ESV wird doch revidiert

Mitte September 2016 habe ich kurz darüber berichtet, dass der Verlag Crossway entschieden hat, den Text der englischsprachigen Bibelübersetzung ESV einzufrieren. Nach massiver Kritik rudert der Verlag nun zurück. In einer Pressemitteilung heißt es:

We have become convinced that this decision was a mistake. We apologize for this and for any concern this has caused for readers of the ESV, and we want to explain what we now believe to be the way forward. Our desire, above all, is to do what is right before the Lord.

Our goal at Crossway remains as strong as ever to serve future generations with a stable ESV text. But the means to that goal, we now see, is not to establish a permanent text but rather to allow for ongoing periodic updating of the text to reflect the realities of biblical scholarship such as textual discoveries or changes in English over time. These kinds of updates will be minimal and infrequent, but fidelity to Scripture requires that we remain open in principle to such changes, as the Crossway Board of Directors and the ESV Translation Oversight Committee see fit in years ahead.

Mehr: www.crossway.org.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    “ not to establish a permanent text but rather to allow for ongoing periodic updating of the text to reflect the realities of biblical scholarship such as textual discoveries

    Wie heißt es in Psalm 12,7: „Die Worte Jahwes sind reine Worte, Silber, das geläutert in dem Schmelztiegel zur Erde fließt, siebenmal gereinigt. Du, Jahwe, wirst sie bewahren, wirst sie behüten vor diesem Geschlecht ewiglich.“

    Die ESV hat sich das zu Herzen genommen und läutert ihren eigenen Text jetzt auch. Das ist äußerst löblich! —

    Da sich der Text nun also in fröhlicher Revisionsmanier stets ändert, scheint Gott es mit seinem Wort allerdings nicht so genau genommen zu haben. Aber die Aussicht bleibt, eines Tages den vollständigen Text in Händen zu haben! Das kann wieder froh stimmen! Es würde mich allerdings nicht wundern, sollte dies ein Text sein, dem auch Rom sein Imprimatur geben kann.

  2. Dir ist schon klar, dass das „sie“ im von Dir zitierten Ps 12,8 (das zweite ist in Wirklichkeit Singular „er“) als Maskulinum sich nicht auf die „Worte“ (Femininum) aus Vers 7 bezieht, sondern auf die Elenden/Armen bzw. den Schmachtenden aus V. 5?
    Der Vers hat also nichts mit Textüberlieferung und Textkritik zu tun. Aber wenn man ihn darauf anwenden wollen würde, dann zeigt dieser Vers vielmehr die Notwendigkeit von Textkritik auf. Denn je wichtiger die hier so betonte Reinheit von Gottes Worten dafür ist, dass die vor Gott Armen bewahrt und durchgetragen werden, desto dringlicher ist es natürlich, die Platina und die Verunreinigungen aus der Textüberlieferung zu entfernen, damit Gottes Wort seine volle Wirkung entfalten kann. Es gibt keine Verheißung Gottes für eine reine Textüberlieferung, und wenn es sie gäbe, würde die beliebige Wahl von zwei Handschriften und ihre vergleichende Lektüre sie als falsch erweisen – es sei denn, man fände in irgendeiner Höhle noch die Originalhandschriften. Aber wehe, dort gäbe es einen Rechtschreibfehler oder eine Randglosse zur Verbesserung…

  3. Schandor meint:

    @Jörg

    Du irrst Dich!
    Du hast einen verfälschten Grundtext (biblica hebraica stuttgartensia statt Ben Chajim) Deine Überlegungen sind falsch.

    Gott hat oft verheißen, sein Wort zu bewahren. Das bedeutet auch die reine Textüberlieferung. Andernfalls bräche das Chaos aus — es ist ja schon ausgebrochen, seitdem die Kirche die Textgrundlage verlassen hat, die sie ca. 1800 Jahre lang hatte.
    Ich könnte das hier ausführen, will aber nicht (zu zeitaufwendig).

    WAS, mein Lieber, meinst Du, wird der Satan als allererstes angreifen, nachdem seine Niederlage durch das Kreuz besiegelt worden ist?
    Ganz klar: Das Wort Gottes. Und wie sehr er es angegriffen hat und immer noch angreift, das kann man in der Textgeschichte sehen. Die meisten gehen ihm hier auf den Leim. Leider.

    Du musst hier geistlich urteilen, nicht „wissenschaftlich“, denn der Satan ist der beste „Wissenschaftler“ auf Erden, aber das brauche ich Dir nicht zu sagen.

    Wenn aber ein Christ sagt, es gibt keine Verheißung Gottes für eine reine Textüberlieferung, dann ist der Satan mit seinem Angriff am Ziel angelangt.

    Der Heilige Geist, der das Wort eingegeben hat, hat es doch – denk nach, mein Freund, denk nach und mit! – dann nicht einfach der Witterung der Zeit überlassen! Oder gar ungläubigen protestantischen Theologieprofessoren, Mensch! Nicht ein Jota oder Tüttel, ach, Du verstehst mich längst.

    lgs

  4. Lieber Schandor,

    es ist nicht die BHS bzw. die Wissenschaftler, die sie herausgegeben haben, sondern die Handschrift L, die das so liest. Heißt das, dass alle (Juden und Christen), für die in den letzten 1000 Jahren diese Handschrift ihr Altes Testament war, weil sie keine andere Handschrift, zB die von Dir erwähnte besaßen, von Gott bei seinem Bewahrungshandeln in Bezug auf die Textüberlieferung vergessen wurden? Und wenn man L und die von Dir erwähnte Handschrift vorliegen hat, was dann? Dann muss man Textkritik betreiben, sich nämlich für eine von beiden entscheiden – und zwar hoffentlich begründet und reflektiert.

    Auch Du kommst nicht ohne Textkritik aus – und verweist dabei noch auf einen Textkritiker wie Ben Hajim. Oder Erasmus, im Fall des NT, der ebenso ein Textkritiker gemäß dem damaligen Stand dieser Wissenschaft war – ein Wissenschaftlicher, und alles andere als ein „Geistlicher“ im von Dir gemeinten Sinn. Ben Hajim kenne ich nicht näher, vermute aber, dass auch er eher Rom als der Reformation angehörte? Außerdem sind nicht alle Textkritiker ungläubige Professoren wie Erasmus, siehe zB Bengel.

    Und die Unterschiede in der Textüberlieferung setzen natürlich schon viel früher ein als mit der Kreuzigung Jesu, beim Alten Testament, sichtbar in Qumran, bei der Septuaginta (sind deren Abweichungen übrigens vom Heiligen Geist bestätigt, wenn sie im NT übernommen werden?), im Samaritanischen Pentateuch. Und dass die Kirche 1800 dieselbe Textgrundlage gehabt habe, kann auch nur jemand sagen, der die Realität der Textüberlieferung ignoriert.

    Da aber das meiste an der Frage hängt, ob und inwiefern Gott in seinem Wort verheißt, dass er dessen Textüberlieferung bewahrt:

    Könntest Du mir die entsprechenden Verse aus Ben Hajim mal zitieren – Original oder Umschrift, Konsonanten reichen? Oder einen Link zu genau dieser STelle? Ich hab im Internet nur die Rabbinerbibel gefunden, aber selbst wenn das die richtige Quelle wäre, ist das Durchklicken bis zur richtigen Seite sehr mühsam. Die pöhse BHS jedenfalls gibt keine Alternativlesart, die sich auf „Worte“ bezieht, sondern „uns“.

  5. @Lee
    Danke für den Link, aber was soll ich dort finden? Auf der aufgerufenen Seite habe ich nichts zum Thema gefunden und laut dem Schriftstellenindex kommt Psalm 12 nicht vor in dem Buch.

    Und ich möchte ehrlich gesagt auch kein Link zu einem (1000 Seiten) Buch, sondern entweder zu der genauen Seite (bzw. die Seitenanzahl angegeben) oder einfach das Zitat. Wenn jemand – dh Schandor, nicht Du – einem Zitat einen so großen Stellenwert beimisst, dann dürfte es ja eigentlich nicht schwer sein, dass beizubringen – und die exakte Quellenangabe noch dazu.

    Falls Du natürlich dieses Zitat haben solltest und Dir die Mühe machen würdest, es rauszusuchen und zu posten, wäre ich dankbar.

    Lieben Gruß, Jörg

  6. PS: https://ia800707.us.archive.org/BookReader/BookReaderImages.php?zip=/14/items/The_Second_Rabbinic_Bible_Vol_4/4_jp2.zip&file=4_jp2/4_0011.jp2&scale=2&rotate=0

    Hier ist Psalm 12 von Ben Hajim. Die fragliche Form stimmt mit BHS überein: enklitisches Personalpronomen 3. Person Plural MASKULINUM, während für „Worte“ aus dem vorgehenden Vers – extra? – das seltenere FEMININE Lexem gewählt wurde (nicht das häufigere, bekannte maskuline dabar)

    Schandor, auf welche Quelle gründest Du Deine Behauptung?

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