Jochen Klepper: „Die Nacht ist schon im Schwinden“

220px-DBP_1992_1643-R.JPGSeine Lieder sind längst zu geistlichen Volksliedern geworden. Kaum eine evangelische Gemeinde, in der sie nicht gesungen werden (für viele Freikirchen wird das leider nicht gelten). Doch über das Leben und Sterben des sensiblen Dichters und Theologen Jochen Klepper weiß heute kaum noch jemand etwas.

Der DLF hat einen kurzen Beitrag über Jochen Klepper veröffentlicht, in den ein Gespräch mit dem Klepper-Experten Thomas Hübner eingeflochten ist:

Kommentare

  1. Ich kann Jochen Kleppers Gedichtband „Kyrie“ nur wärmstens empfehlen (nicht nur, aber vor allem auch die Weihnachtslieder). Das ist im wahrsten Sinne des Wortes gedichtete reformatorische Theologie!

  2. Bettina Klix meint:

    Da alles was der Mensch beginnt,
    vor seinen Augen noch zerrinnt,
    sei du selbst der Vollender!
    Die Jahre die du uns geschenkt,
    wenn deine Güte uns nicht lenkt,
    veralten wie Gewänder.

    Wer ist hier, der vor dir besteht?
    Der Mensch, sein Tag, sein Werk vergeht:
    Nur du allein wirst bleiben.
    Nur Gottes Jahr währt für und für;
    Drum kehre jeden Tag zu dir,
    weil wir im Winde treiben.
    (Jochen Klepper, aus dem „Neujahrslied“)

    Ich habe ihn durch das sehr empfehlenswerte Buch von Heinz Grosch „Nach Jochen Klepper fragen“, J.F. Steinkopf Verlag, 1982, kennengelernt.

  3. Alexander meint:

    Dass Klepper „das menschliche Leid sogar in den Mittelpunkt der Weihnachtsbotschaft gestellt habe“, wie am Schluss des Beitrags behauptet wird, halte ich allerdings für ein Missverständnis. Klepper verweist auf das Leiden Christi, das in der Krippe schon angelegt sei, ja als Erlösungsgeschehen, nicht als rein menschliche Leidenserfahrung.

    Ich würde auch die Interpretation des Vater-Sohn-Konfliktes in „Der Vater“ nicht soweit interpretieren, dass Klepper sich mit dem Sohn, Friedrich dem Großen, identifiziert. Friedrich II. lehnt den christlichen Glauben des Vaters ab. Damit kann sich Klepper nicht identifizieren und das wird im Roman auch problematisiert. Umgekehrt ist Friedrich Wilhelm I. zwar in der Tat mit etlichen, hoch problematischen Charakterzügen ausgestattet. Aber andererseits ist der zentrale Satz des Romans, der dem Buch auch als Motto vorangestellt ist, eindeutig christologisch zu verstehen: „Könige müssen mehr leiden können als andere Menschen.“ FW I ist gleichsam wie einer der alttestamentlichen Könige ein Typus Christi.

  4. RaSchu meint:

    @Alexander: Vielen Dank für die Aufklärung!

  5. Alexander meint:

    Nachtrag, weil ich’s grad fand: Schon unter den (dutzenden) Besprechungen, die der „Vater“ nach seinem Erscheinen erhielt, werden natürlich der Vater-Sohn-Konflikt thematisiert und Parallelen zu Kleppers Biographie angedeutet. Klepper nennt dies „töricht“ (Tagebuch, 30 März 1938).

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