„Ich habe das Gefühl, dass es okay ist“

Eine junge Frau beschreibt in der ZEIT, wie sie vor drei Jahren ein Kind abgetrieben hat. Keine leichte Lektüre. Phänomenologisch, deutlich. Ich empfehle diesen Artikel trotzdem, weil er zeigt, wie heutzutage viele Menschen „ticken“. Das Letzte, was sie hinterfragen, ist ihr Gefühl. Ungefähr so: „Was ich fühle, das ist stimmig, das ist richtig. Meine ganz persönliche Sicht der Dinge muss recht sein, weil es eben für mich so passt.“

Ein Beispiel:

Ich versuchte, eine Verbindung zu dem aufzubauen, was da in mir war. Für mich war das nicht nur ein Zellhaufen, sondern ein Lebewesen. Trotzdem empfand ich eine Abtreibung nicht als Mord. Manche können das vielleicht nicht verstehen, aber für mich war das so. In Gedanken bat ich um Verzeihung. Schließlich schrieb ich in mein Tagebuch: „Ich habe das Gefühl, dass es okay ist.“

Die Perspektive des Kindes spielt keine Rolle. Ein Kind ist willkommen, wenn es meine Selbstverwirklichung antreibt. Wenn es ihr vermeintlich im Weg steht, „mache ich es weg“. Zurück bleibt eine innere Zerissenheit, der Aufstand des Wirklichen gegen all die Abwehrmechanismen.

Mit dieser Sicht der Dinge geht einher, das derjenige, der so eine Einstellung für falsch hält, im Unrichtigen lebt. Falsch halten darf er nämlich dieses Wegmachen nur im Blick auf sein eigenes Leben. Jemand, der versucht, Wahrheit in das Leben eines anderen hineinzusprechen, muss als hart und lieblos erscheinen (im konkreten Fall der Vater).

Noch etwas: Die Entscheidung fällt längst nicht so einsam und eigenständig, wie es auf den ersten Blick aussieht.  In ihr kristallisiert sich all das, was vorher gehört, gelernt und getan wurde, und der Zeitgeist, der das „Ich“ mit lenkt.

Unsere Welt ist nicht so aufgeklärt, wie sie vorgibt, zu sein.

Hier der Einblick: www.zeit.de.

Kommentare

  1. gandalf meint:

    Willkommen in der postmodernen, postfaktischen Welt, in der Wörter nur die Bedeutung haben, die ich ihnen selbst gebe. Ergänzend dazu gab es die Tage auch einen Bericht (http://www.idea.de/menschenrechte/detail/niederlande-ruege-nach-fall-von-aktiver-sterbehilfe-99844.html), dass in den Niederlanden eine Frau gegen ihren Widerstand euthanasiert wurde. Die ausführende Ärztin bekam nur eine Rüge und in der Mainstreampresse wird der Fall totgeschwiegen. Ich fürchte, das Ende der westlichen Zivilisation wie wir sie kennen ist nicht mehr ferne. Sollte die EU in Zukunft auch bei solchen Themengebieten Direktiven ausgeben dürfen, wird es in ganz Europa so zugehen wie heute schon in den Benelux-Staaten.

  2. Ich fand es schwierig das zu lesen.
    Und die junge Frau macht sich etwas vor.
    Aber das ist nicht allein ihre Schuld.
    Das sind die Zeitläufte. Wenn GOTT in einer Familie so vollkommen fehlt … dann gibt es keine Ehrfurcht vor dem Leben.
    In meiner Familie gab es GOTT nicht.
    Ich habe ebenfalls abgetrieben, mit 24.
    Eine Zeit nach der Bekehrung habe ich zwei Jahre lang jeden Tag geheult und gewünscht, ich könnte die Zeit zurückdrehen, ich hätte das Kind – trotz Angst, trotz Geldmangel, trotz Arbeitssuche, trotz ohne Mann – bekommen.

    So wie „der Westen“ beieinander ist … konnte diese junge Frau, so wie ich damals, gar nicht erkennen, was richtig gewesen wäre.
    Seit die Sexualität „befreit“ wurde – und m.E. steckt da Satan dahinter – seit es diese vielen Filme gibt und Bücher – man kann kaum noch einen Roman empfehlen, trotz manchmal guter Sprache, weil man nie weiss .. ( und man kann nicht alle Bücher lesen ) welche Szene zum Vorschein kommen wird .. und von Frauen stammen mittlerweile die härtesten, blutigsten, pornografisch angehauchten Bücher vor allem Krimis.

    Ich habe großes MItgefühl mit der jungen Frau.
    Die Trauer wird kommen … vor allem wenn sie dann tatsächlich mal Kinder haben wird.
    Die Reue wird kommen.
    Ich habe anfangs auch gedacht: es war „okay“. Es macht nichts. Ich habe das weggesteckt.
    GOTT lässt sich nicht spotten.

  3. Hallo Jutta,
    vielen Dank für Deine offenen Worte. Ich finde es wichtig, dass auch darüber gesprochen wird. Könntest Du Dir vorstellen, darüber mal einen ausführlicheren Artikel zu schreiben? Vielleicht hätte Ron Interesse daran, ansonsten stünde mein Blog auf jeden Fall auch zur Verfügung.
    LG
    Jonas

  4. Lieber Jonas, danke. Darüber habe ich noch nicht nachgedacht … ob das etwas Längeres werden könnte … wenn Du magst, dann stelle doch auch ein paar Fragen, was Du denkst was wichtig wäre, was Du wissen wolltest … vielleicht mag Ron Dir meine email Adresse geben … dann kannst Du mir diesbezüglich schreiben … ? … wenn Du magst ..

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