Gottesleugnung als Verkaufsschlager

Der Physiker Stephen Hawking hat die Schwerkraft zum alleinigen Geburtshelfer allen Lebens erklärt und damit Schwung in den Buchmarkt gebracht. Norbert Lassau schreibt für DIE WELT:

Die beste Werbung für ein neues Buch sind provokative, polarisierende Zitate, die man ungefähr eine Woche vor Erscheinen des Werkes lanciert. Diese sollten bei möglichst vielen Zeitgenossen große Emotionen hervorrufen, dabei ruhig auch bestimmte Gruppen der Bevölkerung verletzen und zugleich von anderen inbrünstige Zustimmung erheischen. Autoren, denen dieses Kunststück gelingt, dürfen vom ersten Verkaufstag an mit einem Platz in den Bestsellerlisten rechnen. Das gilt sogar für populärwissenschaftliche Bücher.

Der katholischer Pater Robert Barron hat inzwischen Hawkings Szientismus treffend kritisiert:

So another prominent British academic has weighed in on the God question. Stephen Hawking, probably the best-known scientist in the world, has said, in a book to be published a week before the Pope’s visit to Britain, that the universe required no Creator. (I’m sure, of course, that there was no »intelligent design« behind that choice of publication date!). I confess that something in me tightens whenever I hear a scientist pontificating on issues that belong to the arena of philosophy or metaphysics. I will gladly listen to Stephen Hawking when he holds forth on matters of theoretical physics, but he’s as qualified to talk about philosophical and religious issues as any college freshman. There is a qualitative difference between the sciences, which speak of objects, forces, and phenomena within the observable universe, and philosophy or religion which speak of ultimate origins and final purposes. Science, as such, simply cannot adjudicate questions that lie outside of its proper purview—and this is precisely why scientists tend to make lots of silly statements when they attempt to philosophize.

Hier mehr: wordonfire.org.

Kommentare

  1. Schon gelesen? Totel: Stephen Hawking Worships the “Unknown God”
    http://www.reclaimingthemind.org/blog/2010/09/stephen-hawking-worships-the-unknown-god/?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed: ParchmentAndPen (Parchment and Pen)

  2. Johannes Strehle meint:

    Zitate aus der FAZ-Rezension vom 30.8. (als Animation):

    „Heute stellt sich für Hawking mehr denn je die Frage, ob das Universum eines Schöpfers bedarf, ob es sich denn nicht selbst geschaffen habe.“

    „… in der sogenannten Superstringtheorie oder auch M-Theorie stünde wahrscheinlich schon die Theorie von Allem parat.
    Ein Staubsaugervertreter hätte nicht besser argumentieren können. Denn der Hinweis auf den Welle-Teilchen-Dualismus klingt so überzeugend, dass alles Störende dabei leicht übersehen wird. Zum Beispiel, dass die M-Theorie in den vergangenen Jahren viele Anhänger unter den Physikern verloren hat. Solange die Theorie noch nicht weit genug untermauert ist, lässt sich über ihre tatsächliche Anwendbarkeit noch nichts Abschließendes sagen. Hawking hat sich auf ihre Seite geschlagen, aber das letzte Wort ist noch längst nicht gesprochen.“

    „Am Schluss kommt Hawking noch einmal auf die M-Theorie zurück, die der einzige Kandidat für eine vollständige Theorie des Universums sei. Wenn sie endlich sei – und das gelte es noch zu beweisen –, dann sei sie das Modell eines Universums, das sich selbst erschaffe. Bei allem Optimismus in der sonstigen Darstellung sieht der Kosmologe, der für sich selbst interessante Antworten gefunden hat und sie auch überzeugend vorträgt, also recht deutlich seine Grenzen, weshalb es nicht überrascht, dass andere Astrophysiker ganz andere Modelle vom Universum entwickelt haben – einschließlich der Frage, was vor dem Urknall war.
    Dahingestellt sei im Übrigen, ob die göttliche Schöpfung von der spontanen Entstehung unseres Universums tatsächlich ausgehebelt wird. Hawking gibt zu, dass er Fragen zu beantworten versucht hat, die traditionell für die Philosophie seien. Doch die Philosophie sei tot, sie habe mit den neueren Entwicklungen in der Naturwissenschaft, vor allem in der Physik, nicht Schritt gehalten. Jetzt seien es die Naturwissenschaftler, die mit ihren Entdeckungen die Suche nach Erkenntnis voranbrächten.“

  3. Roderich meint:

    Wenn die Gravitation der Ursprung des Universums sein soll, wer hat dann bitte die Gravitation geschaffen? Die eigentliche Frage wird also gar nicht beruehrt.

    (Uebrigens ist das bislang eine sehr schwache Theorie – der „Urknall“ bewegt sich so weit jenseits der Beobachtbarkeit von uns, war so lange her, und unsere bisherigen Messungen des Universums erfassen so wenig der Gesamtmaterie oder des Gesamtumfangs, ebenso unsere Messungen der kleinsten Teilchen – dass man bei Schlussfolgerungen auf den wirklichen Ursprung aller Dinge allerhoechstens extrem vorsichtig von „moeglichen Mutmassungen“ reden kann, keinesfalls aber von Fakten).

    @Johannes: danke, das ist ein interessantes Zitat aus der FAZ.

    Die Argumentation von Hawking, die Philosophie sei tot, trifft ja nicht den Kern. Erstens ist sie nicht tot, sondern Philosophen denken weiter froehlich ueber alles nach (auch wenn man vielleicht sagen kann, die westliche Philosophie hat heute keine Antworten mehr, u.a. weil sie Biblische Offenbarung und das Konzept von „Wahrheit“ ablehnt), und zweitens: selbst WENN „die Philosophie“ mausetot waere, und alle heutigen Philosophen wuerden im Gehirnkoma liegen, so koennte man als Wissenschaftler nur dann Antworten auf Philosophische Fragen geben, wenn man selbst die „Methodik“ der Philosophie beherrscht, d.h. die Begriffe, und auch ein wenig die Geschichte der Philosophie kennt (wer hat welche Frage wie schon ein mal behandelt), sonst macht man den Fehler wie (D/H)awkin(s/g) und geht ueber seine eigenen Kompetenzen hinaus.
    Nicht nur machen die beiden sich aus fachlicher Sicht laecherlich, wenn sie philosophisch argumentieren. (Siehe Plantingas Widerlegung von Dawkins hier „The Dawkins Confusion“: http://richarddawkins.net/articles/676?page=2; oder das Buch von Alister McGrath „Der Atheismuswahn“).
    Sondern sie „betruegen“ gewissermassen die Oeffentlichkeit, da sie vorgeben, mit „wissenschaftlicher“ Kompetenz ueber Grundfragen zu reden, oder da sie vorgeben, ihre (philosophischen) Schlussfolgerungen seien eine direkte Konsequenz aus ihren Naturwissenschaftlichen Ueberlegungen, ja seien Naturwissenschaft selber.
    Das ist Ideologie im Gewande der Wissenschaft.

  4. Ein lustiger Comic zum Thema Hawking und Presse.

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