Kinderköpfe brauchen Ruhe

David Gelernter warnt zurecht vor zu viel Technik im Kinderzimmer. Ich füge hinzu: In der Schule können die digitale Welten den Blick auf die wirkliche Welt ebenso versperren. Wohl dem Schüler, dessen Lehrer noch mit Tafel und Kreide umgeben kann.

Mit iSpielzeug spielen ist, als würde man ein Kinderlexikon durchblättern und sich nur die Bilder anschauen, ohne ein einziges Wort zu lesen. Das Lexikon hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: Es ist langweilig. Das Kind sucht sich also etwas anderes. Modernes iSpielzeug erlaubt kein Abschweifen der Gedanken. Wenn Dante sein Fegefeuer heute neu schriebe, würden die Protagonisten mit iPhones herumlaufen, sie müssten mit Apps spielen und einander ständig anrufen, bis sie ihre Strafe verbüßt haben; sie werden nicht arbeiten, nicht ruhen, nichts schaffen, an das sie sich mit Freude oder Stolz erinnern.

Hier: www.faz.net.

Kommentare

  1. Naja, die Kritik am Whiteboard fühlt sich irgendwie seltsam an, wenn sie selbst in einem Internet-Blog zu lesen ist…An meiner Schule sind selbst konservative Lehrer von den Dingern begeistert. Gruß

  2. Bei aller Kritik an „Reizüberflutung“, aber ob dieses hier:

    „Jeder Mensch braucht Ruhe und Tätigkeit. Wir entspannen uns, wenn wir die Gedanken schweifen lassen, wenn wir ihnen erlauben, ziellos umherzutreiben, hier und da innezuhalten und durch die weite Welt der Erinnerung zu streifen.“ (Zitat aus dem FAZ-Artikel)

    die Lösung sein soll, da habe ich erhebliche Zweifel.

    Also ich kenne Lehrer, die ihre Schüler ausschließlich „ohne“ sehen würden – nur produzieren diese Lehrer wiederum eine Pseudorealität, die am Schüler vorbei läuft.
    Für mich sieht das Ganze nach stundenweiser Problemverdrängung aus.
    Ist die Lösung nicht eher diese: Nehmt sie an die Hand und lehrt einen vernünftigen Umgang damit. Thematisiert Gefahren, aber seid nicht blind für die Möglichkeiten …

    Das ist allerdings zeitaufwändiger als einfach mal abschalten und verbieten.

    Lutz

  3. @Lutz: ich denke es ist beides notwendig: Das Erlernen des richtigen Umgangs damit, aber genauso auch die Ruhe davor. Das Übel ist dabei weniger das Gerät an sich, sondern vielmehr die Menge der Zeit, die man damit verbringt. Zahlreiche Studien haben belegt, dass diese Geräte (insbesondere die Vernetztheit der Geräte) unsere Leistungsfähigkeit einschränkt, je mehr wir uns damit beschäftigen (lassen). Eltern, die den Computer als Babysitter missbrauchen, tun ihren Kindern einen Bärendienst. Kinder müssen sowohl zum richtigen Umgang damit angeleitet, als auch zu anderem herausgefordert werden (zum nichtdigitalen Leben). Das Kind muss lernen, auch eine Weile ohne solche Technik klarzukommen. Wird jedoch das Leben hauptsächlich davon geprägt, wächst eine Generation von lebensunfähigen zukünftigen Erwachsenen heran, die ihren Platz in der Gesellschaft weder finden noch einnehmen können. (Ein interessanter Zusatzgedanke wäre noch: Wenn nun tatsächlich in näherer Zukunft die verteilbare Menge an Strom abnehmen soll durch das Abschalten bestimmter Kraftwerke, wer wird dann noch imstande sein, mit der Hälfte seiner Technik überleben zu können?)
    LG
    Jonas

  4. @Jonas:
    Hast du dich schon einmal intensiv mit den Studien beschäftigt? Also: von welchen Gegebenheiten gehen sie aus? Wie werden Zukunftsprognosen erstellt? …
    Wenn eine Sache „neu“ ist, dann ist die Zeit, die ich damit verbringe in der Regel intensiv – aber es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Verhalten wieder abebbt. Berechenbar? Kann man das überhaupt erfassen? …

    Bsp.: Wenn man mit mir als Jugendlichen eine Langzeitstudie angefangen hätte: Wie wirkt sich mein Schallplattenspielerkonsum auf … aus? Welchen Wert hätte eine solche Studie heute? Zu welchen Schlüssen wäre man damals gekommen? Was soll sie aussagen? Welche Konsequenzen soll das zeitigen? … (Ich benutze heute kein solches Medium mehr.)
    Hat dieser Konsum meine Leistungsfähigkeit eingeschränkt? Kann ich nicht sagen, weil ich keinen Vergleich mit mir selber ohne dieses Medium habe. Wer mir dann solches mitteilen möchte, kann dies nur auf der Basis eines Anderen, der sich mit mir vergleichen kann …?
    Was ich damit sagen möchte, es lohnt sich schon Studien für dies und das mal genau unter die Lupe zu nehmen.

    Schülern wird in der Schule der „Aha-effekt“ vom Stromkreis vermittelt. Der Schüler freut sich, wenn die Lampe leuchtet. Gleichzeitig fehlt das Verständnis für die Freude darüber, dass eine SMS beim Gegenüber ankommt, der nur eine Armlänge neben mir sitzt. Handelt es sich hier nicht um Überreaktion? …
    Also ich denke, dass mitunter eine Portion Gelassenheit und Nüchternheit im rechten Sinne nützlicher ist, gepaart mit dem Prinzip, was ich schon erwähnte.

    Also ich denke, sich Gedanken darüber zu machen, wozu ein Medium und wozu nicht … – ist notwendig! Gedanken darüber, Medium ja oder nein – geht an der Realität vorbei.
    Denke nur mal an die Berufswirklichkeit oder an die Alltagswirklichkeit (Telefonbanking, Telefonieren kostengünstig über Kontinente…).

    „Computer als Babysitter“ so generell zu verteufeln – da wäre ich nicht so schnell, das hängt dann wohl damit zusammen, was die Realitäten so alles als Alternativen hergeben würden. Aber gut, diese Ansicht höre ich oft. Ich teile sie nicht in jeder Situation.

    Ja, Kinder sollen lernen auch ohne Technik zu überleben. Sehe ich auch – aber im Hinblick auf „Überleben“ (wie du andeutest) – wir sind nicht abhängig vom Strom und unser Leben ist nicht automatisch am Ende, wenn dies oder jenes nicht mehr funktioniert. Das ist punktuell eine sehr gute Übung. Habe ich gar nichts dagegen.
    Nur diese Übung zum Lebensprinzip zu machen (unter den momentanen Lebensumständen in Deutschland), das halte ich dann eher für die Ausübung eigener Ambitionen auf dem Rücken der Anderen. Es sei denn, man hätte eine direkte Legitimation aus der Schrift.

    LG Lutz

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