Gott und sein schlechter Ruf

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„Wie bringt man den liebenden Gott des Alten Testaments mit dem gestrengen Gott des Neuen Testaments überein?“

Dieser erste Satz des Buches Der missverstandene Gott? von David T. Lamb ist schon Mal gut. Der Verlag schreibt:

Man könnte fast glauben, Gott habe einen schlechten Ruf! Viele halten ihn für zornig und wütend. Sie meinen, er schlage Menschen ohne ersichtlichen Grund eins rechts und links um die Ohren. Das Alte Testament scheint Gott als launisch und heimtückisch darzustellen; als einen, der ganze Armeen auslöscht und Feinde aufgrund von extremen Vorurteilen bestraft. Doch neben den verstörenden Passagen von Gottes zornigem Handeln wird im Alten Testament auch ein Gott der Liebe, der Güte und der Geduld porträtiert. Wie sind diese scheinbaren Widersprüche miteinander vereinbar? Um den Charakter Gottes zu erforschen, taucht David Lamb tief in die komplexen Strukturen des Alten Testaments ein. Und findet die richtigen Antworten.

Ich freue mich auf die Lektüre während der Weihnachtstage.

Kommentare

  1. Roderich meint:

    Das Buch greift in der Tat eines der „Kernargumente“ von Dawkins auf. Viele Atheisten lehnen sich heutzutage gegen Gott auf und sagen: „Wie kann Gott sich anmaßen, uns zu richten“, sind aber selber die Anmaßenden. Da kollidiert der Humanismus frontal mit jedem Theismus. Denn: der moderne Mensch möchte keinen Herrn über sich haben. 

    Schön, dass dieses Buch da einen Schritt auf Atheisten und Zweifler zugeht und es ein wenig besser erklärt, dass Gottes Gerichte nicht aus Willkür sind.

  2. Johannes G. meint:

    @Ron,

    kennst du das Buch „Is God a moral Monster?“ von Paul Copan. Das geht Großteils auf eine Diskussionsserie in „Philosophia Christi“ zurück. Ich habe es bisher nur teilweise gelesen, aber es soll zu diesem Thema eines der besten Bücher auf dem Markt sein. Zumindest scheint es meiner Einschätzung nach wirklich sehr fundiert recherchiert und sorgfältig ausgearbeitet zu sein.

    Davon abgesehen finde ich das Thema wirklich schwierig. Ich habe auch mit nicht wenigen Sachen meine Mühe und Copan bringt da schon einige „mentale Klimmzüge“, um diverse problematische Schriftstellen zu „erklären“. Mich kann das jedenfalls nicht immer zufriedenstellend überzeugen.

    Wenn ich die Gelegenheit habe, werde ich in das von dir vorgestellte Werk aber auf jeden Fall mal reinschauen.

    Liebe Grüße
    Jo

    Liebe Grüße
    Jo

  3. Denn: der moderne Mensch möchte keinen Herrn über sich haben.

    Das ist sehr richtig. Da Bilder mehr als tausend Worte sagen, hier eine kleine neue Schmiererei, heute Morgen auf dem Boulevard der Uni Bremen entdeckt.

    http://imagebunk.com/out.php/i495662_uni-bremenp1080296-b.jpg?id=e9b5ff437582a4ba343338303536

     

     

  4. Roderich meint:

    @logan, ich glaube, der Link funktioniert nicht.

    @Jo, kannst Du mal ein Beispiel geben von einer „problematischen Schriftstelle“, für die Du keine zufriedenstellende Erklärung hast? Wir müssen immer daran denken: Gott ist heilig – der Mensch ist aus seinem Status herausgefallen – und daher hätten wir ALLE verdient, gerichtet zu werden. Angesichts dieser „Grundkomponenten“ ist alles Verhalten Gottes, auch das allerschlimmste aus humanistischer Sicht, noch große Gnade. Das mag schwierig zu verstehen sein. Aber indem man „nicht mehr an Gott glaubt“, lässt sich diese Realität des zukünftigen Gerichtes Gottes doch nicht wegdefinieren. Humanisten machen da einen logischen Fehler. Anstatt die Wahrheit zu suchen, egal wie unangenehm sie sein mag (denn man muss Buße tun), sagen sie: Diese Aussagen gefallen mir nicht, die wollen wir nicht mehr hören. Wenn sie wahr sind, warum wollen sie sie nicht hören? Wenn sie nicht wahr sind, warum macht es dann etwas aus, sie zu hören?

  5. Johannes G. meint:

    @Rod,

    ein Beispiel wäre z.B. 5. Mose 20, 10-18. Dort wird der Befehl erteilt, den Bann an Hetitern Amoritern, Kanaanitern und Perisitern zu vollstrecken. Dies beinhaltet die Ermordung von Männern, Frauen und Kindern – egal welchen Alters. Für mich ist es nicht wirklich nachvollziehbar, warum Kinder bis hin zu Neugeborenen dabei getötet werden müssen. Warum soll das unbedingt „notwendig“ sein und warum sollte ein allmächtiger allgütiger Gott das nicht anders regeln können?

    Liebe Grüße
    Jo

  6. Johannes G. meint:

    @Rod

    Hier noch ein zweites Beispiel aus 1. Samuel 15,2+3

    So spricht der Herr der Heere: Ich habe beobachtet, was Amalek Israel angetan hat: Es hat sich ihm in den Weg gestellt, als Israel aus Ägypten heraufzog. Darum zieh jetzt in den Kampf und schlag Amalek! Weihe alles, was ihm gehört, dem Untergang! Schone es nicht, sondern töte Männer und Frauen, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel!

    Daher nochmals: Warum müssen Tiere, Kinder und sogar Säuglinge getötet werden? Das kann ich, offen gestanden, schlicht nicht nachvollziehen und ich habe keine befriedigende Erklärung dafür. Als „Divine Command Theorist“ braucht man natürlich prinzipiell keine weitere Erklärung – zumindest so lange man seine Sichtweise nicht gegen Skeptiker verteidigen muss. Aber diese Theorie – zumindest die Versionen von Luther, Calvin, Ockham oder Descartes – halte ich, so hart das klingen mag, für eine moralische Bankrotterklärung.

    Liebe Grüße
    Jo

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