Glauben und Denken heute – Ausgabe 2/2010

Gudh2010-2_Cover.jpgDie Ausgabe 2/2010 von Glaube und Denken heute ist soeben erschienen und enthält folgende Beiträge:

  • Daniel Facius (Editorial): Glauben und denken damals: Philipp Melanchthon
  • Daniel Facius: Das Herz des Evangeliums: »… damit nicht das Kreuz Christi zunichte werde«
  • Prof. Dr. Dr. Thomas Schirrmacher: Gewalt gegen Abtreibungskliniken
  • Bodo u. Rita Heller: Ein Jahr Studienzentrum Bielefeld
  • Johannes Otto: Martin Luther als Ausleger der Heiligen Schrift (M.J. Kürschner)
  • Ron Kubsch: Rezension: Der verschwenderische Gott (T. Keller)
  • Ron Kubsch: Rezension: Warum Gott (T. Keller)
  • Johannes Otto: Rezension: Accordance 9

Ich empfehle besonders den Artikel von Daniel Facius zum Stellvertretenden Sühneopfer von Jesus Christus. In der Einleitung des Aufsatzes heißt es:

Das »Wort vom Kreuz«, schon von Paulus als »Torheit« beschrieben, hat sich nie großer Popularität erfreut. In der Tat zeigen bereits die Berichte der Evangelien selbst, dass dieses Wort, das von Paulus nicht zufällig als Umschreibung für das von ihm verkündete Evangelium verwendet wird, nicht nur einfach abgelehnt wird, nicht einfach nur Desinteresse hervorruft, sondern solche Reaktionen provoziert, wie es üblicherweise eben Torheiten tun, nämlich Spott und Geringschätzung. Die Philosophen in Athen bezeichnen Paulus als Schwätzer und spotten (Apg 17,18.32), und der römische Statthalter Festus hält ihn schlicht für verrückt (Apg 26,24). Kein Wunder: weder die jüdischen noch die römischen5 Zeitgenossen konnten mit einem Kreuz etwas Positives verbinden. Die Rezeption des Kreuzeswortes als »Torheit« entsprach damit bereits dem unmittelbaren Erleben des Paulus selbst und weist nicht in die ferne Zukunft aufgeklärterer Mitmenschen.

Heute sind es vor allem bestimmte Aspekte des Kreuzestodes, die hinterfragt oder offen abgelehnt werden. Dies wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn es sich bei den Protagonisten nicht um christliche Theologen und Pfarrer handeln wür de, Personen, deren Ansichten und Lehren als christlich gelten und prägend für weitere Generationen von Studierenden und Gemeindegliedern sein werden.

Die hier zu behandelnde Kritik richtet sich dabei weniger gegen das Kreuz an sich, als vielmehr gegen das Verständnis des Todes Jesu als stellvertretenden Sühnetod6, in dem Gott sich in der Person seines Sohnes Jesus für die gefallene Menschheit hingibt, um Tod und Fluch als die Strafe für die Sünden der Menschheit zu tragen und durch dieses Opfer Versöhnung zwischen Gott und Mensch zu schaffen. Dieses Verständnis des Kreuzestodes Jesu ist bereits sehr frühzeitig beschrieben und von Christen zu allen Zeiten als biblisch akzeptiert und verteidigt worden.

Die Ausgabe 2/2010 Nr. 6 kann gratis hier herunter geladen werden: gudh-006.pdf.

Kommentare

  1. „Der Gedanke, dass Gott sich die Vergebung der Schuld, die Heilung der Menschen von innen her, den Tod seines Sohnes hat kosten lassen, ist uns heute sehr fremd geworden: Dass der Herr „unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen“ hat, dass er „durchbohrt wurde wegen unserer Missetaten, wegen unserer Sünden zermalmt“, dass wir „durch seine Wunden geheilt wurden“ (Jes 53,4-6), will uns heute nicht mehr einleuchten. […]

    Dem Verstehen des großen Geheimnisses der Sühne steht dann aber auch unser individualistisches Menschenbild im Wege: Wir können Stellvertretung nicht mehr begreifen, weil für uns jeder Mensch in sich allein eingehaust ist; die tiefe Verflochtenheit aller unserer Existenzen und ihrer aller Umgriffensein von der Existenz des Einen, des menschgewordenen Sohnes, vermögen wir nicht mehr zu sehen.

    Wenn wir von der Kreuzigung Christi sprechen werden, werden wir diese Fragen aufgreifen müssen. Einstweilen mag ein Gedanke von Kardinal John Henry Newman genügen, der einmal gesagt hat, dass Gott zwar die ganze Welt mit einem Wort aus dem Nichts erschaffen konnte, aber die Schuld und das Leiden der Menschen, die konnte er nur überwinden, indem er sich selbst ins Spiel brachte, in seinem Sohn selbst ein Leidender wurde, der diese Last getragen und durch seine Hingabe überwunden hat.“

    Dr. Joseph Ratzinger (16. April 2007, Jesus von Nazareth, Herder, ISBN 9783451298615, S.194)

    „Viele fragen sich, was das für ein Gott ist, der seinen Sohn massakrieren lässt. Die Antwort der Bibel: Das ist kein fieser Deal zwischen Vater und Sohn. Es ist Gott selbst, der sich in Jesus für uns Menschen hingibt!

    Wir sind Gott so wertvoll, dass er sich selber für uns hingibt. Die Allmacht der Liebe Gottes äußert sich nicht in blumigen Sätzen, sondern in schmerzvoller Hingabe.“

    Pfarrer Ulrich Parzany (25. März 2009, Theologe, Das Streitgespräch, ideaSpektrum 13/2009, S. 17)

  2. Hallo Ron,

    die pdf kann leider nur mit der gesamten Website heruntergeladen werden und nicht die pdf als solche allein. Abgesehen davon kann man diese pdf auch nicht online angucken, da die Schrift zu klein ist. Also, wenn nur online, dann bitte auch mit Zoom- bzw. Vergrößerungesfunktion. Ansonsten ist der Inhalt natürlich zu empfehlen, sofern man mit der Lupe am Bildschirm arbeitet. Einige kleinere Artikel sind durchaus noch entzifferbar 😉

    Gnade und Frieden
    in Jesus

    Oliver

  3. @Oliver: Was soll ich dazu sagen? Die PDF Datei ist schon ein paar hundert Mal heruntergeladen worden. Offensichtlich geht es. Ich kenne auch keinen PDF Reader, der keine Zoom-Funktion hat.

    Liebe Grüße, Ron

  4. @Olly:mit rechtsklick auf den Link und dann „verknüpfte Datei sichern“. Das müsste funktionieren.

  5. Offensichtlich geht es nicht immer, denn jedenfalls mit älteren Computern scheint dies so der Fall zu sein – naja – egal – das, was ich lesen wollte, habe ich auch gelesen und den Rest schenke ich mir – vielen Dank für die Hinweise, aber es funktioniert in diesem Fall bei mir gar nichts, außer das Online-lesen in Minischrift.

  6. Nach zahlreichen Anläufen, diese pdf herunterzuladen, hat es nunmehr geklappt. Und für diejenigen, die vielleicht ähnliche Probleme haben, biete ich folgenden unlogischen Lösungsweg an: um überhaupt die Symbolleiste zu bekommen, bei welcher das Icon links oben für das Herunterladen angegeben ist, einfach auf Vollbild gehen und dann die Escape-Taste drücken und vielleicht ist dann auch die entsprechende Symbolleiste vorhanden 😉

  7. Schandor meint:

    Auch eine „frohe Botschaft“, genauer gesagt wohl: der Kern derselben…

  8. Schandor meint:

    Du hast es richtig gemacht: Zuerst glauben, dann denken. Credo ut itelligam… 🙂 😉 🙂

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