Ich heirate. Mich!

Selbst ist der Mann und die Frau. Wir können uns selbst lieben, vergeben, danken oder … In Japan lebt mittlerweile die Hälfte aller Frauen als Single. Viele haben keinerlei Wunsch nach einer Beziehung, und nach dem Eheleben sehnen sie sich schon gar nicht. Einmal heiraten wollen sie aber trotzdem. Mangels Partner heiraten sie sich selbst. An einer Solo-Hochzeit in Kyoto.

Die NZZ schreibt:

Es gibt ein Sprichwort in Japan: Die Hochzeit ist das Grab des Lebens. Man sei dann auf den Ehepartner festgelegt und könne sein Geld nicht mehr nur für sich ausgeben. Vor allem bei Japanerinnen ändert sich durch die Ehe alles. Die meisten geben ihre Arbeit auf und werden Hausfrau.

Idealtypisch stehen sie frühmorgens auf und bereiten dem Ehemann ein Lunchpaket. Die Würstchen so aufgeschnitten, dass sie aussehen wie Tintenfische. Gesichter mit Seetang auf den Reis gemalt. Zeichen der Liebe. Haushalt, Kinder, abends ein Ehemann, der betrunken von Arbeitsgelagen heimkehrt. Ab und an eine Louis-Vuitton-Tasche und, wenn die Kinder aus dem Haus sind, eine Teilzeitstelle. Das eigene Leben? Vorbei.

Es scheint, als hätten immer mehr Japanerinnen darauf keine Lust. Sie heiraten spät oder gar nicht. 1950 lag das Heiratsalter bei Frauen bei 23 Jahren, 2012 bei 29,2. Früher nannte man eine unverheiratete 25-Jährige «Weihnachtskuchen». Den wolle am 25. Dezember keiner mehr.

Mehr: www.nzz.ch.

VD: TJ

Kommentare

  1. rolf eicken meint:

    Meine Frau und ich lernten auf einer unserer Reisen eine Japanerin kennen. Diese Menschen sind sehr scheu, was ihre Person anbelangt, aber sehr aufgeschlossen allen anderen Dingen gegenüber. Von mir unbemerkt erzählte die Dame meiner Frau, zu der sie offensichtlich Vertrauen gefaßt hatte, dass es ihrer Meinung nach keine schlimmeren Machos auf der Welt gibt, als japanische Männer. Mir war das unbekannt. Deshalb wundert mich jetzt dieser Bericht gar nicht.
    MfG
    Rolf

  2. Schandor meint:

    Da fällt mir ein: Gert Anhalt hat auf YT ein sehenswertes Video über Japan.
    Er ist Sinologe (wenn ich nicht irre) und ein ausgezeichneter Sprech-Stilist.
    Sehr sehenswert und unterhaltsam – man kann die Japaner lieben lernen 🙂

    https://www.youtube.com/watch?v=Xg3libo17DA

  3. Asiaten sind – man muss auch nur zB die Samurai mal ein bisschen erforschen, was Japan anbelangt – für uns, ebenso wie die Orientalen, undurchschaubar. Ich habe früher mal ein wenig hineinschnuppern dürfen.
    In Japan, das ich auch besucht habe, damals, gab es so gut wie keine Ausländer und auch keine Schwarzen. Karriere machen wollen als nicht reinrassiger Japaner ? Nogo.
    Ebenso wurde mir bedeutet: ist Ihnen nicht aufgefallen, überall wo Japaner sind, halten sie zusammen und sind eine eigene Gesellschaft ? Ein Mann frug mich das. Im Beisein anderer. Als ich meine Meinung – als Frau – geäußert habe – wurde das Gespräch abgebrochen. Ich hatte widersprochen und nicht die Einzigartigkeit der Japaner entsprechend gewürdigt. Und das als Frau.
    Andere Völker sind auf ihre Art rassistisch. Und nirgendwo gibt es so viel Toleranz und Akzeptanz – bis hin zur Selbstzerstörung – wie hier in Europa.
    Das aber wird von anderen Völkern als Schwäche verachtet.

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