Ethik als Kompetenztraining

Die christlichen Gemeinden stehen vor vielen ethischen Herausforderungen, auch in Fragen von Geschlechtlichkeit und Familie. Wie kann es gelingen, die Aufgaben, die der gesellschaftliche Realismus und das eigene verführerische Herz vorgeben, mit der biblischen Botschaft und einem treuen Glauben zu verbinden?

Veronika Schmidt, Sexualberaterin und Autorin des bei SCM Brockhaus erschienenen Buches Liebeslust – unverschämt und echt genießen, kennt die Antwort (zitiert aus einem Interview mit dem Medienmagazin pro, 2/2016, S. 36).

Der einzige Weg ist es, von Regeln und Gesetzen wegzukommen. Es muss mehr über Verantwortung und Eigenverantwortung des Einzelnen gesprochen werden. Es sollte nicht mehr darum gehen, ob man Sex vor der Ehe haben darf oder nicht, und ob man homosexuell sein darf oder nicht. Stattdessen sollte vermittelt werden, wie Paarbeziehungen aus christlicher Sicht gelingen können und was es braucht, damit Sexualität in einer Beziehung etwas Befriedigendes über Jahre hinweg werden kann.

Da ist sie also, die Ethik ohne Norm und ohne Wertschätzung Gottes, mitten in der evangelikalen Szene. Worauf kommt es an? Auf eine über zahlreiche Jahre erfüllte Sexualität in einer Beziehung! Etliche, wohl überwiegend jene, die der Kultur des Relativismus viel Raum und Glauben schenken, werden sich darüber freuen. Das dürfen sie auch, sollten sie meinen, damit auf dem rechten Weg zu sein. Die Beteuerung allerdings, so eine Einstellung sei christlich, ist blanker Unsinn. Schlimmer. So eine vermeintliche „Verantwortungssethik“ ist lieblos. Sie setzt all jene herab, die – wie beispielsweise Jesus oder Paulus – daran festhielten (und halten), dass das Gesetz heilig, gerecht und gut ist, wenn es in seinem Sinn angewandt wird (vgl. Röm 7,12; 1Tim 1,8). Sie verdammt die Menschen dazu, die Wahrheit im eigenen Herzen zu suchen. Das ist nichts anderes als der Ruf zur gottlosen Sicht auf das Leben. Wir wissen nämlich aus der Bibel und aus der Erfahrung, was es bedeutet, wenn wir unserem Herzen folgen. „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung“ (Mt 15,19). Der Fromme, so sagt es uns schon Psalm 1, misstraut seinem eigenen Herzen, das doch „trügerisch ist, mehr als alles andere“ (Jer 17,9). Er liebt Gottes Gesetz und Weisung. Wer auf Gott vertraut, weiß darum, dass sein Herz die Wahrheit nicht in sich trägt, sondern sie seinem Herzen zugesprochen werden muss.

Allerdings sei etwas hinzugefügt. Ich stimme Frau Schmidt zu, wenn sie darauf hinweist, dass es nicht reicht, einfach auf irgendwelche Regeln zu verweisen. Damit geben sich tatsächlich viele Leute, die ja oft meinen, mündig zu sein, nicht mehr zufrieden. Das verstehe ich. Die Antwort kann allerdings nicht sein, das Gebot über Bord zu werfen, sondern muss vielmehr darauf abzielen, zu erklären, was Gott sich dabei gedacht hat, wenn er unserer Geschlechtlichkeit Grenzen setzt. Und, ganz wichtig: Vorbilder (nicht die perfekten) braucht es auch!

Kommentare

  1. Stephan meint:

    Es ist schon erschreckend, wenn in den Mittelpunkt eines vermeintlich christlichen Buches Tips gegeben werden, wie über Jahre hinweg die Sexualität stimmt.
    Die größere Herausforderung ist doch, dass über Jahre hinweg die Ehe ein Abbild der Beziehung von Gott zu den Menschen bleibt. Unter da ist nicht nur als Beispiel Eph 5,22-24 zu sehen, sondern auch die Verse 25 – 29. Das ist für beide Ehepartner nach Jahren nicht unbedingt immer leicht.

    Zu den Mündigen und den Regeln:
    Es ist bestimmt so, dass wir nicht immer alles (sofort) verstehen und verinnerlichen, was in Gottes Wort an Regeln, Geboten, oder auch Freiheiten steht. Wer Nachfolger Christi sein will, sollte auch bereit sein dann Gehorsam zu üben, wenn er nicht alles (sofort) versteht. Aber da es heute in den meisten Gemeinden an Lehrern und Vorbildern mangelt, und vieles, was Generationen vor uns als biblische Wahrheiten und Grundsätzen herausgefunden haben als antiquiert und überholt empfunden wird (Zitat: „So kann man die Bibel heute nicht mehr lesen“) und tw. von den Lehrern nicht mehr erläutert werden kann, weil sie es selbst nicht mehr befolgen, wird als Sahnehäubchen der Entwicklung noch Schundliteratur unter christlichem Deckmäntelchen erfolgreich vermarktet.

  2. Wenn es nicht um Regeln geht, warum macht sie dann schon bei Sex außerhalb/innerhalb der Ehe und Homo-/Heterosexualität halt? Sollten wir nicht versuchen, aus christlicher Sicht zu formulieren, wie Sex in mehreren Beziehungen (gleichzeitig und/oder nacheinander) aussehen kann?
    Wenn schon Relativimus, dann bitte bis zum Schluss.

  3. @Ron
    Danke für den Hinweis, auch wenn ich eine „Liebesgöttin“ wie Veronika Schmidt nicht mehr wirklich ernst nehmen kann – nicht als ganze Person, sondern was sie hier sagt und schreibt, denn das ist ein Widerspruch in sich selbst: „von Regeln und Gesetzen wegzukommen“ und dass statt der Regeln und Gesetze „vermittelt werden [sollte], wie Paarbeziehungen aus christlicher Sicht gelingen“ passt nicht zusammen, jedenfalls dann nicht, wenn Veronika Schmidt noch eine christliche Sicht vermitteln will. Will sie das aber, dann kommt sie um Röm 13,8-10 nicht herum, ja sie kommt um das ganze biblische Bild von Ehe, Familie und Sexualität nicht herum. Das Christliche auflösen zu wollen, ist nicht christlich – und sollte auch nicht als etwas Christliches verkauft werden dürfen.

    Wenn Veronika Schmidt eine lebenserfahrene Frau ist, dann wird sie wissen, dass einen Menschen kaum etwas anderes mehr treffen kann, wie Verletzungen im Bereich von Liebe und Sexualität. Und da kann man allein aus Vernunftsgründen die biblischen Vorstellungen einfach nur gut heißen, denn diese Vorstellungen stehen für Verantwortung gegenüber einem selbst und anderen. Zudem übersieht jeder, der hier immer noch die Fahne der Liberalität hochhalten will, in welches Jammertal von Not und Elend diese Liberalität die familiären Bindungen in unserer Gesellschaft geführt hat. Ist Frau Schmidt auf diesem Auge (immer noch) blind? Wie viele Menschen sollen denn noch und wie oft auf die redensartliche Fresse fliegen und sich – ganz pragmatisch gedacht – ihre und anderer Biographien versauen?

    Frau Schmidt sollte ihr eigenes wirres Gedankenknäuel erst einmal für sich entwirren, anstatt uns und andere Christen mit so etwas noch weiter zu verwirren versuchen.

  4. @Gast:

    … dann wird sie wissen, dass einen Menschen kaum etwas anderes mehr treffen kann, wie Verletzungen im Bereich von Liebe und Sexualität. Und da kann man allein aus Vernunftsgründen die biblischen Vorstellungen einfach nur gut heißen, denn diese Vorstellungen stehen für Verantwortung gegenüber einem selbst und anderen. Zudem übersieht jeder, der hier immer noch die Fahne der Liberalität hochhalten will, in welches Jammertal von Not und Elend diese Liberalität die familiären Bindungen in unserer Gesellschaft geführt hat.

    Wie wahr!

    Liebe Grüße, Ron

  5. Schandor meint:

    Veronika Schmidts Vorschlag braucht man nicht ernstzunehmen.

    Denn „der einzige Weg ist es, von Regeln und Gesetzen wegzukommen“, also auch von ihren.

  6. Kleiner Hinweis: die Stelle in Matthäus ist in Kapitel 15, 19

  7. Theophil Isegrim meint:

    Man ist es langsam leid, wenn so Irrlichter auftreten und einen belehren wollen, was die „christliche Sicht“ sei. Nichts verstanden aber das Maul aufreißen.

    Katastrophal, die geistlichen Entwicklungen in Deutschland. Wie kann dieser Trend gestoppt und ins Gegnteil verkehrt werden, damit Jesus wieder groß wird? Damit die Menschen wieder lernen, wie sie in Christus Freiheit finden und darin leben können. Diese da will ja nur, wie so viele, die Menschen in die Sklaverei der Lust einkerkern. Sie weiß nicht, was sie da tut. Sie hat da wirklich kein blassen Schimmer. Gut gemeint, aber sie wird genau das Gegenteil erreichen, falls sich ihre Ideen durchsetzten, die sicher nicht ihre Ideen sind. Die Verführte wird zur Verführerin.

  8. @Arne: Danke!

    Liebe Grüße, Ron

  9. Es ist wohl unvermeidlich, dass sich Erzgläubige in die Leben anderer Menschen einmischen, um diese auf den jeweils für sich selbst erkannten „rechten Weg“ respektive zum „rechten Glauben“ zu führen. Bezeichnend bei diesen Versuchen unter denRubriken „Ethik“, „Moral“ und „Bibel“, wie diese im ersten Abschnitt des obigen Beitrags henannt werden, ist allerdings die immer geknüpfte Verbindung mit der Sexualität der Menschen, wohl weil man glaubt, dass man bei der Beherrschung der Geschlechtlichkeit der Menschen, also der Macht über die intimsten Details des menschlichen Lebens, auch die Macht über den ganzen Menschen hat.
    Ich kann vor den Versuchen, die Sexualität der Menschen zu beherrschen nur eindringlichst warnen.
    Die römisch katholische Kirche versucht dies, seit den Zeiten von Paulus und Augustinus (beides veritable Sexualneurotiker, wie wir ihren Schriften entnehmen können) mit mehr oder weniger, meist jedoch weniger Erfolg durchzusetzen. Letztendlich hat dieser Versuch die Sexualität der Menschen zu beherrschen, die römisch katholische Kirche absolut jede Glaubwürdigkeit speziell auf dem Gebiet der Geschlechtlichkeit gekostet. Der Verlust der Glaubwürdigkeit hierbei hat jedoch auf viele andere Themenkreise abgefärbt und zu einer Situation geführt, in der katholische Kleriker zuerst um ihre Glaubwürdigkeit kämpfen müssen, bevor sie überhaupt irgendeine Ethik oder Moral verbreiten können, die ihnen heilig ist.

    Fazit: Kümmert Euch nicht um die Sexualität der Menschen, die wissen genau, wen sie wie lieben sollen und dürfen, sonst geht es Euch wie der katholischen Kirche.
    Neunundneunzig von hundert Katholikinnen (von Nichtkatholiken und anderen Heiden, oder gar Atheisten ganz zu schweigen!) haben kein Problem damit, mit der katholischen Sexualdoktrin kein Problem zu haben. Jetzt hat die katholische Kirche ein Problem. Ein riesiges.

  10. Theophil Isegrim meint:

    @ Gast auf Erden:

    Wer versucht sich in die Sexualität anderer Menschen einzumischen und versucht das auch noch als „christliche Sicht“ zu bezeichnen, obwohl die Bibel ganz andere Aussagen macht?!

    Und mal ganz unabhängig von diesem Buch. Wer versucht in die Sexualität des Menschen einzudringen und sie zu beherrschen? Das fing ja schon in den 1968er Jahren an. Aber eigentlich auch schon in den 1920er Jahren, aber dann kam Wirtschaftsnot und später Krieg, da hatten die Leute dann ganz andere Probleme.

    Hier ist eine interessante Reportage:
    https://www.youtube.com/watch?v=7jSOzUZ0mms

    Entweder ist das selektive Wahrnung von Dir oder Du bist nicht fähig es zu bemerken, weil ja nicht jeder in der Lage dazu ist hinter die Kulissen zu blicken oder Du machst einen auf kreidegefressener Wolf. Anderen vorwerfen, was man selbst bis zum Anschlag tut.

  11. @Theophil Isegrim

    Wer versucht in die Sexualität des Menschen einzudringen und sie zu beherrschen
    /Zitat

    Casti connubii, Humanae vitae, Familiaris consortio, Evangelium vitae und nicht zu vergessen die unsägliche Theologie des Leibes von Woityla.
    Und was der Schriften von der Enzyklika bis zum Hirtenbrief und Ansprachen mehr sind. Allen ist der inzwischen zimlich verzweifelte Versuch zu eigen, den Menschen zu befehlen, was diese im Bett zu tun und zu lassen haben.
    Gegen diesen über tausendjährigen Ansturm auf die Geschlechtlichkeit der Menschen waren die Eskspaden der 68er ein laues Frühlingslüftchen.

  12. Chrisb meint:

    Wenn man schon die Bibel ernst nehmen will, dann bitte versuchen die Texte auch wirklich im Kontext zu verstehen. Matthäus 15, 19 ist keine umfassende Analyse des menschlichen Herzens, sondern eine Antwort auf die Frage, was den Menschen unrein macht. Sind es Äusserlichkeiten wie fehlendes Händewaschen vor dem Essen, oder sind des die inneren Werte, die unrein machen? Antwort: Es sind böse Gedanken, wenn sie aus dem Inneren kommen, (in der Bibel: dem Herzen), die den Menschen unrein machen. Nicht Äusserlichkeiten, wie das Einhalten von Reinheitsriten. Damit wird weder das menschliche Herz abgewertet, noch die Hände aufgewertet. Es wird lediglich gezeigt, das vor Gott zählt nicht das Äussere, sondern das Innere zählt.

  13. @Chrisb: Wer hat denn behauptet, dass wir in Mt 15,19 eine umfassende Analyse des menschlichen Herzens finden?

    Liebe Grüße, Ron

  14. Chrisb meint:

    In diesem Blog wird so argumentiert, als ob jede Herzensempfindung grundsätzlich und per se böse sei. Das entspricht nicht er Realität.

  15. Schandor meint:

    @Chrisb

    Der Mensch befindet sich auf einem Schiff, dessen Name HAMARTIA (Sünde) heißt und das sich in voller Fahrt von seinem Heimathafen wegbewegt. Alles, was auf diesem Schiff geschieht (ob es nun moralisch negativ oder positiv zu bewerten ist, ein Verbrechen oder eine Wohltat!), ist von diesem falschen Kurs bestimmt und insofern Sünde.

    Siegfried Kettling, Das Gewissen, S. 87

  16. Chrisb meint:

    Ok, das heisst also im umgekehrten Fall – wenn sich das Schiff auf den Heimathafen zubewegt – dann ebenfalls alles was auf diesem Schiff geschieht keine Sünde ist.

  17. @Chrisb:

    In diesem Blog wird so argumentiert, als ob jede Herzensempfindung grundsätzlich und per se böse sei. Das entspricht nicht er Realität.

    Steile These. Argumentieren ist ja auch eine Sache des Herzens.

    Liebe Grüße, Ron

  18. Schandor meint:

    @Chrisb

    Jer 17,9. Leider. Und Dein Umkehrschluss stimmt leider auch nicht. Ich wünschte, Du hättest recht, aber es ist nicht so.

    Darum ist Jesu Christi Opfer auch so unendlich kostbar und wertvoll!

    Die Sünde (Singular!) ist eine „Ortsbestimmung“, das „Sein in der Unwahrheit“, der „Fluch“.

    Aber in einer Hinsicht hast Du mit Deiner Aussage recht: Selig der Mann, dessen Sünden Gott nicht gedenkt (Psalm irgendwas,weißichgradnicht). Denn dieser Mensch ist auf dem Weg IN den Heimathafen, und wenn er dort angekommen ist, ist er ohne Sünde. Aber halt erst dort.

  19. Theophil Isegrim meint:

    @ Gast auf Erden:

    „Casti connubii, Humanae vitae, Familiaris consortio, Evangelium vitae und nicht zu vergessen die unsägliche Theologie des Leibes von Woityla.“

    Das scheint allesamt von der Katholischen Kirche zu sein. Hast Du Dich mal umgesehen, wo Du hier bist?

    Und Du behauptetst, der Einfluß der 68er wäre sehr gering im Vergleich mit der Katholischen Kirche. Nun, ich will die Katholische Kirche nicht verteidigen. Ist nicht mein Thema und damit kenne ich mich zu wenig aus. Aber, was ich so beobachte, wird die Katolische Lehre in Punkto Sexualität nur noch belächelt. Die Menschen leben heute wohl mehr im Sinne der 68er. Das kann man zwar als laues Lüftchen bezeichnen, aber dann läuft man wohl auch mit Scheuklappen durch die Gegend. Für einige ist one night stand normal, alleinerziehend auch, oder verpaart ohne Heirat, Scheidung, Fremdgehen. Homoseuxualität sowieso, Swinger-Clubs etc. Und es wird immer mehr versucht in der Schule die kleinen Kinder in diese Richtung zu erziehen (das ist dann aber eher ein verziehen). Das nennt man dann Freiheit. Dabei ist es eine Sklaverei der Lust.

    Das hat bei anderen Generationen schon nicht geklappt und bei dieser wird es auch nicht gut enden.

  20. Das scheint allesamt von der Katholischen Kirche zu sein. Hast Du Dich mal umgesehen, wo Du hier bist?
    /Zitat

    Ja. Gelten für Protstanten keine Moralvorschriften? Sind die völlig hedonistisch, ungezügelt?

    Also ich bin vor langer Zeit aus dem allerschwärzesten katholischen Bayern, wo römische Moral und katholische Misogynie aus allen Ecken wehte, ins protestantische Württemberg übersiedelt im sicheren Wissen es gibt nichts menschen- und vor allem frauenfeindlicheres als diese bayerischen Katholiken.
    Und dann kam der evangelische Kulturschock. Bei den Pietisten war es schon eine Todsünde, wenn ein Mädchen ein hübsches Gesicht hatte und eine unerträgliche Gotteslästerung, wenn sie ausserdem von Mutter Natur eine ansehnliche Figur mitbekommen hatte, was natürlich von ihren Mitmenschen, besonders von ihren Geschlechtsgenossinnen, entsprechend kommentiert wurde (daher kommt der schwäbische Fachausdruck: „Schwertgosch“). Sie war ja die Verführung zur Sünde in Person.

    Jetzt hatte ich den Salat. Vom verklemmten katholischen Regen in die völlig spassbefreite protestantische Traufe.

    Fazit: die Protestanten brauchen keinen päpstlichen Ukas, um keinen Spass am und im Leben zu haben. Die machen das ganz evangelikal-freieillig.

  21. Roderich meint:

    @Gast auf Erden,
    wenn Du das so erfahren hast (auch wenn Du es vielleicht etwas übertrieben darstellst), so wäre das gewiss kritikwürdig. Ich finde aber, man darf nicht so verallgemeinern.
    Die Frage ist, ob die von Dir geschilderte Haltung biblisch ist? (Wenn Paulus ständig schreibt „Und abermals sage ich: freuet euch!“, dann ist da zwar zunächst die Freude am Herrn gemeint, aber die ist auch echt und das einzige tragende Fundament; aber weder Paulus noch sonst die Bibel sind dagegen, dass man sich an Gottes Gaben freut).

  22. @Roderich. Ist natürlich ein krasser Fall, aber Evangelikale hier in der Gegend verbreiten schon so eine Art Tugendterror, auch wenn vor allem die Jugend sich dem heute weitestgehend entzieht. Eine Formulierung, die näher an der täglichen evangelikalen Wirklichkeit ist, lautet vielleicht, „die gehen zum Lachen in den Keller“. Jedenfalls war ich, in recht liberalem katholischen Elternhaus aufgewachsen (ich musste zum Beispiel nie zur wöchentlichen Ohrenbeichte stapfen, wie es damals üblich war) sehr verblüfft, als ich diese Lebenseinstellung bei Protestanten entdeckte.
    Mit Paulus und Augustinus! stehe ich auf Kriegsfuss und versuche mich fern zu halten, seit ich die Bibeln (in jeder Übersetzung steht ja was anderes!) von der Vulgata bis zur Schlachter et alii und die Confessiones gelesen habe. Paulus und die Frauen, das war nicht mal für für damalige Verhältnisse normal und Augustinus war eindeutig vom schlechten Gewissen gepackt und deswegen so jesusmässig schlecht drauf. De Civitate Dei halte ich noch für das vernünftigste was er niedergeschrieben hat. Aber die beiden als Leitfiguren für Liebe und Sexualität? Meine Frau und ich sind doch keine Masochisten!

  23. Schandor meint:

    Stimmt. Blöd ist nur: Paulus hat das geschrieben, was Gott wollte. Wenn wir also vor Gottes Gericht kommen, wie sollen wir argumentieren?

  24. Alexander meint:

    @Gast auf Erden: Die angebliche Frauen- und Sexfeindlichkeit des Paulus ist eine von biblischer Unkenntnis genährte alte Mär. Paulus warnt sogar davor, in der Ehe zu wenig Sex zu haben (1 Kor 7,5).

  25. @Gast auf Erden: Erst mal danke für Deine ehrlichen Worte. Ich kenne Deine Geschichte nicht und kann daher nichts dazu sagen. Aber ich hoffe, Du erlaubst mir eine offene Anmerkung: Wenn ich das richtig sehe, dann hast Du bisher nur „Geschmacksargumente“ gebracht, aber leider noch keine Sachargumente.

    Anders gesagt: Die Tatsache, dass Du etwas schlimm findest, heißt noch nicht, dass Du auch Recht hast. Umgekehrt haben die anderen deswegen noch nicht Unrecht. Eine Sexualethik wird nicht dadurch widerlegt, wenn sie einem nicht gefällt.

  26. @Adler et alii Dank für Eure Erwiderungen!

    Und ja, Ihr habt Recht, ich, nein wir, mein mir vor Gott angetrautes Eheweib und ich, verlassen uns nicht auf göttliches, oder angeblich göttliches Recht, weil es uns schlicht und einfach zu unsicher ist. Ich habe verschiedene christlichen Quellen/Bibeln, gelesen und teilweise sogar durchgearbeitet habe; und wenn ich daran denke, dass dies noch nicht einmal ein minimaler Anteil aller göttlicher Schriften ist, die hinieden kursieren (woher wollen wir wissen, dass nicht die Mizwot, der Koran oder die Weden alleine göttlichen Ursprungs sind?), dann verlasse ich mich lieber auf von Menschen gesetztes, positives Recht.
    Und seit die Religionen, zumindest hierzulande, die göttlich autorisierten Herrscher von Gottes Gnaden nicht mehr propagieren, hat sich das doch ganz gut bewährt.

    Und täuschen Sie sich nicht! Unser aller Wertesystem ist mitnichten die Bibel, nicht der Koran und die Thora.
    Unsere Wertesystem ist das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das mit den Worten „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ In Artikel eins beginnt und mit Artikel 102 noch lange nicht am Ende ist. Darüber natürlich die gegen alle Religionen erzwungene Allgemeine Deklaration der Menschenrechte.
    Und wenn Sie/sie darüber hinaus noch Rechte und Pflichten postulieren, mit welcher Begründung auch immer, können Sie/sie das gerne tun, so lange Sie diese nicht anderen Personen aufzwingen wollen, oder diese mit unserer Verfassung und den Menschenrechten kollidieren.
    Adieu.

  27. @Gast auf Erden: Danke für Ihre Antwort. Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, wenn ich Ihnen sage, dass ich Ihre Ausführungen nicht überzeugend finde.

    Sie schreiben, dass göttliches Recht schlicht und einfach zu unsicher sei. Stattdessen verlassen Sie sich lieber auf von Menschen gesetztes, positives Recht. Dagegen könnte man nun viele Gegenargumente bringen. Was ist z.B., wenn Menschen einander ausschließendes Recht setzen? Wer entscheidet dann? Die Mehrheit? Und dürfen wir Christen auch Recht setzen? Wäre das dann verbindlich? Oder ist es uns Christen verboten, Recht zu setzen?

    Sie berufen sich auf die „Allgemeine Deklaration der Menschenrechte“. Nicht überzeugend! Was sind denn überhaupt „Menschenrechte“? Gelten „Menschenrechte“ auch für Embryonen? Für Affen? Für Katzen? Diese Fragen werden völlig unterschiedlich, widersprüchlich (!) beantwortet. Es gibt da keine Einigkeit! Wer entscheidet das nun? Das ist mir dann doch zu unsicher.

    Sie schreiben, dass wir darüber hinaus noch Rechte und Pflichten postulieren dürften, „so lange Sie diese nicht anderen Personen aufzwingen wollen, oder diese mit unserer Verfassung und den Menschenrechten kollidieren.“

    Die Verfassung wird aber völlig unterschiedlich, einander widersprechend (!) ausgelegt. Die Juristen streiten sich darüber. Wer hat Recht? Ein Dogmatiker? Welcher? Das ist mir viel zu unsicher!

    Und mal davon abgesehen: Ist die Verfassung denn unfehlbar? Ist sie ein Dogma, das man nicht hinterfragen darf? Sie sagen selbst, dass Menschen das Recht setzen. Also kann die Verfassung doch wieder geändert werden? Das ist widersprüchlich. Könnten sich Menschen denn dafür entscheiden, die Zehn Gebote als Verfassung zu setzen? Würden Sie ihnen das verbieten? Das wäre dann aber auch Zwang (von Ihnen).

    Aber sie haben ja auch geschrieben, dass man anderen Personen nichts aufzwingen soll. Gilt das auch für die jetzige Verfassung? Unser jetziges politisches System in Deutschland samt seinen Gesetzen zwingt uns zu abertausenden Dingen. Das gilt übrigens sogar für die Sexualethik: Ich werde dazu gezwungen, Abtreibungen finanzieren zu müssen. Ich darf mich nicht da nicht verweigern. Wenn ich Kinder hätte, würde der deutsche Staat sie dazu zwingen, am Sexualunterricht teilzunehmen. Der Staat zwingt sie dazu! Wenn ich meine Kinder davor schützen will, kann ich mich strafbar machen. Das gilt auch für Klassenfahrten und den Schwimmunterricht. Ich werde dazu gezwungen, mit meinen GEZ-Zwangsgebühren pornografische Sendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu finanzieren. Ich werde dazu gezwungen, den Christopher Street Day mitzufinanzieren, obwohl ich das nicht will…

    Wenn sie gegen Zwang sind, lehnen Sie dann wenigstens konsequenterweise die jetzige Verfassung ab? Oder ist das ein Dogma, welches man nicht in Frage stellen darf?

    Davon abgesehen: Wer zwingt Sie eigentlich zu irgendwas? Was Sie höchstens aushalten müssen, ist Kritik. Darauf können und dürfen Sie wiederum mit Gegenkritik reagieren. Was ist Ihr Punkt? Wollen Sie Leuten/Kirchen verbieten, dass diese Sie kritisieren dürfen? Ich kann Sie ja verstehen, dass es nicht angenehm ist, kritisiert zu werden. Aber wie war das noch mal mit der Verfassung? Verbietet die Verfassung, dass z.B. Kirchen ihre Positionen öffentlich verkündigen und bestimmte Leute kritisieren dürfen? Wollen Sie sich gegen die Verfassung stellen?

    Also bitte nicht übel nehmen, aber ich sehe wirklich nicht, dass Sie irgendwelche guten Sachargumente hätten.

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