Heute noch Kinder aufziehen?

Die tollste Sache der Welt, Kinder bekommen und aufziehen, ist in unserer Gesellschaft für viele zu einem Albtraum geworden. Die persönliche Bestandsaufnahme von Antonia Baum kann als Zeichen einer tiefgreifenden Verunsicherung mit einigen feinen Beobachtungen gelesen werden. 

Bei all diesem Durcheinander frage ich mich vor allem: Warum soll ich ein Kind bekommen, wenn ich gar keine Zeit dafür haben und es pausenlos wegorganisieren werde? Wann soll denn da eine Beziehung zu dem Kind entstehen? Mit einem Jahr in die Kita, zack, Schule, Ganztagsschule. Auf dem Weg zur Kita rennen, damit ich nicht zu spät komme, aber mein Kind will sich vielleicht irgendeine Blume ansehen oder findet einen Lastwagen toll, und dann muss ich es da wegziehen, weil ich, im Dienst der Arbeit, keine Zeit habe. Ich verstehe dieses Selbstausbeutungskonzept nicht, welches natürlich schon vor den Kindern anfängt – perfekte Arbeit, perfekte Beziehung, perfekter Körper, perfekte Bildung und perfekte Einrichtung – und sich nach den Kindern, nur unter verschärften Bedingungen, fortsetzt, denn da möchte man natürlich weiterhin alles haben und perfekte Kinder obendrauf, wobei es eben die Kinder sind, die sich dem Perfektions- und Timing-Wahn nicht unterwerfen lassen, aber ich lebe inzwischen dermaßen effizient, dass mir bestimmt alle naselang der Geduldsfaden reißen würde. So: Es ist jetzt aber total unpassend, dass du schlecht träumst, muss das sein? Ich habe zu tun!

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Kommentare

  1. AndreasA meint:

    Den Beitrag habe ich heute morgen auch halb schmunzelnd und halb betrübt gelesen (als zweifacher Vater).

    Besonders schön fand ich die Wörtschöpfung vom „Wirtschaftsfeminismus“, der ihrer Ansicht nach „in der Regel von Frauen aufgeschrieben, dafür eintritt, dass Frauen dringend kapitalistisch verwertet werden müssen. Die Folge davon ist der Imperativ der berufstätigen Mutter. Es ist aber sehr dumm, den Feminismus in den Dienst des Kapitalismus (tut mir jetzt leid, dieses große, schwer fassbare Wort) zu stellen, in welchem die Männer, seit es ihn gibt, stehen und davon Herzinfarkte bekommen.“

  2. Da fällt mir doch nur ein Spruch ein: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch zur Ruhe bringen!“
    Es ist extrem, unter welchem Stress unsere Gesellschaft steht und wie weit sie auf der Suche nach Glück am Ziel vorbei driftet. Das passiert eben, wenn man den „metaphysischen“ Herrscher des Lebens ablehnt und die Materie zum Gott erklärt!

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