Evangelisation und Transformation

41JZNsBTfpLVom  4. bis 5. Januar 2013 fand in Herrenberg bei Stuttgart eine AfeM-Tagung zur „Transformationstheologie“ statt. Das Buch mit den Referaten und einigen Mitschriften aus den Gesprächsrunden ist inzwischen erschienen als:

  • Robert Badenberg u. Friedemann Knödler (Hrsg.): Evangelisation und Transformation – „Zwei Münzen oder eine Münze mit zwei Seiten?“, Referate der Jahrestagung 2013 des Arbeitskreises für evangelikale Missiologie (AfeM), Nürnberg: VTR, 2013, 155 S.

Der Inhalt:

  • Vorwort (Robert Badenberg und Friedemann Knödler)
  • Grußwort im Auftrag der Deutschen Evangelischen Allianz (Michael Diener)
  • Einführung in die Diskussion (Thomas Schirrmacher)
  • Wir werden missional  und streichen evangelistische Dienste!? (Ulrich Parzany)
  • Dein Reich komme – Gesellschaftstransformation verstehen (Tobias Faix)
  • Die transformatorische Theologie im Licht des Neuen Testaments (Volker Gäckle)
  • Wofür ist die Kirche da? (Ron Kubsch)
  • Evangelisation – Grund, Motiv und Ziel (Johannes Reimer)
  • Das biblische Mandat, die Welt zu retten – innerlich wie äußerlich – ganz privat und ganz global (Thomas Schirrmacher)
  • Verhaltenskodex für christliche Entwicklungshilfe – Eine Initiative der Schweizerischen Evangelischen Allianz (Marc Jost)
  • Biblical Stewardship – Biblische Haushalterschaft (Manfred W. Kohl)
  • Schlusswort (Michael Diener)

Leuten, die sich für das Thema „Gesellschaftstransformation“ und die damit  verbundene Debatte in Deutschland interessieren, sei das Buch zur Lektüre empfohlen.

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Kommentare

  1. Endlich 😉

  2. Geht das in Richtung Emerging Church (Transformation der Gesellschaft)?

  3. Roderich meint:

    @Andre,
    es ging wohl um „Emerging church: ja oder nein?“.

    Wann ist „Transformation der Gesellschaft“ mit der Bibel zu vereinbaren (z.B. Chrstianisierung des Römischen Reiches, Mittelalterliche Erneuerungen (Klöster), Gesellschaftsveränderung nach der Reformation), und welche Art von „Transformation“ ist vom Ansatz her falsch? (Z.B. Emerging Church, bei welcher wohl eher die Kirche von der Gesellschaft transformiert wird als andersherum – wobei ja Emerging Church eine sehr heterogene Bewegung ist).

    Das sind wohl die Fragen, die da – – kontrovers – – diskutiert wurden.

  4. Froh bin ich darueber, dass dieses Buch veroeffentlicht wurde, obgleich die Herausgeber durch die Wahl des Titels eine gewisse Wertung der Debatte abgeben. Aus meiner Sicht waere der folgende Titel besser: „Evangelisation oder Transformation“. Ich werde mir dieses Buch auf jeden Fall gruendlich duchlesen und in weiteren Publikationen meinerseits die durch und durch unbiblischen Ideen und Zielsetzungen der Transformationstheologie herausstellen.

    Die Debatte ueber die Transformationstheologie wird die Gemueter der Christen in Deutschland und der Schweiz noch lange beschaeftigen. Wir werden dann sehen, was dabei herauskommen wird.

  5. Roderich meint:

    @Herr Erdmann,
    ohne jetzt hier eine vollständige Diskussion durchführen zu wollen (da müssten Sie ja Ihr gesamtes Buch hier copy&pasten…), sondern nur eine kurze Frage: Wie stehen Sie zur „Gesellschaftstransformation“, die sich im Anschluss an die Reformation ergeben hat? Wie etwa beschrieben im Buch von Francis Schaeffer „Wie können wir denn leben“? War das positiv?
    Ich frage nur, um herauszufinden, ob jede „Transformation der Gesellschaft“ aus Ihrer Sicht per se schlecht ist, und wenn nein, ob es denn dann schlecht ist, etwas Gutes anzustreben, bzw. wie man dann die schlechte von der guten Bestrebung unterscheiden kann.

  6. Dr. Martin Erdmann meint:

    @Roderich
    Im Missionsbefehl Jesu (z.B. Matth. 28:19-20) werden die Juenger des Herrn dazu aufgefordert, das Evangelium allen Voelkern zu verkuendigen, die Bekehrten zu taufen und sie in dem zu unterweisen, was Gott geboten hat. Weder dort noch irgendwo sonst in der Bibel liest man etwas von einem Auftrag der neutestamentlichen Gemeinde Jesu, die Gesellschaft zu transformieren. Vom Heiligen Geist wiedergeborene Christen leben anders als solche, die nicht an Jesus Christus als Retter glauben. Sie veraendern durch ihren neuen Lebensstil ihre Umgebung und praktizieren das Liebesgebot. Wenn Francis Schaeffer in seinen Buechern auf diese Wirkung des Heiligen Geistes im Herzen einzelner Christen zu sprechen kommt, die sich nach aussen hin in der Tat der Liebe aeussert, dann erkenne ich dies durchaus als biblisch an. Wenn er etwas anderes meint, dann nicht. Wie sie in meinem Buch Der Griff zur Macht lesen koennen, ist die Transformations-Bewegung ein Auswuchs liberaler, pfingstlerischer und neokalvinistischer (Abraham Kuyper) Theologie des fruehen 20. Jahrhunderts und neoevangelikaler und charismatischer Theologie seit ca. Mitte des gleichen Jahrhunderts, der leider auch Christen, die sich in unserer Zeit zum Evangelikalismus bekennen, beeinflusst und ihr Denken und Handeln lenkt. Meine Gruende, wieso ich diese Transformations-Bewegung fuer unbiblisch halte, sind ja zur Genuege bekannt (siehe Der Griff zur Macht).

  7. Roderich meint:

    @Herr Erdmann,
    besten Dank.
    Wie Francis Schaeffer ja auch schreibt, hatte die Reformation Auswirkungen in allen Bereichen der Gesellschaft. Das war nicht nur „zufällig“, weil Leute ihre Nächsten liebten, sondern hatte auch Methode, da Menschen in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft überlegten, was Gottes Wort denn für ihren Bereich (Recht, Wirtschaft, Politik, Kunst etc) zu sagen hat. Luther hat Schulen gegründet, und er hat Fürsten beraten in der Politik, etc. Das ganze Gemeinwesen wurde in der Reformation umgestaltet. Natürlich ging es Luther primär um die Predigt des Evangeliums, aber auch um eine angemessene Rahmenordnung der Politik, Erziehung etc., die für das Evangelium förderlich waren.
    Die Warnung vor einem „falschen“ Transformationsansatz finde ich wichtig, weil es eben auch Bestrebungen gibt, die darauf hinauslaufen, die Kirche der Welt anzupassen (etwa wenn gar nicht die biblische Ethik sondern der Zeitgeist maßgeblich ist bei den „Transformationsbemühungen“), oder wenn postmoderne Wahrheitsvorstellungen die traditionelle christliche Sicht ablösen. Und es gibt die Gefahr, bezüglich der zwei-Reiche-Lehre beide Reiche zu vermischen.

    Aber es gibt eben meines Erachtens auch eine „richtige“ Transformation. Sie geschieht in der Tat als „Nebenprodukt“ einer Predigt des klaren und reinen Evangeliums, aber sie muss dennoch nicht ganz „akzidentell“ geschehen, sondern es sollte ermutigt werden, dass Christen eine christliche Sicht von Wirtschaft, Politik, Kunst, Wissenschaft, Erziehung, Medien etc. entwickeln, so dass die Christen in den jeweiligen Gebieten einen Unterschied machen können. Wenn sich dann keine Transformation ergeben wird, weil z.B. eher eine Verfolgung ausbricht gegen Christen oder weil die Menschen christliche Prinzipien zu sehr ablehnen, muss man als Christ nicht betrübt sein. Das liegt in Gottes Hand, Gott ist souverän. Damit steht und fällt nicht alles. Sondern es steht und fällt mit der Predigt des Evangeliums. Die Umstände in Europa sind finster. Dennoch KANN Gott eine echte Erweckung schenken. Diese sollte dann aber auch veränderte Strukturen mit sich bringen – das gebietet schon das Gebot der Nächstenliebe. Denn christliche Prinzipien der Gesellschaft sind für alle Menschen am besten, auch für die, die nicht glauben. (Die Religionsfreiheit und Gewaltenteilung müssen erhalten bleiben, ja, beide SIND ja auch ebengenannte christliche Prinzipien).

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