IATG3

Nachfolgend eine Rezension zu dem Buch:

41XTAibx9BL SX356 BO1 204 203 200Wer theologische Aufsätze, Hausarbeiten oder Bücher schreibt, sucht nach Möglichkeiten, wiederkehrende Titel von Zeitschriften, Serien, Lexika der Quellenausgaben einheitlich abzukürzen. Ein Beispiel: Sind häufig Werke aus der Reihe „Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament“ zu zitieren, wird man darum bemüht sein, den langen Serientitel zu verkürzen, z. B. durch die die Wahl der Abkürzung „WUzNT“. So spart man sich viel Mühe und Platz. Allerdings ist man als Autor gezwungen, selbst solche Abkürzungen, auch Sigel genannt, zu entwickeln und ein entsprechendes Verzeichnis in die schriftlichen Arbeiten einzufügen. Der Leser wiederum muss sich jeweils mit den Abkürzungen des Autors vertraut machen.

Um sowohl das Schreiben als auch das Studium der Literatur zu vereinfachen, wurden im Laufe der Jahre Verzeichnisse mit einheitlichen Abkürzungen erarbeitet. Der Autor kann beim Verfassen seiner Abhandlung damit auf ein vorhandenes Verzeichnis zurückgreifen und sich durch einen entsprechenden Hinweis die Erstellung eines eigenen Verzeichnisses ersparen. Der Leser wiederum kann mit Hilfe des Instruments die Sigel schnell entschlüsseln. Liest er viel und hat etwas Übung bei „Entschlüsseln“, lernt er zahlreiche Sigel auswendig und kommt mit den Abkürzungen schnell zurecht. So weiß ein Theologe, dass die Abkürzung für die Serie „Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament“ zitiert, nicht WUzNT, sondern WUNT, heißt.

Im deutschsprachigen Raum gibt es zwei etablierte Abkürzungsverzeichnisse für theologische Literatur (neben dem Verzeichnis aus der Theologische Realenzyklopädie (TRE), das auch von Siegfried Schwertner erstellt wurde). Das umfangreichste Register ist das Internationale Abkürzungsverzeichnis für Theologie und Grenzgebiete (IATG). In der ersten Auflage von 1974 gebrauchte sein Herausgeber Siegfried Schwertner Abkürzungen aus dem Handwörterbuch Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG3) und verbesserte und erweiterte diese. Das RGG griff in seiner 4. Auflage demgegenüber auf die 2. Auflage des IATG zurück und auch die (TRE) machte vom IATG gebraucht, um es seinerseits zu erweitern.

Bis 2012 hat Siegfried Schwertner deshalb eine 3. Auflage des IATG besorgt, die schlussendlich im vergangenen Jahr beim Verlag Walter de Gruyter erschienen ist. Es war die letzte Herausgabe von Siegfried Schwertner, denn der promovierte Bibliothekar ist im Sommer 2012 im Alter von 76 Jahren verstorben.

Die 2. Auflage enthielt bereits 14.000 Titel. Die 3. Auflage ist noch einmal um 4000 Titel erweitert worden. Auf Wunsch des Verlags wurden im Hinblick auf die Encyclopedia of the Bible and Its Reception (EBR) die Abkürzungen des SBL Handbook of Style berücksichtigt. Wo diese vom IATG abweichen, wurde sie kursiv wiedergeben. Zur Anpassung an nordamerikanische Gewohnheiten wurde der Punkt zwischen Ober- und Unterserien aufgegeben. Wenn es beispielsweise früher ATLA.BS hieß, heißt es nun: ATLABS.

Das Buch enthält verschiedene Abkürzungsverzeichnisse zu den biblischen Büchern und ein Verzeichnis der biblischen Quellenschriften und Textausgaben. Abkürzungen für außerkanonische Schriften, Qumrandokumente, Philo, Josephus, rabbinisches Schrifttum und die Nag-Hammadi-Bibliothek sind ebenfalls enthalten. Den größten Raum bekommen freilich die Abkürzungen für Zeitschriften, Serien, Lexika und Quellenwerke. Allein ihre Abkürzungsauflösungen benötigen 191 Seiten.

Autoren kleinerer Schriften werden mit dem bei Mohr Siebeck separat erschienen Abkürzungsverzeichnis der RGG4 gut zurechtkommen. Verfasser umfangreicher theologischer Werke werden auf das IATG nicht verzichten wollen. Die 3. Auflage enthält mit ca. 18.300 Titeln nahezu alle bedeutenden Publikationen aus den Gebieten Theologie, Philosophie und Religionswissenschaft und bleibt damit das Standardwerk für wissenschaftliches Arbeiten im theologischen Bereich.

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