Islam und Moderne

Prediger Fethullah Gülen hat kürzlich mit der FAZ über den Islam und die Moderne gesprochen. Für ihn lässt sich Etliches im Islam auf Prinzipien der Moderne hin auslegen. Mehr noch: Fethullah Gülen glaubt, der Islam sei ein Hort für die Demokratie:

Der Begriff Demokratie wird mit Wörtern wie sozial, liberal, christlich, direkt, repräsentativ oder parlamentarisch verbunden, obwohl sich diese Eigenschaften teilweise gegenseitig ausschließen. Die Prinzipien, die die Fundamente der Demokratie sind, und die Regierungsform stimmen mit den islamischen Werten überein. Werte und Prinzipien, die der Islam wie auch die Demokratie akzeptieren, sind Beratung, Gerechtigkeit, Religionsfreiheit, der Schutz der Rechte von Individuen und Minderheiten, das Recht eines Volkes zur Wahl seiner Regierung, die Verantwortung der Regierenden für ihre Tätigkeiten und die Unzulässigkeit der Herrschaft einer Minderheit oder Mehrheit über den jeweils anderen. Die allgemeinen Prinzipien des Islam zur Regierungsform sind also kein Hindernis für die Umsetzung der Demokratie. Sie bieten sogar eine geeignete Grundlage dazu.

Wie viele demokratische Staaten gibt es eigentlich in der islamischen Welt? Schade, dass in dieser FAZ-Ausgabe keine der vielen kritischen Stimmen zu Fethullah Gülen zu Wort kam.

Mehr hier: www.faz.net.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Ja, guter Ansatz! Es ist ja auch nicht von vornherein ausgeschlossen, dass Carnivoren Vegetarier werden. Dialog ist alles 🙂

  2. Cristian Lang meint:

    Das stimmt, der Islam ist extrem undemokratisch.
    Wenn aber Christen könnten, würden sie alle zu Christen bekehren. Ist das demokratisch?
    (Was nicht heißen soll, dass Christen wie Meister Eckhart nicht Gott wirklich erfahren haben)

  3. Roderich meint:

    @Cristian,
    offenbar möchten Sie ja auch andere von Ihrer Meinung überzeugen 🙂
    Mission ist nicht gegen Demokratie. Nur Mission mit Gewalt – das ist gegen die Religionsfreiheit. Daran haben sich sicher auch Christen schuldig gemacht, nur in der heutigen Zeit kann davon kaum noch die Rede sein. Heute sind es primär Muslime, ab und zu aber auch Hindus oder Buddhisten. Denn soooo friedlich und tolerant sind die Hindus (etwa die BNP in Indien und ihr zugehörige Organisationen) und Buddhisten (Sri Lanka) auch wieder nicht. Die „können“ auch sehr gut Andersgläubige verfolgen.

  4. Cristian Lang meint:

    Dass es aggressive Buddhisten gibt, übrigens nicht nur in Sri Lanka, dem kann ich uneingeschränkt zustimmen. Ich würde ebenso damit übereinstimmen, dass Mission nicht per se gewalttätig sein muss – Mission mit Taten (im Sinne guter INNERER Werke bei Meister Eckhart oder Nagarjuna) ist die beste Art der Mission. Denn ein Mensch, der allein dadurch missioniert, dass er direkt im Alltag im Göttlichen verweilt (seiner wahren Natur also jenseits von Gedanken, Emotionen körperlichem Sinnengenuss) und diese innere, ja geheime Kraft einfach zeigt (ohne jemanden durch Argumente davon überzeugen zu müssen) – ja der ist ein wahrer Missionar, der wirklich dazu beiträgt, dass andere in Zukunft Erlösung (von Sünde = Karma als buddhistisches Terminusäquivalent) erfahren können.
    Es gibt aggressive buddhistische Gruppen, und die seien mal beim Namen genannt: Ole Nydahl (ansatzweise aggressiv in der Wortwahl, nicht physisch), die NKT Tradition (Gehirnwäsche total), gerade auch unter sehr konservativen Theravada-Gruppen (wie z.B. in Sri Lanka), und ein paar wenige mehr.
    Ebenso sind es im Islam die extrem fundamentalistischen Gruppen, die aber auch stark in den Mainstream hineinreichen – worin wir uns glaube ich auch einig sind.
    Im Christentum gibt es eine subtilere Aggresivität eher auch bei Konservativen, Funtamentalen sowohl in der katholischen Kirche als auch bei Evangelikalen.
    Ich glaube – und es ließe sich belegen – dass missionarische Aggressivität insgesamt – unabhängig bei welcher Religion – immer dann gegeben ist, wenn eine Verwechslung zwischen Kultur und Essenz (oder Natur – nicht im Sinne einer äußeren Natur, sondern im Sinne des inneren Ursprungs der äußeren Phänomene) existiert – die Konservativen, die Fundamentalen reden nur, anstatt die Natur selbst zu erfahren, und verstricken sich in die Bewahrung von Traditionen.
    Dazu gehören – tut mir leid dies jetzt erwähnen zu müssen – auch Ratzinger auf katholischer Seite und Rohrmoser hier. Es wird darum gestritten, was verteidigt werden muss, was bewahrt werden muss – und all das sind aber nur kulturelle Ausprägungen, nicht eine universelle Erfahrung, die über das Zeitliche hinausgeht.
    Daher von mir immer der Wink mit dem Eckhart – der hat sehr klar sagen können, was relativ ist (Tradition, Kultur) und was wirklich Gott ist, also der wahre Ursprung.
    Es geht wirklich ums Eingemachte – es geht wirklich um das Einzige, das letztlich wahr ist – ich glaube auch da sind wir einer Meinung.
    Das Einzige, was wahr ist, ob wir es nun Gott, Natur Gottes, oder Natur des Geistes (tibetischer Begriff dafür!) – ist wurscht wie wir es nennen – das soll doch das sein, was wir erfahren wollen – oder täusche ich mich da?
    Denn das Einzig wirklich wahre, das also jenseits der beschränkten Formulierungen des menschlichen Verstandes liegt (also Menschenwerk!!!), das auch jenseits der Vergänglichkeit liegt, darum geht es uns allen – egal ob Moslems, Christen, Buddhisten, oder New Age.
    Die Missverständnisse, die in Missionierungen, Aggressionen und Konkurrenzen (ebenso wie die Versuche, etwas zu bewahren) resultieren, entstehen nur, weil wir immer das Relative (also kulturelle Ausprägungen von Religion in diesem Fall) mit dem Absoluten (also der wahren Natur, die eben JENSEITS ist von dieser Tradition, Kultur – und auch jenseits des begrenzten Verstandes, der ja MENSCHENWERK ist, um einen christlichen Begriff zu nehmen) – diese Verwechslung von Relativem (Vergänglichem) und Absolutem (dem einzig wahren, wirklichen) ist geradezu das Missverständnis an sich.
    Dem wahrhaft kritischen – im konstruktivem Sinne – Menschen kann es nur obliegen, sich erstens nicht von Autoritäten das Hirn waschen zu lassen, dann aber darüber hinaus durch eigene direkte Erfahrung das Göttliche, das eben jenseits des Vergänglichen ist, HIER UND JETZT zu erfahren, dann findet eine Einheit von Diesseits und Jenseits statt, die nicht mehr getrennt werden kann, das ist dann die Wiedervermählung mit dem Paradies.
    Dies waren die Worte von Meister Eckhart, besser kann man sie nicht verstehen (und wer mir sagt, ich hätte Eckhart irgendwie falsch verstanden, hat nun nicht sehr viel verstanden…), von Nagarjuna und letztlich auch von Buddha.
    Es geht ums Eingemachte, wie ich sagte.
    http://www.dzogchen.de, http://de.wikipedia.org/wiki/Dzogchen

  5. Roderich meint:

    @Cristian,

    Denn das Einzig wirklich wahre, das also jenseits der beschränkten Formulierungen des menschlichen Verstandes liegt (also Menschenwerk!!!), das auch jenseits der Vergänglichkeit liegt, darum geht es uns allen – egal ob Moslems, Christen, Buddhisten, oder New Age.

    Ich glaube, dass menschliche Aussagen gar nicht so beschränkt sind.
    Mit der gleichen Präzision, wie Sie die traditionelle christliche Sicht ablehnen können bzw. das formulieren können, ist doch auch die traditionelle christliche Sicht formuliert.
    Ihr „das einzig wahre“ ist doch auch eine präzise Beschreibung.

    Es kann sein, dass Menschen subjektiv „das Wahre“ suchen. Allerdings steht hinter dem Verlangen doch – meines Erachtens – der lebendige Gott (aus meiner Sicht: der Gott, wie er in der Bibel beschrieben wurde).
    Ich halte die Bibel also nicht für Menschenwerk – den Koran aber schon, und hinduistische Werke auch.
    Menschen haben daran mitgewirkt. Vielleicht haben im Koran oder in anderen Schriften auch „Geister“ mitgewirkt, aber die Bibel unterscheidet ja zwischen göttlichen „Offenbarungen“ und „dämonischen Offenbarungen“. In biblischer Sicht gibt es eben auch eine geistige Welt der Dunkelheit.

    Rohrmoser hat ja vor der Abkehr von der Vernunft gewarnt. Das ist eigentlich eine sehr treffende Analyse. Denn das steht z.B. hinter dem Wahrheitsrelativismus. Ihre Sicht ist ja auch wahrheitsrelativistisch (bezüglich menschlicher Fähigkeiten).

    Ja, Kultur ist etwas relatives – auch die christliche Kultur des Westens. Das, was nicht relativ ist, ist das Reich Gottes (Siehe Augustinus, „Der Gottesstaat“, ein hervorragendes Buch). Gott ist nicht relativ, und sein Reich auch nicht.
    Aber manche „relativen“ Dinge sind dennoch gut und bewahrenswert.
    Auch unser Leben ist „relativ“, denn das irdische Leben ist nicht das „ultimative“.
    Dennoch bin ich dankbar für die Polizei, die das „relative“ Leben dennoch schützt.

    Längst nicht alles an der westlichen Kultur ist christlich.
    Es gibt aber eben auch in den „Auswirkungen“ des wahren Glaubens in der realen Welt wesentliche Unterschiede. Ob z.B. Ungerechtigkeit vorherrscht (wie in Nordkorea, in Saudi-Arabien (extreme Scharia) etc., oder auch z.T. bei uns – das ist nicht egal. Es sollte uns als Christen ein Anliegen sein, für mehr Gerechtigkeit uns einzusetzen, z.B. indem man in eine Partei geht und sich dort engagiert. Klar, das ist „relativ“, und die hiesige Welt wird vergehen, aber wenn Gott sie geschaffen hat, ist sie dennoch wichtig und keine Illusion. Was Gott für wichtig genug erklärt, um es zu schaffen, ist deshalb – auch wenn ein Geschöpf nur relativ zum Schöpfer ist – dennoch wichtig.

    Gotteserfahrungen halte ich auch für wichtig, aber wir brauche eben ein Beurteilungskriterium, ob diese „Erfahrungen“ wirklich von Gott sind. Ich denke, die Bibel ist dazu der Maßstab.
    Wenn man „Träume und Visionen“ hat, kann das davon abhängen:
    – was ich gegessen habe (wieviel Peperoni auf der Pizza gestern war)
    – welchen Einflüssen ich mich öffne. (Wenn man drei Wochen nur Alister Crowley liest, Black Sabbath Musik hört, Pentagramme malt etc., dann kann das die Art und Weise – und v.a. die Quelle – der Visionen durchaus beeinflussen)
    – Eine Vision kann auch „psychisch“ oder „emotional“ bedingt sein.
    – Eine Vision kann aber auch von Gott sein.
    Gerade wegen dieser gewissen „Relativitität“ sollten wir einen klaren Maßstab suchen. Ich empfehle dazu die Bibel 🙂
    Wenn Sie die Bibel mal für einen Monat jeden Tag 2h lesen, werden Sie vielleicht ein paar Dinge merken. (Das alleine ist aber noch keine Garantie).

    Ich denke, es kommt auch auf bestimmte philosophische Grundsatzentscheidungen an, z.B. ob ich glaube „es gibt Wahrheit, und man kann sie auch als Mensch – mit Gottes Hilfe – z.T. erkennen und auch rational erfassen“.
    Wenn man diese Sicht nicht teilt, wird das Bibellesen eventuell auch nicht so viel helfen. Diese meine Sicht ist übrigens einfach nur „klassische Aristotelische Logik“ – davon kehrt sich ja die New Age Bewegung leider ab.

  6. Roderich meint:

    @Cristian,
    ich danke Ihnen übrigens, dass Sie sich in die „Höhle des Löwen“ von traditionellen und biblisch orientierten Christen gewagt haben 🙂

    (Wie erwähnt, muss ich mich jetzt aber leider für einige Tage ausklinken – danke aber schon mal für die bisherige Diskussion).

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