ETS und die Ethik

091916 1444 ShouldanEva1Stan Gundry ist Senior Vizepräsident bei Zondervan Academic und ehemaliger Präsident der Evangelical Theological Society (ETS). Die ETS ist eine 1949 gegründete Theologenvereinigung mit hohen Standards bzgl. dem Schriftverständnis. In der Lehrbasis heißt es: „Die Bibel allein und die Bibel in ihrer Gesamtheit ist das geschriebene Wort Gottes und ist daher  in den originalen Handschriften (Autographen) unfehlbar. Gott ist eine Trinität von Vater, Sohn und Heiliger Geist, jede Person ist ungeschaffen, im Wesen eins, gleich in Macht und Herrlichkeit.“

Etliche Theologen aus Deutschland haben sich übrigens der ETS angeschlossen.

Im vergangenen Jahr hat die ETS wegen aktueller Trends in der amerikanischen Rechtssprechung eine Resolution zu Fragen bzgl. Ehe und Gender verabschiedet. Darin heißt es:

1. We affirm that all persons are created in the image and likeness of God and thus possess inherent dignity and worth.
2. We affirm that marriage is the covenantal union of one man and one woman, for life.
3. We affirm that Scripture teaches that sexual intimacy is reserved for marriage as defined above. This excludes all other forms of sexual intimacy.
4. We affirm that God created men and women, imbued with the distinct traits of manhood and womanhood, and that each is an unchangeable gift of God that constitutes personal identity.

Zurück zu Stan Gundry. In einem Offenen Brief hat er nun die Resolution aus dem Jahr 2015 infrage gestellt und eine größere Vielfalt innerhalb der ETS gefordert. Denny Burk erörtert in seinem Blog die Vorgänge und kommt zu dem Schluss:

The ETS has shown little interest in drawing more boundaries or in strictly enforcing the current boundaries. If that situation holds, shouldn’t we expect more presentations from members affirming gay marriage? Gundry is arguing that this is exactly the kind of Society we need to be. I am wondering how many members agree with him. I could be wrong, but my sense is that the vast majority of ETS members don’t agree with him. But having said that, I see no evidence that the Society has the will to do anything about it.

I have no plans to spearhead another effort to amend ETS’s doctrinal basis. But members should recognize that ETS is a democratic society. Thus ETS will be what its members allow it to be. Our policies allow for members to affirm gay marriage so long as they base their arguments on the Bible. If the members allow this slow-motion drift in the direction of affirming gay marriage, they should not be surprised when the Society is eventually gutted of its evangelical identity. And that is something that Carl Henry, Roger Nicole, and the other founders never intended for ETS.

Möglicherweise sind diese Vorgänge Indizien für einen revisionistischen Trend. Sollte es in der ETS keinen substantiellen Widerstand geben, wird das in Nordamerika zu weiteren Konfusionen innerhalb der evangelikalen Szene führen. Abzusehen ist ausserdem, was das für weniger gefestigte Vereinigungen außerhalb Nordamerikas bedeutet.

Hier die ganze Geschichte von Denny Burk: www.dennyburk.com.

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Kommentare

  1. Burk’s Perspektive ist die eine, es gibt aber auch solche Stimmen, die die Resolution ebenfalls ablehnen, aber nicht, weil sie revisionistischen Tendenzen Vorschub leisten wollen, sondern weil sie verkürzte Antworten ablehnen. So kommentiert etwa Michael Bird auf seinem Blog Punkt 4 der Erklärung:
    „I wasn’t at the Atlanta meeting last year and I would not have affirmed the resolution. Not because I’m some ultra-left wing tree hugging femonazi from Harvard who rails against heteronormativity; rather, I simply think # 4 of the resolution is notoriously inadequate. Issues related to gender identity and gender dysphoria require a multi-disciplinary medical, social, theological, and pastoral response, not a 30-word precis. You cannot offer superficial responses to complex topics, passing them as resolutions, and be expected to be taken seriously.“
    (http://www.patheos.com/blogs/euangelion/2016/09/stan-gundrys-open-letter-to-ets-on-lasts-years-resolution/)
    Vor dem Hintergrund der aufgeheizten Grabenkämpfe, die sich seit Jahren auch innerhalb der ETS zwischen Egalitarians (zu denen sich Bird zählt) und Complementarians abspielen, kommt es da schnell zu Verdächtigungen, der ETS sollte eine bestimmte Richtung vorgegeben werden. Auch wenn ich mit den Aussagen 1-4 inhaltlich keine Probleme habe, ist die Formulierung der Punkte ohne jede weitere Erläuterung recht unpräzise und daher als Bekenntnisgrundlage leider alles andere als eindeutig.

  2. @Daniel: Das ist so eine typische Michael Bird-Antwort. Von ihm hätte ich genau so etwas erwartet, nichts anderes.

    Zum Inhalt: Es geht ja gar nicht um eine Bekenntnisgrundlage, sondern darum, einen Trend, der bereits vorhanden ist, zu bremsen. Vor allem geht es angesichts der rechtlichen Lage um eine juristische Absicherung.

    Natürlich kann man von einem idealen Statement träumen. Aber es doch nicht Aufgabe der ETS, „a multi-disciplinary medical, social, theological, and pastoral response“ zu diesen ethischen Fragen herauszugeben! Gerade die ETS, die doch nur extrem kurze Formulierungen kennt. N.T. Wright würde sagen: Hier müssen wir erst einmal 5 Jahre forschen. Ich kann da nur mit dem Kopf schütteln.

    Liebe Grüße, Ron

  3. In der Tat eine typische Michael Bird-Antwort. Ein ideales Statement ist natürlich eine Wunschvorstellung, aber das andere ist die traurige Realität, dass eine Vereinigung studierter Theologen nicht (mehr) in der Lage ist, eine adäquate Resolution herauszugeben bzw. für die man noch nicht einmal Theologie studiert haben muss. Dazu wären auch keine fünf Jahre Forschung nötig. Während die politische Lage eine klare Stellungnahme erfordert, verlieren sich einige in der ETS darin, gegenseitige Verdächtigungen und Machtspiele voranzutreiben. Hauptsache, das eigene Lager behält innerhalb der ETS die Oberhand. Da kann ich auch nur mit dem Kopf schütteln.
    Liebe Grüße,
    Daniel

  4. @Daniel: Bekommst Du denn die Notes der ETS oder bist Du mal auf einer Konferenz gewesen? Woher Dein Urteil?

    Liebe Grüße, Ron

  5. Weder noch. Für mich scheint das bei den Stellungnahmen von Gundry und Bird durch. Siehe Gundry’s Punkt 8: „propose and pass a poorly framed set of four resolutions that makes the Society sound more like the Family Research Council or the Council on Biblical Manhood and Womanhood than the intentionally diverse “medium for the oral and written expressions of thought and research in the general field of the theological disciplines as centered in the Scriptures” as stated in the ETS Purpose statement.“ Und Bird kommentiert: „However, there are legitimate concerns about those who may be trying to take ETS in a very particular direction which would not accord with the stated intention of the leadership to try and attract more women and minorities.“ Vielleicht ist Machtspiel eine etwas scharfe Formulierung, aber in diesen Kommentaren von ETS-Mitgliedern wird deutlich, dass in der Tat eine Angst davor besteht, ein Lager könnte durch die Hintertür die Deutungshoheit beanspruchen (vielleicht deshalb, weil Strachan vom CMBW Mitverfasser ist?). „Es gilt ein klar Bekenntnis“, aber dieses Bekenntnis ist nicht möglich, weil der interne Richtungsstreit sogar Minimalresolutionen verhindert.
    Nun ist mir auch bewusst, dass Gundry und Bird sicherlich nicht für die ETS in toto sprechen können, auch wenn sie sie gut von innen kennen, insofern wäre es wahrscheinlich angebracht, wenn ich mein Urteil von vorhin etwas vorsichtiger formuliere.

  6. … in den originalen Handschriften (Autographen) unfehlbar.

    Die existieren nicht mehr. Damit ist die kolportierte Unfehlbarkeit eine Farce.

  7. @Daniel: Also ich würde mich nicht zu stark an den Anliegen von Gundry und Bird orientieren. Das ist eine derbe Überzeichnung der Lage! Man muss sich nur den Veranstaltungskatalog ansehen, um das zu erkennen.

    Liebe Grüße, Ron

  8. Danke, Ron, für deine Einschätzung der Lage! Vielleicht spiegelt diese Überzeichnung auch insgesamt die Kontroversen der letzten Monate um die Trinität ein bisschen wider. Man darf gespannt sein auf die anstehende Tagung der ETS im November 😉
    Herzliche Grüße,
    Daniel

  9. @Daniel: Ich wäre sehr gern hin geflogen, aber ich habe zu viele Termine im Winter. Mindestens ein Blog-Leser wird dabei sein und kann vielleicht berichten.

    Liebe Grüße, Ron

  10. Flüge nach San Antonio kosten zur Zeit (für den entsprechenden Zeitraum im November) ca. 550-600 Euro. Direkt im Anschluss ist auch noch eine Apologetik-Konferenz. Es ist sicherlich lohnend, hinzufliegen.

  11. Theophil Isegrim meint:

    Es gibt ja nun wirklich viele christliche Vereinigungen, die meinen, Homo-Ehe ist Gottes Wille und entspricht dem „Geiste Christi“. Die wird es sicherlich auch in Amerika geben und nicht nur hier. Warum schließen sich denn also diese „Revoluzzer“, die „Menschenfreunde“, „intellektuelle Speerspitze“ oder als was weiß ich sie sich so gerne sehen (ob sie das tatsächlich sind, steht auf einem anderem Blatt Papier), nicht diesen Vereinigungen an? Was wollen sie in solchen Vereinigungen, die sich auf das Wort beziehen. Da gibt es keine Legitimation für Homo-Ehe.

    Immer dasselbe.

    Am besten versucht man solche Leute dirket zu korrigieren und wenn sie das nicht einsehen, dann sollte man ihnen einen Abschied nahe legen.

  12. Roderich meint:

    Theophil,
    stimmt. Das Problem ist: Viele wohlmeinende Leute (die sich selber nicht als „Revoluzzer“ sehen, übernehmen schrittweise den Zeitgeist.
    Ich denke da an Craig Blomberg, der in seinem ansonsten sehr guten Buch „Can We Still Believe the Bible? An Evangelical Engagement“ ja Sympathien für solche Auslegungen zeigt. „Formale Bibeltreue“ (man folgt gewissen allgemeinen Auslegungsregeln) kann letztlich auch zu anderen Ergebnissen „gebogen“ werden. Sobald man nicht nur die Regeln, sondern das Auslegungsergebnis festlegt, setzt man sich dem Vorwurf der Intoleranz aus, bzw. wäre dann nicht mehr ganz bei „sola scriptura“.

    Vermutlich ist keine Institution gefeit gegen die schrittweise Aushöhlung / Unterwanderung durch den Zeitgeist. Klare Bekenntnisse helfen zwar, aber nach einer gewissen Zeit „sucht“ sich der Zeitgeist wieder einen anderen Angriffspunkt, der durch frühere Bekenntnisse nicht abgedeckt war.

  13. Zu welchem Lippenbekenntnis ließe sich der „Lichtbringer“ nicht hinreißen?
    Vor welchen Methoden zur Verführung der Außerwählten macht er wohl halt?
    Welchen Zeitrahmen hat er nicht, um selbst beinahe außer Zweifel stehende Evangelikale für seine Zwecke zu gebrauchen?

    Und wer wird so naiv sein zu glauben, es gäbe auch nur einen einzigen Menschen, der ohne Gottes tätige Hilfe vor seinen verschlagenen Angriffen gefeit wäre? (Antwort: extrem viele)
    Sieht man denn nicht, wie subtil diese Verführung und Verfälschung vor sich geht?
    Wer sieht denn nicht: Sowie der Boden des Schiffs ein Loch hat, kann buchstäblich ALLES eindringen bzw. die Wahrheit auslaufen?

    Sieht man denn nicht: Der Widersacher hat jetzt 2000 Jahre Zeit gehabt, sich auf dieses Szenario vorzubereiten, und wer wird so unendlich naiv sein zu glauben, er mache das so plump, dass ausgerechnet unsere evangelikale Intelligentsia das mitbekommt? Warum wohl heißt es in der Schrift: „… wennmöglich auch die Auserwählten zu verführen …“? Antwort: Weil seine Strategie mächtig und verschlagen genug ist, sämtliche Theologen dieser Welt zu täuschen!

    Eines seiner modernen Mittel ist der „sanfte Tonfall“ – die meisten Leute fallen heute darauf herein. Zu Luthers Zeiten hätte man diese Methode verlacht; heute wird sie allgemein respektiert, ja, gefordert, und wehe, man verstößt dagegen – da wird man nicht mehr ernst genommen, egal, was man zu sagen hat.

    Carl Henry und andere Gründungsmitglieder würden sich im Grabe umdrehen.

    Ich schätze Adlers Eifer sehr (wo ist er eigentlich?), auch wenn er sich zuweilen einer recht harschen Sprache bedient.

  14. rolf eicken meint:

    @Schandor,
    mich beeindruckt und erschreckt zugleich immer wieder Ihr unerschütterlicher Glaube an Luzifer/Phosphoros, der für mich letzlich nur ein Mittel zum Zweck ist.
    LG
    Rolf

  15. Verweise auf den Nachfolgeartikel bzw. die erwähnte Zeitschrift „Credo“ (Doctrine Matters) und den Artikel „You are what you think“ — Fallacy 1: All theology is tentative. Das passt hier gut!

  16. Peter Geerds meint:

    @Schandor
    „Die existieren nicht mehr. Damit ist die kolportierte Unfehlbarkeit eine Farce.!“
    Nein, weil durch die historische Wissenschaft der Textkritik ein zuverlässiger Text hergestellt werden kann. Also: Wir besitzen nicht die Originale, aber können einen aus historischer Sicht authentischen Text angeben.

  17. Schandor meint:

    @PeterGeerds

    Das ist purer Unsinn. Das ist so unendlich dumm, da fehlen mir die Worte.

  18. Peter Geerds meint:

    @Schandor
    „Das ist purer Unsinn. Das ist so unendlich dumm, da fehlen mir die Worte.“
    Solche Reaktionen – z. T. beleidigend – kenne ich aus dem Lager KJV-only bzw. Lu1546-only. Leider wird auf Seiten der TR-Verfechter mit viel Diffamierungen gegenüber der Textkritik gearbeitet. Auffällig ist m. E. auch, dass niemand mir bisher eine ganz wichtige Frage beantwortet hat: Welcher der vielen TR-Varianten ist denn nur der „echte“ TR?

  19. Johannes Strehle meint:

    @ Peter Geerds
    „Lager KJV-only bzw. Lu1546-only“
    Könntest Du mir die Abkürzungen erklären?
    Und „TR“.
    Lu1546 kann ich mir zusammenreimen als Luther-Übersetzung von 1546.
    Gibt es etwa Leute, die meinen, dass diese der Weisheit (Gottes) letzter Schluss ist?
    Danke im Voraus.

  20. KingJamesVersion (1611, glaub ich), Textus Receptus. Und: ja, genau.

  21. Schandor meint:

    @Peter

    Nicht Beleidigung, sondern eine Aussage über Deine Aussage. Du musst Dich nicht mit Deiner Aussage identifizieren, und dann ist es auch keine Beleidigung.

    Das ist keine Sache zwischen dem Nestle-Aland und dem Textus Receptus, auch keine zwichen einem Nestle-Aland und einem Textus Receptus, sondern es ist die Frage, ob denn Gott sein Wort rein bewahrt hat?

    Lass doch die Einzelheiten mal beiseite und frag Dich als Mensch:

    Glaubst Du, Peter Geerds, dass Gott in der Lage ist und war, sein Wort so zu bewahren, dass auch Du heute bei jedem einzelnen Wort sagen kannst: Ja, denn es steht so (und nicht anders) geschrieben!? DAS hat die Christenheit, betrogen von der alten Schlange, heute aufgegeben. Darum und um sonst nichts geht die Sache.
    Wenn Du, Peter Geerds, nämlich nicht sicher wissen kannst, ob das, was Du liest, auch tatsächlich so und nicht anders vom Heiligen Geist inspiriert ist, dann kannst Du eines Tage auf eine gefährliche Klippe zu stehen kommen. Und wenn die dann wankt? Nein, es muss das Wort Gottes stehen felsenfest, oder wir sind verloren.

    Schon allein der Gedanke, Gott habe sein Wort zwar eingegeben, aber letztlich könne man nie sicher sein, was er denn nun wirklich gesagt hat, schon allein dieser Gedanke attestiert Gott doch Unfähigkeit oder Unwillen, nicht?

    Siehst Du denn nicht, was alles möglich ist, wenn man diesen festen Urgrund aufgibt? Hast Du auch eine Ahnung, welche neuen „Lesarten“ vielleicht noch aus verschiedenen römischen Gruften steigen, in denen die alte Schlange mit der ewig alten Lüge fragt: Sollte Gott wirklich gesagt haben?

    Siehst Du denn nicht, dass das ganze Neu-Text-Unterfangen seit Westcott und Hort (und noch früher) nichts anders ist als die satanische Paraphrase: Sollte Gott wirklich gesagt haben? DAS ist doch das Problem! First things first, so muss man beginnen!

    Lass Dich doch nicht beeindrucken von der Menge, die diese Sache längst aufgegeben hat! Weder um King James, noch um Textus Receptus noch um sonst geht es hier, sondern um Dich, um Deinen Glauben, um das Heilige Wort Gottes. Dessen Grundlage hat der Feind angegriffen, und ist so überaus erfolgreich, weil sein Volk nicht mehr sehen will. Der Zorn und die große Traurigkeit darüber haben mich verführt, mich zu so unfreundlichen Worten Dir gegenüber hinreißen zu lassen.

  22. Lieber Schandor,

    solange Du diese ihrem Anspruch nach zutiefst und zentralst theologische Argumentationslinie nicht konkret und sachgerecht aus der Schrift ableitest, ist sie nichts weiter als eine Abart frömmelnder Bibelkritik, wie sie Jesus in Markus 7,7f in ihrer moralisierenden Version geiselt: Menschlich-fromme Gedanken über die Schrift hinaus, die zu Gottes Wort erhoben diesem beigesellt werden, um dessen vermeintliche Schwachstellen auszubessern, es zu „schützen“.

    Also: statt pseudo-theologisches Geschwurbel wie der ungläubige Theologieprofessor – nur mit anderem Vorzeichen – bitte konkrete Exegese. zB bei Ps 12 anfangend, wo Du noch Antwort und Beleg schuldig bist.

  23. Schandor meint:

    @Jörg

    Nein. Deine Prämissen teile ich schon nicht. Vermeintliche Schwachstellen sehe nicht ich, sondern Du. Ich sage ja: es gibt sie nicht, sondern Gott hat sein Wort rein bewahrt.
    Es ist dies KEINE wissenschaftliche Frage, und daher will ich auf diese Ebene auch nicht gehen. Es ist nämlich nicht die untere Ebene, sondern bereits ein Derivat. Hier geht es um eine fundamentale Sache: Glaubst Du das? Oder glaubst Du das nicht? Und die Antwort ist ganz einfach: Nein, Du glaubst das nicht. Damit wirst Du klarkommen müssen, nicht ich.

    Außerdem habe ich, wenn ich mich recht erinnere, was man ja leicht überprüfen kann, zunächst einen Kommentar abgegeben. Der bleibt stehen und führt nicht zu einer „Antwort und Beleg-Schuldigkeit“.

    Und was den Vorwurf betrifft, ich habe mich einer „frömmelnden Bibelkritik“ befleißigt, indem ich behaupte, Gott hat sein Wort bewahrt und nicht es nach der Erstellung der Autographe sich selbst überlassen — der Verantwortung sehe ich mit großer Gelassenheit entgegen, während ich vielmehr für jene fürchte, die dem Wort Gottes immer mal was hinzufügen und was wegnehmen. Und Du weißt ganz genau, wer das ist.

  24. Schandor,

    die Pharisäer wollten Gottes Wort schützen, indem sie es mit ihren menschlichen Geboten umzäumt (und damit letztlich überlagert) haben. Was geschützt werden muss, hat Schwachstellen.

    Du formulierst eine TextüberlieferungsbewahrungsTHEOLOGIE. Die Frage ist: Ist die Bibel Quelle und Norm dieser Theologie (denn nur dann ist sie wirklich Theologie: Nach-Denken von Gottes Offenbarung), oder ist diese (dann Pseudo-)Theologie nur ein solcher Zaun, der eine vermeintliche, durch diese Theologie (!) implizierte Schwachstelle in Gottes Wort schützen will und seine Quelle und Norm im menschlich-frommen Denken und Wünschen einer bestimmten Prägung hat?

    Es geht hier also gerade nicht um eine wissenschaftliche Frage, mein Bruder. Wir befinden uns auf der Ebene, die Du betonst, auf der Ebene des Glaubens. Zu glauben ist allein schriftgeschöpfte und schriftnormierte Theologie, dh, die Schrift in sachgemäßer Auslegung. Du aber weigerst Dich, Deine Textüberlieferungstheologie dem Skalpell der Schrift (Hebr 4,12) auszusetzen, der Kritik durch die Bibel, indem Du jede kritische geschwisterliche Nachfrage entweder ignorierst, oder auf die Ebene der Kritik an der Bibel ziehst, oder suggestiv „argumentierst“. –

    „Prüft alles [an der Schrift]“ (1Thes 5,21 mit Apg 17,11) „Seid jederzeit bereit zur Verantwortung gegenüber jedem, der Rechenschaft von euch fordert“ (1Pet 3,15).

    Warum entziehst Du Dich der Verantwortung, wenn jemand von Dir Rechenschaft verlangt, der Deine Lehre an der Schrift prüfen will?

    Und ganz konkret: Du hast eine Behauptung aufgestellt über einen angebliche hebräische Textvariante von Jakob Ben Hajim – ohne Zitat, ohne Belegstelle. Ich habe danach gesucht, eine Bibelausgabe dieses Herrn gefunden, die aber diese von Dir behauptete Textvariante NICHT enthält, sondern in Konsonantentext und Vokalisation mit dem heutigen Standardtext übereinstimmt. Also habe ich entweder die falsche Primärquelle gefunden – oder die Sekundärquelle, auf die Du Dich stützt, lügt. Dieses Problem einfach im Raum stehen zu lassen ohne zu seiner Klärung beizutragen versuchen – entspricht das in Deinen Augen der Verantwortung, die 1Petrus 3:15+16 Dir auferlegt? Ist ein im Raum stehen gelassener Lügenvorwurf de(ine)m christlichen Lebenszeugnis und Gewissen zuträglich (V. 16)?

    Ein kleines Zitat, eine kurze Quellenangabe – was ist daran so schwierig?

    Du suhlst Dich in Selbstgerechtigkeit, die Du mit der Gewissheit, dem Frieden und der Gelassenheit verwechselst, die Gottes Geist über die Rationalität des Denkens („Wissenschaft“) schenkt (Phil 4,7).

    Wenn Du wirklich ehrlich, als Kind Gottes, „für jene fürchte[n]“ würdest, die in Deinen Augen auf einem fatalen Irrweg sind, dann würdest Du Deiner Verantwortung nachkommen, anhand der Schrift zu überführen, zu erklären, zu argumentieren. Aber selbst, wenn Dein Gegenüber sich offensichtlich ernstlich damit beschäftigt, Zeit und Mühe investiert, kommt von Dir ja – nichts. Außer Suggestion und dem Anvisieren eines menschlichen schlechten Gewissens – nicht von Überführung im biblischen Sinne. Du führst, mein Freund, nicht das Schwert des Geistes, sondern das Schwert des Herrn dieser postmodernen Welt, der nicht durch und auf die Wirklichkeit hin dekonstruiert (nämlich zurechtbringt), sondern mit psychologischen Mitteln bloß Verunsicherung stiftet.

  25. Peter Geerds meint:

    Glaubst Du, Peter Geerds, dass Gott in der Lage ist und war, sein Wort so zu bewahren, dass auch Du heute bei jedem einzelnen Wort sagen kannst: Ja, denn es steht so (und nicht anders) geschrieben!? DAS hat die Christenheit, betrogen von der alten Schlange, heute aufgegeben.

    Damit ist eine weitere Diskussion hinfällig – keiner kennt die Originaltexte, auch die TR-Vertreter jeglicher Couleur nicht!

    Du musst Dich nicht mit Deiner Aussage identifizieren, und dann ist es auch keine Beleidigung.

    So ein Satz ist schlicht Unfug. Warum sollte jemals jemand seine Meinung geschrieben haben, wenn er sich nicht mit ihr identifiziert? Außer vielleicht Menschen mit multiplen Persönlichkeiten.

  26. Schandor meint:

    @Peter

    Was interessiert mich Dein TR? Aber egal, Du hast recht: damit ist jede weitere Diskussion hinfällig.

    @Jörg

    Zu sagen, ich führe „das Schwert des Herrn dieser postmodernen Welt“, kämpfe also in Teufels Namen, wo ich Gottes Wort als ein für alle Mal feststehendes verteidigt habe, das ist sehr sehr böse.
    Ich wiederhole es: Was Du geschrieben hast, ist sehr böse.

    Ich werde mich daher aus dieser Plattform verabschieden.

    Salut.

  27. @Schandor

    Reiß die Sätze bitte nicht aus dem Zusammenhang: es ging mir um die Art und Weise, dem „Führen“ Deiner Argumentation , die nicht nur ungeistlich ist insofern sie biblischem Gebot zuwiderläuft, sondern postmodern – unter Aussparung der Kategorie objektiver Wahrheit im allgemeinen und biblischer Begründung im besonderen, und damit rein auf der psychologischen Ebene. Du „führst“ nicht das Schwert des Geistes, denn Du verhältst Dich entgegen biblischer Gebote (ungeistlich) und lässt das SChwert – biblische Begründung – stecken. Du argumentierst vielmehr postmodern – deshalb diese Übertragung jenes Bildes. Das hat nichts mit „im Namen Satans“ zu tun. Aber auch schon viel weniger, menschlich Gutgemeintes kann Gottes Wort außer Kraft setzen oder trotz allem Eifer und persönlciher Überzeugung am Ziel vorbeigehen, ohne rechte Erkenntnis. Und solch ein Gutgemeintes könnte eben auch die Verteidigung des ein für alle Mal feststehenden Wort Gottes sein – ohne Auftrag und Autorisierung durch dieses Wort und damit seinen Autor.

    Aber ich kann Dich natürlich nicht darin hindern, dass Du Dir aus meiner – berechtigten oder unberechtigten – Kritik einen Strohmann bastelst, um es vor Dir selbst zu rechtfertigen, Dich weder damit auseinanderzusetzen noch mit der sachlichen Ausgangsfrage, ob Du eine Lüge verbreitet hast (Ben Hajim Text Ps 12) oder nur nicht willens bist, Rechenschaft abzulegen und so zur Klärung (von von Dir verursachten Unklarheiten) beizutragen. Schade in jeder Hinsicht.

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