Ev. Kirche gegen „Marsch für das Leben“

Wer meint, die Evangelische Kirche in Deutschland sei für alles offen, ist nicht ganz dicht. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz distanziert sich nicht nur vom „Marsch für das Leben“, sondern problematisiert einen derartigen öffentlichen Einsatz für das Lebensrecht an sich: „Wir sehen es als höchst problematisch an, die ausgesprochen sensiblen und komplexen Themen menschlicher Existenz – wie zum Beispiel einen Schwangerschaftsabbruch oder die Präimplantationsdiagnostik –  zum Gegenstand einer Aktion mit dem Namen „Marsch für das Leben“ zu machen“, meint die Vorsitzende des Domkirchenkollegiums, Dr. Irmgard Schwaetzer. Schon 2014 riet die Kirchenleitung Gemeinden von einer Beteiligung am „Marsch für das Leben“ ab, da der Veranstalter des Schweigemarsches seine Positionen in einer „aggressiven Art und Weise“ vertrete.

Wer einmal an dieser Demo teilgenommen hat, dürfte wissen, von welchen Gruppierungen die Aggressionen ausgehen. Auch in diesem Jahr wird wieder kräftig Stimmung gemacht und eine Blockade des friedlichen Schweigemarsches angekündigt:

Für den 17. September 2016 mobilisiert der Bundesverband Lebensrecht (BVL) zu einem „Marsch für das Leben“ in Berlin. Der “Marsch”, der bereits seit 2002 in Berlin stattfindet, ist einer der wichtigsten öffentlichen Auftritte der selbsternannten „LebensschützerInnen“ (1), bei dem sie sich für ein generelles Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen einsetzen sowie ein christlich-fundamentalistisches Weltbild zelebrieren. Letzteres beruht auf der patriarchal-bürgerlichen Kleinfamilie, Zweigeschlechtlichkeit, einer strengen Sexualmoral und der Ablehnung von Trans*identitäten, Inter*geschlechtlichkeit und Homosexualität.

Beim dem „Marsch für das Leben“ handelt es sich um einen Schweigemarsch, bei dem die Teilnehmenden um abgetriebene Embryonen trauern, die sie als getötete Kinder verklären.Derzeit schließen sich konservative, christlich-fundamentalistische, reaktionäre, rechte und faschistische Kräfte vermehrt zusammen. Dabei dient auch der Antifeminismus als ein verbindendes Thema, über das breite Bündnisse geschlossen werden können. Dementsprechend finden sich unter den TeilnehmerInnen der jährlich stattfindenden “Schweigemärsche” PolitikerInnen der CDU/CSU und AfD, VerschwörungstheoretikerInnen, “LebensschützerInnen” und AkteurInnen der neuen und extremen Rechten. Im letzten Jahr folgten dem Aufruf des BVL ca. 5000 Menschen.

Auch vor dem Hintergrund der Wahlen für das Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September wollen wir in diesem Jahr die Abtreibungs-GegnerInnen nicht ungestört ihre antifeministischen und reaktionären Positionen verbreiten lassen! Wir werden am 17. September für körperliche Selbstbestimmung und eine solidarische Gesellschaft demonstrieren und anschließend den „Marsch für das Leben“ blockieren!

Hartmut Steeb hat hervorragend gekontert:

„Entsetzt“ über die kirchlichen Äußerungen zeigte sich der Vorsitzende des Treffens Christlicher Lebensrecht-Gruppen, Hartmut Steeb (Stuttgart). Die Kirche liefere nicht „ein biblisches Argument, warum der Marsch für das Leben falsch sein soll“, sagte er der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Das menschliche Leben stehe von Anfang an unter dem Schutz Gottes. Deshalb könne eine Kirche, die sich diesem Auftrag verpflichtet sehe, nicht für eine ergebnisoffene Schwangerschaftskonfliktberatung eintreten, sondern nur für ein klares Ja zum Kind. Steeb wies ferner den Vorwurf zurück, dass der Bundesverband Lebensrecht seine Positionen aggressiv vertrete. Aggressionen gingen vielmehr von Gegendemonstranten aus, die den Marsch für das Leben jedes Jahr massiv störten, etwa durch Blockadeaktionen.

Kommentare

  1. Dass die Ev. Kirche gegen den „Marsch für das Leben“ ist, kann niemanden überraschen. Die Ev. Landeskirche steht längst auf der falschen Seite. Sie ist eindeutig abgefallen. Wer in der Ev. Landeskirche Mitglied bliebt, der macht sich mitschuldig! Alle Christen müssen aus der Landeskirche austreten. Und zwar sofort!

  2. Vor diesem Hintergrund verstehe ich nicht, dass die Josia-Konferenz ausgerechnet am gleichen Wochenende am anderen Ende der Republik stattfindet. Würde nicht genau diese Generation als sichtbare Pro-Life-Fürsprecher beim Marsch für das Leben gebraucht?

  3. Johannes Strehle meint:

    Zur einen Seite:
    Es ist kläglich, jämmerlich, erbärmlich,
    wie wenig konservative Christen an dem „Marsch für das Leben“ teilnehmen.
    Der „Marsch für das Leben“
    ist deshalb eine politisch bedeutungslose „Kleindemonstration“.
    Wir müssen der „evangelischen“ „lutherischen“ Landeskirche dankbar sein,
    dass sie ein wenig öffentliches Interesse weckt.
    Ich habe für keinen konservativen Christen Verständnis,
    der ohne gute Gründe nicht an dem Marsch teilnimmt.
    Die Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit
    in vielen (fast allen?) Gemeindeleitungen ist skandalös.
    Hartmut Steeb, der Generalsekretär der Evangelischen Allianz,
    setzt sich vorbildlich ein. Ich bezweifle, dass alle Hauptvorstandsmitglieder
    ihn dabei, insbesondere öffentlich, unterstützen.
    Eine Stellungnahme des Vorsitzenden Michael Diener,
    der für die Akzeptanz gelebter Homosexualität in christlichen Gemeinden eintritt,
    würde mich interessieren.
    Ich würde auch gerne wissen,
    ob die Verantwortlichen der Deutschen Evangelischen Allianz
    die ca. 1.100 örtlichen evangelischen Allianzen aufgefordert haben,
    sich für die Teilnahme an dem Marsch einzusetzen
    und die Teilnahme zu organisieren.
    Zur Gegenseite:
    Die Landeskirche behauptet, dass der Veranstalter des Schweigemarsches
    seine Positionen in einer „aggressiven Art und Weise“ vertrete.
    Belege würden mich interessieren.
    Ich habe mehrfach an dem Marsch teilgenommen
    und auch Vorbereitungen vor Ort erlebt und kann nur vom Gegenteil berichten.
    Wer auch nur einmal dabei war, weiß, dass die Gegendemonstranten
    ihre Positionen in einer „aggressiven Art und Weise“ hasserfüllt vertreten.
    Gibt es dazu eine Stellungnahme der Landeskirche?
    Rät sie von der Teilnahme an den Aktionen gegen den „Marsch für das Leben“ ab?
    Oder misst sie (unchristlich) mit zweierlei Maß?
    Wenn ich dabei war, war der Hauptschlachtruf der Gegendemonstranten
    während der Kundgebung und des Schweigemarsches,
    der ständig aggressiv skandiert wurde: „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat.“
    Zur unüberhörbaren und unübersehbaren Begleitmusik gehörte zum Beispiel:
    „Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben.“
    Der Aufruf der Gegner steht unter dem Titel:
    „Marsch für das Leben“? – What the fuck!
    So äußern sich die Gegner zu diesen laut Landeskirche
    „ausgesprochen sensiblen und komplexen Themen menschlicher Existenz“.
    Was sagt die Landeskirche dazu?
    Blockaden einer genehmigten Demonstration
    richten sich gegen das Demonstrationsrecht und belegen wieder einmal
    das Verhältnis der Initiatoren und Teilnehmer zum Rechtsstaat
    und ihr Verständnis von Toleranz, Pluralismus und Antidiskriminierung.
    „Bündnis 90/Die Grünen, die sozialistische Partei „Die Linke“ und weite Teile
    der SPD in Berlin machen Front gegen den dortigen „Marsch für das Leben“.
    „Die Gegner unterstützen das „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“,
    das zu einer Gegendemonstration aufgerufen hat.“ (idea)
    Eine dritte Seite:
    Der Rechtsstaat verhält sich vorbildlich. Ich habe mehrfach erlebt,
    dass die Polizei den Marsch kompetent und souverän geschützt hat
    (ungefähr so viele Polizisten wie Gegendemonstranten).
    Für die Teilnehmer des Marsches reichten einige Verkehrspolizisten aus.

  4. Hallo Adler,
    zu Deiner Anmerkung „Alle Christen müssen aus der Landeskirche austreten. Und zwar sofort!“ stellt sich die Frage ob es genug freie Gemeinden gibt welche die Gläubigen aus der Landeskirche ein neues Zuhause geben können. Viele freie Gemeinden sind mit sich selbst so zufrieden und erwarten keine neu Mitglieder bzw. Zuwachs. Außerdem gibt es nicht genug freie Gemeinden.

  5. „Die Kirche liefere nicht „ein biblisches Argument, warum der Marsch für das Leben falsch sein soll, sagte Steeb der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.“

    Wann liefert diese Kirche überhaupt noch biblische Argumente für irgend etwas? Insoweit ist die Kirche wenigstens konsequent 😉

  6. Johannes G. meint:

    Dass dies an Armseligkeit kaum mehr zu toppen ist, muss ich wahrscheinlich nicht extra betonen. Davon abgesehen stehe ich einer positiven Wirkung von Demonstrationen grundsätzlich eher kritisch gegenüber. Ich habe zwar auch kein Patentrezept, wie man das ändern könnte. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass Bestrebungen nach Veränderung immer primär durch eine umfassende Argumentation begründet sein sollte, welche sich zudem ausführlich mit der Gegenseite und deren Einwänden beschäftigt.

    Mir ist in Deutschland kein Philosoph oder Theologe bekannt, der sich für den unbedingten Lebensschutz einsetzt und dem es gelingt, die entsprechenden Argumente in der Öffentlichkeit oder zumindest im akademischen Umfeld erfolgreich zu platzieren. Da sind uns die Amerikaner – bzw. speziell die Katholiken – meiner Einschätzung nach um Längen voraus. Aus dem Stehgreif fallen mir aus dem angelsächsischen Raum mindestens vier empfehlenswerte Publikationen ein, die sich eingehend und umfassend mit diesem Thema beschäftigen.

    Ich meine die Protestanten täten gut daran, die Barthsche Kritik am Naturrecht nochmals zu überdenken und sich wieder neu und unvoreingenommen mit dieser Denkschule zu beschäftigen…

    Liebe Grüße
    Jo

  7. @Johannes G. Es ist ausgerechnet Barth, der im Blick auf Abtreibung und HS exegetisch gut begründete Argumente liefert. Grundsätzlich stimme ich Dir aber zu. Barth hat – aus verständlichen Gründen – überreagiert. Wir brauchen eine Schöpfungsethik.

    Liebe Grüße, Ron

  8. Diese Positionierung der so genannten evangelischen Kirche zeigt nicht nur ein Anbiedern an den links-grünen Zeitgeist, sondern ist auch Ausdruck einer falschen oder fehlenden weltanschaulichen Grundlage.
    Aus der Tatsache, dass ein Mensch unantastbare Lebenswürde und Lebensrecht hat (vielleicht mit Ausnahme von Kapitalverbrechern), folgt eigentlich bereits ein striktes Abtreibungsverbot. Die unterschwellige Prämisse ist dabei, dass der Mensch konstant Mensch und Person ist, insofern er eine Seele hat, die den Wechsel körperlicher Entwicklungszustände überdauert. Wird der Mensch als ein Stück Materie angesehen, so fällt dies fort.
    Das Problem scheint zu sein, dass die Kirchenvertreter den Naturalismus und letztlich so den Atheismus(!) mit einer oberflächlich modern-christlichen Religiosität zu kombinieren versuchen.

  9. Ein Gast meint:
  10. Johannes G. meint:

    @Ron

    es blieb ihm ja genau deswegen gar nichts anderes mehr übrig 😉

    Damit man mich aber nicht falsch versteht: Exegetische Argumente sind auch in moralischen Fragen unverzichtbar, da der gefallene und fehlbare Mensch ohne ein zuverlässiges Korrektiv allzu leicht irrt und dazu neigt, seine eigenen Interessen zu „rationalisieren“. Zur rationalen Begründung und Erklärung moralischer Sachverhalte reichen ausschließlich exegetische Argumente oft aber nicht aus und in einer pluralistischen Gesellschaft schließt der ausschließliche Verweis auf die Autorität der Bibel von vornherein vom Diskurs aus.

    @Ein Gast

    Rhonheimer ist Schweizer und lehrt an der päpstlichen Universität in Rom. In Deutschland wird er wahrscheinlich deshalb auch kaum wahrgenommen. Zudem gehört er Opus Dei an, was in Deutschland sicherlich nicht gerade zu einer positiven Wahrnehmung beiträgt. Aber ich will mal nicht päpstlicher sein als der Papst 😉

    Das Buch kenne ich zwar vom Titel, habe es aber noch nicht gelesen und hatte es daher wohl auch nicht mehr auf dem Schirm. Zur inhaltlichen Qualität kann ich daher nichts sagen. Ich habe hier zwei Aufsätze zur Moralphilosophie von ihm, bin aber auch hier noch nicht dazu gekommen, diese komplett zu lesen. Soweit ich es beurteilen kann, argumentiert er jedoch in ethischen Fragen ebenfalls aus Basis des Naturrechts, wobei er dieses in der praktischen Vernunft und nicht nur in der Naturordnung an sich verortet sieht. Mir scheint, er strebt hier eine Art Synthese aus „Klassischem“ und „Neuem“ Naturrecht an.

    Liebe Grüße
    Jo

  11. Ernst Rauter meint:

    Aus psychoanalytischer Sicht ist interessant, dass die Linken in der Installation eines großen Phallus inmitten eines Wortes (die Binnenmajuskel) ausgerechnet ein Symbol der Gleichberechtigung sehen. Der zitierte Text ist ein Paradebeispiel gelebter Gleichberechtigung, ganz offenbar.

    Mit der gesteuerten Umgestaltung der Kirche geht es zügig voran.

  12. @Peter

    Viele freie Gemeinden sind mit sich selbst so zufrieden und erwarten keine neu Mitglieder bzw. Zuwachs. Außerdem gibt es nicht genug freie Gemeinden.

    Das ist kein Argument! Gibt es in islamischen Ländern genug christliche Gemeinden? Nein, natürlich nicht! Folgt daraus jetzt, dass neubekehrte Christen in der Moschee bleiben sollen?

    Wenn es nicht genug Gemeinden gibt, dann muss man halt welche gründen oder in eine Stadt (oder in ein Land) ziehen, in dem es gute Gemeinden gibt. Das sollte einem der Glaube schon wert sein. Viele Christen in islamischen Ländern riskieren ihr Leben, indem sie illegal Gemeinden gründen, Evangelisieren oder Gottesdienst feiern. Wenn ausländische Christen sogar ihr Leben riskieren, sollten wir deutsche Christen dann nicht wenigstens bereit sein, unsere Bequemlichkeit und Harmoniesucht aufs Spiel zu setzen?

    Ich bleibe also dabei: Alle Christen müssen aus der Landeskirche austreten. Alle! Wer das nicht tut, der ist entweder feige, bequem, harmoniesüchtig oder liberal verdorben.

  13. Johannes Strehle meint:

    Was ich vermisse:
    Dass jemand schreibt: Ich fahre mit 50 Leuten aus meiner Gemeinde nach Berlin.
    Und dass uns als Antwort auf gast jemand erklärt, warum „die Josia-Konferenz ausgerechnet am gleichen Wochenende am anderen Ende der Republik stattfindet. Würde nicht genau diese Generation als sichtbare Pro-Life-Fürsprecher beim Marsch für das Leben gebraucht?“
    Johannes G. schreibt: „…stehe ich einer positiven Wirkung von Demonstrationen grundsätzlich eher kritisch gegenüber. Ich habe zwar auch kein Patentrezept, wie man das ändern könnte. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass Bestrebungen nach Veränderung immer primär durch eine umfassende Argumentation begründet sein sollte, welche sich zudem ausführlich mit der Gegenseite und deren Einwänden beschäftigt.“
    Primär begründet auf jeden Fall. Die „Bestrebungen nach Veränderung“ des Bundesverbandes Lebensrecht erfüllen meines Erachtens die von Johannes G. formulierten Voraussetzungen. Oder bist Du anderer Auffassung? Dann wäre es gut gewesen, früher darauf hinzuweisen. Du beklagst selbst, dass es in Deutschland keinem Philosophen oder Theologen gelingt, die Argumente für den unbedingten Lebensschutz „in der Öffentlichkeit oder zumindest im akademischen Umfeld erfolgreich zu platzieren“.
    Wofür plädierst Du konkret? Am nächsten Samstag findet der Marsch statt. Sollen wir auf diese Philosophen und Theologen und zunächst auf ihr akademisches Umfeld warten? Darauf, dass die Barthsche Kritik am Naturrecht von den Protestanten nochmals überdacht wird, während 100.000 Kinder pro Jahr in Deutschland getötet werden?
    Wie hättest Du damals den hartnäckigen und raffinierten politischen Kampf von Wilberforce und seinen Freunden gegen die Sklaverei beurteilt?
    Ich kenne keine „umfassende Argumentation, welche sich zudem ausführlich mit der Gegenseite und deren Einwänden beschäftigt“ für die Hoffnung, dass „Bestrebungen nach Veränderung“ ausschließlich durch Argumente erfolgreich sind.

  14. Johannes Strehle meint:

    Was ich vermisse:
    Dass jemand schreibt: Ich fahre mit 50 Leuten aus meiner Gemeinde nach Berlin.
    Und dass uns als Antwort auf gast jemand erklärt, warum „die Josia-Konferenz ausgerechnet am gleichen Wochenende am anderen Ende der Republik stattfindet. Würde nicht genau diese Generation als sichtbare Pro-Life-Fürsprecher beim Marsch für das Leben gebraucht?“
    Johannes G. schreibt: „…stehe ich einer positiven Wirkung von Demonstrationen grundsätzlich eher kritisch gegenüber. Ich habe zwar auch kein Patentrezept, wie man das ändern könnte. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass Bestrebungen nach Veränderung immer primär durch eine umfassende Argumentation begründet sein sollte, welche sich zudem ausführlich mit der Gegenseite und deren Einwänden beschäftigt.“
    Primär begründet auf jeden Fall. Die „Bestrebungen nach Veränderung“ des Bundesverbandes Lebensrecht erfüllen meines Erachtens die von Johannes G. formulierten Voraussetzungen. Oder bist Du anderer Auffassung? Dann wäre es gut gewesen, früher darauf hinzuweisen. Du beklagst selbst, dass es in Deutschland keinem Philosophen oder Theologen gelingt, die Argumente für den unbedingten Lebensschutz „in der Öffentlichkeit oder zumindest im akademischen Umfeld erfolgreich zu platzieren“.
    Wofür plädierst Du konkret? Am nächsten Samstag findet der Marsch statt. Sollen wir auf diese Philosophen und Theologen und zunächst auf ihr akademisches Umfeld warten? Darauf, dass die Barthsche Kritik am Naturrecht von den Protestanten nochmals überdacht wird, während 100.000 Kinder pro Jahr in Deutschland getötet werden?
    Wie hättest Du damals den hartnäckigen und raffinierten politischen Kampf von Wilberforce und seinen Freunden gegen die Sklaverei beurteilt?
    Ich kenne keine „umfassende Argumentation, welche sich zudem ausführlich mit der Gegenseite und deren Einwänden beschäftigt“ für die Hoffnung, dass „Bestrebungen nach Veränderung“ ausschließlich durch Argumente erfolgreich sind.

  15. @Johannes G.: Ich verstehe Dich. Dies ist ein Grund dafür, dass Barths Wort-Theologie als gescheitert gelten muss. Sie hat mir der Welt, in der wir leben, nicht mehr viel zu tun.

    Liebe Grüße, Ron

  16. Johannes G. meint:

    @Johannes Strehle,

    wenn ich es richtig verstehe, war dein letzter Beitrag maßgeblich an mich gerichtet. Daher möchte ich zumindest kurz auf deine Fragen antworten:

    Wofür plädierst Du konkret?

    Ich sehe aktuell einfach nicht, inwiefern Demonstrationen in unserer Gesellschaft eine positive Wirkung bezüglich eines Umdenkens bewirken können. Aufgrund der medialen Berichterstattung nehme ich sogar eher das Gegenteil bzw. eine Verhärtung der Fronten wahr: Der „Zusammenschluss“ von teilweise sehr unterschiedlichen Gruppen ist z.B. eine willkommene Gelegenheit, um Christen und ihre Anliegen in die „rechte Ecke“ zu rücken.

    Meiner Einschätzung nach sollten wir einerseits versuchen, allgemein nachvollziehbare Argumente auf wissenschaftlichem und populärwissenschaftlichem Niveau zu formulieren sowie fokussierte öffentliche Debatten zu diesem Thema zu platzieren (wie z.B. die Debatte neulich zwischen Daniel von Wachter und Ansgar Beckermann) und andererseits Christen in unseren Gemeinden auf einem zugänglichen Level apologetisch zu schulen. Ich meine es ist unverzichtbar, dass wir in den direkten Dialog treten. Ich denke wir müssen argumentativ aufzeigen, weshalb Abtreibung intrinsisch falsch ist und warum Argumente, die für eine generelle oder partielle Freigabe angeführt werden, in der Konsequenz unhaltbar sind.

    Abgesehen davon sollten wir auch klar machen, dass es nicht darum geht, Frauen, die sich für eine Abtreibung entschieden haben, zu stigmatisieren oder auszugrenzen. Vergebung gibt es bei Jesus auch für solche „Kapitalverbrechen“. Für sehr hilfreich und überzeugend halte ich in diesem Zusammenhang neben der Sachargumentation z.B. auch die Zeugnisse von Frauen, welche eine entsprechende Entscheidung getroffen und dann bereut haben. Die „Schwierigkeit“ oder „Komplexität“ liegt meiner Ansicht nach – entgegen z.B. der Auffassung einiger Teile der EKD – nicht darin, die richtige moralische Entscheidung zu treffen, sondern wie man überzeugend und gewinnend vermittelt, dass die Sachlage bezüglich der moralischen Beurteilung tatsächlich „ganz einfach“ ist.

    Wie hättest Du damals den hartnäckigen und raffinierten politischen Kampf von Wilberforce und seinen Freunden gegen die Sklaverei beurteilt?

    Ich vermag nicht zu beurteilen, ob man da wirklich eine Parallele ziehen kann. Wie bereits erwähnt, sehe ich heute und in unserer Gesellschaft bezüglich Demonstrationen eher eine negative Wirkung. Ich habe dazu aber keine belastbaren Daten. Jeder sollte daher das tun, wozu er sich berufen fühlt bzw. wo er seine Gaben am besten einbringen kann. Wenn jemand der Ansicht ist, dass die Teilnahme an einer Demo für ihn der richtige Weg ist, dann soll er das tun. Ich werde sicherlich niemandem nahelegen, dieser Veranstaltung fern zu bleiben. Für mich persönlich denke ich jedoch, dass meine verfügbare Zeit effektiver genutzt ist, wenn ich mich argumentativ mit diesem Thema befasse und diese Argumente zur Verfügung bzw. Diskussion stelle.

    Sollen wir auf diese Philosophen und Theologen und zunächst auf ihr akademisches Umfeld warten? Darauf, dass die Barthsche Kritik am Naturrecht von den Protestanten nochmals überdacht wird, während 100.000 Kinder pro Jahr in Deutschland getötet werden?

    Niemand sagt, dass wir „warten“ sollen. Ich habe mich z.B. in den letzten zwei Jahren in die aktuellen Auseinandersetzungen im Bereich der Sexualethik eingearbeitet. Da mir zudem im deutschsprachigen Raum kein Philosoph oder Theologe bekannt ist, der die traditionelle Naturrechtsargumentation zu diesem Thema in die Diskussion einbringt, habe ich als „Laie“, mit Unterstützung einiger Fachleute, selbst einen Aufsatz dazu in deutscher Sprache verfasst und meine Thesen z.B. in der Apologetik-Gruppe des IGUW vor- bzw. zur Diskussion gestellt. Mein Ziel ist es, einen weiteren Text zu verfassen, der speziell das Thema Lebensschutz – ebenfalls aus naturrechtlicher Sicht – behandelt. Das alles braucht Zeit – für mich als Laie sehr viel Zeit sogar. Ich persönlich halte diese Vorgehensweise jedoch in der aktuellen Situation und vor allem langfristig für zielführender als Demonstrationen. Aber ich lasse mich auch da gerne eines Besseren belehren 🙂

    Liebe Grüße
    Jo

  17. Johannes Strehle meint:

    @ Johannes G.
    Was Du zur Grundlagenarbeit schreibst, finde ich richtig.
    Und ich finde es sehr wichtig, dass Du Dich ihr widmest.
    Aber ich denke, wir sind uns einig,
    dass die besten Erkenntnisse mit den besten Begründungen
    politisch nur wirksam werden können, wenn sie dort ankommen,
    wo die politischen Entscheidungen fallen, also im Parlament.
    Dazu finde ich in dem, was Du schreibst, kaum etwas.
    Ein Vorschlag von Dir ist,
    „fokussierte öffentliche Debatten zu diesem Thema zu platzieren (wie z.B.
    die Debatte neulich zwischen Daniel von Wachter und Ansgar Beckermann).“
    Die Debatte fand ich gut und wichtig,
    aber ihr Einfluss auf die Politik ist gleich Null.
    „Für sehr hilfreich und überzeugend halte ich in diesem Zusammenhang …
    z.B. auch die Zeugnisse von Frauen,
    welche eine entsprechende Entscheidung getroffen und dann bereut haben.“
    Das geschieht öffentlich bei den Kundgebungen zum Auftakt des Marsches.
    „Ich persönlich halte diese Vorgehensweise jedoch in der aktuellen Situation und vor allem langfristig für zielführender als Demonstrationen.“
    Wenn die von Dir bevorzugte Vorgehensweise nicht in der Politik ankommt,
    ist sie politisch wirkungslos.
    (Der Nutzen jenseits der Politik wird davon nicht berührt.)
    In einer parlamentarischen Demokratie
    kann politisch nur parlamentarisch etwas verändert werden, direkt oder indirekt.
    Wie das direkt geht,
    haben Wilberforce und seine Freunde exemplarisch vorgeführt.
    Dieses oder ein anderes Beispiel (Abraham Kuyper!)
    sollte Teil jeder Ausbildung für verantwortliche Christen sein.
    Indirekter Einfluss ist
    über Lobby-Arbeit,
    über relevante Medien oder
    über öffentlichkeitswirksame Aktionen möglich, die den Politikern zeigen,
    dass eine relevante Anzahl von Wählern bestimmte Positionen vertritt.
    (Darum geht es bei Demonstrationen, nicht um Konfrontation.
    Aufgezwungener Konfrontation darf man nicht aus dem Wege gehen.)
    Wie eine kleine Minderheit
    (hauptsächlich) indirekt (mit einer schlagkräftigen Lobby) und
    direkt (durch Abgeordnete) großen politischen Einfluss gewinnen kann,
    der sich zum Beispiel in der Schulpolitik niederschlägt,
    haben die Homosexuellen vorgeführt und führen es weiter vor.
    „Denn die Söhne dieser Zeit sind klüger als die Söhne des Lichtes
    gegenüber ihrer Generation“, sagt Jesus, von dem wir auch sonst jede Menge
    über öffentlichkeitswirksames Auftreten lernen können,
    das allerdings auch „negative Wirkungen“ hatte.
    Ein exemplarisches Beispiel sind die GRÜNEN,
    die seit geraumer Zeit die Politik dominieren.
    Heute beherrschen sie die Mehrheit im Bundesrat,
    obwohl ihr Anteil an Kernwählern unter 10 Prozent liegt
    (bei etwa 5 Prozent der wahlberechtigten Bürger).
    Wie sie es geschafft haben, die deutsche Politik zu bestimmen,
    d. h. ihr Menschen-, Gesellschafts- und Weltbild und ihre Staatsphilosophie
    zu verankern und allgemein anerkannt als Fortschritt zu deklarieren,
    hat forsa-Chef Prof. Güllner vor ein paar Jahren in seinem Büchlein DIE GRÜNEN
    beschrieben und belegt. Eine lautstarke kleine Minderheit hat es geschafft,
    die schweigende Mehrheit (die inzwischen wohl nicht mehr die Mehrheit,
    sondern eine große Minderheit ist) auszugrenzen.
    Jetzt nutzen viele dieser lange von der Politik ausgegrenzten Bürger
    die Möglichkeit, aus Protest, nicht aus Überzeugung die AfD zu wählen
    und die etablierten Parteien können es nicht fassen.
    Ich halte das Büchlein für eine Pflichtlektüre
    für Bürger im Allgemeinen und Christen im Besonderen.
    Der politische Einfluss der konservativen Christen lässt sehr zu wünschen übrig.
    Sie schöpfen ihre Möglichkeiten bei weitem nicht aus.
    Stattdessen haben sie große Übung darin („Das große evangelikale Desaster“),
    nach dem Sprichwort zu leben: Der Klügere gibt nach.
    Nach Marie von Ebner-Eschenbach begründet das die Herrschaft der Dummheit.
    Das Problem des Beifalls von der falschen Seite ist ein allgemeines,
    mit dem man klug umgehen muss, vorrangig durch eindeutige Abgrenzung.
    Es darf aber niemand daran hindern,
    seine Positionen im Interesse der Menschen zu vertreten.
    Zur „negativen Wirkung“.
    Wenn wertkonservative Bürger öffentlich auftreten
    und den selbsternannten Fortschrittlichen ihren Anspruch streitig machen,
    gibt es natürlich Geschrei und Protest. Denn das
    sind die Protagonisten des Zeitgeistes und Pächter der öffentlichen Meinung
    nicht gewohnt. Sie kennen von den Wertkonservativen nur
    Rückzüge und Rückzugsgefechte nach dem Motto:
    Geht doch bitte ein bisschen langsamer,
    damit wir Fußkranken nicht den Anschluss verlieren.
    Die wütenden Reaktionen auf öffentlich offensive Wertkonservative
    sind keine negativ zu bewertende Wirkung.
    Herzlichen Gruß, Johannes

  18. Johannes G. meint:

    @Johannes Strehle,

    vielen Dank für deine Erläuterungen. Noch kurz ein paar abschließende Bemerkungen:

    In einer Demokratie können meiner Einschätzung nach nur Dinge nachhaltig durchgesetzt werden, die mehrheitsfähig sind. Aktuell ist die allergrößte Mehrheit der Deutschen der Ansicht, dass weitere Einschränkungen oder gar ein grundsätzliches Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen außer Frage steht. In Brüssel wird ja sogar diskutiert, ob Abtreibung ein Menschenrecht ist. Das Problem ist doch, dass es aktuell gerade keine „relevante Anzahl von Wählern“ gibt, die eine Veränderung befürwortet! Eine Regierung, die Abtreibung verbietet, wird aktuell nicht länger als eine Legislaturperiode überleben.

    D.h. ich meine wir müssen zuerst einmal die „Basis“, d.h. einen Großteil des Volkes, vom tatsächlichen Unrecht der aktuellen Regelung überzeugen, bevor es politisch überhaupt realistisch ist, einen Veränderungsprozess durchzusetzen. Und ich denke, dass es dazu eben primär gute Argumente, Schulung im Führen von Diskussionen und der konstruktive Dialog im eigenen Umfeld braucht. Unbequeme Wahrheiten können meiner Erfahrung nach nur mit harter Überzeugungsarbeit durchgesetzt werden. Ich meine wir müssen den mühsamen und Weg von unten nach oben gehen, wenn wir tatsächlich etwas verändern wollen.

    Das von mir angeführte Beispiel einer Debatte hat sich übrigens primär auf das Niveau und nicht auf den Inhalt bezogen. Die Frage nach der Existenz Gottes ist schlicht kein politisches Thema.

    Liebe Grüße
    Jo

  19. Johannes Strehle meint:

    @ Johannes G.
    Danke für Deine Stellungnahme!
    „ich meine wir müssen zuerst einmal die „Basis“, d.h. einen Großteil des Volkes,
    vom tatsächlichen Unrecht der aktuellen Regelung überzeugen, bevor es politisch
    überhaupt realistisch ist, einen Veränderungsprozess durchzusetzen.“
    Eine Mehrheit der Bürger vom geltenden Abtreibungsrecht als Unrecht überzeugen
    zu wollen , ist ein hoffnungsloses Bemühen. Es sei denn, der Einfluss der Muslime
    wird größer.
    Der Marsch des Lebens wird interessant, wenn sich Muslime daran beteiligen und
    die Gegendemonstranten dann brüllen: Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat.
    Es wäre nicht die erste Ironie der Geschichte,
    wenn Multikulti seine Väter und Mütter verschlänge.
    Noch hoffnungsloser ist der Versuch, die Mehrheit der Christen davon überzeugen
    zu wollen, nicht länger auf beiden Seiten zu hinken,
    auf der Seite des Zeitgeistes und der Seite des Schöpfergottes.
    Recht:
    Es kann zur Zeit und nach menschlichem Ermessen auch in Zukunft
    also nicht darum gehen, das deutsche Abtreibungsrecht zu ändern.
    Ein höchst wichtiges Ziel,
    für das sich wertkonservative Bürger und konservative Christen
    professionell wirkungsvoll einsetzen müssen, ist es, das geltende Recht zu erhalten.
    Abtreibung ist rechtlich nach wie vor Tötung.
    Die EU-Bestrebungen hast Du selbst erwähnt.
    Es geht dem Marsch auch nicht nur um Abtreibung,
    sondern um die ganze neue Bandbreite von Selektion und Euthanasie.
    Öffentliche Meinung:
    Es geht in diesem Fall wie generell um die Öffentliche Meinung, also darum,
    öffentlich den linken Positionen auf der Grundlage
    des sozialistischen Menschen-, Gesellschafts- und Weltbildes
    und der entsprechenden Staatsphilosophie
    wertkonservative Positionen auf der Grundlage
    des wertkonservativen Menschen-, Gesellschafts- und Weltbildes
    und der entsprechenden Staatsphilosophie entgegen zu setzen
    – den Menschen zu Gute, denn die Beachtung der Schöpfungsordnung
    liegt im „wohlverstandenen Eigeninteresse“ der Menschen.
    Wir müssen uns zum Anwalt der Menschen machen.
    Dabei wird sich jeweils schnell herausstellen,
    wie tolerant im Sinne der von ihnen viel zitierten Aufklärung
    die Vertreter der Gegenseite sind, die sich bis hin zu Bundeskanzlerkandidaten
    angewöhnt haben, wertkonservative Positionen als überholt zu diffamieren.

    Der Weg, den Du beschreibst, hätte vor Jahr und Tag beschritten werden müssen.
    Trotzdem bleiben diese Bemühungen sinnvoll und wichtig.
    Politische Relevanz könnten sie allenfalls irgendwann erlangen,
    wenn wir hier und heute und morgen und übermorgen politisch Einfluss nehmen,
    bevor alle Chancen verspielt sind.
    Ein herausragend wichtiger Punkt sind Studien über die nachhaltige Auswirkung
    von Abtreibungen auf die Psyche der Frauen.
    Wenn ich festgestellt habe, dass Debatten wie die von Dir als Beispiel angeführte
    keine politische Relevanz haben, habe auch ich nicht das Thema dieser Debatte
    gemeint.

    Herzlichen Gruß, Johannes

  20. Johannes Strehle meint:

    idea spielt eine sehr gute und wichtige Rolle
    für die evangelikale Öffentlichkeit (die es ohne idea kaum gäbe)
    und insbesondere beim Thema Abtreibung.
    idea meldet, „dass die EKD ein klare Stellungnahme vermeidet“
    und präsentiert die Stellungnahme, die die EKD auf Anfrage mitgeteilt hat.
    Darin heißt es:
    „es (gibt) in einzelnen Punkten unterschiedliche Nuancen in der Wertung
    zwischen der EKD und den Veranstaltern des ,Marsches für das Leben’.“
    Das ist ein Erfolg.
    idea macht auch die unterschiedlichen Positionierungen einzelner Landesbischöfe publik.
    Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz
    hat sich gegen den Marsch positioniert und wirft dem Veranstalter vor,
    dass er seine Positionen in „aggressiver Art und Weise“ vertrete,
    verliert aber kein Wort über die Aggressivität der Gegendemonstranten,
    die nur mit einem Großaufgebot an Polizei in Schach zu halten sind,
    während für den Marsch Verkehrspolizisten ausreichen.
    Zweierlei Maß.
    „Der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz,
    Kardinal Reinhard Marx …, bedankte sich … bei dem Veranstalter …
    für seinen Einsatz für den Lebensschutz.
    Der Verband setze mit dem Marsch ein „augenfälliges Zeichen des Respekts
    vor der Würde eines jeden menschlichen Lebens“.
    Er wünsche dem Marsch eine „rege Teilnahme“.
    idea hat publik gemacht, dass sich der Regierende Bürgermeister Berlins
    vorbehaltlos auf die Seite der hasserfüllten und aggressiven anarchischen
    Gegendemonstranten, die das Demonstrationsrecht nicht achten, stellt.
    Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner
    dankt dem „Marsch für das Leben“.

  21. Markus Wolf meint:

    Frage:
    Wer hat die Fristenregelung beim Schwangerschaftsabbruch erfunden?
    Antwort:
    Halten Sie sich fest, es war tatsächlich die Katholische Kirche.
    Und das kam so:
    Von 1140 – 1869, mit einer dreijährigen Unterbrechung von 1588 – 1591, galt im römisch-katholischen Kirchenrecht die „Sukzessivbeseelung“, wonach ein männlicher Embryo vierzig Tage nach seiner Entstehung „beseelt“ sei, ein weiblicher Embryo gar erst nach achtzig Tagen.
    In der Praxis wurde diese frauenfeindliche Regelung in eine frauenfreundliche Regelung umgewandelt: Weil man damals das Geschlecht des Schwangerschaftsgewebes nicht feststellen konnte, wurde zugunsten der abtreibenden Personen unterstellt, es sei ein weiblicher Zellklumpen, so dass Frauen de facto bis zum 80. Tag der Schwangerschaft abtreiben durften ohne exkommuniziert zu werden.
    Und auch nach der „Peinlichen Gerichtsordnung“ des Karl V. wurde nicht enthauptet, wer einen unbeseelten Fötus(fetus inanimatus) abgetrieben hatte.
    Und GRATIAN, der „Vater des römisch-katholischen Kirchenrechtes“, sagte: „Wer abtreibt, bevor die Seele im Leib (des Embryos) ist, begeht keinen Mord!“
    Ich habe alle Bistümer, Erzbistümer per Email gefragt, WARUM die Katholische Kirche im Jahre 1869 es sich anders überlegte und statt der „Sukzessivbeseelung“ die „Simultanbeseelung“ einführte, wonach jeder Embryo, ob männlich oder weiblich ab der Verschmelzung der männlichen Samenzelle mit der weiblichen Eizelle „beseelt“ sein sollte – eine Antwort erhielt ich NICHT.
    Siehe im Wikipedia unter den Suchbegriffen
    „Sukzessivbeseelung“
    „Simultanbeseelung“
    „Abtreibung-wann ist ein Mensch ein Mensch?“
    „Kirchenrechtler Gratian“
    Markus Wolf
    Befürworter des Menschenrechtes auf Abtreibung

  22. Markus Wolf meint:

    Der sogenannte „Marsch für das Leben“ ist in Wahrheit ein TODESMARSCH bzw. „Marsch für den Tod“
    Begründung:
    Die meisten AbtreibungsgegnerInnen wollen Abtreibungen ganz verbieten mit Ausnahme der medizinischen Indikation im engsten Sinne.
    Manchen schwebt gar ein totales Abtreibungsverbot vor wie in Nicaragua oder Malta oder Irland.
    Herr Dr. LEONEL ARGUELLO, Vorsitzender einer nicaraguanischen ÄrztInnenvereinigung, schätzt, dass seit Wegfall der „aborto therapeutico“ in Nicaragua im Jahre 2008 jährlich 1.000 – eintausend – Frauen an illegalen Abtreibungen bzw. verweigerter Abtreibung aus medizinischen Gründen sterben.
    Nun rechnen Sie sich anhand des Dreisatzes aus, wieviele tote Frauen es in Deutschland bzw. weltweit geben würde!
    Nicaragua hat 6,5 Millionen EinwohnerInnen, wenn im Verhältnis zu dieser Bevölkerungszahl jährlich eintausend Frauen an illegalen Abtreibungen bzw. verweigerter Abtreibung aus medizinischen Gründen sterben, wieviele tote Frauen gäbe es dann in Deutschland bei einer Bevölkerungszahl von plus/minus 80 Millionen?
    Antwort: Etwa 12.000 – zwölftausend – Frauen würden jährlich an illegalen Abtreibungen sterben.
    Sofern es richtig ist, dass auf dem Planeten Erde derzeit 6 – sechs – Milliarden Menschen leben dann gäbe es weltweit pro Jahr 1.000 000 – eine Million – tote Frauen durch illegale Abtreibung und verweigerter Abtreibung wegen Gefahr des Todes.
    Aus diesem Grunde bezeichne ich den sogenannten „Marsch für das Leben“ als TODESMARSCH bzw. Marsch für den Tod.
    Googeln Sie im Internet auch unter den Suchbegriffen:
    – Abtreibung in Nicaragua
    – Dr. Leonel Arguello, Nicaragua
    Markus Wolf
    Befürworter des Menschenrechtes auf Abtreibung

  23. @Markus Wolf: Ich bitte darum, diese Seite nicht für Ihre Propaganda zu benutzen.
    Liebe Grüße, Ron

  24. Peter Geerds meint:

    @Markus Wolf:
    Sie unterschlagen völlig, dass die Abtreibungen ja nicht ‚alternativlos‘ wegfallen sollen. Natürlich sind Staat und soziale Einrichtungen gefordert, schwangere Frau so zu unterstützen, dass sie nicht abtreiben müssen. Diese Forderungen gehen Hand in Hand.

  25. Johannes Strehle meint:

    Messe in Moll:
    Evangelische Kirche fordert ergebnisoffene Suizidberatung
    https://messeinmoll.com/2016/09/09/evangelische-kirche-fordert-ergebnisnoffene-suizidberatung/

Deine Meinung ist uns wichtig

*