Gottentbundene Welt

Joachim Konrad schreibt in „Gottentbundene Welt“ (Gott oder Dämon, Bertelsmann, 1950, S. 87–89):

Geist ohne Gott zerstört. Welt ohne Gott zerfällt. Nicht der Tag, die Nacht wurde beschworen, als man dem göttlichen Lichte entsagte, um mit eigenen Fackeln zu leuchten. Nicht dass man klerikale Gängelbande zeriss, wohl aber dass man im Rausch seiner Freiheiten sich von Gott löste, das heilsame Band aller Bindungen zerschnitt und den tragenden Grund aller Dinge verließ, rief die Geister des Abgrunds und entfesselte die Dämonen. Wie sollte es uns gelingen, nun das Zerrissene zu knoten und das Gelöste zu binden, da die Wogen des Chaos uns schon zu verschütten drohen. Wie sollte man nun noch auf den Gedanken kommen, nicht gottlos zu sein, da die Dinge und Ereignisse unserer Hand alle die Sprache der Gottlosigkeit sprechen!

Das ist unsere Welt, die Welt der Götzen und Dämonen und des Zornes Gottes als Antwort auf den Frevel. Gottlosigkeit – ach wäre sie nur ein müßiges Spiel mit den Gedanken! Aber sie ist Tat und Fluch der Tat und grauenvolles Schicksal. Nein, wir haben nicht Gott, aber Gott hat uns und hält uns gefangen in der Hölle unserer Gottentbundenheit. Mit der gewaltigen Stimme seines Neins zu unserem Nein spricht Gott sein Ja zu sich selbst und lässt unsere Torheit verstummen. Denn: „Die Toren sprechen in ihrem Herzen: Es ist kein Gott. Sie taugen nichts und sind ein Gräuel mit ihrem Wesen, da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer“ (Ps 14). „Warum toben die Heiden und die Völker reden so vergeblich? Die Könige der Erde lehnen sich auf und die Herren ratschlagen miteinander wider den Herren und seinen Gesalbten: ‚Lasst uns zerreißen ihre Bande und von uns werfen ihre Seile.‘ Aber der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der Herr spottet ihrer. Er wird einst reden mit ihnen in feinem Zorn und mit seinem Grimm wird er sie schrecken“ (Ps 2).

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