Evokids

Die große Erzählung des Christentums (Schöpfung, Fall, Erlösung, Erneuerung, Wiederherstellung) verliert in Europa das Vertrauen. Also werden andere große Narrative herangezogen. Die Initiative „Evokids“ glaubt, mit der Entwicklungsgeschichte ein sinnstiftendes Menschen- und Geschichtsbild gefunden zu haben und will in Zukunft das Thema „Evolution“ bereits in der Grundschule platzieren. Dabei helfen wird die Giordano-Bruno-Stiftung und der Arbeitskreis Evolutionsbiologie (Ulrich Kutschera).

Dittmar Graf von der Uni Gießen begründet das Anliegen in einem Gespräch mit der SZ so:

Die Evolutionstheorie hat selbst in unserer Gesellschaft ein Verständnis- und Akzeptanzproblem. Aus meiner Sicht ist die frühe Beschäftigung mit ihr auch deshalb notwendig, damit sich beim Nachwuchs ein fundiertes Menschenbild entwickeln kann.

Hier ein Promotionsvideo aus einer Düsseldorfer Schule zum Thema „Evolution in der Grundschule“. O-Ton: „Es ist ganz wichtig, dass man von Anfang an weiß, wo man herkommt.“

VD: WH

Kommentare

  1. Reinhard meint:

    Die kleinen Kinder werden die Evolutionsgeschichten teleologisch verstehen, weil es (nicht nur) ihrer intuitiven Erfahrung entspricht, dass ohne Zielorientierung nichts rauskommt. Das muss man ihnen dann, wenn sie älter sind, noch austreiben :-(.
    Mit dem „Verständnisproblem“ ist das vermutlich gemeint. Die Evolutionsbiologen beklagen sich ja immer wieder, dass Evolution noch zu oft teleologisch verstanden wird. Das kann man natürlich gar nicht brauchen, denn der Schöpfer muss „radikal ausgebootet“ worden, wie der Verhaltensforscher Wolfgang Wickler einmal schrieb.
    Ich wünsche den Machern viel Phantasie dabei, eine ateleologische Evolution kleinen Kindern beizubringen. 😉
    Ein schönes (ungewolltes) Beispiel für teleologische Sprache bei Evolution ist hier: http://www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/n37_schoepfungsvokabular_bei_evolutionstheoretikern.php. Man muss sich auch die Journalisten vorknöpfen!

  2. Schandor meint:

    Ich hab mal einen französischen Film gesehen, in denen die existenzialistischen Eltern ihrem Kind (etwa 6 Jahre alt) zu erklären versuchen, wo die verstorbene Oma jetzt ist. Hat mich sehr getroffen. Sie waren gezwungen, das Kind gegen ihre Überzeugungen anzulügen und etwas vom „Himmel“ zu schwafeln.
    Was erzählen Evoadults ihren Evokids?

  3. Hallo Schandor,
    natürlich die Wahrheit 😉
    „Ein Toter wird verwesen, seine Moleküle/Atome werden ein Teil der Umwelt und – vorsichtig Kind! Du atmest gerade ein Atom von Kleopatra ein!“
    Was soll man einem Kind schon sagen, wenn man damit den Menschen auf biochemische Prozesse reduziert? Sie werden beendet. Die Anteile werden Teil anderer Prozesse.

  4. Hallo Reinhard,
    vor einigen Jahren kaufte ich mir ein Heft (Geo o. Ä.) zum Thema Evolution. Dabei war eine DVD mit den neuesten Erkenntnissen. Sehr interessant. Vor allem die Sprache: … die Natur hat …, … das Lebewesen hat sich angepasst … Selbst in diesem von Naturwissenschaftlern verantworteten Film wurden evolutionäre Vorgänge so dargestellt, als ob eine Intelligenz dahintersteht, die planvoll vorgeht. Verräterisch – oder?

  5. Reinhard meint:

    Hallo Peter,
    ja das ist verräterisch und es geht offenbar nicht anders. Auch die neueste Fachliteratur ist voll von solchen Begriffen. Manchen ist das ein Dorn im Auge, aber es gibt offenbar kein „Entrinnen“.
    In diesem Artikel gehe ich dem Phänomen anhand neuerer Publikationen nach:
    „Baumeisterin Natur“. Sind teleologische Begriffe in der Biologie nur Metaphern? http://www.wort-und-wissen.de/artikel/a15/a15.html

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