Evangelikale streiten über Familienbild

Das Onlineportal Evangelisch.de berichtet über eine innerevangelikale Diskussion um das Familienbild. Hartmut Steeb, Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), hat eine Musikproduktion des Liedermachers und Pastors Jörg Swoboda auf der Online-Präsenz der Deutschen Evangelischen Allianz empfohlen:

„Sollte Gott gesagt haben?“ Jene skeptische Ur-Frage, die die Welt ins Chaos stürzte, treibt auch heute viele in die Orientierungslosigkeit. Anstatt daran festzuhalten, dass Gottes Wort das qualifizierteste Benutzerhandbuch des Lebens ist, wird Misstrauen gesät. Die Ehe als Gemeinschaft von Mann und Frau, lebenslänglich in liebegetränkter Treue gestaltet, wird hinterfragt und umdefiniert: Warum sollte es nicht auch Mann mit Mann oder Frau mit Frau sein? Stimmt es überhaupt, dass die Menschheit nur aus männlichen oder weiblichen Spezies besteht? Gibt es nicht stattdessen viel mehr Geschlechtertypen? Warum sollten Körperteile entscheidend dafür sein, ob ein Mensch Mann oder Frau ist? Ist das Geschlecht nicht vielmehr anerzogen statt konstitutionell? Brauchen Kinder wirklich Vater und Mutter? Und ist die Ehe überhaupt noch zu retten oder nicht doch besser durch Lebensabschnitts-partnerschaften abzulösen? Kommen Erotik und Sexualität wirklich zur Blüte, wenn sie in die Gefangenschaft der Ehe eingebunden sind? Und warum sollte man Ehen nicht konsequent begraben, wenn die Liebe abkühlt?  – Es ist Jörg Swoboda zu danken, dass er diese Fragen nach Liebe, Ehe, Zusammenleben ohne Trauschein, Fortpflanzung, Scheitern und Versöhnung in seiner neuen CD thematisiert.

Der Vorsitzende der DEA, Michael Diener, reagierte mit einer Stellungnahme im sozialen Netzwerk Facebook. Evangelisch.de schreibt:

Der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz, Michael Diener, reagierte darauf mit der Klarstellung, dass es sich bei diesen Worten „um eine persönliche Äußerung des Generalsekretärs“ handele und ausdrücklich nicht um eine Verlautbarung der Evangelischen Allianz, wie der Informationsdienst „idea“ berichtet. Er warf Steeb vor, mit diesem Statement andere Beziehungsformen als die Ehe von Mann und Frau zu diskriminieren. Steeb und auch der Liedermacher sollten sich fragen, wie die Liedtexte auf ungewollt kinderlose Ehepaare oder Singles wirkten, so Diener. Er empfehle „Zurückhaltung dabei, die eigenen Erfahrungen auf die pluralen biblischen Texte zu übertragen.“

Die Stellungnahme wirft allerlei Fragen auf. Lässt man sich auf die Argumentationsfigur von Michael Diener ein, könnten man z.B. fragen, ob es überhaupt noch erlaubt sein könne, davon zu reden, dass jeder Mensch ein Sünder sei. Denn so eine Aussage kann ja ebenfalls von vielen Menschen als diskriminierend aufgefasst werden. Für besonders erklärungsbedürftig halte ich allerdings die von Diener in Facebook gemachte Aussage (das Statement scheint dort inzwischen gelöscht worden zu sein), dass er Steebs Sicht der Ehe „absolut nicht teilt“. Er teilte mit, dass man seiner Meinung nach für die Ehe von Mann und Frau sein könne, ohne andere Beziehungsformen zu diskriminieren.

In einer Pressemitteilung des Geschäftsführenden Vorstand der DEA aus dem Dezember 2015, wurde die Sichtweise, wie sie in der Empfehlung von Hartmut Steeb zum Ausdruck kommt, noch empfohlen. Wörtlich hieß es damals:

Die Deutsche Evangelische Allianz hat sich im größeren Kontext unter dem Titel „Sucht der Stadt Bestes“ im Jahr 2009 so positioniert: „Wir wenden uns ebenso gegen die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der geschlechtlichen Orientierung… Wir begegnen Vertretern einer anderen geschlechtlichen Orientierung mit Respekt und Würde, sehen allerdings praktizierte Homosexualität – wie andere Formen der außerehelichen Sexualität – grundsätzlich als unvereinbar mit der für den christlichen Glauben maßgebenden biblischen Ethik an. Wir wenden uns außerdem gegen Versuche, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften der im Grundgesetz herausgehobenen klassischen Ehe gleichzustellen …“

Es ist erstaunlich, dass sich der Vorsitzende der DEA von dieser Position nicht nur absetzt, sondern auch jene kritisiert, die sie vertreten. In der Pressemitteilung der DEA hieß es zudem: Der Artikel in der WELT vom 14. Dezember 2015 greife „eine ganze Reihe zentraler Themen auf. Wir sind unserem Vorsitzenden Dr. Michael Diener dankbar für viele eindeutige Aussagen, etwa zum missionarischen Zeugnis gegenüber jedermann, auch gegenüber Muslimen und Juden.“ Die Nachrichtenagentur IDEA hatte im November 2016 freilich darüber berichtet, dass Michael Diener sich hinter das „Nein“ der EKD-Synode zur Judenmission gestellt habe (vgl. hier).

Fragen über Fragen. Ich kann der DEA nur wünschen, dass diese Dinge schnell geklärt werden.

Kommentare

  1. Jemand hat das schön beschrieben: „Es ist sehr traurig, dass die Evangelische Allianz immer stärker von linken, neomarxistischen Kräften unterwandert wird. Einerseits fordern diese Kräfte bezüglich Personen z.B. der LSBTTIQ…-Community ein Maximum an Verständnis ein und geißeln allein das Formulieren biblischer Wahrheiten als „lieblos“ und „ausgrenzend“. Dabei werden – allerdings nur, wo es strategisch passt – biblische und ethische Wahrheiten postmodernistisch relativiert. Aber gleichzeitig werden Konservative, wo sich Anlass bietet, aggressiv angegangen, diffamiert und (versuchsweise) ausgegrenzt. Hier ist man dann gar nicht mehr so verständnisvoll, differenzierend, inkludierend noch postmodern-relativierend. Diese krasse Inkosequenz ist m.E. kein Zufall. Sie ist strategisches Mittel zur Unterminierung biblisch-christlicher Positionen zugunsten des Zeitgeistes.
    Merken das die gläubigen Brüder in der Evangelischen Allianz etwa nicht? Oder sind sie schon in der Minderheit? Sind sie müde und zu bequem geworden, für den Glauben und die Herde zu streiten? Aber haben sie nicht die Pflicht, die Herde vor den Wölfen zu schützen?“

  2. Was mich zum Nachdenken bringt ist, dass diese Info bei idea-online am Sonntagabend drin stand und am Montagmorgen gelöscht war

  3. auf der IDEA-Facebookseite steht am 5.12.2016 folgende Erklärung:

    „Zur Meldung „Kontroverse um Familienbild der Deutschen Evangelischen Allianz“ (idea/4.12.2016):
    In einem Telefonat zwischen dem Vorsitzenden der Deutschen Evangelischen Allianz, Dr. Michael Diener, und idea-Leiter Helmut Matthies am Montagmorgen wurde entschieden: Präses Dr. Diener löscht seine Stellungnahme zur Meinungsäußerung von Allianzgeneralsekretär Hartmut Steeb. idea wiederum löscht die entsprechende Meldung und die Kommentare, um eine interne Klärung innerhalb der Allianz nicht zu behindern.“

  4. Stimmt, wenn ich aber die deutsche Sprache richtig beherrsche, heisst wenn jemand seine Meinungsäusserung löscht folgendes: Es ist keine Entschuldigung oder Korrektur damit verbunden. Die Person, die eine Meinungsäusserung löscht, bleibt damit bei ihrer Meinung. Das heisst doch Michael Diener steht 100 % zu seiner Meinung. Mit dieser Formulierung wird die Löschung aber noch viel schlimmer. Die Info von Sonntag steht auf mehrere andere Internetseiten kopiert. Bei evangelisch.de kann idea auch nicht löschen. Was behindert da die interne Klärung innerhalb der EAD? Die Löschung mindert eher das Vertrauen in idea und die EAD

  5. Roderich meint:

    Und schade, dass es in der Evangelischen Allianz (!) nun offenbar verboten ist, ein Plädoyer für die traditionelle Familie / Ehe zwischen Mann und Frau zu machen, weil das einen internen Klärungsprozess hindert.

    Können nicht einfach die aus der EA austreten, die sich nicht mehr an die traditionelle Ehe als Leitbild halten wollen? Denn historisch ist die traditionelle Ehe doch die Position der EA.

    Aber man will vermutlich nicht lediglich seine Meinung sagen, sondern man will „unterwandern“ und die Evang. Allianz für die eigene (moderne) Linie gewinnen.

  6. Johannes Strehle meint:

    Idea ist zu danken, dass es über diese Kontroverse informiert hat,
    sodass sich Michael Diener gezwungen sah, seinen Beitrag zu löschen.
    Seinen Standpunkt wird er nicht revidieren. Der Hauptvorstand
    der Evangelischen Allianz gewährt seinem Vorsitzenden Narrenfreiheit.
    Bereits vor einem Jahr musste sein Stellvertreter
    im Auftrag des Geschäftsführenden Vorstandes,
    später bestätigt durch den Hauptvorstand, öffentlich kundtun,
    dass die theologische Positionierung des Vorsitzenden zum Thema Homosexualität
    nicht mit der Position der Evangelischen Allianz zu vereinbaren ist.
    Neulich hat sich der Vorsitzende der Evangelischen Allianz
    in der EKD-Synode für ein Verbot der Judenmission ausgesprochen
    – unter Berufung auf den Apostel Paulus!
    Jetzt wirft der Vorsitzende dem Generalsekretär der Evangelischen Allianz
    unter Berufung auf „eine nennenswerte Minderheit des Hauptvorstandes“ vor,
    er diskriminiere andere Beziehungsformen als die Ehe von Mann und Frau.
    In Institutionen mit weniger Heiligenschein bzw. Scheinheiligkeit
    zöge ein derart schwerwiegender Vorwurf personelle Konsequenzen nach sich.
    Außerhalb der Evangelischen Allianz hat ein Vorsitzender
    allerdings die Position der (nicht „nennenswerten“?) Mehrheit zu vertreten.
    Übrigens wusste ich noch gar nicht, dass Singlesein
    auch eine Beziehungsform darstellt. Das erklärt Michael Diener
    wohl in seinem Buch, das im WELT-Interview vor einem Jahr angekündigt wurde
    und dessen Erscheinen mir leider entgangen ist.
    Im selbsternannten Hauptvorstand der Evangelischen Allianz
    kann man so ziemlicher jeder Meinung sein,
    die heutzutage in der EKD und den Freikirchen vertreten wird.
    Man darf nach dem Dogma der Postmoderne nur nicht der Meinung sein,
    dass irgendeine Meinung falsch ist. Dann diskriminiert man.
    Die Toleranz hört da auf, wo sie in der Aufklärung anfing.
    Die Evangelische Allianz ist in dieser Form sicher eine Institution mit Vorteilen,
    die ungefähr so evangelisch ist wie die lutherische Kirche lutherisch.

  7. Theophil Isegrim meint:

    Und ich habe mich schon gewundert, weshalb ich den Beitrag nicht mehr gefunden habe.

    Diese Kontroverse bietet eine hervorragende Innensicht der DEA. Wenn der Generalsekretär ein biblischen Menschen- und Familienbild vertritt, wird er von dem Vorsitzenden Diener angegangen, dies sei nur Steebs Privatmeinung und er teile diese Diskriminierung nicht. Ich will da gar nicht weiter auf die „Argumentation“ von Diener eingehen, die keine ist. Aber Diener wird mit seinem Standpunkt ganz gewiß nicht allein in der DEA sein. So wie es sich anhört ist Steeb da auf verlorenem Posten. Vielleicht bekommt er ja bald einen Maulkorb oder wird aus seiner Position gedrängt?

    Ich denke, die DEA ist nur noch eine Kopie der EKD. Die können wir vergessen. Womöglich hat ein Großteil Gottes Wort verworfen. Damit haben sie Gott verworfen, aber ohne Gott, ist da eh alles für die Katz. Das ist dann nur noch Menschenwerk. Vielleicht haben sie ja nochmal einen lichten Moment, vielleicht kommen sie nochmal zu Verstand, tun Buße und kehren um. Ansonsten ist denen wohl nicht klar, was sie tun. Sie legen sich mit Gott an. Das hat noch nie so gut geklappt.

    Interessante Frage für mich ist: Wie konnte das passieren? Kann mir so etwas auch passieren? Wie kann ich dem vorbeugen? Ich denke, es fängt damit an, daß man die Bibel relativiert. Das darf man nicht zulassen. Denn von den Dieners und Hebels habe ich genügend im evangelikalen Bereich getroffen. Die hatten allesamt eine sehr freie Interpretation der Bibel. Meist eine historisch kritische Sichtweise.

    Wer kommt nach Diener? Steffen Kern? Der ist nicht ganz so plump wie Diener, aber letztlich stößt er ins gleiche Horn. Dann geht der Pietismus wohl auch den Bach runter.

    Spannende Zeiten. Wie wird Gott reagieren? Wird er die „Bibelfreunde“ sammeln? Unser Profil schärfen und uns mit seiner Kraft ausstatten, daß wieder ein Unterschied zu sehen ist? Ich hoffe darauf und bete darum, denn von „getünchten Wänden“ haben wir nun wahrlich genug!

  8. Theophil Isegrim meint:

    Und falls sich das alles zu sehr rumspricht, was im evangelikalen Bereich los ist und falls es dann zu scharfe Kritik gibt, dann wird wohl wieder das große Thema Versöhnung angeworfen. Auch eine Art einen Maulkorb zu verpassen. Die bösen Kritiker werden ruhig, es vergeht eine Zeit und dann werden wieder liberale Stellungnahmen veröffentlicht.

  9. Johannes meint:

    Mal ganz abgesehen, was seine Aussage für den Zusammenhalt in der Evangelischen Allianz bedeutet: Michael Diener hat sich damit auch sonst keinen Gefallen getan. Wenn Michael Diener die angeblich negative Wirkung von Jörg Swobodas Liedtexten auf Kinderlose und Singles anspricht, wandelt er nicht nur im Geist jener französischen Gerichte, welche die öffentliche Ausstrahlung eines Films mit glücklichen Down-Syndrom-Kindern verboten haben (auch dazu gab es hier ja einen Artikel!), sondern wirbt in letzter Konsequenz und sicher ungewollt für die angeblich so prüden 50er Jahre. Denn wenn schon Texte (!) eines christlichen Liedermachers (denen man sich nicht freiwillig aussetzen muss!) angeblich Singles verletzen, wie erst werden Singles nach dieser Logik dann von Bildern (!) liebkosender Pärchen (denen man sich nun heutzutage kaum entziehen kann und die ja angeblich mehr sagen als Tausend Worte (!) verletzt. Dieners Aussage ist also einerseits eine Hommage an die real existierende political correctness, andererseits näher betrachtet, irgendwie auch peinlich, sogar dann, wenn man nicht eine dezidiert christliche Position einnimmt. Denn wer will schon Pärchen das Küssen in der Öffentlichkeit verbieten? Michael Diener sicher auch nicht! Aber die Konsequenz seiner Aussage wäre im Grunde genau das. Denn wenn das eine angeblich verletzen kann, dann sicher erst recht das andere.

  10. Reinhard meint:

    „Ich denke, es fängt damit an, daß man die Bibel relativiert.“
    Genau. Mit der Schöpfung fing das an. Alles andere fällt dann – Dominostein um Dominostein.

  11. Ernst R. meint:

    Judas 7) Es wird ihnen gehen wie Sodom und Gomorra samt Umgebung: Auch diese Menschen haben bis zum äußersten sexuelle Unmoral getrieben, indem sie ihrer Homosexualität nachgingen. Sie stehen als warnendes Beispiel dar, indem sie die Strafe des ewigen Feuers erleiden müssen.

    Von dem, was die Menschen heute treiben, hatte Judas noch nicht einmal den Anflug einer Vorstellung.

  12. Auch hier (wie bei der Sache mit den Ausbildungsstätten) stellt sich mir die Frage, was wir (bzw. ich) aktiv machen können. Es ist gut, darüber zu diskutieren und sich aufzuregen, aber welche Mittel haben wir? Was kann von uns konkret gemacht werden? Können wir einen Rücktritt von Diener fordern? Falls ja, wie kann das öffentlichkeitswirksam getan werden? Ist es möglich, dies über das Netzwerk Bibel und Bekenntnis zu machen? Kann E21 einen entsprechenden offenen Brief bzw. eine solche Forderung der DEA zustellen?
    Wie können wir uns Gehör verschaffen? Was können wir tun? Mir blutet das Herz, wenn ich die Entwicklung der evangelikalen Szene sehe und ich stehe händeringend daneben und möchte gerne aktiv werden. Doch wie, was, wo?

  13. @FL: M. Diener wird ja sehr bald als Vorsitzender der Allianz zurücktreten. Aber ich denke nicht, dass sich die Entwicklungen nur an einer Person festmachen lassen. Ich persönlich bin sogar dankbar, dass Michael Diener offen ausspricht, was er denkt. Nur so sind klärende Gespräche möglich.

    Doch, da dürfen wir uns sicher sein: er steht nicht allein mit seinen Positionen. Zu lange wurde ein fragwürdiger Status quo hingenommen. Schlimmer noch: Ich befürchte, dass Anhänger einer „versöhnten Vielfalt“ solche unterschiedlichen Auffassungen innerhalb einer Bewegung als willkommene Bereicherung ansehen. Wahre Frömmigkeit zeige sich demnach durch die Annahme von Gegensätzen. Wenn man so will, gibt es ein Problem mit der Methodologie. Es gilt: sowohl als auch. (Ich habe überhaupt nichts gegen Freiheit und Vielfalt unter der Schrift.)

    Ich denke, dass nun vor allem die Allianzler selbst gefordert sind. So halte ich es etwa für sinnvoll, wenn z.B. „Ortsallianzen“ Stellung beziehen. Das Netzwerk Bibel und Bekenntnis ist gewiss auch deshalb entstanden, um Sprachrohr derjenigen Glaubensüberzeugungen sein zu können, die einmal in Allianzkreisen weit verbreitet gewesen sind.

    Liebe Grüße, Ron

  14. Johannes Strehle meint:

    @ FL
    Als führender konservativer Christ
    1. würde ich das krasse Versagen der führenden konservativen Christen in
    der Vergangenheit studieren, das zur großen evangelikalen Katastrophe geführt hat, und Lehren daraus ziehen. Wenn Luther und die anderen Reformatoren
    sich so verhalten hätten, hätte es keine Reformation gegeben.
    Aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, ist ein wichtiges und
    gerne vernachlässigtes Prinzip der Bibel. „Werdet nicht wie eure Väter!“
    „Ihr habt nichts gelernt, ihr seid schlimmer als eure Väter!“
    2. würde ich die wenigen positiven Ausnahmen studieren und von ihnen lernen.
    3. würde ich mich fragen, was würde Luther im Jahr 2017 tun?
    Was kann das Fußvolk tun?
    Einiges, zum Beispiel:
    Aufklären, Informationen verbreiten.
    Keine Institutionen finanziell unterstützen, die sich nicht unmissverständlich und
    konsequent (!) vom Kurs Dieners distanzieren, und andere Christen
    davon überzeugen, ebenfalls die finanzielle Unterstützung einzustellen.
    Wer Mitglied einer Gemeinde oder Gemeinschaft ist, die durch Diener und seine Gesinnungsgenossen (in den Leitungsgremien) repräsentiert wird (Evangelische Allianz, Gnadauer Verband) hat die Pflicht, die Gemeindeleitung aufzufordern, Gemeinde-öffentlich Farbe zu bekennen und Konsequenzen zu ziehen,
    zum Beispiel dem Gnadauer Verband mitzuteilen, dass die Gemeinschaft die finanzielle Unterstützung des Verbandes bis zu einer Änderung des Kurses einstellt, und die Vertreter der Mitgliederversammlung zur Rede zu stellen,
    die Dieners Kurs bestätigt haben, und ihre Abberufung zu betreiben.
    Wenn sich (wahrscheinlich) erweisen sollte, dass die Gemeindeleitung
    auf Dieners Kurs ist, würde ich einen bibeltreuen Bibelkreis ins Leben rufen,
    der für die Reformation der Gemeinde betet, und das in der Gemeinde bekannt machen.

  15. Theophil Isegrim meint:

    @ FL:

    Einige Vorschläge wurden schon genannt. Ich möchte noch das Gebet erwähnen.

  16. Christin meint:

    So mahnt der Apostel Paulus, in seiner Abschiedsrede an die Ältesten in Ephesus: „Denn das weiß ich, dass nach meinem Abschied werden unter euch kommen gräuliche Wölfe, die der Herde nicht verschonen werden. – Auch aus euch selbst werden aufstehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an sich zu ziehen. – Darum seit wacker und denket daran, dass ich nicht abgelassen habe, drei Jahre Tag und Nacht, einen jeglichen mit Tränen zu ermahnen. (Apg. 20, 29-31)

    Möge uns der HErr solche Arbeiter senden, welche die Gemeinde mit Tränen ermahnt.

  17. Roderich meint:

    @FL,
    ich halte auch die Beschäftigung mit den theologischen Ursachen dieses Abfalls für wichtig.

    (Neugierige Rückfrage: Welche berufliche Funktion hast Du denn, bzw. hast Du so viel Zeit, dass Du viel machen könntest?)

    Es gibt übrigens 9 Leute im geschäftsführenden Vorstand:
    http://www.ead.de/die-allianz/netzwerk/geschaeftsfuehrender-vorstand.html

    Und es sind viel mehr (55 Leute) im „Hauptvorstand“:
    http://www.ead.de/die-allianz/netzwerk/hauptvorstand.html

    (Ich kann mir gut vorstellen, dass von diesen schon manche eher liberal denken).

    Man muss geistliche Fehlentwicklungen schnell angehen, sonst ist es irgendwann zu spät, und theologisch liberal denkende Menschen haben sich „festgesetzt“ und sind nicht mehr ohne schwerwiegende Spaltung herauszubekommen. Wenn man dann die Spaltung auch noch abwartet, werden die Konservativen irgendwann ausgeschlossen. (Es ist theoretisch denkbar, dass Michael Diener darauf hofft, trotz aller Lippenbekenntnisse zur „Vielfalt“ und dem „Nicht Verurteilen“, die sich bei ihm immer schnell abwechseln mit einer Ablehnung der Konservativen sowie dem Verurteilen der Konservativen. Jedenfalls zeigt seine arrogante Haltung, dass er keineswegs bereit ist, umzudenken. Das wiederum deutet darauf hin, dass er meint, für seine Sicht hinreichend Unterstützer in der EAD zu haben.)

    Interessant ist da das Buch von Gary North, welches die Vorgänge näher beschreibt, wie liberale Theologen die (einstmals bibeltreue) presbyterianische Kirche übernommen haben, seit 1870, mit dem Ende, dass 1936 die Konservativen ausgeschlossen wurden. Das kann uns auch in der Evangelischen Allianz blühen. Also interessant zu lesen, wo in den USA die Konservativen geschlafen haben, und mal zu vergleichen, wo in der Timeline der „Übernahme durch Liberale“ die Evangelische Allianz heute steht.

    Gary North: Crossed Fingers. How the Liberal Captured the Presbyterian Church, Institute for Christian Economics 1996, 1096 Seiten. (Es ist zwar sehr lang, aber in der für Gary North üblichen sehr lebendigen Schreibweise verfasst. Also wird einem gewiss nicht langweilig, wenn man es gerne ganz lesen will).

    Das Buch listet auch ein paar „Alarmsignale“ (red flags) auf, anhand derer man merken kann, ob diese liberale Strategie wieder angewandt wird.

    Ich zitiere eine Inhaltsangabe:
    http://www.reformed-theology.org/html/books/catalog/about_5.htm
    Crossed Fingers

    How the Liberals Captured the Presbyterian Church
    by Gary North
    This book is the first to detail the step-by-step program of infiltration used by modernists to take over the Northern Presbyterian Church. Other books have chronicled the results of this program, but none has shown how it was done. The infiltration process began as early as 1870, and it culminated in the expulsion of the conservatives in 1936. This book shows that the modernists held a systematic theology that was a perverse mirror image of the Presbyterianism of the Westminster Confession. It presents the compromised midway theology of the majority wing of the Church: New School Presbyterians and fundamentalists (after 1910). I t also shows why the conservatives were unwilling to defend the Westminster Confession through court actions against heretics except in the 1890’s, and even then, they refused to deal with many of the fundamental theological issues. The conservatives, from Charles Hodge to J. Gresham Machen, were themselves unwilling to accept all of the Confession, especially in the key area of creationism. Because they crossed their fingers when they swore allegiance to the Confession, the modernists also crossed theirs, and all but six of them got away with it. The conservatives were outfoxed time after time.Then, after 1907, the conservatives consented to a series of tactical moves that passed institutional power to the modernists and their pietistic allies. They did not understand what they had done until two decades after they had done it. By then, it was too late. This book also lists a series of red-alert signals that point to a replay of the liberals‘ strategy.
    1096 pp., indexed, hardback, $34.95
    Institute for Christian Economics, P.O. Box 8000, Tyler, Texas 75711

    Das Buch gibt es auch auf Amazon.com oder Amazon.de (gebraucht, ca. 35 Euro).

  18. Roderich meint:

    Das Buch „Crossed Fingers. How the Liberals Captured the Presbyterian Church“ von Gary North gibt es offenbar auch online kostenlos (selber von Gary North zum kostenlosen Download bereitgestellt):

    http://www.garynorth.com/freebooks/sidefrm2.htm

    (Links auf „Author“ klicken, dann bei „North“ auf „Crossed Fingers“ klicken).

    Hier noch der direkte Link: http://www.garynorth.com/freebooks/docs/pdf/crossed_fingers.pdf

    (Nähere Beschreibung:

    Description
    IS THIS REALLY WHAT JESUS HAD IN MIND?

    Young people, regardless of their sexual orientation, need to understand the institutional power of heterosexism and the injustice that it perpetuates. As the church is called to speak a truthful word about sexuality, it does so in the name of God’s call to justice a call that invites gay and lesbian adolescents to explore the goodness of their sexuality within the community of God’s people.

    This statement appeared in a 1991 document submitted for consideration by the General Assembly of the Presbyterian Church in the U.S.A., America’s largest Presbyterian denomination. It was titled Keeping Body and Soul Together: Sexuality, Spirituality, and Social Justice. It was submitted by the General Assembly’s Special Committee on Human Sexuality. It failed to gain official approval, but its supporters had believed that it had a chance. Those who wrote it were not brought to trial for heresy. Two years later, the Presbyterian Church sent 400 women, the largest delegation, to the World Council of Churches‘ RE- imagining Conference, a feminist ecumenical assembly attended by several self-proclaimed witches. At that conference, attendees celebrated a communion meal in the name of the goddess Sophia. The Presbyterian Church contributed $66,000 to fund that affair. Yet when this gathering was retroactively challenged by Presbyterian conservatives as heretical, the 1994 General Assembly voted not to bring formal charges against the participants. The vote was 516 to four.

    Something has obviously gone radically wrong in the Presbyterian Church. To identify what went wrong, you need to understand when it went wrong, and how. This story is unknown to virtually all Presbyterians, even members of the tiny splinter denominations that came into existence as reactions to the liberals‘ takeover of the mainline Presbyterian Church: what happened, how it happened, and when it happened. It did not happen randomly. It was planned.

    This plan is repeatable. It has been used by liberals to take over every mainline American denomination in the twentieth century, including the Roman Catholic Church, which succumbed in 1966. No hierarchical denomination is immune. But because so few Christians are aware of the plan’s features, and what its telltale signs are, defenses against it are weak or nonexistent. Because of this, it keeps working. So far, only conservative Missouri Synod Lutherans have self-consciously held it in check. Only the Southern Baptist Convention has reversed it.

    Crossed Fingers is the first book to identify and discuss in detail the five points of liberalism and the rival theological positions. It is also the first published book that „follows the money“ by tracing the sources of the funding of theological liberalism in twentieth-century America. One man, more than any other, was the primary source: John D. Rockefeller, Jr.

    Crossed Fingers serves as a handbook for the diagnosis and defeat of the same liberal forces that have captured American Christianity. How did they do it? With a vision, with a plan, and with other people’s money. Crossed Fingers shows how they achieved victory in what had been the most theologically conservative large Protestant denomination on earth. It also shows what the conservative Presbyterians could have done, and still have not done, to immunize the Church.

    Inside Flap

    Catalog Description
    This book serves as a handbook for the diagnosis and defeat of the liberal forces that have captured American Christianity. How did they do it? With a vision, with a plan, and with other people’s money. Crossed Fingers shows how the liberals achieved victory in what had been the most theologically conservative large Protestant denomination on earth. It also shows what the conservative Presbyterians could have done, and still have not done, to immunize the Church.

  19. Roderich meint:
  20. Theophil Isegrim meint:

    Diese von Roderich empfohlene Buch zu lesen wäre mal was. Aber es ist doch sehr fett und mein Englisch nicht so richtig klasse. Das wird sicherlich anspruchsvolleres Englisch sein.

  21. @Roderich
    Ich bin seit kurzem Pfarrer einer schweizer FEG, komme aus Deutschland und bin zum Studium in die Schweiz gekommen (habe an der STH Basel studiert).
    Du schreibst: „ich halte auch die Beschäftigung mit den theologischen Ursachen dieses Abfalls für wichtig.“
    Dem kann ich zustimmen, allerdings bleibt für mich die Frage bestehen, wie ich konkret wirken kann. Ich bin mir (auch dank meines guten Studiums) bewusst, wie gefährlich die liberale Theologie und die hist.-krit. Methode ist und was sie mit unseren Gemeinden macht. Doch all das Wissen bringt mir nur bedingt Hilfe in der Praxis. Was kann ich tun, um Fehlentwicklungen aufzuhalten? Wie kann ich in meiner Gemeinde und darüber hinaus das Bewusstsein für gesunde Lehre stärken (das durchschnittliche Gemeindeglied hat noch nie was von Liberaltheologie gehört) und Aufklärungsarbeit leisten? Ich kann ja schlecht eine Predigt über die hkM oder die liberale Theologie halten. Mir stößt es sehr sauer auf, zu sehen, wie sich, gerade auch an Ausbildungsstätten und in frommen Kreisen (siehe das Bsp. der DEA), Irrlehre und Irrlehrer breit machen und zu sehen, wie bestimmte Entwicklungen laufen und nicht zu wissen, wie man gut agieren kann. Auch das die meisten (auch die Theologen/Pastoren) Menschen der Meinung sind, Irrlehre sei nicht so schlimm/wichtig bzw. sie nicht ernst- und wahrnehmen, weil die entsprechenden Vertreter doch so nett und freundlich sind, nervt mich sehr. Viele wissen wirklich nicht, was in bestimmten Gremien oder an Ausbildungsstätten abgeht, weil das Bild nach außen ganz nett ist und die meisten Studenten als tabula rasa an eine Ausbildungsstätte gehen und nicht in der Lage sind, Irrlehre zu erkennen (woher auch, immerhin gehen sie ja in die Ausbildung, um das zu lernen). Und dann hängt es meistens eher an der Person. Ach, der Siegfried Zimmer ist doch ein netter, sympathischer, studierter und engagierter Mensch, der kann doch kein pöser Irrlehrer sein. Und der Michael Diener ist doch auch so freundlich und eloquent und macht und sagt ja auch so viel tolles, hilfreiches und richtiges, da darf man ihn doch nicht angreifen. Er ist sicher einer der Guten.
    Man ist nicht mehr in der Lage zwischen Person und Sachlage zu unterscheiden (übrigens aus meiner Sicht ein Phänomen unserer Gesellschaft und nicht nur der christlichen Subkultur: man denkt nur noch in den Schubladen „gut“ und „böse“ und ist nicht mehr in der Lage über einzelne Themen und Sachlagen zu diskutieren, ein für und wider abzuwägen bzw. eine Kosten-Nutzen-Analyse zu machen). So wird eine Infragestellung bestimmter theologischer Haltungen sofort als Ablehnung der entsprechenden Person gewertet (wobei natürlich auf der anderen Seite oft die Angriffe nicht gegen die Sache, sondern tatsächlich gegen die Person gefahren werden). In all dem stelle ich mir immer wieder die Frage: Ich nehme Entwicklungen wahr und sehe sie als falsch an, doch was mache ich mit diesem Wissen/diesen Einsichten? Gerade der Theoblog tut gut, weil ich sehe, dass ich nicht alleine stehe. Aber wie können wir gemeinsam sinnvoll wirken. Wie sind die großen Fragen unserer Zeit zu bearbeiten? Wie bekämpfen wir Irrlehre und Irrlehrer praktisch? Was können wir tun?

  22. Johannes Strehle meint:

    Lieber Roderich,
    Ich hoffe, dass die Untersuchung „der theologischen Ursachen dieses Abfalls“ und
    die Lehren daraus zum Programm der bibeltreuen Ausbildungsstätten gehören
    und dieses Buch ebenso wie Literatur über die Downgrade-Kontroverse
    der englischen Baptisten zu den Pflichtlektüren.
    Die Frage ist, inwiefern und ggf. inwieweit die US-amerikanische Situation
    mit der deutschen vergleichbar ist. Die landeskirchliche Struktur und ihre
    Finanzierung in Deutschland schränkt die Vergleichbarkeit zumindest stark ein.
    Die Machtübernahme der Progressiven wird durch die Konservativen verlangsamt,
    mehr nicht. Die Progressiven nehmen das in Kauf, weil sie
    möglichst viele Frösche weichkochen wollen. Die führenden Konservativen
    scheuen ernsthafte Auseinandersetzungen und Konsequenzen.
    So funktioniert der ritualisierte Prozess.
    Der wichtige Gnadauer Verband mit den Landeskirchlichen Gemeinschaften
    hat sich hinter seinen Präses Michael Diener gestellt.
    Warum sollten die Progressiven die Konservativen ausschließen,
    solange diese für die Finanzierung wichtig sind? Außerdem müssten
    die Konservativen erst einmal einen Grund für einen Ausschluss liefern.
    Das haben sie bisher tunlichst vermieden. Wenn Luther
    sich so verhalten hätte wie die führenden deutschen konservativen Christen,
    hätte es nie eine evangelisch-lutherische Kirche gegeben.
    „Also interessant zu lesen, wo in den USA die Konservativen geschlafen haben,
    und mal zu vergleichen, wo in der Timeline der „Übernahme durch Liberale“
    die Evangelische Allianz heute steht.“ Die deutschen Konservativen schlafen nicht.
    Sie sind immer in Alarmbereitschaft.
    Dr. Gerhard Bergmann, der „deutsche Billy Graham“, Evangelist
    der Deutschen Evangelischen Allianz, Träger des Bundesverdienstkreuzes
    „für seine Verdienste um die Verkündigung der christlichen Botschaft
    in deutscher Sprache in aller Welt“ veröffentlichte die Kampfschrift
    „Alarm um die Bibel“, die 1974 in 5. Auflage erschien und heute für 0,25 EUR
    gebraucht zu haben ist. „Beim Weltkongress für die Evangelisation in Berlin 1966
    hielt er als einziger Deutscher eine Rede, das Hauptreferat mit dem Titel:
    „Die Reformation von 1517 bis 1966″. 1966 wurde die „Bekenntnisbewegung
    Kein anderes Evangelium“ gegründet. Es soll sie immer noch geben.
    Haben all das Gute und Richtige, was Dr. Bergmann und die „Bekenntnisbewegung
    Kein anderes Evangelium“ und andere führende konservative Christen
    gesagt und geschrieben haben, etwas am Siegeszug der Progressiven geändert?
    Ihre Strategie war hundertprozentig erfolglos. Es liegt im Interesse der Gegner,
    dass die führenden Konservativen so weitermachen.
    Die Strategie-Konferenzen und -Kongresse sind mir leider alle entgangen.
    „Man muss geistliche Fehlentwicklungen schnell angehen, sonst ist es irgendwann
    zu spät“. „Wehret den Anfängen“, „principiis obsta“ ist eine uralte Erkenntnis.
    Aber wie Jesus sagte: „die Söhne dieser Zeit sind klüger als die Söhne des Lichtes
    gegenüber ihrer Generation“.
    Wie sieht es im Lande Abraham Kuypers aus?
    Herzlichen Gruß, Johannes

  23. Roderich meint:

    @Fl,
    danke für die ausführliche Antwort. Vielleicht wäre es hilfreich für Dich, die Evangelium21 Konferenz zu besuchen, und Dich dann anschließend mit anderen Schweizern, die Gesinnungsgenossen sind, z.B. alle 2-3 Monate zum Gebet zu treffen.
    Ansonsten kann man als Pastor sicher in seiner Gemeinde wirken, erreicht aber nicht die Bibelschullehrer, die man erreiche müsste. Aber besser als nichts. Ich vermute, um mehr zu bewirken, müsste man selber Bibelschullehrer werden, falls das die eigene Berufung ist.
    (Im Internet mitdiskutieren ist sicher immer möglich; ansonsten denke ich, man könnte mitmachen an der Verbreitung guter Literatur, z.B. Unterstützung der Übersetzung von philosophischen und theologischen Büchern zum Thema Hermeneutik. Denn die Hermeneutik ist hier ja ein wesentliches Feld).
    Meines Wissens ist Pastor ja auch ein stressiger Job. Ich weiß nicht, ob man da überhaupt noch so viel Zeit hat.
    (Vielleicht hilft auch etwas Gelassenheit; nachdem man gebetet hat, was man selber tun kann, und sich um Vernetzung bemüht, darf man den Rest auch Gottes Souveranität überlassen; solche großen Abfälle sind langfristige Bewegungen, denen der einzelne wenig entgegensetzen kann. Man kann aber selber in seinem Umkreis (und wenn man Zeit hat im Netz) ein wenig ein Positivbeispiel setzen. Das ist weit mehr als nichts. Gott wird den Rest machen, so oder so. (Gericht oder Erweckung)).

    Letztlich geht es in der Kultur immer bergab, es sei denn, Gott schenkt eine Erweckung. Heute muss / wird diese Erweckung auch eine Besinnung auf traditionelle (nicht-postmoderne) Hermeneutik umfassen müssen.

    @Johannes,

    Wie sieht es im Lande Abraham Kuypers aus?

    In den Niederlanden ist der Abfall auch stark im Gange. Sowohl unter Evangelikalen (der EO, Evangelische Omroep, ist da ein Beispiel), als auch unter Reformierten. Immer mehr Denominationen passen sich dem Zeitgeist an.

  24. Johannes Strehle meint:

    @ FL
    Einerseits hast Du ideale Voraussetzungen
    (unabhängige Gemeinde, Pastor mit Studium an der STH Basel),
    andererseits schlechte (aber weit verbreitete) Startbedingungen
    (das durchschnittliche Gemeindeglied hat keine Ahnung von Liberaltheologie).
    Einer der Theologen in unserer Verwandtschaft
    war Pastor einer evangelisch-lutherischen landeskirchlichen Gemeinde
    (also mit vergleichsweise schlechten Voraussetzungen).
    Selbstverständlich war jeder Gottesdienstbesucher
    (und das waren die meisten Gemeindemitglieder)
    im Wesentlichen über den aktuellen Frontverlauf an den Hauptfronten informiert
    (also Auseinandersetzung mit der landeskirchlichen Theologie
    und dementsprechend mit der Landeskirche
    und Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist in der Gesellschaft).
    Die Gemeindeleitung war selbstverständlich umfassend informiert.
    Wie sollen wir kämpfen, wenn wir nicht informiert sind
    – mit Menschen und hauptsächlich mit den Kosmokratoren dieser Finsternis,
    den geistigen (Mächten) der Bosheit?
    Wie können wir unsere Kinder in die Schule schicken,
    wenn sie nicht auf die Auseinandersetzungen vorbereitet sind
    (Schöpfung, Menschenbild, Gesellschaftsbild, Weltbild,
    Zeitgeist-Definitionen von Liebe usw.)?
    Warum kannst Du keine Predigt über das Bibelverständnis halten?
    Umgekehrt: Jede Predigt ist sinnlos ohne Klarheit über das Bibelverständnis.
    Über all das, was Du ansprichst , müssen Christen informiert sein
    und sie müssen auf ihre Aufgaben als Salz und Licht
    und die damit verbundenen Auseinandersetzungen vorbereitet sein,
    wenn sie nicht nur mit Mühe überleben,
    sondern offensiv als Christen leben und andere überzeugen wollen
    (und das fängt bei den eigenen Kindern an).
    Du stehst vor großen reizvollen Aufgaben. Geh’ sie mit einem Team an.
    Und kläre mit der Gemeindeleitung die Prioritäten aus der Sicht Gottes.
    Der erwähnte Pastor hat auch bei Null begonnen.

  25. Die so gut wie nicht stattgefundenen Reaktionen zu diesem Thema zeigen wieder mal exemplarisch welchen geringen Stellenwert bibl./reformatorisches Denken in der EAD mittlerweile hat. Leider wird es denen, die frommes Denken nicht so auf dem Schirm haben zu einfach gemacht:
    Warum gibt es keine gemeinsame Erklärung zu 500 Jahre Reformation von gläubigen Christen innerhalb und ausserhalb der EAD ? Ich weiss es gibt da viele Unterschiede. Warum kann man aber nicht die grundlegenden Gemeinsamkeiten benennen ohne die Unterschiede weg zu negieren? Ich bin dazu kein Spezialist, aber die EAD vertritt nach eigener Aussage 1,3 Mio. Christen. Die bibeltreu/reformatorischen insgesamt schätze ich auf ca. 300 000. Das wäre doch ein Zeichen, auch ein Zeichen in die EAD hinein.

  26. „Diese Kontroverse bietet eine hervorragende Innensicht der DEA.“

    Leute, bleibt doch mal auf dem Boden. Könnte es sein, dass bei einem Vorgang auch Fehler passieren, die nicht gleich alle öffentlich zu lesen sind oder öffentlich gemacht werden müssen? Könnte es sein, dass „Raum zur Umkehr zu schaffen“ (auch durch Offline-Nehmen von Inhalten bis zu einer klärenden Aussprache) ein genuin christliches (und demnach auch evangelikales) Verfahren ist? Könnte es sein, dass Korrektur, Vergebung und Versöhnung sowie „Versenken von Sünden ins tiefste Meer“ uns von unserem Gott zur Nachahmung empfohlen werden? Könnte es sein, dass wir manchmal mehr über unseren Pharisäismus bzw. unsere Ereiferung über die Sünden anderer Buße tun müssten, als uns öffentlich als (selbst-)gerechter darzustellen? Müssen Evangelikale den adventlichen Kaufrausch durch Kritikrausch sublimieren? Lasst uns doch in dieser „stillen Zeit“ des Jahres den Fokus auf den Advent richten, die Vorbereitung auf das Fest zum Geborenwerden des Messias und Friedefürstes.

  27. Theophil Isegrim meint:

    @ Gast:

    Das ist ja nun kein Einzelfall, sondern eine Kette von Äußerungen, die in eine bestimmte Richtung zielen. Und es gibt genügend Beispiel für solche Entwicklungen und das Ende ist leicht abzuschätzen. Das hat auch nichts mit Vergebung zu tun. Schau in die Evangelien oder in die Briefe. Wie Jesus sich mit Fehlentwicklungen von Vertretern des Klerus auseinander gesetzt hat. Oder Paulus oder Johannes.

    Michale Diener ist auch kein theologischer Laie. Gemeindemitglieder, die vielleicht eine falschen Lehrauffassung vertreten, das kommt häufiger vor. Da muß ich nur mal in meine eigene Biographie schauen, was ich über manche Sachen gedacht habe. Aber Diener als Vorsitzender und als promovierter Theologe ist ein anderes Kaliber. Mal abgesehen davon, daß er mit seinen öffentlichen Äußerungen ständig provoziert. Er haut Sachen raus und wir sollen dann die Füße still halten? Nein, man hätte viel früher reagieren müssen. Bibeltreu sind seine Positionen nicht und dafür ist er Vorsitzender einer bibeltreuen Vereinigung? Da stimmt doch was nicht! Mit seiner Einstellung und Meinung kann er in der EKD gerne Karriere machen, aber nicht in der DEA. Aber wahrscheinlich ist die DEA schon mit bibelrealtivierende Leuten „verseucht“ und wohl nicht mehr zu retten.

  28. Roderich meint:

    @Gast,
    danke für die fünf Fragen („Könnte?“ „Könnte?“ „Könnte?“ „Könnte?“ „Müsste?“)
    Ich dachte mir gerade: Ist dieser Blog hier so gefährlich, dass man seine Aussagen jetzt schon in Fragen verpacken muss… ? 🙂 Aber egal.

    Ein paar Anmerkungen:
    – „Raum zur Umkehr schaffen“: Ja, aber Michael Diener hat den Konflikt ja durch ein öffentliches WELT-Interview losgetreten, in dem er die Evangelikalen wegen ihrer Bibeltreue kritisiert hat. Der Wille zur Umkehr ist nicht erkennbar. Man kann doch auch Leute feuern, und dadurch Raum zur Umkehr schaffen. (Wobei es da vermutlich schon zu spät ist, Michael Diener blickt doch schon mit Verachtung auf Bibeltreue herab).

    – „Korrektur, Vergebung und Versöhnung“: Ja, das wäre super. Was, wenn die andere Seite auf einer antichristlichen Lehre und Hermeneutik beharrt? (Für eine Antwort wäre ich dankbar).

    – „manchmal mehr über unseren Pharisäismus Buße tun“: Manchmal schon. Bist Du der Meinung, dass DIES jetzt so ein Fall wäre? Darf ich mal dazu anregen, mal bei Gelegenheit alle neutestamentlichen Stellen zur Frage der Irrlehre zusammenzusuchen oder herauszuschreiben? Das könnte Dir bewusst machen, dass es Gott, Jesus, Paulus, Petrus etc. nicht nur um Geselligkeit, nettes Auskommen, Harmonie geht, sondern auch „ein wenig“ um Wahrheit.

    – „den adventlichen Kaufrausch durch Kritikrausch sublimieren“ – Das grenzt jetzt an Petitio principii – Du setzt voraus, dass diese Kritik unberechtigt wäre, ohne das ansatzweise zu zeigen.

    – „den Fokus auf den Advent richten“ – Ja, aber wenn sich postmoderne Hermeneutik durchsetzt, gibt es bald keinen Advent mehr (für diejenigen, die ihr zum Opfer fallen).

  29. Was, wenn die andere Seite auf einer antichristlichen Lehre und Hermeneutik beharrt?

    Gemeindezucht?

  30. Johannes Strehle meint:

    @ FL
    Ergänzung:
    Der landeskirchliche Pastor, von dem ich erzählte, hatte übrigens vom Studium die denkbar schlechtesten Startbedingungen: Er hatte an deutschen Universitäten Theologie studiert, um dann festzustellen, dass er im Studium die Bibel nicht kennengelernt hatte, nur ein paar Texte. Und er hatte Theorien über die Entstehung der Bibel und Methoden zu ihrem Verständnis gelernt, die ein hohes Maß an Glauben erforderten.
    Dass die Gemeinde gut über die Lage an den Fronten informiert ist, ist auch deshalb wichtig, damit die Gemeindeglieder in Verantwortung vor Gott die richtigen Entscheidungen treffen können, wem sie das Geld geben, das sie erübrigen können. Viele „Werke“ leben nicht zuletzt von bibeltreuen Spendern und bewahren darum auch dann ein bibeltreues Image, wenn sie sich bereits von einer bibeltreuen Theologie abgewandt haben. Wenn ich „bibeltreu“ schreibe, dann meine ich es im Sinne der Glaubensgrundlagen der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten. Denn Michael Diener bezeichnet sich sicher auch als bibeltreu.
    Jeder Christ muss heute lernen, wie Begriffe zu definieren sind, sonst kann er als Christ vielleicht überleben, mehr nicht. Schaeffer wies darauf hin, dass heute kein sinnvolles Gespräch über Gott und Glauben (und Liebe usw.) geführt werden kann, wenn nicht geklärt ist, was die Gesprächspartner unter den Begriffen verstehen. Selbstverständlich gehören Begriffsdefinitionen daher auch zum 1×1 des Konfirmanden-Unterrichts bzw. Biblischen Unterrichts usw..
    Als Beispiel aus der Praxis: Besagter Pastor informierte seine Gemeinde, dass die Landeskirche für diesen Sonntag eine Kollekte für eines ihrer Projekte festgelegt hätte. „Wer dafür spenden will, hat dazu die Gelegenheit am Ausgang auf der linken Seite. Wer für ein Projekt unserer Gemeinde spenden will, kann dies auf der rechten Seite tun. In diesem Fall sollte die Rechte durchaus wissen, was die Linke tut.“ (Die Gemeinde hatte immer Rekordkollekten.)
    Die führenden konservativen Christen tragen große Verantwortung für die Aufklärung der konservativen Christen, welche „Werke“ im Sinne von Bibeltreue unterstützungswürdig sind und welche nicht. Die negative Bewertung von in diesem Sinn verantwortungsbewussten und konsequenten Christen durch den neuen Vorsitzenden der Evangelischen Allianz ist bezeichnend. Der bestens informierte idea-Journalist stellte ihm die Frage: „2016 gab es bei der Allianz einen Spendeneinbruch. Wie erklären Sie sich das?“ Antwort Vetter: „Betrachtet man einen längeren Zeitraum sieht man, dass es immer ein Auf und Ab gibt. Sicher gab es in den letzten Monaten auch Spender, die ihre Zahlungen eingestellt haben, um ihre Unzufriedenheit mit dem Kurs der Evangelischen Allianz, wie sie ihn empfunden haben, zum Ausdruck zu bringen. Dass manche mit dem Geldbeutel abstimmen, ist ja leider kein neues Phänomen.“
    Auch aus diesem Grunde ist es wichtig, dass Du als FEG-Pfarrer gemeinsam mit der Gemeindeleitung den Kurs Eures Gemeindebundes und seiner Ausbildungsstätte beobachtest und ggf. konsequent darauf reagierst.

  31. @FL
    Nun bin ich fast zu spät dran, habe die Menge an Kommentaren erst jetzt entdeckt. Die Problematik, die FL von seiner FeG schildert, kann ich (als ehemaliges FeG-Mitglied) leider nur zu gut nachvollziehen. Die Gemeindeglieder sind heutzutage überwiegend nicht mehr in biblischen und theologischen Fragen bewandert, und die liberalen „Macher“ setzen ihre Agenda in diesem geistlichen Vakuum durch. Gemeindeleitungen werden nicht mehr nach biblischen Kriterien ernannt bzw. gewählt, sondern es wird geschaut, wer die eigene Meinung zur Vorgartengestaltung des Gemeindehauses teilt.
    Spurgeon hatte eine Liste nicht verhandelbarer, Glaubensaussagen (ca. 8 Punkte), von deren Akzeptanz er es abhängig machte, ob er mit anderen Gemeinden noch in einem Boot sitzen kann. Diese Punkte zu glauben ist heilsnotwendig (z.B. aktuelles Thema Jungfrauengeburt) und beugen weiteren Abirrungen vor.
    Vorschlag: Predigtreihe zu jedem der Punkte, und anschließend werden die Punkte als unveränderliche Lehre, die nicht mehr diskutiert wird, in die Gemeindesatzung aufgenommen.
    Das wird nicht ohne Auseinandersetzungen stattfinden. Für Spurgeon war das Thema Schöpfung und Schöpfungsordnung nicht verhandelbar, woraus sich auch Konsequenzen zu den Themen Frauen in Gemeindeleitung oder gar auf der Kanzel ergeben.
    Die Kehrseite ist: wenn sich im Versuch der Reformation die liberalen Kräfte durchsetzen, dann bleibt nur noch der Ausstieg aus der Gemeinde. Aber das mußt Du sowieso bedenken, ob Du als Hirte vor Gott die Richtung Deiner Gemeinde verantworten kannst.

  32. @alle
    Vielen Dank für die hilfreichen Hinweise.

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  1. […] der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, diskutiert (evangelisch.de und theoblog.de berichteten). Dieser hatte eine CD des Liedermachers und Evangelisten Jörg Swoboda (Liedtexte […]

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