Jonathan Edwards online

logo.pngDas Jonathan Edwards Center an der Yale University (U.S.A.) hat mit der Veröffentlichung der Ressourcen zu Jonathan Edwards neue Maßstäbe gesetzt. Edwards ist nicht nur einer der großen Intellektuellen Amerikas, er ist ein geistlicher Gigant, beim dem jeder gute Theologe oder Prediger in die Schule gehen sollte.

Das digitale Archiv überzeugt: edwards.yale.edu.

VD: JP

Kommentare

  1. Lieber Ron,

    kann man einen Mann, der die Haltung von Sklaven praktiziert und bis zu seinem Tod gerechtfertigt hat, wirklich als geistlichen Giganten bezeichnen?

    Liebe Grüße
    Tom

  2. Tom, kann man einen Mann, der Sünder ist, wirklich als gerecht bezeichnen? (Damit kein Missverständnis entsteht – dass Edwards „gerechtfertigt“ war, „rechtfertigt“ sicherlich icht jede seiner Ansichten oder Praktiken.) A propos, ist denn der biblische Befund zum Thema Sklave so eindeutig negativ, dass wir jeden, der in dieser Frage fehlgeleitet war, nur noch als dumm einschätzen können?

  3. Übrigens, die Leute von Yale arbeiten auch daran, auf derselben Plattform (FirstSource) die kompletten Werke, d.h. die 59 Bände des Corpus Reforatorum von Johannes Calvin in den Originalsprachen zugänglich zu machen. Das wird allen Calvinforschern eine große Hilfe sein (wenn auch nicht ganz kostenlos!) und wird die „Calvini Opera Database“ des Instituuts für Reformationsforschung in Apeldoorn bei weitem in den Schatten stellen.

  4. Hallo Tom,

    Auch nur die großen Gottes Diener dürfen Fehlen machen, oder?

    Cris.

  5. Ops! Es ist nicht „Fehlen“, aber „Fehler“. Es tut mir leid.

  6. Lieber Tom,

    die Quellenlage ist in dieser Sache eher dünn. M.W. ist bekannt (ich bin kein Experte in dieser Sache), dass zum Haushalt von Edwards ein bis zwei Sklavinnen gehörten. Das war damals der Status Quo. Eine dieser Frauen hat sich nachweislich zum christlichen Glauben bekehrt (sie Artikel von Minkema).

    Außerdem gibt es einen (eher unglücklichen) Brief, in dem Edwards den Pastor Benjamin Doolittle verteidigt, der ebenfalls Sklaven hatte.

    Gleichzeitig ist bekannt, dass Edwards den Sklavenhandel verurteilte und die Sklaverei als Illustration für die Sünde benutzte. Einer seiner bekanntesten und treusten Schüler, sein Schwager Samuel Hopkins (1721–1803), kämpfte bereits aktiv gegen die Sklaverei (vgl. seinen Aufsatz „A Dialogue Concerning the Slavery of the Africans“).

    Hier ein paar interessante Links:

    http://epangelia.blogspot.com/2005/09/jonathan-edwards-was-slave-owner.html

    http://edwards.yale.edu/wiki/Slavery

    http://www.historycooperative.org/journals/mhr/4/minkema.html

    Liebe Grüße, Ron

  7. Lieber Sebastian,

    das wird ja ein Fest geben, wenn diese Datenbank zu Calvin ›steht‹.

    Liebe Grüße, Ron

  8. Alexander meint:

    Man sollte (meiner Meinung nach zumindest) ja in der Kommentarspalte nicht unbedingt sekundäre Dinge diskutieren. Aber an dem Thema „Sklaverei“ kann ich unmöglich vorübergehen.
    Tom, wenn Du Edwards aufgrund seiner Position zur Sklaverei den Titel eines „geistlichen Giganten“ aberkennst, dann darfst Du auch Paulus, Petrus, und sehr wahrscheinlich nicht einmal Jesus als „geistlichen Giganten“ bezeichnen. Keiner der drei hat die Sklaverei grundsätzlich in Frage gestellt. Man lese nur Eph. 6,5.6; Kol. 3,22; 1 Tim. 6,1.2 (hier werden nicht einmal die gläubigen Herren = Sklavenhalter kritisiert); Tit. 2,9.10; 1 Petr. 2,18 (meine Lieblingsstelle in diesem Kontext: die Sklaven sollen sich auch den „wunderlichen“ Herren unterordnen). Zu Jesus: in seinen Gleichnissen erscheinen reihenweise Knechte (griech. doulos = Sklave) und Verwalter (griech. oikonomos, in der Antike meistens Sklaven), ohne dass jemals Kritik an der Sklavenhaltung laut wird.
    Die Lehre aus diesen Stellen ist nun nicht (wie viele es missdeutet haben), dass Jesus und die Apostel die Sklaverei gutgeheißen haben. Sie haben allerdings auch nicht das bestehende Gesellschaftssystem umstürzen wollen. Das hängt auch damit zusammen, dass die allermeisten Sklaven in der Antike durchaus ein gutes Leben führten. Es gab Sklaven, die ein durchaus stattliches Vermögen anhäuften. Oder sie waren im Grunde „normale“ Hausangestellte (ähnlich wie es bei Edwards der Fall gewesen zu sein scheint; Edwards war deswegen auch nicht „fehlgeleitet“ @Sebastian). „Nur“ im Personenrecht waren sie schlechter gestellt.
    Als Christ kann man natürlich trotzdem für die Abschaffung der Sklaverei sein. Im 4. und 5. Jh. ist es deswegen auch vermehrt dazu gekommen, dass Sklaven von ihren christlichen Besitzern freigelassen wurden. Und die Abolitionismus-Bewegung im frühen 19. Jh., die übrigens auch nicht versucht hat, das Problem „mit Gewalt“ zu lösen, sondern auf dem Weg durch die Instanzen, wurde von Christen angeführt (Wilberforce).
    Ähnlich ist es schon im AT 5 Mose 15,12ff. Die Sklaverei wird nicht grundsätzlich in Frage gestellt, aber nach einem gewissen Zeitraum sollte ein Hebräer seinen Sklaven freilassen.
    Übrigens ist das Thema sowohl im AT als auch im NT theologisch hochaufgeladen: Im AT wird die Freilassung des Sklaven damit begründet, dass auch Gott sein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens befreit hat (DIE Heilstat im AT). Im NT werden die Sklaven aufgefordert, sich unterzuordnen, weil wir uns alle Christus unterordnen sollen.
    Anyway, es sieht so aus, als könnte mein Buch über Sklaverei und frühes Christentum nicht völlig unnütz sein (wenn es in etwa 10 Jahren fertig ist).

    Schöne Grüße
    Alexander

  9. Alexander meint:

    P.S.: Ich wollte nicht sagen, dass die Diskussion um die Sklaverei „sekundär“ ist, sondern dass wir hier ein Thema diskutieren, dass nicht „primär“ etwas mit der Thematik von Rons Posting zu tun hatte. Aber ich will nicht dogmatisch sein.

  10. Katharina meint:

    Hallo Ron,

    im Zusammenhang mit Jonathan Edwards fiel mir ein, daß dich folgendes interessieren könnte: Mein Amerikanistik-Professor in Tübingen, Dr. Jan Stievermann, arbeitet gerade an der Herausgabe eines Bibelkommentars von Cotton Mather, der „Biblia Americana“. Hier ist der Link zur Homepage: http://www.bibliaamericana.gsu.edu/.

    Viele Grüße, Katharina

  11. Katharina meint:

    Nachtrag: Einer der Mitherausgeber ist Dr. Minkema von der Yale University Divinity School 🙂

  12. Danke Katha! Und liebe Grüße ins Land der ›unbegrenzten Möglichkeiten‹ aus Deiner verschneiten Heimat. 😉

    Liebe Grüße, Ron

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