Goethe und das Christentum

201101131447.jpgHorst Jesse schreibt in seinem Aufsatz »Goethe und Lavater im Gespräch über den christlichen Glauben Erkenntnis des Göttlichen oder Bekenntnis zu Jesus Christus«:

Goethe kann aufgrund seiner Persönlichkeitsvorstellung weder der biblisch-theologischen Sicht des Menschen als Sünder noch der Erlösung durch Christus zustimmen. Er sieht den Menschen in die Spannung zwischen Heilsamem und Unheilsamem hineingenommen. Goethe ist sich bewusst, dass für den Menschen die Erlösung von Ewigkeit her beschlossen ist. Seine Glaubenserfahrungen während der Leipziger Krankheit vertiefen sich nicht für ihn, sondern wie er im »Faust« ausdrückt, hört er zwar die biblische Botschaft, doch es fehlt ihm der Glau- be, Gottes Heilstat zu begreifen. Seine Erlösungsvorstellung geschieht nicht durch den Glau- ben, sondern durch immer »strebendes Bemühen«. Mit diesen Gedanken reiht er sich ein in die Erziehungsvorstellungen eines Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) und von Herders »Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit«. Nach Goethe vernimmt der Mensch als Geistwesen die Sprache Gottes in der Schöpfung. Die menschliche Geschichte zielt auf Humanität ab. Die Religion veredelt die menschliche Natur und erinnert den Menschen an seine Göttlichkeit durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus. Für Goethe bleibt der Mensch »Gleichnis« Gottes und mit nachschaffenden Fähigkeiten – im Sinne des »Prometheus« – ausgestattet.

Das Deutschlandradio hat einen kurzen Beitrag über Johann Wolfgang von Goetheund das Christentum veröffentlicht:

Kommentare

  1. Johannes Strehle meint:

    Instruktiv.

    „Das Märchen von Christus ist Ursache,
    dass … niemand recht zu Verstand kömmt.“
    Johann Wolfgang von Goethe

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