus.

  37. Alsterstewart meint:

    Zumal evangelikal und evangelisch dicht beieinander liegen: „Evangelikal“ ist eine deutsche Bildung aus dem englischen „evangelical“, was allerdings wörtlich übersetzt „evangelisch“ heißt.

  38. Schandor meint:

    Die Begriffe sind nicht 1:1 übersetzbar, da sie länderabhängig konnotiert/besetzt sind.
    „evangelical“ mit „evangelikal“ zu übersetzen, ist genauso richtig oder falsch, wie es mit „evangelisch“ wiederzugeben.
    Was der Ami unter „evangelical“ alles versteht, ist geradezu unglaublich (Don Carson hat das in einem seiner Vorträge erklärt).
    Dem Mainstream nach wäre „evangelical“ am besten mit „protestantisch“ wiederzugeben, obwohl das hierzulande auch vielen Leuten nichts mehr sagt.

    Du hast damit recht: „wörtlich“ übersetzt heißt es „evangelisch“, doch „wörtlich übersetzt“ = gar nicht übersetzt, sondern geschlampt …

    lg

  39. Schandor meint:

    @Sebastian

    Jetzt, nachdem ich nach langer Suche Deinen wichtigen Artikel im Netz wiedergefunden habe (Psalm 42 und das Verlangen nach illegitimer Gemeinschaft mit Gott, http://web.archive.org/web/20081216005727/http://www.lebensquellen.de/?) und mir auf Deine Empfehlung hin R. Scott Clarks Buch besorgt habe, das mich derzeit aktiv vom Schlafen abhält ;-), verstehe ich besser, worum es hier geht.
    Das Buch raubt mir an manchen Stellen beinahe den Atem. Wie unwissend bin ich doch nur 🙁

  40. Schlotti meint:

    @schandor

    Da wir uns hier ja schon hin und wieder begegnet sind, darf ich dir auch einen Artikel empfehlen?

    Das Buch von R. Scott Clark, das du erwähnst ist wohl „Recovering the Reformed Confession: Our Theology, Piety, and Practice „. Ich habe es auch gelesen, da ich immer auf der Suche nach guter Literatur über reformierte Theologie bin. Allerdings war ich recht enttäuscht. Clark steckt sehr eng ab, wer wirklich reformiert ist bzw. sich so nennen darf/sollte.

    Als kleinen Kontrast möchte ich dir einen Artikel von John M. Frame empfehlen. Es ist eine sehr ausführliche Rezension von Clarks Buch. Du findest sie unter http://www.frame-poythress.org/frame_articles/2010Clark.htm.

    Ich möchte wirklich nicht in ein Lagerdenken abdriften. Ich habe sehr von den Büchern von Frame profitiert. Vor allem sein „Doctrine of God“ ist eine Fundgrube. Ich liebe Bücher, die nicht nur fundiert sind, sondern mich beim Lesen immer wieder dazu bringen darüber zu staunen, was für einen herrlichen Gott wir haben. Das erlebe ich bei Frame immer wieder. So nun genug der Werbung.

    Alles Gute und bis zum nächsten Mal.
    Schlotti

  41. Schandor meint:

    @Schlotti

    Ja, ich muss Dir recht geben: Clark steckt die Grenzen sehr eng. Aber was, wenn sie so eng gesteckt werden müssen? Sein Grundmotiv findet er ja in der Unterscheidung zwischen der Theologie, die nur Gott angeht und der, die uns angeht, wenn ich ihn recht verstehe. Daraus bastelt er sich dann die anderen Sachen.

    John Frame ist mir freilich ein Begriff; den Artikel werd‘ ich mir ausdrucken und durchlesen. Wie ist das eigentlich mit Frame: Ist er ein Van Til-Kritiker oder Befürworter? (hab mich noch nicht so genau mit ihm beschäftigt)

    Ja, „Lagerdenken“ ist immer problematisch. Bin schon gespannt auf Frame!

    LG
    S.

  42. @schandor: Ich kann mich Schlotti nur anschließen: Frame ist eine gute Empfehlung. Ich habe ihn in den 90er Jahren entdeckt und auch kennenlernen dürfen. Auch wenn ich sein Kulturverständnis nicht exakt teile und auch in anderen Feldern andere Wege gehe, ist er als kritischer Van Til-Schüler eine Quelle der Inspiration und ein radikaler Denker (im positiven Sinne). Seine Philosophievorlesung gibt es übrigens bei iTunes gratis:

    http://itunes.apple.com/de/itunes-u/history-philosophy-christian/id378879176

    Liebe Grüße, Ron

  43. Roderich meint:

    Mist. Der Link wird mich viele Stunden kosten… Trotzdem danke 🙂

  44. Schandor meint:

    @Roderich

    🙂 – Ja, hab ich mir auch gedacht… Hab schon einen Vortrag gehört — ist interessant!!

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