Generation Porno

Pornografie ist omnipräsent, schon bei Schülern. Heute muss man sie nicht mehr heimlich suchen, sie kommt von allein. Und sie findet dich.

»Was ist daran denn so schlimm?«, fragen viele.

Nebenbemerkung: Manchmal denke ich: »Wird es irgendwann einen Verein geben, der sich um eine menschenfreundliche, christliche Pornografie bemüht?« Die argumentative Begründung dieser neuen diakonischen Dienstleistung stelle ich mir so vor: »Zwar kommt der Begriff ›porneia‹ im Neuen Testament vor. Aber das Konzept, welches die Menschen damals mit dem Begriff verbunden haben, hat wenig mit dem zu tun, was wir heute unter Pornografie verstehen. Außerdem gab es damals weder Internet noch DVDs. Deshalb brauchen wir heute eine Pornografie mit einem christlichen Ethos!«

Aber zurück zum Thema: Pornographie verletzt die Seele und ihr Konsum macht auf die Dauer nicht nur süchtig, er verstellt den Zugang zum wirklichen Leben. Der Ethiker Thomas Schirrmacher vom Institut für Lebens- und Familienwissenschaften (Bonn) hat eine rapide abnehmenden Beziehungsfähigkeit unter jungen Menschen festgestellt. Grund dafür sei die sich ausbreitende sexuelle Verwahrlosung insbesondere unter Jugendlichen. Eine wesentliche Ursache für die mangelnde Beziehungsfähigkeit sieht er in einem ausufernden Pornokonsum selbst unter Kindern:

Im Internet oder auf Videos wird ihnen eine Welt vorgegaukelt, in der Frauen allzeit bereit sind und Männer sich nehmen, was sie wollen. Kinder nehmen so etwas dann für bare Münze, es prägt ihr Bild von einer Beziehung.

Wer wissen möchte (und starke Nerven hat), wie heute junge Leute Pornografie konsumieren, sollte sich diesen Artikel und dieses Interview im Stern durchlesen.

Außerdem empfehle ich zum Thema zwei ausgezeichnete Bücher:

Das Buch beschreibt die Erfahrungen, die die beiden Autoren während ihrer Arbeit mit Kindern in dem Sozial-Projekt »Die Arche« in Berlin gesammelt haben. Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche, die Ansprechpartner suchen oder Kontakt zu anderen Jugendlichen finden wollen. Die Autoren skizzieren die Lebensläufe und sexuellen Erfahrungen, die aus den Kindern das gemacht haben, was sie nun sind. Und diese Geschichten sind häufig sehr erschreckend und regen zum Nachdenken an.

Das andere Buch widmet sich der Internetpornografie:

Schirrmachers Buch setzt sich mit der Pornoindustrie auseinander und untersucht eingehend die Folgen der Internetpornografie und Pornografie auf die Psyche ihres Nutzers. Dafür hat er mehr als 1000 Quellen und Studien ausgewertet. Das Buch zeigt außerdem Lösungswege auf und enthält ein sehr ausführliches Literaturverzeichnis.

Kommentare

  1. „Im Internet oder auf Videos wird ihnen eine Welt vorgegaukelt, in der Frauen allzeit bereit sind und Männer sich nehmen, was sie wollen. Kinder nehmen so etwas dann für bare Münze, es prägt ihr Bild von einer Beziehung.“

    Sehr richtig. Genau das ist der Punkt. Man muss die Aufklärungsmethoden von Schulen und Eltern überarbeiten bzw. Möglichkeiten für eine Besserung bieten, wie es beispielsweise auf http://harri-wettstein.de/pornoforschung/ getan wird.
    Die hier genannten Bücher hören sich auch sehr interessant an. Ich denke, ich werde mir mal das ein oder andere durchlesen.

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