Jesus ist wahrhaftig auferstanden

Klaus-Peter Jörns spricht in seinem Interview mit dem Rheinischen Merkur (RM) aus, was viele Theologen denken:

RM: Sie glauben also nicht an die leibhaftige Auferstehung Jesu Christi?

Jörns: Nein. An eine so mirakulöse Geschichte kann ich nicht glauben. Alle Friedhöfe, die ich kenne, zeichnen sich dadurch aus, dass die Bestatteten dort verwest sind und nur die Knochen übrig bleiben. Mit Jesus wird es genauso gewesen sein.

RM: »Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube nichtig«, heißt es im 1. Korintherbrief des Apostels Paulus. Ist nicht die leibhaftige Auferstehung der Kern des christlichen Glaubens?

Jörns: Das ist ein modernes Missverständnis von Auferstehung. Die Moderne versteht die Bildsprache nicht mehr, sondern materialisiert sie. Der Glaube an Jesus Christus, den Auferstandenen, wird so zu einem Mirakel. Es wird so getan, als wäre Jesus nicht nur wieder da, sondern als wäre er sogar gen Himmel gefahren. Wohin soll er denn gefahren sein? Das hat keinen Bezug zur Wirklichkeit, wie wir sie kennen. Paulus sagt: Jesus ist der »Erstgeborene von den Toten«. Auferstehung als Neugeburt setzt den wirklichen Tod samt Verwesung voraus. Das hat Paulus viel besser verstanden als diejenigen, die nur das Bild vom leeren Grab übernommen haben. Mit Sicherheit hat er auch den griechischen Brauch gekannt, »leere Gräber«, auf griechisch Kenotaphe, als Gedächtnisstätten ohne Leichen zu bauen. Und deshalb hat er den Begriff vom leeren Grab in seinen Auferstehungspredigten nicht verwendet.

Was bleibt da noch vom Auferstehungsglauben? Natürlich das Gefühl der Geborgenheit:

RM: Glaube drückt immer eine Beziehung zwischen Gott und Menschen aus. Das Entscheidende ist, dass Menschen sich in der Beziehung zu Gott geborgen fühlen und lernen, leben und sterben zu können und nicht nur zu müssen. Jesus hat gewusst, dass das Leben schwer ist und dass wir Gottes Liebe und Hilfe brauchen. Weil er sie uns ohne jede Bedingung zugesagt und die Leiden der Menschen geteilt hat, ist er mein Weg zu Gott und zum Leben.

Vielleicht ist ja gerade diese Gefühlsduselei das große erfahrungstheologische (und damit moderne) Missverständnis? Jedenfalls ist für den Philosophen Robert Spaemann die Kluft zwischen historisch-kritischer Theologie und Verkündigung völlig zu Recht unerträglich. Zu dem Umstand, dass viele deutschsprachige Theologen die biblischen Berichte von der Auferstehung nicht für historische Ereignisse halten, sagt er: »Die Jünger von Jesus waren keine Philosophen, sondern Fischer aus Galiläa. Sie haben nicht spekuliert, für sie zählten nur Fakten. Das leere Grab war für sie ebenso ein Beleg für die Auferstehung wie die späteren Erscheinungen des Herrn.«

Und zur Frage, ob Jesus einen Sühnetod gestorben ist, spricht Spaemann auch Klartext: »Es gibt viele Pfarrer, die das heute bestreiten. Sie stellen sich damit aber gegen den Kern der biblischen Botschaft.« Der Sühnetod Jesu löse das Dilemma zwischen Gottes Gerechtigkeit und Gottes Liebe. Christus erfülle mit seinem Kreuzestod beides: »Der Gerechtigkeit wird Genüge getan, indem Gott das Unrecht dieser Welt nicht ungesühnt lässt. Zugleich übt Jesus Christus gegenüber uns Menschen Barmherzigkeit, indem er selbst diese Strafe auf sich nimmt.« Für den Menschen seien Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zwei verschiedene Eigenschaften, in Gott aber seien sie vereint.

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Kommentare

  1. Andreas meint:

    Gute Güte! Man müsste hier ernsthaft die Frage stellen, wer hier modernen Missverständnissen unterliegt und die (antiken) biblischen Texte in ein Korsett moderner Denkvoraussetzungen zwingt. Außerdem: Wenn Gott unser eigenes Welterleben nicht mehr überschreiten und sprengen darf, wozu brauche ich ihn dann noch, wie liebt er mich dann und wie hilft er mir? Bzw. ist das dann überhaupt noch Gott? Macht der Gottesbegriff da noch Sinn?

    Ob diese Lektüre des 1. Korintherbriefs – Paulus werde modern missverstanden – wirklich noch direkt aus historisch-kritischer Theologie resultiert, wage ich ja fast zu bezweifeln. Echte historische Kritik, was auch immer man davon hält, sollte antike Texte in ihren geschichtlichen Kontexten lesen und verstehen wollen. Und was Paulus in 1. Kor. 15 schreibt, lässt m.E. sich nicht entkonkretisieren, nicht entleiblichen. R. Bultmann als radikaler Historisch-Kritischer konnte das noch erkennen und war immerhin so anständig, zu sagen: Paulus sieht das so, aber mittels theologischer Sachkritik sage ich jetzt, das ist leider falsch. Er hat aber seine moderne Sicht der Dinge nicht in den Text eingetragen. Wie man von dem Pharisäer – Phil. 3,5 (im Präsens) – Paulus annehmen kann, er könne über ein gestorben, begraben, auferstanden und gesehen sprechen ohne dabei an eine leiblich Auferstehung zu denken, ist mir schleierhaft.

    Welchen Gott, welchen Jesus, welches Evangelium K.-P- Jörns verkündigt, wenn nicht den Gott und den Christus des Paulus (Rö. 4 25… um unsertwillen, denen es zugerechnet werden soll, wenn wir glauben an den, der unsern Herrn Jesus auferweckt hat von den Toten, 25 welcher ist um unsrer Sünden willen dahingegeben und um unsrer Rechtfertigung willen auferweckt.) und das Evangelium des Paulus (1. Kor. 15 3… Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; 4 und dass er begraben worden ist; und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; 5 und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen.), auch das ist mir schleierhaft. Ich frage mich, warum er an christlichem Vokabular festhält und weiterhin „christlicher“ Theologe sein will, noch dazu einer, der als ehem. Pfarrer auf Schrift und Bekenntnis ordiniert wurde.

    Rätsel über Rätsel! Wie gut, dass eine Sache kein Rätsel ist: Der Herr ist auferstanden! 😀

    Beste Grüße,
    Andreas

  2. „An eine so mirakulöse Geschichte kann ich nicht glauben…“

    Der arme Kerl… Ich habe Mitleid mit ihm. Weiß er nicht, dass sogar das Leben auf Erden ein Wunder ist?

    Manchen Leute einfach kennt überhaupt nicht über Gott. Schade zu sehen, wenn einige von ihnen als „Christen“ nennen sich.

  3. ernst meint:

    Ein verräterischer Satz: „Das hat keinen Bezug zur Wirklichkeit, wie wir sie kennen“ – was für ein erbärmliches Dokument materialistischen Denkens!
    Welch ein Hochmut: Wir – aber das heißt eigentlich: ICH kenne die Wirklichkeit! Mein Horizont ist der Maßstab!
    Soll man das ernst nehmen?

  4. „Man kann nicht jede beliebige religiöse Meinung damit retten, sie sei zwar nicht wortwörtlich, aber doch noch symbolisch wahr. […] Eine derartige Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheitsfrage löst das Christentum auf.“

    Pfarrer Dr. Andreas Rössler (26.7.2001, Theologe, Undogmatisches Christentum: ein Ideal im Konflikt mit der Wirklichkeit, IARF-Tagung in der Evangelischen Akademie Bad Boll)

    „Der (spät)moderne Experte übt das Amt eines Priesters aus, der die Menschen mit symbolisch besetzten „Antworten“ auf das Rätsel ihres Daseins speist.
    Das religiöse Zersetzungspotential derartiger „Expertenreligionen“ ist weniger offenkundig als im Falle des klassischen Atheismus.“

    Dr. Johannes Hoff (15.07.2004, Theologe, Das Verschwinden des Körpers. Eine Kritik an der „Wut des Verstehens“ in der Liturgie, Tübingen)

    „Für viele liberale Theologen (selbst wenn sie nicht behaupten, Gott sei tot) sind gewisse andere Dinge tot. Da sie die Tatsache ablehnen, dass Gott in der Bibel und durch die Offenbarung in Jesus Christus dem Menschen Wahrheiten mitgeteilt hat, die in klaren Sätzen ausgedrückt werden können, ist der Inhalt des Begriffes »Gott« tot und jegliches Wissen um die Existenz eines persönlichen Gottes ebenfalls.

    Man hat damit nur noch religiöse Begriffe ohne Inhalt und die Gefühle, die durch gewisse religiöse Wörter hervorgerufen werden. Das ist alles.“

    Dr. theol. h.c, Dr. h.c., Dr. h.c. Francis A. Schaeffer (1983, Theologe, Wie können wir denn leben? 3. Aufl. Hänssler 1991, S. 176, 178-179)

    „Im … eben beschriebenen leeren Raum, können die modernen Theologen sich überhaupt nicht mehr vorstellen, dass der Begriffsinhalt, der durch das Wort Gott angedeutet wird, sich auf irgendeine wirkliche und wahre Substanz beziehen könnte.
    Alles, was sie haben, ist eine semantische [Bedeutung sprachlicher Zeichen] Antwort auf Grund einer Assoziation [lat. associare; dt. vereinigen, verbinden, verknüpfen, vernetzen] … eben nichts als das philosophische Andere, das unendliche, unpersönliche Alles.

    An dieser Stelle aber nähert sich das westliche Denken sehr stark dem des Ostens. Der moderne Theologe hat den einzigartigen unendlich-persönlichen Gott der biblischen Offenbarung und der Reformation verloren.

    Die liberale Theologie der derzeitigen Denkwelt hat nur „Gott“-Wörter als Ersatz. […]

    „Die modernen Theologen gebrauchen assoziationsreiche Wörter anstelle von definierten Wörtern – Wörter als Symbole“

    Dr. theol. h.c, Dr. h.c., Dr. h.c. Francis A. Schaeffer (1970, Theologe, Preisgabe der Vernunft, Haus der Bibel /Genfer Bibelgesellschaft; Auflage: 7., Aufl. 1985, ISBN 978-2826067016)

    „Das Christuskerygma ist also Kultuslegende, und die Evangelien sind erweiterte Kultuslegenden.“

    Prof. Dr. Rudolf Bultmann (1921, Theologe, [laut http://www.bautz.de/bbkl/b/bultmann_r.shtml: bedeutendster Exeget des 20. Jahrhunderts], Die Geschichte der synoptischen Tradition. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 8.Aufl. 1970 2. Aufl. 1931, S. 395)

    „Ein Satz wie: „Gott hat uns seinen Sohn gesandt“ ist also symbolisch zu verstehen und nicht wörtlich.“

    Dr. Gerhard Kühlewind (August 2004, Paul Tillich: Progressive Theologie aus dem letzten Jahrhundert, http://www.evangelisch-in-leerstetten.de)

    „Wie aber können Sie zu einem bloßen Symbol beten?“

    Prof. Dr. Gerd Lüdemann (8. Mai 1998, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen,Unter den Dächern von Göttingen, DS – DEUTSCHES ALLGEMEINES SONNTAGSBLATT, 8. Mai 1998 Nr. 19/1998)

    „Das liberale Christentum hat nicht nur Kritik an der Religion geübt, es hat die Religion aufgelöst.“

    Prof. Dr. Paul Tillich (1942, Theologe und Religionsphilosoph, Prinzipien des Protestantismus, Our Protestant Principles. In: The Protestant Vol.4, No.7, New York 1942, S.10-11, u. P. Tillich, Gesammelte Werke VII: Der Protestantismus als Kritik und Gestaltung. Schriften zur Theologie I, Stuttgart 1962, S.133-140)

    „Man kann Begriffe wie Tod, Sterben und Auferstehung auch im übertragenen Sinne brauchen. Wichtig ist: Bei Tod und Leben handelt es sich nicht um Symbole, sondern um Realität. Jesus wurde mit seinem Leib gekreuzigt und ist in seinem Leib gestorben und begraben worden. Wenn der Tod den Leib nimmt, muss die Auferstehung ebenso konkret sein.
    Das Schwierige an der Auseinandersetzung ist: Während die frühere liberale Theologie die Auferstehung grundsätzlich bestritt, reden moderne Theologen von Auferstehung, verstehen sie aber bloß symbolisch. […]

    Wo die leibliche Auferstehung geleugnet wird, wird auch das Königtum von Jesus, seine Himmelfahrt, seine leibliche Wiederkunft und sein Sühnetod geleugnet. Jesu Tod wird dann nur als Märtyrertod verstanden. Dazu ist zu sagen: Der Tod muss dort besiegt werden, wo er zugeschlagen hat, und er hat am Körper Jesu zugeschlagen.

    Man kann nicht einem körperlichen Geschehen ein rein symbolisches Geschehen entgegensetzen. Wenn Jesus nur symbolisch auferstanden wäre, gäbe es für uns keine Auferstehungshoffnung.“

    Prof. Dr. Johannes Heinrich Schmid (10.04.2004, Theologe, idea/Livenet)

    „Ich bin weiter davon überzeugt, dass mein Vorwurf der Scheinheiligkeit gerechtfertigt ist.“ […] Im „Grunde stellt das Vorgehen der wissenschaftlichen Theologen die Spitze der Heuchelei dar. Indem sie den Studierenden die Ergebnisse der historisch-kritischen Forschung vermitteln, nehmen sie ihnen den Glauben der Bekenntnisse, den sie in ihrem kirchlichen Dienst vertreten sollen.“

    Prof. Dr. Gerd Lüdemann (1999, Theologe, Georg-August-Universität Göttingen, „Kirche der Scheinheiligen“ Evangelische Kommentare 3/1999)

    „Wenn mich die Verzweiflung an der Kirche überflutet, dann tröstet mich ein Wort, ein Wort der Bibel, ein gewaltiges Wort. … So spricht der Herr: Ich will mich meiner Herde selbst annehmen.“

    Pfarrer Wilhelm Busch (1966, Dortmund, Bekenntnistag in Dortmund d. Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“, 1929 bis 1962 protestantischer Jugendpfarrer – Essen, http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Busch_(Pfarrer)

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