J. Edwards: Eigenliebe oder echte Liebe

Jonathan Edwards, (Sind religiöse Gefühle zuverlässige Anzeichen für wahren Glauben, 2012, S.131–132):

Es gibt natürlich eine Art von Liebe oder Empfindung, die ein Mensch zu anderen Menschen oder Dingen hat, die klar der Eigenliebe entspringen. Sie gründet sich auf eine sich vorher vorgestellte Beziehung, die der Mensch zu dem anderen hat oder sich von dem anderen wünscht. Wenn aber das Erste, was jemanden zu einem anderen zieht, das ist, dass man die Eigenschaften und Tugenden sieht, die man als in sich selbst liebenswert erkennt, dann wird sich die Liebe ganz anders zeigen als eine Liebe, die dem Eigeninteresse entspringt. Sie unterscheidet sich von Eigenliebe, die aus einem Geschenk entspringt, welches der andere gibt, wie ein Richter den Menschen liebt und begünstigt, der ihn bestochen hat.

Die Art von Empfindung für Gott oder Jesus Christus, die aus Eigenliebe entspringt, kann keine wirklich begnadete und geistliche Liebe sein. Liebe zu Gott aus Eigenliebe kann nicht mit echter Liebe zu Gott verwechselt werden, die edlen Empfindungen entspringt. Denn Eigenliebe ist sowohl Menschen als auch Teufeln gemeinsam. An ihr ist nichts Göttliches.44 Wie Jesus fragte: „Und wenn ihr die liebt, die euch lieben, was für einen Dank erwartet ihr daßr? Denn auch die Sünder lieben die, welche sie lieben“ (Lk 6,32). Liebe, die aus Eigenliebe entspringt, ist aus der Sicht Gottes wertlos. Sie erinnert uns daran, wie Satan die Rechtschaffenheit Hiobs bestreitet: „Ist Hiob umsonst gottesßrchtig? Hast du nicht ihn und sein Haus und alles, was er hat, ringsum eingehegt?“ (Hiob 1,9-10). Gott hätte nicht zugelassen, dass dieser Einwand erhoben wird, wenn die Beschuldigung nicht eine gewisse Grundlage gehabt hätte.

Es ist angemessen zu bekräftigen, dass die Grundlage echter Liebe zu Gott sein innerer Wert ist, denn er ist würdig, um seiner selbst willen geliebt zu werden. Dies macht ihn so der Liebe wert. Seine göttliche Vorzüglichkeit ist so herrlich. Deshalb ist Gott Gott: er ist um seiner selbst willen zu lieben.

Manche Menschen, welche die Herrlichkeit und Schönheit Gottes in Christus niemals erkennen, können durch Eigenliebe zur Liebe zu Gott bewegt werden. Doch Dankbarkeit kann genauso wie Zorn rein natürlich sein. Zorn entsteht, wenn Eigenliebe durchkreuzt wird. Dankbarkeit ist eine Empfindung, die jemand hat, weil ein anderer ihn liebt oder ihm irgendetwas Gutes tut. Beides ist Ausdruck von Eigenliebe. Denn es kann eine Form der Dankbarkeit geben, die aus keinerlei echter oder richtiger Liebe kommt. Christus spricht in Lukas 6,32 von dieser Art von Dankbarkeit, wenn er sagt, dass Sünder diejenigen lieben, die sie lieben. Ebenso war auch Saul sehr von Dankbarkeit gegenüber David bewegt, dafür, dass dieser sein Leben verschonte, doch er blieb von Gewohnheit her sein Feind. Wir haben viele Beispiele dieser Art von Dankbarkeit in der Schrift.

Kommentare

  1. Theophil Isegrim meint:

    Dieses Buch muß ich mir noch zulegen. Über solche Dinge habe ich mir schon oft meine Gedanken gemacht.

    „Liebe deinen nächsten wie dich selbst. Das heißt, ich muß erst lernen mich selbst zu lieben.“

    Solch ein Gedankengut begnet mir oft in den Gemeinden. Wenn säkularisiterte Menschen das sagen, dann hat das seine Berechtigung. Aber wenn Gott mich liebt, warum sollte ich dann mich mit meiner Eigenliebe begnügen? Das ist alles so ein Blödsinn und dummes Zeug, was bei uns in den Gemeinden herumschwirrt. Aber wehe man sagt was dagegen, uh, dann hat man erstmal Diskussionen …

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