G. Beale: Der Tempel aller Zeiten

Gregory Beale gehört zu den renommiertesten Exegeten der Gegenwart. Nachdem er für viele Jahre als Professor für Neues Testament am Wheaton College (USA) unterrichtet hat, lehrt er seit 2011 Biblische Theologie am Westminster Theological Seminary in Philadelphia (USA). Sein Kommentar zum Buch der Offenbarung ist ein bedeutender Beitrag zur Exegese der Apokalypse. So freue ich mich, dass nun ein Werk von Beale in deutscher Sprache erschienen ist. Das Buch:

  • Gregory Beale: Der Tempel aller Zeiten: Die Wohnung Gottes und der Auftrag der Gemeinde – eine biblisch-heilsgeschichtliche Studie, Bethanien Verlag, 2011, 492 S., 21,90 Euro

untersucht das Thema »Tempel« entlang der gesamten Heiligen Schrift. Der Tempel steht in der Bibel für Gottes Ziel mit seinem Volk: In Ihrer Mitte zu thronen und zu wohnen, um als Schöpfer und Erlöser angebetet zu werden und seine Herrlichkeit in die ganze Schöpfung hinausstrahlen zu lassen.

Beale treibt jedoch nicht nur Exegese zum »Tempelthema« auf hohem Niveau, er schafft es immer wieder, Brücken hin zu unserem Leben zu bauen. Auf diese Weise wird deutlich, wie groß die Berufung der Gemeinde ist. »Unsere Aufgabe als Gemeinde, als Bundesvolk Gottes, besteht darin, als Gottes Tempel so von seiner herrlichen Gegenwart erfüllt zu sein, dass wir uns ausbreiten und die ganze Erde mit seiner Gegenwart ausfüllen …« (S. 449). Nur als wahrhafte Anbeter Gottes können wir diesen wunderbaren Auftrage umsetzen.

Donald Carson schreibt in seinem Vorwort:

Gregory Beale verfolgt im vorliegenden Band das Thema der Wohnung Gottes und des Tempels durch die ganze biblische Heilsgeschichte und beleuchtet dazu viele Texte aus dem AT und NT. Doch er zeigt auch, dass die Bedeutung und die Symbolik des Tempels eng mit den antiken Kulturen verbunden sind, und so gründet sich seine theologische Arbeit nicht nur auf die Auslegung der Schrift, sondern berücksichtigt auch sehr gründlich die Geschichte. Außerdem stellt er einige bahnbrechende Thesen über die Bedeutung des Tempels im AT und NT auf, die den aufmerksamen Leser befähigen, sich ganz neue Zusammenhänge in der Bibel zu erschließen.

Ich danke dem Verlag und den vielen Leuten, die an diesem umfangreichen Projekt mitgearbeitet haben, für ihren Einsatz. Wir haben ein neues Buch aus dem Bereich der biblischen Theologie, das hoffentlich die Aufmerksamkeit vieler bindet.

Hier eine Leseprobe: Beale_Tempel_LeseprobeKap8.pdf.



Kommentare

  1. Jürgen meint:

    Hallo Ron,

    danke für diesen Tipp, scheint sehr interessant zu sein und ich werde es mir besorgen.

    Gruß, Jürgen

  2. Schandor meint:

    Der Leseprobe zufolge geht die Kirche keinen rosigen Zeiten entgegen, im Gegenteil: Am Ende wird das Schlachtfeld offenbar dem Teufel überlassen. Er ist der Sieger. Seit zweitausend Jahren nun befindet sich Jesus Christus, dem alle Macht im Himmel und auf Erden (!) gegeben ist, im Kampf mit jenem „Geheimnis“, das schon damals wirksam war – und verliert den Kampf! Oder darf man von Sieg sprechen, weil einige Menschen errettet werden, die große Masse dagegen verlorengeht?
    Ist die Hölle größer als der Himmel? Wo werden sich einst mehr Menschen befinden?

    Mir scheint jedenfalls, die Zeit und die Zeichen der Zeit geben Beales Analyse recht. Mir scheint aber auch, dass ein solches Buch erst in unserer Zeit überhaupt hat geschrieben werden können. Es hätte wohl nicht im 17. Jahrhundert erscheinen können. Abgesehen von der wahrhaft großartigen Analyse zum Tempel (der lt. Beale ein Symbol für den Kosmos darstellt): Wo bietet es dem Christenmenschen Hoffnung? Siegt Jesus denn nur in den Herzen der Seinen? Ist diese Welt aufgegeben? Ist sie dahingegeben? Kann sie also doch nicht erlöst werden? Wird Jesus nicht herrschen von Meer zu Meer? Sollen alle Hoffnungen getrogen haben? (Ich beziehe mich auf die Leseprobe).

    Was mir einfach nicht einleuchten will, ist der Umstand, dass die Thessalonicher lt. Paulus gewusst haben, von was er sprach. Wir heutigen dagegen sind so vieler verschiedener Ansichten zum 2. Kapitel des 2. Thessalonicherbriefs. Was mir daran nicht einleuchten will? Dass Paulus letztendlich nicht zu den Thessalonichern seiner Zeit gesprochen haben soll, sondern zu uns heutigen (oder künftig lebenden Menschen). Könnte es nicht sein, dass Paulus von ganz bestimmten Menschen seiner Zeit gesprochen hat und dass ihm heute vielfach Gedankenkomplexe unterstellt werden, die er so gar nicht gehabt hat?

  3. Ersetzungstheologie. War Paulus wirklich Ersetzungstheologe (Römer 9-11)?

  4. Schandor meint:

    @elviS

    Wie meinst Du das? Beale ist sicher kein christlicher Zionist, aber Paulus war auch keiner. Oder verstehe ich Dich falsch?

    lg
    S.

  5. schlotti meint:

    @elviS

    Wenn ich dich richtig verstehe meinst du mit „Ersetzungstheologe“, dass Israel von der Gemeinde ersetzt wird. Beale kann man aber nicht dort einordnen. Als biblischer Theologe geht er vom NT aus und fragt, wie atl. Prophezeiungen zu verstehen sind. Er zeigt z.B. auf, dass das NT Jesus als den wahren Israel versteht und als Tempel. Jesus ist nicht wie ein Tempel, er ist(!) der Tempel. Gleichzeitig sind Christen durch ihre Verbindung mit Jesus ebenfalls als Einzelne, wie auch als Gemeinde der Tempel. D.h. Beal zeigt auf, wie sich atl. Prophezeiungen in Jesus und/oder der Gemeinde erfüllen. Die Gemeinde ersetzt also nicht das Volk Israel. Vielmehr ist das ntl. Volk Gottes die Gemeinschaft der an Jesus glaubenden Juden und Heiden und somit das wahre Israel.

    Beale geht ausführlich darauf ein, wie man atl. Prophezeiungen verstehen kann (Hermeneutik). Sind sie vom AT her direkt auf die heutige Zeit bwz. die Zukunft zu beziehen (etwa die Prophetie Hesekiels über den Tempel)? Oder gilt es zunächst zu fragen, wie sie im NT verstanden und aufgenommen werden?

    Es ist ein durchaus anspruchsvolles Werk. Allerdings lohnt es sich wirklich es zu studieren.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  6. Ich glaube, dass sich alttestamentliche Prophezeiungen nicht ausschließlich in der christlichen Gemeinde als dem ‚wahren‘ Israel erfüllt haben.
    Dafür ist der Fundus an Stellen und Abschnitten im AT einfach zu groß, welche deutlich prophetischen Charakter für das Bundesvolk Israel haben.
    Zur Substitutionstheorie lese man das kleine Werk von Jacob Thiessen, „“Israel und die Gemeinde: Die Frage nach der Wiederherstellung Israels – eine hermeneutische und exegetische Herausforderung“, Jota: Hammerbrücke, 2007.
    Bye the way, auch Jesus verneint die Frage seiner ‚israelitischen/jüdischen‘ Jünger in der Act 1,6 nicht.

  7. Schandor meint:

    Gemeinde = Leib Christi = wahres Israel = Gesamtheit derer, die zu Jesus gehören (Abraham, David, Hanna, Simeon, Paulus, Petrus, du, …)
    AT = symbolisch, Typus, Schatten
    NT = Erfüllung (soviele Verheißungen es gibt – in IHM sind sie erfüllt).
    Es kommt der Tag (wenn Paulus recht hat, wovon wir ausgehen), da wendet Gott das Herz des alten Israel sich zu, nämlich dann, wenn die Fülle der Heiden(christen) so groß ist, dass Israel eifersüchtig wird. Das wird dann ungeheuren Segen für die Welt nach sich ziehen. (Zumindest, wenn ich die Stellen richtig verstanden habe 😉
    Die Zwei-Völker-Gottes-Lehre ist ein Produkt des frühen neunzehnten englischen Jahrhunderts.
    Das Land Palästina selbst hat gar nichts mit all dem zu tun, und wenn, dann eher „zufällig“. Das „Land“, von dem die Rede geht, ist ein Bild für jene Ruhe, die noch vorhanden ist und die niemand Lebendes gesehen hat – dieses Land ist der Himmel.

  8. schlotti meint:

    @elviS
    Zu deinem Kommentar möchte ich sagen, dass Beales Buch sich (soweit ich mich erinnere) nicht mit Römer 9-11 befasst. Es ist schlicht und einfach nicht sein Thema. Er geht der Bedeutung des Tempels im AT, außerchristlichen Quellen, sowie dem NT nach. Dabei kommt er natürlich auf theologische und hermeneutische Fragen zu sprechen, die auch mit der Identität Jesu und Israels zu tun haben.

    Wenn du (Entschuldigung aber im Internet weiß ich nie, welche Anrede angemessen ist) Thiessens Buch gut findest, wäre Beale vielleicht eine nette Ergänzung bzw. Herausforderung. Selbst wenn man einen Standpunkt nicht übernimmt finde ich es oft hilfreich, mich mit gegenteiligen Meinungen zu befassen. Dazu wäre Beale sicherlich geeignet. Wie Ron beschrieben hat, ist er kein theologisches Leichtgewicht. Ende des Jahres wird seine biblische Theologie erscheinen. Sie hat soweit ich es beurteilen kann den Ansatzpunkt aufzuzeigen, wie das NT das AT aufnimmt und entfaltet.

    @schandor
    Deine Gleichung „NT=Erfüllung (soviele Verheißungen es gibt – in IHM sind sie erfüllt).“ würde ich so absolut nicht sehen.

    Was mir an Beale gefällt ist, dass er konsequent versucht zunächst zu schauen, wie atl. Aussagen im NT aufgenommen und interpretiert werden. Hier könnten wir wohl eine sehr angregende Diskussion über die Hermeneutik beginnen. Doch das wäre wohl auch sehr anstrengend :-).

    Liebe Grüße
    Schlotti

  9. Danke für deinen letzten Kommentar schlotti. Tut mir Leid, wenn ich auf eure Fragen hier nicht so konkret eingehe, aber dafür habe ich einfach nicht die Zeit. War lediglich angeregt durch das Exzerpt von Ronetwas zu posten.

  10. Schandor meint:

    @schlotti

    Ja, da hast Du wohl recht. Gut, Beale geht von einem bestimmten Ansatz aus, der m. E. aber nicht das Ergebnis von bestimmten Bibelstellen ist, sondern das Korrelat einer Überzeugung, die sich im Lauf der Jahre eben herausbildet.

    Was das Eschaton angeht, „kämpfen“ dispensationalistisch-katastrophile Endzeiterwartungen gegen hoffnungsfrohen Postmillennialismen (verschiedener Coleur), achiliastische Wechselzeitsichtweisen (D. A. Carson m. W.) denken kritisch über chiliastische Zukunftsutopien im Lande Palästina nach, idealisierende Offenbarungsexegeten gegen präteristisch-historisier … ach man kommt ja doch an kein Ende 🙂

    ABER: Wer sagt: „Jesus Christus ist der Sieger“ und dann darauf wartet, dass ein Antichrist die Welt in den Abgrund stürzt, den nenne ich mir mal einen Ironiker! 😉

    Liebe Grüße,
    Schandor

  11. Schlotti meint:

    @elviS
    Ja, das mit der Zeit kenne ich gut. Auch ich mag es hin und wieder einfach einen kurzen Kommentar zu geben. Aber für eine tiefe Diskussion fehlt auch mir die Zeit. Deshalb auf bald…

    @Schandor
    Tja die Endzeitspekulationen kenne ich aus meiner eigenen Kindheit. Mir hat so einiges dabei richtig Angst gemacht. Erstaunlich wenn man bedenkt, dass die Offenbarung geschrieben wurde, um den Christen Mut zu machen.

    Was den Antichristen angeht glaubt Beale durchaus, dass er kommen wird und viele „Christen“ zum Abfallen bringen wird. Seine Auslegung zu 2. Thess 2 zählt für mich zu den Hinghlights des Buches.

    Liebe Grüße
    Thomas

  12. Schlotti meint:

    Ups, da habe ich doch glatt mein Pseudonym aufgegeben. Man sollte halt nicht mehr zu späterer Stunde schreiben…

    Liebe Grüße
    Schlotti

  13. Schandor meint:

    @schlotti

    Ach, das macht nichts. Einfach weiter dabei bleiben 😉

    Beales Auslegung ist hohe Kunst – aber vielleicht auch Dichtkunst. Paulus redete mit den Thessalonichern von Dingen, die sie kannten und wussten.

    Das Begriff „Antichrist“ verwendet Paulus nicht, und das vielleicht aus sehr gutem Grund. Beales Annahme hat zur Voraussetzung, dass Paulus entweder
    1) selbst nicht gewusst hat, von was er da eigentlich redet
    2) es gewusst hat, aber den Thessalonichern ganz was anderes erzählt hat (statt ihnen zu erzählen, sie bräuchten keine Angst zu haben, denn das, was sie da fürchteten, liegt von ihnen aus gesehen noch mindestens 2000 Jahre in der Zukunft, erzählte er ihnen, sie „wüssten“ Bescheid, ja, er tadelt sie sanft, dass sie es vergessen hätten – womit er unlauter gewesen wäre, da er sie so oberflächlich beruhigt hat, wo er sie doch mit dem Hinweis auf die 2000 Jahre viel besser hätte trösten können),
    3) der Heilige Geist (der ja der Autor hinter Paulus ist, so nimmt man an) hatte kein Interesse, die 2000jährige Kirchengeschichte aufzuklären, auch Paulus nicht, und deshalb hat er Paulus nur Bruchstücke verraten, woraufhin der sich irgendetwas Vages gedacht haben muss, was sich im Lauf der Kirchengeschichte zu einem Komzept gesteigert hat, an dessen Klimax der johanneische Antichrist steht.

    Was mir fehlt und immer schon gefehlt hat, ist das „Große Buch der Voraussetzungen zu einer jeglichen Eschatologie“.

    Ist es nicht wesentlich plausibler, dass Paulus von Dingen gesprochen hat, die die Thessalonicher wirklich verstanden haben, weil sie sie gekannt haben (viell. von bevorstehenden, temporären Christenverfolgungen eines julischen Kaisers?) Was, wenn die „Gesetzlosigkeit“, die schon „am Wirken“ war, einfach der maligne Genius eines „kommenden Fürsten“ war, dessen dunkle Schatten ihm vorauseilten und die Wissenden erahnen ließ, was da in wenigen Jahren auf sie zukam? Wer kann schon sagen, wie stark Beale (dessen profundes Wissen ich nicht infrage stellen will) vom Zeitgeschehen beeinflusst ist? Wer kann das sagen?

    Was soll uns dieser Abfall vom Glauben? WER fällt ab? Und wo steht in Thessalonicher, dass es sich um einen Abfall vom Glauben (von welchem eigenlich?) handelt? Und was bedeutet das? Dass die Mehrzahl der heute lebenden Christen nicht wiedergeboren sind (denn das muss es ja, wenn anders ein Wiedergeborener eben sich durch Perseveranz auszeichnen soll)? Vielleicht ist das so, und dann gnade uns Gott!

    Aber wenn nicht: Sind denn die Zeiten nicht auf und ab gegangen und haben uns Abfälle beschert noch und nöcher? Mich jedenfalls überzeugen seine Ausführungen nicht, und ich vermute, ihre Stärke liegt weniger in ihrer Argumentation als in unserer stummen Angst vor den Dingen, die da zu kommen scheinen. Er trifft die Angst der Christenseele.

    Vielleicht irre ich mich. Vielleicht sind Christi Aussagen („Ich habe die Welt überwunden“) nur irgendwie symbolisch oder mystisch zu verstehen. Vielleicht ist sein Reich nicht nur nicht von dieser Welt, sondern auch nicht für diese Welt. Vielleicht bezieht sich seine Aussage „Mir ist gegeben ALLE Macht …“ nur auf den geistlichen Bereich, während die Welt immer noch dem Satan gehört. Vielleicht wird Christus herrschen von Meer zu Meer, aber eben nur in einigen Wenigen, die sich halt eben da und dort finden.

    Aber dann soll mir NIE mehr ein Prediger von Hoffnung reden. Denn dann stimmt es, was die atheistischen Philosophen dem Christentum immer vorgeworfen haben: Es sei eine Auf-das-Jenseits-Vertröstungs-Religion. Denn darin hätten sie recht.

    Der Heilige Geist erweckt durch den Willen Gottes Menschen vom geistlichen Tod zu geistlichem Leben (=Wiedergeburt).

    Meine Frage: Kann er das mit zweien auch? Mit dreien? Oder gar mit —- 3000 (wie in der Apg)? Mit 30.000? 300.000? Was, wenn die Kirchengeschichte nicht an ihrem Ende stünde, sondern erst an ihrem Anfang? (Denn beim Herrn sind doch 1000 Jahre wie ein Tag — dass ER schon nach zwei Tagen Schluss machen sollte …?)

    Auf diese Fragen habe ich noch keine Antworten gefunden. Onward soldiers to victory — alles nur Unsinn verdrehter Utopisten?

    🙁

  14. Joschie meint:

    Hat jemand von euch schon das Buch von Gregory K. Beale mit seinen 492.Seiten ganz durchgelesen oder stammt euer Wissen über dieses Buch allein von den 14.Seiten der Leseprobe?
    Gruß Joschie

  15. All das, was ich gepostet habe bezog sich auf das Exzerpt von Beale.

  16. schlotti meint:

    @Joschie
    Ich habe das englische Original „The temple and the churchs mission“ vor einiger Zeit gelesen. Dann hatte ich zum Glück Urlaub und konnte in meiner Muttersprache nochmal einiges nachlesen.

    Liebe Grüße
    Schlotti

  17. Hallo, ich habe mir das Buch auf empfehlung hin bestellt. Nun habe ich mir mal die Leseprobe angeschaut und da ist mir etwas aufgefallen. Eine Anmerkung des „Herausgebers“ bei Kapitel 8 , auf der Seite 312

    „37 Ergänzung des dt. Herausgebers: Denkbar ist außerdem, dass der Antichrist sich mit Titeln der drei Personen Gottes benennt wie »Heiliger Vater« (entgegen Mt 23,9), »Oberhaupt der Kirche« (welches eigentlich Christus ist) und »Stellvertreter Christi« (eigentlich der Heilige Geist durch das Wort Gottes).

    Das finde ich sehr Schade, hier wird versucht eine bestimmte Lehre von einer bestimmten Konfession unterbewusst zu vermitteln. Irgendwie auf eine sehr „unschöne“ Art. Sollen sie doch gleich Schreiben das sie den Papst meinen.

    Diese versuche dem Leser sein Eigenes Verständis unterbewusst zu vermitteln, erinnert mich an die Überschriften der Bibel.

    MFG

  18. Roderich meint:

    @Water,
    ich habe das Buch nicht gelesen. (Ich kann das nicht beurteilen, aber „Denkbar“ heißt ja noch nicht „sicher“.)
    Abgesehen davon sollte dort stehen: wenn der Antichrist aus der Katholischen Kirche kommt, wäre das insofern ein „Kompliment“ an die katholische Kirche, als sie ja dann die „richtige“ Kirche wäre, aus der der Antichrist hervorgeht.
    (Evangelikale müßten ja eigentlich sagen: „Wir“ sind die richtige Kirche (bzw. alle Wiedergeborenen), also müßte der Antichrist, wenn er uns täuschen zu wollen versuchen würde, von uns ausgehen, wie es in 1. Joh heißt).

    (Zur Zeit ist ja nicht damit zu rechnen – da ja sowohl die katholische als die evangelische Kirche zu wenig „Macht“ haben, als dass sich einer der Repräsentanten als „Friedensbringer für die ganze Welt“ hervortun könnte). Da müßte man schon eher an Obama oder andere mächtige weltliche Herrscher denken. Dazu ist aber die Wirtschaftskrise nun auch zu intensiv, Amerika nicht mehr mächtig genug. Aber wie auch immer – eine weltweite Krise, wie sie ja z.T. noch bevorsteht, kann evtl. noch einiges schnell wieder ändern und überraschend schnell neue Tatsachen schaffen.

    Im übrigen sollte man nicht seine Zeit damit verbringen, zu rätseln, wer der Antichrist ist. Wir wissen nicht, ob es nun schon „an der Zeit“ ist oder ob Gott der Erde nicht noch mal 100, 500 oder 2000 Jahre schenkt. Für uns – angesichts des fortgeschrittenen Bösen – evtl. schwer nachvollziehbar, warum Gott sich das noch viel länger ansehen sollte, aber Gottes Macht ist andererseits auch unbegrenzt, und er kann auch eine total verderbte Menschheit wieder zu einer zwischenzeitlichen Umkehr zu Ihm bringen. Beten wir darum und evangelisieren wir munter weiter. Christus ist wesentlich größer als der Antichrist.

  19. Schandor meint:

    „Der Antichtist“.

    Es ist höchst seltsam, dass sich dieses Konzept so beharrlich die Kirchengeschichte hindurch gehalten hat, benützt diesen Ausdruck doch einzig und allein Johannes in seinen Briefen, und dort auch so, dass man eher an eine zeitgenössische Figur denken muss als an einen zukünftigen Schreckensherrscher.

    G. K. Beale vertritt in dem Buch eine durch und durch pessimistische Sicht der Kirchengeschichte (am Ende siegt der ominöse „Antichrist“; Christus muss sozusagen „von außen“ kommen, und freilich mit Gewalt).

    Dass der Papst Jahrhunderte hindurch alle Kennzeichen eines solchen Antichristen getragen hat – wer möchte das bestreiten, ohne sich allerhöchst lächerlich zu machen?
    Jesus sagte: „Ihr sollt euch nicht ‚Vater‘ nennen lassen, denn einer ist euer Vater: Gott“. Wie nennt man füglich jemand, dem der Titel „Vater“ nicht ausreicht, sondern der sich „Heiliger Vater“ nennen lässt?

    Schade: Beales Buch lässt sich so gut an! Aber dann verfällt er in den hinlänglich bekannten, traurigen Pessimillennialismus zurück, der seine Eschatologie unbedingt futuristisch verstanden wissen will. Der Stein, den Daniel ohne Zutun von Menschenhänden losbrechen sieht, um die Königreiche der Erde zu zermalmen, um selbst die ganze Erde zu erfüllen, ist bei ihm eine Seifenblase, die zuletzt an den dämonischen Machenschaften des sogenannten „Antichristen“ zerplatzen muss. Das ist die typische Sichtweise des Amillennialismus: Jesus Christus darf herrschen, aber bitte nur in unseren Herzen; die irdische Gewalt über Leben und Tod bleibt in den Händen des Teufels. Sehr schade.

    „Der“ Antichrist – er bleibt solange am Leben, wie er erwartet wird. Und da ihn leider Gottes Millionen erwarten, wird er wohl – am Leben bleiben.

    Johannes hat doch klar gemacht, wo das eigentliche Problem besteht: dass es eben viele Antichristen gibt, nämlich all jene, die leugnen, dass Jesus Christus der inkarnierte Sohn Gottes ist mit allem was dazugehört (was Johannes lapidar mit der kurzen Wendung „ins Fleisch gekommen“ umschreibt, da er wusste, wie seine Leser das verstehen würden).

  20. Roderich meint:

    @Schandor,
    stimme dem meisten zu; aber es gibt doch auch in der Geschichte ein gewisses wiederkehrendes antichristliches „Muster“ – Herrscher, die Christen verfolgen etc. (Im Mittelalter wurden sie „quasi figura antichristi“ genannt – Vorläufer „des“ Antichristen).

    Ob noch „der eine“ Antichrist kommt, ist sicher umstritten. Aber es spielt letztlich, wie Du sagst, keine Rolle: jeder, der einen anderen Erlösungsweg als den Christus der Bibel befürwortet, folgt im Grunde einer antichristlichen Sache – etwas, das sich „an die Stelle“ Christi setzt.

  21. @Schandor , @ Roderich

    ich persönlich Zweifel zunehmend an einen „Antichristen“ in menschlicher Gestalt. Gerade die Tiere in der Offenbarung, weshalb diese mit Menschen gleichgesetzt werden ist mir absolut Schleierhaft.

    Die einzige Stelle in meiner Bibel in der ein Antichtist in der Offenbarung erwähnt wird ist der Überschrift, aber im Text selber gibt es das Wort „Antichrist“ nicht. Jedoch sollte man nicht ausser acht lassen, dass es bei den einen oder anderen Kirchenvater den Gedanken eines Antichristen gegeben hat.

    Ich glaube zunehmend, dass es durchaus ein Königreich gibt welches die „Eigenschaften des Tieres vertritt“ und sich auf die Bibel beruft. (Um auch mal zwischen den Zeilen anzudeuten ;))

    Leider hat der Dispensationalismus, die Möglichkeiten für weitere Erkenntnisse in der Schrift bei vielen Christen beendet. Denn dort steht der Fahrplan bis ins kleinste Detail schon fest, alle andere ist eine „Irrlehre“. Aber OK das ist ein anderes Thema und hat dann mit dem Buch nichts mehr zu tun.

    LG

  22. Roderich meint:

    Ein Bibellehrer hat es mal so ausgedrueckt:

    God does not need to read my notes to the Book of Revelation before He decides how and when He comes back in Christ. So we might as well be very surprised.

    Mal ehrlich: auch da wir Christus jetzt kennen: wenn wir jetzt mal das AT lesen und uns vorstellen, wir haetten nur das AT gehabt, denken wir denn, wir waeren bei Christi erstem Kommen nicht ueberrascht gewesen?
    Eines aber wissen wir: ‚Seid wachsam!‘ Und: Betet, wachet, wachet, betet (Kantata 70)

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