King’s College wird (etwas) katholischer

Das King’s College in New York, ein Arbeitszweig des Missionswerkes Campus für Christus, hat einen neuen Präsidenten berufen. Fünfter Präsident ist der Katholik Dinesh D’Souza.

Carl Trueman schreibt dazu:

Clearly, if the school can now be headed by a Roman Catholic, the Christian worldview of The King’s College presumably sees issues of authority, the Bible, the interpretation of the Bible, the sacraments, justification, and the church (among numerous other doctrines) as negotiable, as areas where there can be significant disagreement and which are, by inference, only tangential to a Christian view of the world. This is not to denigrate either Protestant or Catholic views in these areas, but merely to point out the fact that there are huge differences here which yet are not seen as impinging on the worldview being taught. One is left to assume that this »Christian« aspect of the worldview consists, theologically, in little more than agreement on the Trinity, the Incarnation, the Filioque, and not much else. ›Generic and minimalist‹ seem scarcely adequate as a description at this point.

As I have argued before, if these issues really are negotiable, then we should all return to Rome. Not to do so is an act of schism, as disagreement over them drove the Reformation in the first place and gave Protestantism its reason—its only reason—to exist. Francis Beckwith realised this and, with honesty and grace, returned to the church of his childhood. And when a college which plays on its Protestant, evangelical identity appoints a Roman Catholic as president, the theologically vague coalition that is evangelicalism is once again exposed in all of its basic theological incoherence and indifference.

Ich kann Trueman sehr gut verstehen und befürchte, dass es in den von ihm angeführten Punkten zu Verschiebungen kommt. Allerdings gilt auch: Wo sind die intellektuellen Evangelikalen, die in den Fragen der Ethik und der Kulturkritik etwas zu sagen haben und etwas sagen? D’Souza oder Peter Kreeft (auch am King’s College) haben sich immer wieder eingemischt, wenn es um Fragen der Moraltheologie ging. Viele Protestanten schweigen. Dieser Trend lässt die Katholische Kirche für etliche Intellektuelle attraktiver erscheinen.

Hier mehr: www.reformation21.org.

Nachtrag vom 25.08.2010: Siehe auch qqden Beitrag von CT: www.christianitytoday.com.

Kommentare

  1. Ich kenne weder das King´s College in New York noch den designierten Präsidenten näher. Dass ein Katholik einer evangelikalen Institution vorsteht, ist zwar pikant, allerdings muss gefragt werden, welche konkreten Hinweise es für die befürchteten Folgen gibt?
    Truemans hier zitierte Aussagen sind doch recht spekulativ. Nicht jeder Katholik ist in theologischen Fragen schon wesentlich deckungsgleich mit der Lehre Roms – oder?
    CfC wird zudem sicher nur jemanden berufen, den es für geeignet hält? Alles andere müsste doch sehr verwundern.
    Deine Kritik, dass die Evangelikalen sich nicht hinreichend positionieren, wenn es um die Auseinandersetzung in aktuellen Fragen der Ethik oder Apologetik geht, teile ich; da sieht es in Deutschland leider noch viel düsterer aus als im angelsächsischen Raum…

  2. @Ernst: Nun, die KK lehrte im Blick auf die Schrift, Hermeneutik, Rechtfertigung, Sakramente etc. etwas anderes als protestantische Kirchen. Dass sich dann an einem College mit der Berufung eines katholischen Gelehrten etwas ändert, liegt nicht nur im Bereich des Möglichen, sondern im Bereich des Wahrscheinlichen. D’Souza ist nicht katholisch weil er eigentlich evangelisch sein möchte. 😉

    Liebe Grüße, Ron

  3. Katharina meint:

    „… if these issues really are negotiable, then we should all return to Rome.“ Genau so argumentierten amerikanische Freunde von mir und sind an Ostern zum Katholizismus konvertiert…

  4. Interessant aber nicht weiter überraschend – auch der Missionsleiter (seit 2006) des deutschen Arbeitszweiges von CfC, Clemens Schweiger, ist katholisch. Das scheint bei CfC somit keine neue Entwicklung zu sein.

  5. Roderich meint:

    Ich glaube nicht, dass D’Souza die protestantische Rechtfertigungslehre, Hermeneutik, etc. angreifen wird. Er ist relativ „liberal“ in manchen Dingen, z.B. glaubt er an Evolution (eigentlich fast der einzige Wehrmutstropfen in seinem ansonsten hervorragenden apologetischen Buch „What’s so great about Christianity“ – jedem zu empfehlen.
    Ich glaube, fuer D’Souza ist eine detaillierte theologische Exegese nicht die erste Prioritaet, er ist von Herzen mehr ein Apologetiker, der gegen Atheisten debattiert und „Limited Government“ gegen einen Staat mit Allmachtsanspruechen verteidigen will.

    Marvin Olasky ist „Provost“ am selben Kings College und wuerde D’Souza da sicher auf die Finger schlagen, wenn er sich an protestantischen Kernwahrheiten vergreifen wollte.

  6. Roderich meint:

    David Bahnsen (Sohn von Greg L. Bahnsen) verteidigt die Berufung von Dinesh D’Souza und schreibt hier: http://www.davidbahnsen.com/index.php/2010/08/24/roman-catholics-the-heirs-of-the-reformation/ das folgende:

    The contributions of a Dinesh D’ Souza in the contemporary scene go far beyond those things that Trueman [der Autor des Artikels in reformation21considers so trivial (you know, unimportant disciplines like economics and political science). True, Dinesh may not line up with a lot of Protestant thought on the really, really important things like predestination and church discipline (though perhaps he does, or perhaps he will), but maybe a little more genuinely Reformed thought is needed here? For those of us who see our evangelical Reformed theology as a comprehensive world and life view, maybe, just maybe, Dinesh is far more qualified than the Carl Truemans of the world could possibly understand.

    Das heisst, fuer Bahnsen ist die Tatsache, dass Dinesh D’Souza die richtigen sozialpolitischen Ansichten hat, die ja eigentlich aus einer integrierten reformierten Sicht hervorgehen SOLLTEN, auch ein wesentlicher Aspekt, der positiv zu bewerten ist, und man sollte nicht „nur“ auf Soteriologie und Rechtfertigungslehre sehen.

    (Mag sein, aber – am besten immer noch, man hat eine „integrierte“ Weltanschauung, d.h. richtige Theologie, und daraus hervorgehend eine christliche Weltsicht in anderen Bereichen des Lebens).

  7. Alexander meint:

    Hier Truemans Antwort auf Bahnsen zum Thema christliche Weltsicht(en!):
    http://www.reformation21.org/blog/2010/08/will-the-real-christian-life-a.php

    Bahnsens Artikel ist nebenbei bemerkt von sachlich falscher Polemik durchzogen, wenn er bemerkt, das Westminster Theological Seminary würde nur hauseigenes Personal berufen und sich dadurch jeglicher akademischen Glaubwürdigkeit entheben. Trueman hat weder am WTS studiert, noch promoviert, noch gelehrt ehe er auf seine jetzige Professur berufen wurde. Und die stattliche Anzahl Bücher, die er in den letzten Jahren geschrieben oder herausgegeben hat, sind alle bei anerkannten akademischen Verlagen erschienen.

  8. Roderich meint:

    Die Antwort von Trueman ist zwar fundiert(er), aber im Endeffekt etwas relativierend. Wenn es „unendlich viele“ Biblische Weltanschauungen gaebe, dann koennte man kaum noch aussagen, dass eine bestimmte Sicht aus der Bibel abgeleitet wird.

    (Aber stimmt: Bahnsen war zu polemisch).

    Die Frage ist vielleicht: woraus lenke ich meinen Blick? Wenn ich von verschiedenen Denominationen bzw. biblischen Sichtweisen ausgehe, bzw. von den einzelnen theologischen Fragen, und denke: welche Antwort auf welche theologische Detail-Frage hat welche Wirkung in der Weltanschauung, dann komme ich vermutlich unweigerlich zum Schluss: die christliche Weltanschauung ist eine relativ relative Angelegenheit.

    Wenn ich aber von Kern-Fragen des sozialen Zusammenlebens ausgehe, ist es vermutlich so, dass es nicht allzu viele verschiedene Moeglichkeiten gibt, und bei den entscheidenden Fragen sollte sogar Einheit moeglich sein.

    Und doch ist die sorgfaeltige theologische Arbeit von Trueman sehr wesentlich.

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