Irgendjemand muss ja Werte schaffen

Gestern bei Jean-Paul Sartre gelesen:

Es ist mir sehr unangenehm, daß es so ist; aber da ich Gottvater beseitigt habe, braucht es ja wohl jemanden, die Werte zu erfinden. Man muß die Dinge nehmen, wie sie sind.

Und im übrigen, wenn wir sagen, daß wir die Werte erfinden, so bedeutet das nichts anderes als: das Leben hat a priori keinen Sinn. Bevor Sie leben, ist das Leben nichts, es ist an Ihnen, ihm einen Sinn zu geben, und der Wert ist nichts anderes als dieser Sinn, den Sie wählen.

Kommentare

  1. Gott ist tot (Nietzsche). Nietzsche ist tot (Gott).

    Heerscharen von nichtchristlichen Philosophen, Psychoanalytikern, Theologen führen uns weg von Jesus Christus. ER ist die Dynamis (vgl. Röm 1,16). ER macht Sinn.

  2. Schandor meint:

    @Gast

    Bravo! Er ist auch der einzige, der Sinn „macht“. Alles andere hat Sinn – oder eben nicht. Die nichtchristlichen Philosophen sind schon dort, wohin sie uns haben wollen. Die Psychoanalytiker auch. Und was die Theologen betrifft: Sie sind es in sensu strictu et proprio, von denen es heißt: Sie sind von uns ausgegangen in die Welt.

    Es ist aber interessant, wenn nicht verräterisch, dass selbst hartgesottene Atheisten wie Sartre die Struktur Gottes an sich tragen: das Fragen nach dem Sinn, das – ich möchte sagen: Entworfensein hin auf Sinn, die Geworfenheit in die Frage nach dem Sinn. Doch den Verlorenen bleibt nur das Sein zum Tode. Wie furchtbar!

  3. rolf eicken meint:

    Nietzsche läßt den Gottsucher ja nicht nur „Gott ist tot!“ sondern auch „Gott bleibt tot!“ sagen und die Anklage meint: Wir haben ihn getötet. Ihr und ich.
    Im Menschlich, Allzumenschlichen sagt N.: „….so ist der Alltags-Christ eine erbärmliche Figur, ein Mensch, der wirklich nicht bis drei zählen kann, und der übrigens gerade wegen seiner geistigen Unzurechnungsfähigkeit, es nicht verdiente, so hart bestraft zu werden, wie das Christetum ihm verheißt.“
    Victor Frankl, der Erfinder der paradoxen Intention, stellt in seinem Buch: Die Sinnfrage in der Psychotherapie – den Sinn in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit.
    Er hatte nämlich im Konzentrationslager dr. das Therapieren seiner Mithäftlinge in seinem Block die meisten Überlebenden, weil er seinen Mithäftlingen immer wieder Mut zum Leben zusprach, weil ein Leben ohne Sinn für einen Menschen nicht lebenswert und auch nicht denkbar ist. Den Sinn muss jeder für sich finden.

  4. Roderich meint:

    Sarte kommt auch in diesem Artikel von Craig vor: „Die Sinnlosigkeit des Lebens ohne Gott“. Dort wird deutlich, dass aus „Gott existiert nicht“ letztlich diese Sinnlosigkeit folgt.
    (Denn erstens hat jedes einzelne Leben dann keinen Bezug auf etwas Höheres, zweitens enden alle Leben des Universums mit dem Kältetod des Universums endgültig. Welchen Sinn könnte dann irgendetwas haben?)

    http://www.reasonablefaith.org/german/popular/absurdity-of-life-without-god

  5. @Roderich: Sartre würde Craigs Aussage bestreiten und darauf bestehen, dass jeder einzelne Mensch dazu verdammt ist, sich lebst Sinn zu stiften. Der Sinn liegt in dem, was der Mensch tut. Und der Mensch kann etwas tun, vor allem authentisch sein. Und da liegt das Problem. Der Mensch ist eben nich Gott. Ich kann verstehen, warum der erste Satz im Sysiphos von Camus durch und durch pessimistisch ist.

    Liebe Grüße, Ron

  6. Schandor meint:

    Sinnvoll nach Sartre könnte sein:
    * Einer alten Frau über die Straße zu helfen.
    * Eine alte Frau auf der Straße niederfahren
    * Sich gegen den Algerien-Krieg einsetzen … 😉

  7. Alles längst durchgekaut. Sartre verfolgt für ihn sinnlosen Sinn.
    Dabei können aber auch Atheisten im Sinne Gottes handeln, auch wenn sie es für sinnlos halten.
    Siehe Regeln in meinem Blog als auch Kommentar hier:
    Aktuelle Seite: Startseite / Theologie / Syst. Theologie / Apologetik / Gott schenk uns Sinn

  8. Wenn es keinen Gott gäbe, gäbe es keine Atheisten.
    Gilbert Keith Chesterton

  9. Roderich meint:

    @Ron, ja, der Mensch ist nicht Gott, daher nutzt es ihm nichts, „sich selbst gegenüber“ authentisch zu sein.
    (Ich denke übrigens, dass Craig diese Sicht von Sarte schon versteht, der Mensch müsse sich selbst Sinn stiften. So sagen das ja heute viele Atheisten, die das Argument „wenn es keinen Gott gibt, ist das Leben letztendlich sinnlos“ bestreiten wollen. Craigs Sicht: Was der Mensch tut, kann nur sinnvoll sein, wenn es letztendliche Bedeutung hat. Wenn das Universum mal den Kältetod stirbt und es kein ewiges Leben gibt, gibt es nichts, was letztendlich Bedeutung hat.)

  10. Roderich meint:

    @Rudolf,

    Dabei können aber auch Atheisten im Sinne Gottes handeln, auch wenn sie es für sinnlos halten.

    Der Punkt ist aber, dass es, wenn der Atheismus wahr ist, keinen Sinn geben kann. (Wenn Du sagst, die Atheisten merken nicht, dass es Gott gibt, unterstellst Du ja, dass der Atheismus falsch ist).

    Im Sinne Gottes handeln kann man übrigens eigentlich nur „aus Glauben“ heraus.

  11. @rolf eicken

    Der von Ihnen angesprochene Viktor Frankl ist einer der Psychoanalytiker, von denen ich oben sprach. Interessant ist, dass V. Frankl mit C.G. Jung nie auf einen grünen Zweig kam, und ich werde den Verdacht nicht los, dass das auch an Jungs Herkunft als Sohn eines reformierten Pfarrers, also an seiner christlichen Herkunft lag. Und damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin kein Jungianer.

  12. @Roderich: Sartre erhebt nicht den Anspruch, Sinn sei unendlich. Er hat akzeptiert, dass die Zeit alles vernichtet.

    Liebe Grüße, Ron

  13. Roderich meint:

    @Ron, ich glaube, ein „Letztbezug“ gehört irgendwie begrifflich zum Wort „Sinn“.

    (Wenn wir nur endlich sind, gibt es eben letzt-entlich keinen Sinn).
    Oder wie hat Sartre versucht, Sinn trotz endlicher Zeit sinnvoll zu begründen?

  14. @Roderich: Dein Sinnbegriff ist für Sartre idealistisch. Tue Sinnvolles in den ca. 70 Jahren, die dir die Natur gibt, das kommt Sartre schon näher.
    Liebe Grüße, Ron

  15. Germanikus meint:

    “ Da ich Gottvater beseitigt habe…“ Welch Hybris eines sterblichen Subjekts! 🙂

  16. Roderich meint:

    @Ron,

    Tue Sinnvolles in den ca. 70 Jahren

    Was könnte das sein, und in welcher Hinsicht / warum ist es „sinnvoll“?

    Sinn ist doch eine Art „Relation“. „Etwas“ ist sinnvoll im Hinblick auf etwas „anderes“. Dieses „etwas“ kann dann nur dann wirklich sinnvoll sein, wenn das „andere“ (auf das es bezogen ist) sinnvoll ist. Das „andere“ kann nur sinnvoll sein, wenn es das in Bezug auf „wieder etwas anderes“ ist. (Etc.) Also müsste man prüfen, was das letzte Glied in der Kette ist.
    Welches hat Sartre da anzubieten, und warum ist das sinnvoll?

  17. @Roderich @Ron

    Tue Sinnvolles in den ca. 70 Jahren

    An dieser Aussage bin ich auch hängen geblieben. Darüber zu philosophieren, kann ein lebenslanges Seminar füllen. Und auf dem Grabstein steht dann: Er suchte den Sinn des Lebens. Dass Sartre etwas Entscheidendes fehlte, ist jeden Christ einleuchtend.

    Kirche und Theologie sind aktuell durchseucht von lauter „Sartres“. Kommt man denen mit Auferstehung und ewigem Leben, dann spotten diese „Sadduzäer“ wie auf dem Areopag.

    Die Auseinandersetzung mit der Philosophie ist wichtig, aber nicht um ihrer selbst willen, sondern um den „Tempel“ von diesen „Sartres“ zu reinigen. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.

  18. @Roderich: Das Leben ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn es Menschen gibt, die mir etwas bedeuten und denen ich etwas bedeute. Dass ist eine erfüllte Relation. Das sie keinen ewigen Wert hat, ist ein factum, dass Sartre akzeptiert hat.

  19. Johannes Strehle meint:

    @ Gast
    Um im Bild zu bleiben:
    Die Masse des Volkes Gottes, die 10 Stämme, hat sich längst vom Tempel entfernt
    und sich inzwischen mit den Gott-losen vermischt.
    Zur Zeit geht es darum, den Tempel der Evangelikalen zu reinigen,
    und zwar primär auch von den „Händlern und Geldwechslern“, also von denen,
    deren Verhalten von finanziellen Abhängigkeiten bestimmt ist;
    auf der einen Seite von Kirchen oder verwandten Institutionen,
    die sich meilenweit vom Apostolischen Glaubensbekenntnis entfernt haben,
    wie es seine Verfasser und die Reformatoren verstanden haben,
    oder auch von der „gemeinsamen Glaubensbasis“ der Evangelischen Allianz,
    und auf der anderen Seite von der Masse der konservativen Spender,
    denen die genannte eine Seite verheimlicht werden muss.

  20. Peter Geerds meint:

    Hohe Ziele. Ich erinnere da nur an die Vorrede zur Deutschen Messe von Martin Luther. Er beschrieb hier die dritte Art von Gottesdienst (heute würden wir sagen Hauskreis oder Hausgemeinde) für die, die „mit Ernst Christ sein wollen“. Er hat das nicht durchgeführt, weil er dazu zu wenige ernsthafte Christen kannte. Was ich meine: Mit solchen Zielen werden die Verbände usw sehr sehr klein und kaum überlebensfähig werden. Aber wünschenswert wäre eine Reinigung/Reformation schon 😉

  21. @Johannes Strehle

    denen die genannte eine Seite verheimlicht werden muss

    Genau das ist der Punkt, an dem angesetzt werden muss. Nicht nur durch die Blume. Und das ist auch der Lackmustest für das Netzwerk um Parzany: Kneifen sie wegen des Geldes oder erarbeiten sie mit Fachleuten Konzepte für eine Scheidung mit Zugewinnausgleich. Die Trennlinie der sich Scheidenden mache ich am Glauben an die tatsächliche Auferstehung und das ewige Leben fest. Alle Alt-EKDler sehen dann darin weiterhin allein ein seelsorgerliches Psycho-Konstrukt und nennen es Auferstehung ins Kerygma o.ä.

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