Evangelikale und interreligiöser Dialog

Das neue Missionsparadigma, demgemäß Mission nicht mehr nur der Ruf des Sünders zum Glauben an Jesus Christus ist, sickert so langsam zur Basis der evangelikalen Bewegung durch. Anna Lutz kommentiert für das Medienmagazin pro die Tagung „MissionRespekt“ mit den Worten:

Islam und Christentum sind wahrlich nicht dasselbe. Und ja, es ist wichtig, über Christenverfolgung in muslimischen Ländern und salafistische Problemgruppen in Deutschland zu sprechen, auch von Seiten der Allianz. Stehenbleiben dürfen die Gläubigen an diesem Punkt aber nicht. Im Gegenteil, sie müssen zeigen, dass sie es besser können. Dass sie Willens sind, den Kontakt zu Andersgläubigen zu suchen, Unterschiede stehen lassen können und für das Gemeinwohl zusammenarbeiten wollen. Denn auch das ist Mission. Und das sollte zu allererst die Deutsche Evangelische Allianz fördern.

Nein, der gemeinsame Einsatz für das Gemeinwohl oder der Dialog mit Andersgläubigen mag eine gute Sache sein, ist aber eben keine Mission!

Kommentare

  1. Oh – habe ich ein Déjà-vu? Diese Diskussionen gab es doch schon etliche Male (in den letzten Jahrhunderten?). Es scheint sich nichts zu bewegen.
    Ich glaube, es war Spurgeon: „Es gibt nichts neues in der Theologie, außer das, was falsch ist.“ Wie wahr!

  2. Jemeljan Pugatshow meint:

    Richtig beobachtet. Mission muss immer im Sinne des biblischen „Missionsbefehls“ gesehen werden. In evangelikalen Kreisen (je jünger die Vertreter, desto stärker ist diese Haltung ausgeprägt) wird aber jetzt ernsthaft dies neue Missionsverständnis forciert, das eben nicht mehr den Auftrag Jesu enthält „taufet alle Völker“, sondern das auf ein banales „benehmt euch anständig und führt interreligiöse Dialoge“ hinausläuft. Mission ? Nun, die „Umwertung aller Werte“ läuft ja in der Welt, in der säkularen Gesellschaft schon länger. Diskutieren Sie doch heute mal Begriffe wie „Märtyrer“ oder „Rassismus“, da hat eine Aufweichung und Unkenntlichmachung von Inhalten bereits begonnen. Wenn aber jetzt auch urchristliche, biblische und von Jesus selbst gegebene Begriffe und Aufträge innerhalb der Kirchen der Beliebigkeit eines wechselnden Zeitgeistes preisgegeben werden, dann ist die Institution der Kirche als solches hinterfragbar geworden. Eine schreckliche Perspektive.

  3. Jürgen meint:

    In den letzten Monaten hat mich der interreligiöse Dialog immer wieder beschäftigt. Zur Zeit entstehen ja Land auf, Land ab interreligiöse Foren und Gesprächskreise. Dem Statement, das dieser Dialog keine Mission ist, stimme ich zu. Und gleichzeitig frage ich mich wo die Möglichkeiten und Grenzen liegen? Wie sollten wir als Christen damit umgehen, wenn durch den freundlichen Kontakt zu Andersgläubigen, mit gemeinsamen Interessen wie Glaubensfreiheit u.ä., mehr und mehr synkretistische Tendenzen sichtbar werden. Ich schätze den Kontakt zu den muslimischen Mitbürgern, den evangelischen und katholischen Christen, und es ist auch interessant die Sikhs näher kennen zu lernen. Aber die Unterschiede sind zu gravierend als das ich bedenkenlos alle Möglichkeiten nutzen könnte. Wie vermeiden wir als Evangelikale, dass wir bei aller Kontaktfreudigkeit unser Bekenntnis, und damit unser Profil, nicht verlieren?

  4. Hallo Jürgen,
    bei meinen „interreligiösen“ Gesprächen geht es nicht darum, Elemente aus dem Glauben des anderen zu übernehmen, sondern zu verstehen und zu sehen, WAS er glaubt und wie sich das auswirkt. Dann kann ich andere Lebensweisen besser tolerieren. Teilen muss ich sie deswegen aber nicht.
    Einfaches Beispiel: Türkische Nachbarn bekommen nach 20 Uhr viel Besuch, es ist laut, die Kinder sind noch wach … Soll ich mich darüber beschweren? Wenn ich weiß, dass Ramadan ist und was das für die Nachbarn bedeutet, kann ich es besser aushalten.

  5. Was denn -bitteschön- ist denn nun Mission? Das abstractum ´Mission´ muss konkretisiert werden, und zwar in Übereinstimmung mit den biblischen Aussagen.
    Aber eben das sieht in Wanne-Eickel sicher anders aus als in Singapur, Osaka oder Islamabad.
    Und was wären denn die „urchristliche[n], biblische[n] und von Jesus selbst gegebene[n] Begriffe und Aufträge“ ? –
    Wie will man Menschen gewinnen, wenn man ihnen respektlos, überheblich oder besserwisserisch gegenübertritt?
    Wer sagt denn, dass das ´alte´ Missionsverständnis (?) das richtige war, lieber J.P.?

  6. rolfeicken meint:

    @Ernst
    Was die Evangeli-kalen mit den Radi-kalen gemeinsam haben ist nicht nur die Endung; denn sie sind von dem was sie denken und glauben, zutiefst überzeugt und nichts auf der Welt wird sie von etwas Anderem überzeugen können.
    Das ist keine Besserwisserei, das ist die absolute Überzeugung. Da zu missionieren – ist aus einem Kreis ein Quadrat zu machen.
    LG
    Rolf

  7. Schandor meint:

    @Rolf

    Ist das Ihre tiefe Überzeugung? Kann etwas Sie von dieser Ihrer Überzeugung abbringen?

    Angenommen, Sie liegen mit Ihrer Überzeugung falsch: Würden Sie wollen, dass Sie jemand über Ihren Irrtum aufklärt oder nicht? Wenn ja, hätte dann das „Missionieren“ nicht Sinn? Wenn nicht, bedeutet das für Sie also: Jeder hat seine eigene Wahrheit? Nun können zwar alle irren, aber nicht alle die Wahrheit kennen, nicht wahr?

    Sie sind ein aufrichtiger Denker, daher weiß ich, Sie werden sehr schnell erkennen, dass Sie sich von den –kalen gar nicht so sehr unterscheiden … oder? 🙂

  8. rolfeicken meint:

    @Schandor
    Danke für die Blumen. Ich muss zugeben: touchez! Aber: wer entscheidet, wer falsch liegt? Oft schon hat sich in der Vergangenheit herausgestellt, dass Positionen, die für 100% gesichert gehalten wurden, aufgegeben werden mussten. Konrad Lorenz war es sogar eine besondere Freude, eine am Vorabend für genial gehaltene Theorie, am nächsten Morgen selbst zerpflücken zu können. Wer das selbst schon unternommen hat, weiss, was für ein Genuss das hinterher sein kann.
    Einig sind wir uns, dass es nur eine Wahrheit geben kann. Wer ist in ihrem Besitz?
    LG
    Rolf

  9. Es gibt nur eine Wahrheit.

    Die Wahrheit ist, dass Liebe die einzige Kraft auf Erden ist, die diese Welt positiv verändern kann. Die Liebe aber kann der Mensch nicht machen, denn diese liegt in Gott. Gott ist die Liebe. Denn aus Liebe zu seinen Menschenkindern gab er uns seinen Sohn = Jesus Christus. Dieser ist die fleischgewordene Liebe.

    Wie hieß gleich das Buch, in dem wir von Jesus Christus lesen? Von der Barmherzigkeit Gottes und von dem Gesetz der Nächstenliebe, das dem des 1. Gebotes gleichgestellt ist?

    @Ernst …. Mission: schreiben wir jetzt den Missionsbefehl um? So nach Gutdünken, getreu dem Zeitgeist oder der Bequemlichkeit?

    @rolfeicken … es ist doch ganz einfach >> es steht in der Bibel und jede Theorie sollte sich im Herzen beweisen lassen – wenn nicht, dann ist es wohl bloße Zeitverschwendung und Irrlehre

    Mission ist …. Andersgläubigen seine eigenen Überzeugungen nahe bringen zu wollen – ihnen die Gute Botschaft des Evangeliums mitzuteilen, allerdings sind wir nur die Säenden (das Wachsen liegt in Gottes Händen)

    Die Frage ist doch wohl: Wie verstehen wir Mission? Ein Blick in den Korintherbrief 13, 1 verrät uns, wie Mission erfolgen sollte. Nur mit dem Herzen werden wir Menschen erreichen – niemals mit unserem Kopf. Der Kopf bringt die Eiferer hervor, die schon viel Schaden im Namen Gottes angerichtet haben.

    Toleranz: bin ich Christ, so steh ich zu meiner Überzeugung und mache mich nicht klein, um anderen zu gefallen – denn ich muss einzig und allein Gott gefallen

    MfG
    Janchen

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