Kirche muss intellektueller werden

Wenn die Predigt Allgemeinplätze und harmlose Anekdötchen verkoppelt, dann wird das als langweilig, vormodern oder überflüssig empfunden, meint der evangelische Theologe Knut Berner.

Wenn routiniert auf den Skandal des Kreuzes Christi verwiesen, aber zugleich ein Kuschelgott offeriert wird, der niemanden in Frage stellt und wenig erhellende Potentiale für den Umgang mit sperrigen Lebenssituationen anbietet, dann kann man sich gleich selber sein Gottesbild konstruieren.

Oder:

Wo aber nicht mehr geboten wird als die lahme These ‚Wir glauben alle irgendwie an denselben Gott‘, da verwundert es nicht, wenn Menschen von anderen Instanzen als der Kirche Antworten bevorzugen, die religiöse Bedürfnisse befriedigen.

Obwohl sich auch Berner einige Rückfragen gefallen lassen sollte (sicher auch wird) und die Rückkehr zum Bildungschristentum keine Lösung für die geistliche Öde wäre, unterstütze ich viele Facetten des Appells:  Wir brauchen anspruchsvollere Theologie und Predigten und dürfen einige Hörer ruhig überfordern.

Hier der Deutschlandradio Kultur-Beitrag vom 12. Juni 2016:

 

Kommentare

  1. Franz Platz meint:

    Nein, die Kirche muss nicht intellektueller werden, sondern gläubiger. Ansonsten verliert sie auch noch die wenigen treuen Gemeindeglieder, die Sonntag für Sonntag zum Gottesdienst kommen. Das sind ja in der Regel nicht die Intellektuellen. Die Kirche ist nicht nur für die Gescheiten da, sondern auch wesentlich für die „Armen im Geiste“, die das Wort Gottes nicht intellektuell hin und her wälzen, bis es in der Theorie erstickt. Glauben fängt doch da erst richtig an, wo der Intellekt nicht mehr ganz mitkommt.

  2. Roderich meint:

    @Franz Platz,
    Wir sollten Vernunft und Glauben nicht gegeneinander ausspielen.

    Man kann ja das eine tun (intellektueller werden), und dabei das andere nicht lassen (gläubiger werden).

    Der Apostel Paulus hat auch nicht immer nur auf einfachst möglichem Niveau gesprochen. Gott hat uns auch den Verstand gegeben – den sollen wir nutzen, kultivieren, erneuern anhand des Wortes Gottes, bilden, schärfen durch Logik-Studium etc.

    Durch intellektuell niedriges Niveau alleine ist noch nichts gewonnen, dass Leute gläubiger werden.

    Natürlich soll „Kirche“ stets für alle gleichermaßen da sein. Gleichzeitig gibt es aber auch das Bildungsideal. Bildung soll soweit es geht gefördert werden (solange dabei das Wort Gottes im Mittelpunkt steht).

  3. Schandor meint:

    @Roderich

    Prädikat: Gut gebrüllt, Löwe!

  4. Gast2 meint:

    @Roderich

    Genau! Ich denke zudem, dass B. genau das meint (Ungefähr sagt das der B. auch, Nur mit ein bißchen andern Worten).

    B. wendet sich gegen die sog. niederschwelligen Angebote, bei denen die Schwelle so weit abgesenkt ist, dass daraus eher ein tiefer Graben wird, über den niemand mehr springen kann und will.

    Die Forderung „Kirche muss intellektueller werden“ finde ich wegen ihrer potentiellen Mißverständlichkeit grundsätzlich unglücklich formuliert – „Kirche muss gläubiger werden“ oder „Kirche muss zum Glauben (zurück-)finden“ sind da besser (auch wenn es bei Schandor gleich einen Blumenstrauß von Fragen hervorruft ;-))

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