Für ein selbstbestimmtes Leben

Für den von mir schon mehrmals zitierten Psychoanalytiker Rainer Funk ist die Ich-Orientierung das herausragende Kennzeichen des postmodernen Menschen. Funkt schreibt (Ich und Wir, S. 55):

Der postmoderne Ich-Orientierte strebt leidenschaftlich danach, frei, spontan, unabhängig und ohne Begrenzungen durch Vor- und Maßgaben selbst bestimmen zu können. Das entscheidende Movens ist die postmoderne Lust an der selbstbestimmten, ich-orientierten Erzeugung von Wirklichkeit, und zwar der den Menschen umgebenden Wirklichkeit, die er sich selbst schafft, ebenso wie der Wirklichkeit, die er selbst ist, indem er sich selbst erschafft – nach dem Motto: „Nur wenn du etwas aus dir machst, bist du was!“ … Die Grundüberzeugung postmoderner Ich-Orientierung lautet: „Lass dir von niemandem sagen, wer du bist. Du bist der, der du bist.“

Soweit klar?

Nun empfehle ich einen Werbespot der „Jungen Grünen“ aus Österreich:

VD: HS

Kommentare

  1. … w(s)ollen nur Frauen ein selbstbestimmtes Leben haben ? ..wo bleibt da die Gleichberechtigung ? ..was will man für die jungen Männer.. ??? …Rollenklischees ???
    Worunter hat diese junge „Bagage“ eigentlich zu „leiden“ .. ??? … anfangs klingt der Werbespot ja noch einigermassen nachvollziehbar.. aber „weg vom Biologieunterricht hin zu Spass ? .. was ist denn das für eine Aussage.. also, ich bin ja „erst“ 50, leider auch eine von denen, die früher genau das wollten … allerdings wollte meine Generation nicht das Geschlecht abschaffen .. ich hatte damals als ich mit 20 nach München ging zum Studium tatsächlich noch das Problem, dass Männer meinten, wenn Frau alleine unterwegs ist, dann kann das nur eines bedeuten … aber das ist doch heute keine große Sache mehr, wo werden die denn unterdrückt ? .. mir tun heutzutage echt die Männer leid, ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde, aber die Frauen heute sind wirklich zum Abgewöhnen… es sei denn, sie bekehren sich und werden richtig geschult.. kostenlose Abtreibungen ??? .. da blieb mir das Herz fast stehen … ich habe abgetrieben, vor 27 Jahren, aus Egoismus und Hilflosigkeit, Wut und Zorn, dass das passieren musste trotz Vorsorge, ja, ich habe es vor den Herrn gebracht, ich habe Vergebung, und ich habe – und das ist eine Wunde, die nie wirklich verheilt hier auf der Erde, was im übrigen mittlerweile auch weltliche Psychologen wissen, denn im tiefsten Inneren ist jeder Frau klar und jedem Mann, der das will oder fordert, dass das Mord ist und die Schuld groß – mir lange lange gewünscht, die Zeit zurückdrehen zu können.. das wünsche ich mir auch heute noch oft … diese Mädchen wissen ja gar nicht, wovon sie reden… Ich bete, dass die zur Besinnung kommen… wo driftet der Westen nur hin… ??? … Ja, Frauen sollen „selbstbestimmt“ leben können, aber doch nicht ohne Bezugsrahmen und wenn Kinder, dann ist die Priorität klar… aber was heisst denn das genau „selbstbestimmt“ … ??? Der zitierte Text von R. Funk führt sich doch selbst ad absurdum … das alles ist doch kein Leben mehr, das ist doch nur noch ein abhaken… ein funktionieren … schablonenartig und schwammig… die Gier der Frauen, das ist schon auffällig…

  2. Schandor meint:

    Es scheint allerdings nur die Wahl zu geben: Spontan man selbst zu sein oder sich komplett von anderen (Christen) bestimmen zu lassen. Da fällt die Wahl nicht schwer.

  3. @Schandor:
    ???
    .. es kann keine Wahl geben, wenn es nur eine Wahl zu geben „scheint“ … also was nun ???

  4. Ich kann das nicht zustimmen, weil die Postmodernität ein Mythos ist. Es gibt eigentlich sehr wenige Menschen in der westlichen Welt die behaupten, an gar keine objektive Wahrheit zu glauben.
    Vielmehr wird unsere Zivilisation vom Modernismus und Materialismus beherrscht, d.h. von dem Glauben, dass sich die Wirklichkeit objektiv auf Teilchen und Energie reduzieren lässt.

    Der vom Psychoanalytiker beschriebene Hedonismus ist nur eine naheliegende Entscheidung für viele Menschen, deren Denken bewusst oder unbewusst von dieser Philosophie gelenkt wird, denn wie Paulus es ausgedrückt hat: „Lasst uns trinken und essen, denn Morgen werden wir sterben.“

    Liebe Grüsse aus Lothringen.

    Lothars Sohn – Lothar’s son
    http://lotharlorraine.wordpress.com

  5. Theophil Isegrim meint:

    Ja, fesch, selbstbewußt und sympathisch wie die jungen Damen da auftreten. Allerdings wenn sie den Mund aufmachen ist es damit vorbei.

    Wissen die da eigentlich, was sie da sagen? Ich bezweifel das. Die folgen auch nur dem, was heute angesagt ist. Ohne es großartig zu reflektieren. Wahrscheinlich nehmen sie für sich in Anspruch gegen den Strom zu schwimen. Dabei schwimmen sie mit dem Strom.

    Westeuropa benötigt ganz dringend Jesus Christus, damit es wieder heil wird. Dieser offen ausgelebte Egoismus wird viele Seelen krank machen.

  6. Zum Video; zum großen Teil das Normale, was man eben aus der Links-Grün
    – Liberalen Ecke kennt. Nur bei einer Stelle ging es mir regelrecht durch „Mark und Bein“, als es hieß wir fordern kostenlose Abtreibungsmöglichkeiten und dies damit begründet wird das es nur um den Sex und den Spaß geht. Wahnsinn, ich als Vater eines wenige Monate alten Kindes bin geschockt so etwas zu hören. Das Leben ist ein Wunder, ich sehe es jeden Tag und hier soll für den persönlichen Spaß Leben zerstört werden. Denn sie wissen nicht was sie tun ….

  7. @Lothar Sohn.
    Da stimmt aber der Zusammenhang nicht ganz bei dem von Paulus zitierten Vers.
    Der ist ironisch gemeint, im Falle, der Bericht der Auferstehung nicht stimmen würde, denn dann hätten auch Christen keine Hoffnung. Dann hätten die Hedonisten recht. ( Nur dass Paulus sich für die Botschaft des Evangeliums hat umbringen lassen !!! )
    Siehe dazu:
    http://www.gottesbotschaft.de/?pg=2992
    http://www.jesus-im-klartext.keepfree.de/z-149-nur-truebsal-blasen.html
    Ich habe die Links allerdings nicht bis ins Kleinste überprüft, aber sie stellen klar, dass es im Leben um mehr geht als um Genuss und vor allem Sex… diese Sexbesessenheit dieser sogenannt postmodernen Gesellschaft ist so ekelhaft und abstossend, auch zum Abgewöhnen. Alles mittlerweile ist grob, vulgär und ordinär.

  8. Schandor meint:

    @Jutta

    Eine Wahl hat man immer – gewissermaßen. Die Jugend ohne Christus hat sie auch: Sie kann sich für die Autonomie entscheiden (für was anderes nicht). Die Verführung ist total; Auswege gibt es nur mehr in den Köpfen einiger Superchristen, die meinen, es sei immer noch „Gnadenzeit“. Christus regiert die Welt mit eisernem Stab – seine Strafe ist längst hereingebrochen. Viele erwarten „das Ende“, sehen aber nicht, dass es längst da ist.
    Die Promiskuität ist ubiquitär – man entkommt ihr nicht. Jede treibt’s mit jedem, wann, wie und so oft sie’s mag, durcheinander, in der Gruppe, hintereinander – das totale Chaos. Das Schlimmste aber: Sie denken, das sei „normal“. Wenn das nicht bereits die totale Strafe ist, weiß ich auch nicht. Sie sind dahingegeben wie Vieh und empfangen nun die Strafe. Umkehr gibt es nicht.

  9. @schandor
    Was soll „Autonomie“ denn sein ??? Und wenn es eine Wahl gibt, dann habe ich auch die Wahl, mich NICHT verführen zu lassen. Dazu brauche ich aber einen tragfähigen Gegenentwurf. Die Verführung ist nicht ( noch ) total, ausserdem geschieht nichts, ohne dass Gott das letzte Wort hat.
    Würde das stimmen, was Sie meinen, dann hätte ich auch nicht zum Glauben kommen können.
    Egal was das Ergebnis sein mag, wir dürfen nicht aufhören, Gottes Wort weiterzusagen. Die Kontrolle müssen wir ohnehin abgeben, die haben wir nicht, die hatten wir nie… Ich wünsche Ihnen Hoffnung.
    Und eine „Superchrist“ bin ich ganz bestimmt nicht, das sei ferne. Nur unendlich dankbar, geliebt zu sein.

  10. Ja, das mit den kostenfreien Schwangerschaftsabbrüchen ist eine grenzenlose Frechheit. Man könnte das Ganze aber auch umdrehen: Der Staat bietet kostenlose (steuergeldfinanzierte) Sterilisation/Vasektomie an, und wer das nicht möchte, darf bitte für ALLE Folgen des verantwortungslosen Geschlechtsverkehrs dürfen bitte selbst und vom privaten Geldbeutel übernommen werden. Das wäre m.E. ein sinnvoller Kompromiss, der das Verantwortungsbewusstsein fördern würde.

  11. Johannes Strehle meint:

    @ Schandor
    Wie Paulus es in seinem Brief an die christliche Gemeinde in Rom
    klassisch beschreibt,
    hat Gott die Menschen, die ihn ignorieren, sich selbst ausgeliefert.
    Das mündet in sexuelle Verirrungen,
    mit denen die Menschen sich wie mit Drogen zerstören.
    „Sie behaupten, Weise zu sein, und sind Narren geworden.“

    Was meinst Du mit „Gnadenzeit“?
    Meinst Du, heute kann keiner mehr Christ werden?

  12. rolf eicken meint:

    @Schandor
    Sie schreiben @Jutta: „Umkehr gibt es nicht“. Da habe ich wohl beim Lesen der Bibel etwas im NT falsch verstanden und es wurde mir im Konfirmandenunterricht etwas falsch erklärt: Gott freut sich über jedes „verlorene Schaf“ und den „verlorenen, heimgekehrten Sohn“ !?
    Abgesehen davon ist mir unsere verblödende Spaß-Gesellschaft auch suspekt und zuwider. Nur, so negativ wie sie hier dargestellt wird, ist unser Jugend auch nicht. Schon Sokrates hat sich über die Respektlosigkeit, die nur der Lust nachjagenden Jugend usw. vor 2400 Jahren beschwert. Und: irgendwann kam, dr. die Schule des Lebens, der Verstand, und es wurden vernünftige Menschen aus ihnen. Das einem Rest, dem sog. harten Kern, nicht zu helfen sein wird, ist unstrittig.
    MfG
    Rolf

  13. Schandor meint:

    @Johannes

    Nein. Ich glaube nur nicht (mehr) daran. Ich glaube, dass jetzt Gericht ist. Absolute Gottesfinsternis.

    @Jutta

    Du hast nur +eine+ Wahl, nämlich die, wozu Dich Dein Wille (=Motive + Vorlieben + Umstände +Disposition +Vererbung usf.) treibt. Das nenne ich nicht Wahl, sondern …

    Worum es mir gegangen ist? Hier wird eine falsche Hypothese aufgestellt: Entweder so, wie unser Psychoanalytiker schreibt, oder eben so, wie sich Christen das vorstellen. Diese Einseitigkeit halte ich für Unsinn. Was Christen einander antun, ist nicht besser als das, was der selbstautonome Mensch sich antut.

  14. Roderich meint:

    @Schandor,
    da bist Du meines Erachtens zu pessimistisch. Aus der Empirie hast Du die Sichtweise aber nicht… ich kenne doch viele, die sich auch heute noch Christus zuwenden.

    Es gibt andere Bereiche der Welt, wo das allerdings viel mehr geschieht – in China, Afrika, Korea etc. gibt es Erweckungen, Menschen kommen in Tausenden zu Christus. In Europa ist es aber zugegebenermassen schwieriger geworden heute. Der Zeitgeist weht heute hier eher anti Christentum. Die Vorherrschaft nicht-christlicher Weltsichten in den Sozialwissenschaften schafft ein negatives Klima der Plausibilität – es erscheint vielen heute unplausibel, dass das Christentum wahr sein sollte.
    Nicht zuletzt, weil Christen im intellektuellen Diskurs nicht mehr so viel mitmischen. Daher scheint das Christentum als „reine Mystik“ und damit irrelevant. (Wenn ich mir die SPIEGEL-Bestsellerlisten ansehe, finde ich da fast NIE ein durchschlagendes christliches Sachbuch, auch in säkularen Buchhandlungen findet man alles (die verrückteste Esoterik, Kommunismus, Existentialismus, materialistische Philosophie des Geistes, unmoralische Schundliteratur etc.), nur nicht biblisches Christentum. Auch die Zeitungen (weder links noch rechts) berichten kaum aus einer christlichen Sicht oder bringen auch kaum eindeutig christliche Grundsatzartikel.) Intellektuelle müssen in BRD somit glauben, dass das Christentum irrelevant ist.
    (Insofern, Schandor, hast Du aber Recht, als das sicher auch ein Gericht Gottes ist – wir wollten im Westen Gott hinausdrängen, und er läßt es sogar zu, soweit, dass wir uns den eigenen Rückweg verbauen).

    Wir haben das Feld anderen überlassen – jedoch haben „die anderen“ die Antworten nicht. Der atheistische Humanismus (als summarische Bezeichung für Weltsichten, die säkular und nicht-christlich sind) hat durch den damit einhergehenden Relativismus uns Orientierungslosigkeit gebracht. Eigentlich wäre das Christentum die ideale Antwort auf die Krisen der heutigen Zeit. (Dazu müssen wir aber alle die Bibel wieder ernster nehmen – und auch unser Denken erneuern lassen.)

    Die Gesamttendenz heute ist im Westen also immer noch „bergab“, was das Christentum angeht. Das wird sich in den nächsten zwei Jahrzehnten kaum verbessern, eher noch verschlechtern. Vermutlich muss erst noch eine große Krise kommen, bis wir bereit sind, umzudenken.

    Trotz Gegenwind können sich in der Zwischenzeit aber dennoch einzelne nach wie vor bekehren. Wenn man heute Christ wird, hat man den Vorteil, dies sozusagen im intellektuellen Gegenwind tun zu müssen – ein Baum, der viel Wind ausgesetzt wird, muss seine Wurzeln tiefer schlagen, um fester zu stehen. Das ist unsere Aufgabe heute.

    @Jutta,
    ich glaube, Schandor meint die Gegenüberstellung von „Autonomie“ zu „Theonomie“ – „Nomos“ heißt ja „Gesetz“, und Gott hat uns in der Bibel Gebote gegeben, an die wir uns halten sollen. Wird jemand Christ, so anerkennt er ja – mit dem Geber der Gebote – auch dessen Gebote, unterstellt sich also den Geboten Gottes, freiwillig, und aus Liebe zu Gott. Das ist mit „Theonomie“ gemeint – Paulus sagte ja, er will die „Herrschaft Gottes aufrichten unter allen Heiden“, also Reich Gottes bauen etc. – das sind alles verschiedene Bezeichnungen für dasselbe, nämlich dass Gott Herr ist, und wir daher auch Seinen Willen tun sollen (und wollen). Ein Christ ist insofern unter der „Theonomie“, unter dem Gesetz Gottes.

    Wer Gott ablehnt, ist entsprechend „autonom“, oder meint es zu sein. In Wirklichkeit kann man aber nur als Christ wirklich „frei“ sein. (Denn wer nicht Gott folgt, folgt in Wirklichkeit eher seinen eigenen Wünschen, die aus einem sündigen Herzen kommen; Sünde versklavt aber). Insofern ist die Autonomie nur relativ.
    Man hat also nur grundsätzlich die Wahl, an Gott zu glauben (und damit geht einher, auch Seine Souveranität anzuerkennen), oder es nicht zu tun (und eigene Wege zu gehen).

    (Damit will ich keine Aussage zur Erwählung machen – Gott erwählt uns nämlich, aber das geschieht auf einer höheren Ebene. Gott will dennoch auch unsere „Entscheidung“, unseren Willen etc., uns auch als „cooperator Dei“, als Mitarbeiter Gottes rekrutieren, die freiwillig mit ihm Reich Gottes bauen).

  15. Theophil Isegrim meint:

    @ rolf eicken:

    „Schon Sokrates hat sich über die Respektlosigkeit, die nur der Lust nachjagenden Jugend usw. vor 2400 Jahren beschwert.“

    Was ist aus Griechenland geworden? Es wurde immer bedeutungsloser und ist von Rom abgelöst worden. Nach dem Höhepunkt kommt der Verfall, der Egoismus, der sich auch in der Sittlichkeit und Moral äußert. Vielleicht paßt die Beschreibung des Sokrates so gut, weil wir in einer ähnlichen Situation sind?

  16. Alsterstewart meint:

    @Schandor
    Gericht und Gnade liegen manchmal erstaunlich nahe beieinander.

  17. Roderich meint:

    @Theophil und Rolf,
    zur „Aktualität des Sokrates (bzw. Platon)“ empfehle ich sehr das gleichnamige Kapitel im Buch „Der Ernstfall. Die Krise unserer liberalen Republik“ des christlichen Philosophen Günter Rohrmoser. Er zeigt in der Tat die vielen Parallelen von damals zu heute, und wie aktuell das „Krisenbewältigungsdenken“ des Sokrates doch war, gerade aus christlicher Sicht.

  18. Schandor meint:

    @Alsterstewart

    Hätte wirklich gerne mal das andere erlebt.
    Hätte wirklich gerne mal +gesehen+ und nicht mein ganzes Leben lang nur +glauben+ müssen. Neulich habe ich eine Predigt von Erwin Lutzer gehört: The Triumph of unanswered Prayer. Erstaunlich, was sich einbilden kann, wer gar nichts hat – den Himmel. Mit ist der Mund offen stehen geblieben über soviel Unsinn.

  19. @Schandor
    Dein Leben neigt sich dem Ende?

    Selbst wenn es so wäre, hast du dir bspw. mal das Leben manches Propheten im AT angesehen (hinsichtlich seiner eigenen „Erfolgsbilanz“)?
    Ja, vielleicht hätten die auch mal was anderes erleben wollen …
    Ja, sie waren mitunter auch am resignieren …
    Wer will schon laufend einzig und allein der Bote von Gericht sein?
    „Irgendetwas“ hat sie aber nicht aufgeben lassen …

    Solange der Herr noch nicht wiedergekommen ist, muss es noch Schafe geben, die gesammelt werden müssen. Ob du oder ich oder … im Umfeld eines solchen Schafes leben oder nicht – tut nichts zur Sache.
    Dass du oder ich oder … niemals im Umfeld eines solchen noch zu suchenden Schafes lebst oder leben wirst – weißt weder du noch ich.

    Ja, man muss aufpassen, nicht zu ermatten, wenn die eigene Erfahrung eher einer Verkündigung „vom Tod zum Tod“ entspricht und so überhaupt nicht der „vom Leben zum Leben“ – aber Beides steht unter dem Wohlgefallen Gottes. Das darf man nicht vergessen.
    Sich an das ausschließliche Erfolgskonzept mancher „Superchristen“ zu hängen, ist ein Fehler.

    Als Einer, der an „die Wahl“ schon gar nicht glauben kann: überlassen musst du es doch dem, der über „Erfolg“ befindet und der hat mitunter andere Vorstellungen von „Erfolg“ als wir…

    Letztlich ergibt sich Resignation doch wohl eher daraus, dass es mit den eigenen Ambitionen nicht übereinstimmt, mit dem eigenen Wünschen …
    Vielleicht ist das gerade das, was es zu lernen gilt: Nicht wie ich will! – unter treuer Beibehaltung des „Bekennens vor der Welt“, des „Zeugnisgebens“ (wie Jutta bspw.), … oder wie man es sonst noch heute ausdrücken möchte.
    Noah ist auch ein treffliches Beispiel, weil uns des Herrn Wort eben auch immer wieder darauf verweist, wie sich die letzten Tage gestalten: wie zu Zeiten Noahs.

    Liebe Grüße Lutz

  20. Schandor meint:

    @Lutz

    Deine Aussagen setzen in ihrer Summe immer noch Glauben voraus. Genau da sehe ich das Problem … Ich glaube, wir bilden uns im Hinblick auf Gottes Immanenz in dieser Welt zu viel ein. Gerade weil wir nichts wissen und auch nichts wissen können, könnten wir uns auch irren. Es ist weniger Resignation, eher langsames Erwachen, Nüchternwerden. Um jemanden zu Christus zu führen, müsste man das alles erst einmal glauben. Das ist bei mir nicht (mehr) der Fall.

  21. @Schandor
    Welchen Grund hast du denn bspw. 2. Petr. 3 oder Matth. 24, 36 ff. anzuzweifeln?

    Der Zweifel kann sich nicht auf „Nichtwissen“ gründen – dann eher auf einem: „der lügt doch, der das Obige schrieb“.

    Mit Erwachen oder Nüchternheit hat dies nichts zu tun.

    Momentan hoffe ich, dass ich dich hier gänzlich missverstehe – momentan kann ich die Zeilen aber nur so fassen, dass meine Antwort genau so ausfallen muss.

  22. Ach ja, noch so’n Feuchtgebiet…

  23. @Schandor: was hat Dich denn so resignieren lassen ? Da ist so unendliche Trauer in Deinen Worten… oder bilde ich mir jetzt wieder was ein ??? …
    Bsp: ich erlebe grade Anfechtung, und hätte ich nicht Gott durch Jesus, hätte ich längst schon wieder denselben Fehler gemacht, den ich mindestens schon 20 Mal gemacht habe. Und ich weiss einfach, dass das Gott ist, der mich bewahrt. Es ist nichts Spektakuläres, hätte aber sehr ungute Konsequenzen, wenn ich fallen würde.
    Manchmal ist einem so wie Thomas, dem Zweifler zumute, aber lass nicht nach, bleib dran… trotzdem… vor allem: es ging immer um Nüchternheit und: VERTRAUEN.
    Wenn das schwer ist, und ich finde es manchmal sehr schwer, dann ist das so.
    Aber: DRANBLEIBEN.
    Und genau da haut meiner Meinung dieser Hedonistenkram, und dieses postmoderne Gelaber rein. Es ist eben kein Spaziergang, und keine Keksdose, das Leben und schon gleich gar nicht das eines aufrechten Christen.
    Was ist das für ein Leben, in dem alles leicht scheint, und erfüllbar ? Die Geschichte beweist doch, dass das eine große Lüge ist.
    Was ist das für ein Leben, in dem eine Cher mit 68, oder was weiss ich wie alt sie wirklich ist, ihren Sinn nach x-Schönheitsoperationen nur darin sieht, möglichst sexy zu posieren, weil eine Frau anscheinend nur dann Frau ist, wenn sie sexy ist ????.. um Männer zu beeindrucken ? ( ..wie war das nach dem Sündenfall: der Mann soll über dich herrschen.. !! )
    Was glaubst Du, wie es denen auf dem Sterbebett geht ?
    Ich habe eine Zeitlang Sterbebegleitung im Hospiz gemacht, nicht wirklich lange, weil ich dann nach langer Arbeitslosigkeit einen Job bekommen habe, der mich ernährt… und alle Hospizschwestern sagten eindeutig: auf dem Sterbebett kommt alles Unverarbeitete hoch. Alles. Bei jedem.
    Ich war da noch nicht bekehrt, aber nun bin ich froh, dass ich es bin. Weil ich nun weiss, wo ich hingehe, wenn ich sterbe.
    Meine Zeit der Prüfung wird kommen, mit Sicherheit und dann wird es sich erweisen, wie ernst mir ist. Aber ich weiss, dass Gott durch Jesus mich trägt.
    So wie jetzt im Moment.

  24. ..und im übrigen, was mir vorher noch in den Kopf gekommen ist, und was mich schon immer „aufgeregt“ hat: viele werden ausgegrenzt aus diesen Lebensentwürfen: in dem Fall dieses widerwärtigen Spots: junge Schwache sprich: Behinderte, chronisch Kranke, die mit irgendwelchen Handicaps, sei es auch seelischer Art ( das kenne ich aus eigener Erfahrung ), die Sensiblen, auch in anderen Programmen, die nicht darauf abzielen grade junge Frauen völlig konfus zu machen und zu zerstören: wo sieht man auf Wahlplakaten Behinderte, wirklich Alte und nicht nur die Supersenioren mit Geld und hochgestylt, die im Pflegeheim, Pfleger, die auf dem Zahnfleisch daherkommen, weil irgendsoein Klugsch… der Meinung war und ist, dass 2,5 Min Pflege für Alte reicht, die Abgestürzten usw … ??? Mir geht es nicht um falsches Mitleid, sondern um Verantwortung. Viele sind an ihrer Lebensituation mitschuld, jeder Erwachsene trägt Verantwortung für sein Leben … aber wo bleibt bei den Parteien „Gesellschaft“ im umfassendsten Sinn ? Und die, die unser System ausnutzen, indem sie Bedürftigkeit behaupten, da kann irgendwas nicht stimmen, wenn das meistens vorbehaltlos durchgeht.. und man lässt sich lieber von Minderheiten tyrannisieren, damit man sich den wirklichen Problemen nicht stellen muss.
    Da sind alle feige. Die echte Realität will keiner mehr wahrhaben. Das schiebt man weit von sich.
    Es gab vor Jahren in München ( zumindest habe ich es da immer gesehen, weil damals in München gelebt, vor über 20 Jahren ) Plakatwände in der U-Bahn: Gesundheit ist nicht alles, aber alles ist nichts ohne Gesundheit.
    Es gibt keinen lebensfeindlicheren Spruch als diesen. Und warum: nur um Fitnessstudios anzupreisen, Nahrungsergänzungsmittel, Yoga, Esoterikurse im Sinne von: Wunscherfüllung, Kreieren Sie sich Ihr eigenes Universum usw usw…
    Also: Geld, Geld, Geld… das ist Verführung pur…
    ..und nur wer gesund ist, ist auch sexy, und kann diesen neuen Leistungssport mitmachen…
    .. bin ich froh, dass ich nicht mehr jung bin…
    Gottes Segen und Schutz allen, liebe Grüße, Jutta

  25. @Jutta: Gute Beobachtung! Ja, viele werden ausgegrenzt, z.B. die Kinder.

    Liebe Grüße, Ron

  26. @Schandor: Ich hoffe, mit Deiner Betonung der Transzendenz wirst Du nicht noch Barthianer.

    Liebe Grüße, Ron

  27. Schandor meint:

    @Jutta

    Bist lieb – danke für die Ermutigung. Übrigens ist das mit Sicherheit kein „sollst“: Der Mann soll nicht über die Frau herrschen. Es ist ein Fluch: Der Mann wird dich beherrschen, wird dich unterdrücken. Es ist kein Befehl, sondern ein Fluch.

    @Ron
    Ja, die Gefahr sehe ich im Moment auch. Ich kann Frames Viereck (christliche/nichtchristliche Transzendenz/Immanenz) einfach nicht nachvollziehen, so sehr ich mich auch mühe. Barth kenne ich allerdings viel zu wenig – aber vielleicht tappe ich in die gleiche Falle. Das Thema Transzendenz/Immanenz beschäftigt mich seit vielen Jahren, und ich komme immer wieder zum gleichen Ergebnis: Ich kann Gottes Immanenz nicht sehen/begreifen/verstehen, mithin mir gar nicht im Mindesten vorstellen.

  28. @Schandor
    Ja, ich weiß das Folgende ist sehr, sehr lang (u. a. auf Grund von Zitaten).
    Aber bitte bedenke, dass deine Zeilen kaum so gehalten sind, dass sie einen „kalt“ lassen könnten.
    Gut zu wissen, dass Jutta` s Zeilen am Morgen bei dir entsprechend angekommen sind.

    Du bist sicher nicht allein damit, dass man sich jahrelang und noch länger mit Fragestellungen herumschlägt, auf die man keine befriedigende Antwort erhält bzw. man kann die vorliegenden Antworten einfach nicht begreifen, verinnerlichen, anwenden, umsetzen oder das vorliegende Modell deckt einfach nicht alle Problembereiche zufrieden stellend ab ….

    Das Dreiecksmodell bspw. zur Dreieinigkeit – bietet Manchem durchaus Hilfestellung im Erfassen, für Manchen ist es total untauglich … Was aber für alle gilt: ob ich es erklären, darstellen oder … kann oder nicht – erkannte Wahrheiten in Gottes Wort und wenn ich sie nur nachsprechen kann, bleiben bestehen. Wenn Modelle nicht funktionieren, oder ich Modelle nicht begreifen kann … – das Alles hebelt das nicht aus, was auch der „einfachste“ Gläubige im Wort Gottes findet.
    (Fasse den Begriff „Gläubiger“ jetzt einfach mal nur als: einen, der das Wort Gottes für wahr hält – kein Zweifel.)

    Es ist mitunter günstig, sich folgende Frage zu stellen:
    Muss ich dieses „Rätsel“ tatsächlich lösen? Ist das meine Aufgabe?

    Mir gefällt gut, was Cremer schreibt (Die christliche Lehre von den Eigenschaften Gottes, in I. Begriff der Eigenschaften Gottes, Brunnen-verlag):

    Auszug: „ … das eigentliche Welträtsel …. das Rätsel der Geschichte. …
    Dieses Rätsel besteht nicht in dem Zusammensein von Geist und Natur, und wird weder gelöst durch die Erkenntnis, wie sich der Geist von der Natur abhebt, noch dadurch, dass der Weg gefunden wird, auf dem der Geist seine Selbständigkeit erhält gegenüber der Natur. Diese Fragestellung ist nur eine andere Form des Naturrätsels. Das Rätsel der Geschichte ist dies: wie kann eine Welt bestehen, die an sich selbst und zwar nicht an ihrer Endlichkeit und Vergänglichkeit, sondern an dem in ihr herrschenden Gesetz der Sünde und des Todes, an dem davon beherrschten Geschichtszusammenhange zu Grunde gehen muss? …“

    „… Es ist verhängnisvoll für die Theologie geworden, dass die alten Apologeten, statt geistesmächtig der widerstrebenden Bildung die richtige Fragestellung in Betreff des Welträtsels zugleich mit der Darbietung seiner Lösung aufzunötigen, vielmehr selbst im Bannkreise dieser Bildung sich damit begnügten, für jenen letzten Gedanken der Philosophie die lange gesuchte Wirklichkeit in dem Gott der Offenbarung aufzuzeigen. So erklärt es sich, dass die in dem „ältesten Dogma der Christenheit“, in der Parusiehoffnung, ernstlich festgehaltene Lösung des eigentlichen Welträtsels keinen Einfluss hatte auf die Verhandlung mit den Gebildeten und auf die wenn auch mehr oder weniger doch immerhin wissenschaftliche Darstellung der christlichen Gotteserkenntnis….“

    „Wir aber haben keinen Grund, in den alten Geleisen zu bleiben. Wir können es nicht, sobald uns der große Unterschied zwischen der Frage, welche die Philosophie stellte und nie beantworten kann, und der Frage, welche die Offenbarung beantwortet, klar geworden ist. Wir sind an die Offenbarung gewiesen, nicht weil sie das letzte Mittel ist, um Aufschluss zu gewinnen, den die Vernunft durch sich selbst zu finden nicht imstande ist, sondern weil wir in ihr die Wirklichkeit Gottes haben, eine Wirklichkeit, welche uns die richtige Fragestellung zeigt und zugleich die Antwort gibt und damit von dem Zwange jener aussichtslosen Wege befreit. …
    Nicht Bewirkung von Erkenntnis, sondern Bewirkung, Beschaffung und Zueignung des Heils ist der Zweck der Offenbarung ….
    Bewirkung von Erkenntnis ist Ergebnis und wird nur bezweckt, sofern sie Mittel ist, nämlich, sofern es natürlich notwendig ist, dass dies auf den Zweck der Erlösung gerichtete Handeln Gottes von denen auch erkannt werde, denen es gilt….“ (Auszug – Ende)
    (Und wenn du in deinem Umfeld der Einzigste wärst, für den Letzteres zutrifft, was macht es? Es wird keine einzige Antwort Gottes ad absurdum führen.)

    Ja, ich weiß, die Sätze sind nicht einfach zu lesen – aber der Grundgedanke wird klar herauskommen: Es gilt die richtigen Fragen zu stellen, um eine berechtigte Hoffnung auf Antwort zu haben. Aus dem Buch Hiob kann man dazu viel lernen.

    Mir ist es unverständlich, dass du dich mit jahrelang unbeantwortbaren Fragen immer noch herumschlägst. Was wenn es diese Antwort, die du suchst, im Hier und Jetzt, gar nicht geben wird? Eine themenbezogene Schlussfolgerung muss daraus nicht zwingend gezogen werden (hier ist Nichtwissen als Eingeständnis tatsächlich eine Tugend).
    Leider sehe ich aber in deinen Zeilen unter dem Thema hier eben solche Schlussfolgerungen, die eigentlich des festen Grundes entbehren.

    Wenn ich erkenne, dass ich keine Lösung habe, auch in absehbarer Zeit zu keiner vernünftigen Lösung gelangen werde, ist es besser, diese Schlussfolgerung zu erwägen: Lass es sein! oder Lass es liegen bis …! oder …
    Ja, man wird vielleicht als „dümmlich“ oder „naiv“ zurückgesetzt oder …. – aber als heilsame Variante würde ich es in solchen Situationen immer wieder empfehlen. Für den „gemeinen“ Christen bietet Gottes Wort immer mehr als genügend Dinge, die es gilt zu beherzigen, umzusetzen … – so dass die „Lücke (ich kann Manches nicht erklären)“ kaum ins Gewicht fallen kann.
    Schade, wenn eine solche „Lücke“ letztlich zum Hemmnis, zum Klotz am Bein wird.
    Das wäre aber nichts anderes als eine hausgemachte Fessel, eben das zu hemmen, was eigentlich getan werden sollte – egal was es jetzt ist: Gebet (Danksagung, Bitte, Klage …), Bekenntnis vor der Welt, Dienst am Nächsten ….

    Nichtsdestotrotz liebe Grüße Lutz.

  29. @Ron: Danke, Du hast vollkommen recht – ich habe die Kinder vergessen !! Eigentlich das Wichtigste.
    @Schandor: grade gefunden in „Stimme der Märtyrer“,07/2013:
    „Das Vorhandensein von geistlichem Leben merkt man manchmal nur dadurch, dass man darum kämpft, es aufrecht zu erhalten“.
    Jim Elliot, amerikan. Missionar, der von den Aucas ermordet wurde, 1956.
    Vielleicht Trost ?
    Und: wie wäre es, mal den Wilhelm Busch zu lesen ? ..oder eine Predigt anzuhören auf sermon online ?
    Ich habe versucht obigen Sätzen zu folgen – vergeblich … vielleicht ist es manchmal nicht sinnvoll, „klug – im Sinne von intellektuell“ sein zu wollen ???
    Busch ist ganz grad, direkt, „einfach“.
    Kämpfe den guten Kampf, Schandor.
    Ich bete für Dich.

  30. Roderich meint:

    @Schandor,
    auch ein vielleicht tröstliches Wort von Hegel: Ginge es beim Christentum nur um das Gemüt, wäre ein Hund der beste Christ 😉 (Wir müssen also nicht immer partout „gut drauf“ sein – jedenfalls ist das nicht das Kennzeichen des Christseins).

  31. HA!!!
    Meine Lieblingsgeschichte von Wilhelm Busch:
    http://www.gemeindenetzwerk.org/?p=9586, Brief aus der Heimat.
    Liebe Grüße an alle.
    Jutta

  32. rolf eicken meint:

    @Schandor
    Ihr Kommentar v. 4.9. / 19.35 Uhr hat mich erschreckt und zugleich sehr nachdenklich gemacht. Ich glaube, dass da auch 2 Seelen in meiner Brust miteinander kämpfen. Ich kann Ihr Leiden verstehen.
    MfG
    Rolf

  33. Schandor meint:

    @Lutz @Juttta @Roderich @Rolf

    Ich danke euch für eure lieben Worte, euch allen! Es tut sehr gut, zu sehen, dass es euch nicht egal ist. Ich werde eure Mahnrufe beherzigen!
    Liebe Grüße, Schandor

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