Leitungswechsel an der Spitze der Deutschen Evangelischen Allianz

Der Präses des Mülheimer Verbands Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden, Ekkehart Vetter, wird neuer Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA). Das beschloss der Hauptvorstand der Deutschen Evangelischen Allianz bei einer Sondersitzung heute in Kassel. In der DEA-Pressemitteilung zur Wahl heißt es:

„Er tritt zum 1. Januar 2017 die Nachfolge von Dr. Michael Diener an, der nach fünf Jahren dieses Ehrenamt abgibt. Der 60jährige Ekkehart Vetter war in den letzten fünf Jahren schon als 2. Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz auch Stellvertreter von Dr. Michael Diener in diesem Ehrenamt. Dem leitenden Geschäftsführenden Vorstand gehört er seit 2008 an; der als Hauptvorstand bezeichneten Mitgliederversammlung der Deutschen Evangelischen Allianz seit 2004.

Ekkehart Vetter ist im Hauptamt seit 23 Jahren leitender Gemeindepastor der Ursprungsgemeinde des 1909 gegründeten Verbands in Mülheim/Ruhr. Im Nebenamt leitet er seit 2003 als Präses den freikirchlichen Verband, zu dem derzeit 43 Gemeinden in Deutschland mit ca. 4.700 Gemeindemitgliedern gehören. Ekkehart Vetter ist verheiratet mit der Theologin und Gemeindereferentin Sabine. Sie haben sechs Kinder, fünf Schwiegerkinder und derzeit zehn Enkelkinder.

Wie Ekkehart Vetter anlässlich seiner Wahl zum 1. Vorsitzenden betonte, bleibe es das Anliegen der Evangelischen Allianz mit dieser interkonfessionellen Bewegung die organische Einheit der Christen zu betonen, die Gebetskultur zu fördern, das Evangelium von Jesus Christus einladend weiterzugeben, biblische Orientierung zu vermitteln und gesellschaftliche Verantwortung aus christlicher Perspektive wahrzunehmen. „Das sind und bleiben lohnende Wirkungsfelder“, betonte Vetter.

Vetter folgt dem 54-jährigen Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbands, Dr. Michael Diener, Kassel, der sein Amt ein Jahr vor Ablauf der sechsjährigen Wahlperiode zur Verfügung stellt. Seinen Rücktritt hatte er bereits am 1. März 2016 öffentlich bekannt gegeben, nachdem er im Spätherbst 2015 durch die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland in deren Leitungsgremium, den Rat der EKD, gewählt wurde. Das mit hohem zeitlichen Aufwand verbundene ehrenamtliche Mandat führt Dr. Michael Diener neben seinem Hauptamt und einer Vielzahl an weiteren Ehrenämtern in christlichen Werken und Verbänden. Daneben lasse sich aber nicht auch noch der Vorsitz der Deutschen Evangelischen Allianz führen. Das sei ihm schon vor der Wahl in den Rat der EKD deutlich gewesen. Er habe deshalb bereits im Oktober 2015 dem Geschäftsführenden Vorstand das Signal seines Rücktritts für den Fall der Wahl in den Rat der EKD gegeben. Dr. Michael Diener scheidet damit auch aus dem Geschäftsführenden Vorstand der Deutschen Evangelischen Allianz aus, bleibt aber in der Mitgliederversammlung der Deutschen Evangelischen Allianz, dem Hauptvorstand, in der Leitungsebene dieser Bewegung.

Die Wahl eines Nachfolgers für Ekkehart Vetter als 2. Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz ist für die Frühjahrssitzung 2017 vorgesehen.“

Kommentare

  1. … bleibe es das Anliegen der Evangelischen Allianz mit dieser interkonfessionellen Bewegung die organische Einheit der Christen zu betonen …

    Ich dachte immer, die EAD wäre eine innerprotestantische Bewegung. „interkonfessionell“ klingt schon sehr nach „ökumenisch“.

  2. Johannes Strehle meint:

    Ekkehart Vetter – ein sympathischer Mensch
    mit sympathischer Familie.
    Gibt es jemand, der weiß,
    wo und wofür Ekkehart Vetter theologisch steht
    – oder interessiert das ohnehin niemand außer mir?
    Wenn ihn sonst niemand zu seiner Theologie interviewt,
    müssen wir wohl auf die WELT warten.

  3. Gibt es jemand, der weiß, wo und wofür Ekkehart Vetter theologisch steht

    Er vertritt den charismatischen Mülheimer Verband und gilt als Bibeltreuer. M. W. n. war er bisher 2. Vorsitzender (seit ein paar Jahren, vielleicht 2012).

  4. Nach Michael Diener dachte man, es kann nicht mehr schlimmen werden. Und jetzt das: Ausgerechnet ein Charismatiker als Vorsitzender der Allianz. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Die Allianz tut wirklich alles, um zu schockieren.

  5. Die Pressemeldung schreibt Vetter ist Charismatiker. Eigentlich stimmt das nicht. Die Mülheimer Bewegung ist vom Ursprung her die Gegenbewegung zum Gnadauer
    Gemeinschaftsverband nach der Berliner Erklärung gewesen. Daraus entstand eine Gemeindebewegung und damit gehören die „Mülheimer“ zur Pfingstbewegung. Die charismatische Bewegung übernahm Teile der Lehren der Pfingstbewegung in die beiden Gr0ßkirchen und die nichtpfingstlichen Freikirchen in Form von Erneuerungsbewegung in den bestehenden Organisationen. Damit gibt es ganz klare Unterschiede zwischen Pfingstlern und Charismatikern. Mittlerweile aber haben sich die „Mülheimer“ etwas verändert. Viele verstehen sich weiter als Pfingstler, andere Gemeinden aber sind evangelikal zum Teil sogar mit gewisser Distanz zu Praktiken der Pfingstbewegung. Dies zeigt sich auch darin wo die angehenden Pastoren ausgebildet werden: Je nach Ausrichtung der Ortsgemeinden auch mal auf Beröa (BfP) andererseits auch in „normalen“ evangelikalen Ausbildungsstätten wie in Brake. Diese Entwicklung ist auch der Grund, warum die „Mülheimer “ aus dem Forum freikirchlicher Pfingstgemeinden 2002 ausgetreten sind (zu dem Thema auch guter Artikel bei Wikipedia).

    Ich kann die Entscheidung für Vetter nur so interpretieren, dass man in der EAD eine Schnittstelle zwischen den Evangelikalen und den Pfingstlern/Charismatikern wollte.
    Was die EAD eigentlich eher brauchen würde ist eine klare biblische Ausrichtung und das Ablehnen von unbiblischen Inhalten: Z.B. gibt es so gut wie keine Abgrenzung zu von der Schrift nicht haltbaren Praktiken bei Pfingstlern/Charismatikern wie zur Glaubensbewegung (z.B. Kenneth Hagin). Auch gab es keine Reaktionen in der EAD, als Peter Wenz (Mitglied im Hauptvorstand der EAD) im Gospel Forum Stuttgart Frühjahr 2016 Bill Johnson bei sich auftreten liess. Von ihm ist bekannt dass sich seine Schüler und er auf die Grabsteine von verstorbenen geistlichen Leitern legen, um deren Kraft zu empfangen. Ich habe die Befürchtung, dass sich der Prozess in der EAD die Kernbotschaft des Evangeliums immer mehr zu verwässern, bzw. viel zu viel zu tolerieren, was nicht mit der Schrift vereinbar ist, fortsetzt

  6. Thomas S. meint:

    Hallo Johannes Strehle, ich empfehle die Veröffentlichungen der von ihm geleiteten Freikirche zur Lektüre. Diese dürften von ihm maßgeblich mitgestaltet worden sein:
    http://www.muelheimer-verband.de/mv-selbstverstaendnis-ua/statische-inhalte/mv-ordnungen
    Beste Grüße
    Thomas

  7. Alsterstewart meint:

    Eine gute Wahl: Ekkehard Vetter leitet bisher einen Verband, der sich in den letzten Jahren gut entwickelt hat. MV-Gemeinden legen großen Wert auf in jeder Hinsicht gesundes Wachstum.

  8. @Alsterstewart
    Nein, keine gute Wahl! Nur weil Gemeinden „großen Wert legen auf gesundes Wachstum“ heißt das noch gar nichts. Die charismatische Bewegung ist eine der größten Gefahren unserer Zeit. Wäre die Ev. Allianz wirklich bibeltreu, dann müsste sie sich klar und deutlich u.a. von der charismatischen Bewegung abgrenzen. Aber die Allianz ist auf Ökumene-Kurs und passt sich immer mehr dem Zeitgeist an.

  9. Alsterstewart meint:

    @Adler
    Du warst noch nie in einer MV-Gemeinde, oder?

  10. @Alsterstewart
    Was hat das damit jetzt zu tun? Warum muss ich erst in einer MV-Gemeinde gewesen sein, um sie beurteilen zu können? Muss ich erst in einem Königreichssaal gewesen sein, um die Zeugen Jehovas beurteilen zu können? Muss ich erst in einem Buddhismus-Tempel gewesen sein, um den Buddhismus beurteilen zu können?

    Der Mülheimer Verband ist nach seinem offiziellen Selbstverständnis charismatisch. Und genau das kritisiere ich. Und wo siehst Du jetzt das Problem?

  11. Alsterstewart meint:

    Du arbeitest Dich an einem Schlagwort ab, nicht an der Wirklichkeit. Schade.

  12. @Alsterstewart
    Die Frage ist ja gerade, ob das „Schlagwort“ der Wirklichkeit entspricht. Wenn Gemeinden sich selbst als charismatisch bezeichnen, dann gehe ich erst einmal davon aus, dass sie auch wirklich charismatisch sind. Was ist falsch daran, erst einmal davon auszugehen, dass der Selbstanspruch auch die Wirklichkeit ist?

  13. Alsterstewart meint:

    Das Problem liegt darin, dass Du von „charismatisch“ auf „die größten Gefahren unserer Zeit“ schließt. Das ist ein beliebtes Zitat und jetzt würde ich gerne wissen, inwieweit dies auf Ekkehard Vetter und auf die Gemeinden des MV aus Deiner Sicht zutrifft.

    An welche konkreten Anhaltspunkte knüpfst Du Dein Urteil? Aus welchem Grund gehört der MV zu „den größten Gefahren unserer Zeit“?

    Butter also bei die Fische.

  14. @Alsterstewart: Danke für Deine Rückfragen. Sie sind berechtigt!

    Ich würde das Amt des Vorsitzenden nicht überbewerten. Jürgen Werth blieb beispielsweise theologisch farblos. M. Diener hat viel Staub aufgewirbelt, weil er seine eigene Sicht der Dinge (anhaltend) in den Vordergrund geschoben hat und die Evangelikalen erziehen wollte.

    Liebe Grüße, Ron

  15. @Alsterstewart
    Wo soll ich anfangen? Schau Dir die Geschichte der charismatischen Bewegung und der Pfingstbewegung (und des MV) an. Schau Dir den Anfang an. Schau Dir an, wie viele Irrlehren in der charismatischen Bewegung und der Pfingstbewegung vertreten wurden, vertreten werden und geduldet werden. Es gab und gibt Okkultismus und Esoterik in der charismatischen Bewegung. Ich sage nicht, dass jeder Charismatiker das vertritt, aber das gibt es in dieser Bewegung. Was ich z.B. „gemäßigten“ Charismatikern vorwerfe, ist, dass sie sich nicht stärker und glaubwürdiger von extremen Charismatikern abgrenzen.

    Es gibt oft eine große Offenheit für die Ökumene. Manchmal wird auch Synkretismus betrieben, indem z.B. Phänomene aus dem Schamanismus unkritisch übernommen werden.

    Hör Dir die Vorträge der Strange Fire Konferenz an (auf Deutsch): https://www.gty.org/resources/sermon-series/de325

    Lies das Buch „Fremdes Feuer“ von John MacArthur (Betanien-Verlag, 2014).

    Die charismatische Bewegung ist extrem gefährlich: Es gibt falsche Propheten, Wunderheiler, Wohlstandsprediger, Marienverehrer u.a. Schau Dir vor allem die internationale Szene an. Ich habe nicht genug Zeit, um die ganzen Irrlehren der charismatischen Bewegung aufzuzählen. Doch eines ist klar, wer sich nicht eindeutig von dieser Bewegung distanziert, der sündigt. Wer sich aber sogar mit dieser Bewegung identifiziert, der sündigt noch mehr.

  16. Die Nachricht hört sich mutmachend an!

    Auch das Schriftverständnis macht Mut:
    >>Mit den Unterzeichnern der Lausanner Erklärung bekräftigen wir „die göttliche Inspiration, die gewiss machende Wahrheit und Autorität der alt- und neutestamentlichen Schriften in ihrer Gesamtheit als das einzige geschriebene Wort Gottes. Es ist
    ohne Irrtum in allem, was es verkündigt, und es ist der einzige unfehlbare Maßstab
    des Glaubens und Lebens. <<

  17. Alsterstewart meint:

    Mein letzter Post in diesem Thread:
    @Adler
    M.W. hat sich die Strange Fire-Konferenz nicht mit dem MV beschäftigt (ich habe so ziemlich jeden Vortrag gehört, vielleicht ist mir da etwas entgangen). Insofern sehe ich keine Verbindung zwischen den dort tw. zu Recht kritisierten Phänomenen und dem MV. Aber vielleicht kannst Du weiterhelfen.

    So lange Du nicht konkret wirst bleibe ich dabei: Du arbeitest Dich an einem Schlagwort ab, ohne die Realität zur Kenntnis zu nehmen. Und das finde ich schade.

    @Ron
    Was Werth und Diener angeht sehe ich das ähnlich. Wobei Diener das Zeug gehabt hätte, deutlicher Profil zu zeigen. Leider investierte er seine Energie als EAD-Vorsitzender an der falschen Stelle, was er m.W. auch eingestanden hat. Insofern bin ich guter Hoffnung, dass Vetter neue konstruktive Akzente setzen kann.

  18. @Alsterstewart
    Im MV-Selbstverständnis heißt es z.B.:

    „Im Leben des wiedergeborenen Menschen kann es zu weiteren, vertiefenden und erneuernden Erfüllungen mit dem Geist Gottes kommen. […] Solche Geisterfahrungen können mit dem Empfang geistlicher Gaben verbunden sein, wie z.B. Sprachenrede oder Prophetie, oder auch mit körperlich wahrnehmbaren Manifestationen.“

    „Für die Gemeinden des MV ist das prophetische Wort eine Botschaft Gottes, die einem Menschen vom Heiligen Geist eingegeben wird. Diese Botschaft kann sich an den Betreffenden selbst richten oder an andere. […] Jede prophetische Rede wird am Wort Gottes geprüft.“

    Also ist die prophetische Rede nicht das Wort selbst. Der MV geht also nicht von der Allgenügsamkeit der Bibel aus. Der Kanon ist faktisch noch nicht abgeschlossen, denn es gibt noch Extra-Offenbarungen.

    „Die Bibel zeigt, dass Menschen, die mit der Kraft des Heiligen Geistes in Berührung kommen, auffällige körperliche Symptome zeigen können. […] Dies geschieht bis heute: Menschen können in Gottes Gegenwart z.B. weinen, lachen, zittern oder ,im Geist ruhen‘.“

    Wahnsinn! Der MV distanziert sich noch nicht einmal von extrem charismatischen Phänomenen. Das ist heftig!

  19. Vielleicht noch als Ergänzung aus dem Selbstverständnis des MVs:
    „Wir ermutigen alle Gläubigen, Gott um diese Gabe seines Geistes zu bitten.“ (Seite 19). Dieser Satz steht bei der Gabe der Sprachenrede und nur dort. Das halte ich für problematisch, zumindest so, wie ich (bisher) die Bibel diesbezüglich verstanden habe. In 1. Kor 14:5.39 gibt Paulus dem prophetischen Reden den Vorrang. Warum werden dann die Gläubigen im MV nicht dazu ermutigt, prophetisch zu reden?

  20. Johannes Strehle meint:

    idea hat – vorbildlich – Vetter interviewt.
    Dieners Verdienst war es, für mehr Klarheit gesorgt zu haben.
    Vetter drückt sich hingegen um klare Antworten zu seinem Standpunkt.
    Hält er auf Grund seines Bibelverständnisses
    gelebte Homosexualität für Sünde?
    Vetter: „An aktuell unterschiedlichen Bewertungen in ethischen Positionierungen wollen wir dranbleiben, die Diskussion versachlichen und uns um eine biblisch begründete Position bemühen.“ „Die notwendige Diskussion muss aber zunächst in den Gremien der Allianz geführt werden. Der Hauptvorstand … sieht … zugleich die Notwendigkeit, intensive Gespräche weiterzuführen. Wir wollen geistliche Orientierung geben.“
    Die Kontroverse gibt es dank Dieners deutlicher Positionierung seit einem Jahr. Vetter schweigt sich darüber aus, wie weit „die notwendige Diskussion in den Gremien“ gediehen ist. Gab es diese vor Dieners Anstoß nicht? Er schweigt sich über die „intensiv weitergeführten Gespräche“ aus. Wann ist denn der Zeitpunkt gekommen, „geistliche Orientierung zu geben“? Die englische Allianz ist nach gründlicher Prüfung längst zu einem publizierten Ergebnis gekommen.
    idea: „Umstritten ist, was in der Bibel heute noch verbindlich ist.“
    Vetter drückt sich mit zwei Luther-Zitaten um eine klare Positionierung.
    Idea: „Die EKD hat auf ihrer jüngsten Synode einstimmig jede Mission unter Juden abgelehnt – auch mit der Stimme der Evangelikalen Diener und Steffen Kern. Wie hätten Sie gestimmt?“
    Eine klare Frage. Vetter drückt sich um eine klare Antwort.
    Erfreulich finde ich, dass Vetter, nachdem er von idea auf den Spendeneinbruch angesprochen wurde, mitteilen kann, dass „es in den letzten Monaten auch Spender (gab), die ihre Zahlungen eingestellt haben, um ihre Unzufriedenheit mit dem Kurs der Evangelischen Allianz, wie sie ihn empfunden haben, zum Ausdruck zu bringen.“ „Wie sie den Kurs empfunden haben“, ist die übliche Relativierung, Subjektivierung und Verschiebung auf die Gefühlsebene – ein Rückschritt zu den alten Unarten vor Diener. Dank Diener waren wir nicht auf Empfindungen angewiesen.

  21. Roderich meint:

    Zustimmung, Johannes Strehle.
    Das Interview in idea war insofern gut, als er sich dort, wo er seine Meinung hat durchblicken lassen, als bibeltreu ge“outet“ hat (gegen praktizierte Homosexualität oder außeeheliche Sexualität, ohne Arroganz und im Wissen um die eigene Sündhaftigkeit, aber doch bestimmt; für die Judenmission), aber er hat in der Tat vieles offen gelassen. So ein „Herumge-eiere“ ist schädlich, auch wenn die EA ein „lockerer Verband“ ist. Wir brauchen keinen „lockeren Verband, der herum-eiert“.

    Aber schauen wir mal, wie es sich entwickelt.

    @Adler,
    wärest Du mit Pfingstlern / Charismatikern zufrieden, die sich wie die Gemeinden im NT und wie Paulus verhalten würden? (Also die Prophetie, Zungenrede, praktizieren im biblisch vorgegebenen Rahmen, und bei denen Wunderheilungen geschehen in der Kraft des Hl. Geistes? ). Oder würdest Du die – wenn die heute im Mühlheimer Verband als „1. Korinthergemeinde“ oder „1.Thessalonichergemeinde“ auftreten würden – als „größte Gefahr“ ansehen?

    Was machst Du eigentlich beruflich, kommst Du ab und zu unter Menschen?

    Meines Erachtens kämpfst Du gerade an der falschen Front.
    Das Problem ist im Moment die Postmoderne in der Hermeneutik, nicht die Frage der Zungenrede.

    (Distanzierung von klar unbiblischen Lehren wäre in der Tat wichtig. Es ist aber ein Teilaspekt einer klaren Bibeltreue, z.B. das oben erwähnte Beispiel vom „sich auf Verstorbene legen“ etc. – da hätte ich dann aber gerne eine Quelle. Aber dieses Distanzieren wird sowieso nicht passieren, wenn die Basis nicht stimmt, also die Hermeneutik. Die ist nämlich „praeambula“ für alles weitere.)

  22. Johannes Strehle meint:

    Idea hat, journalistisch notwendig, eine Aussage aus dem Interview mit Vetter in die Überschrift gerückt:
    Ein Evangelikaler „kann unmöglich rechts sein“.
    Im Interview heißt es: „Wer in meinem Verständnis evangelikal ist, kann unmöglich rechts sein.“
    Kann ein Evangelikaler links sein? Ist links gut und rechts schlecht? Oder kann ein Evangelikaler weder rechts noch links sein, also auch in keiner politischen Partei außer vielleicht in der FDP? (Die CDU galt bis zur Kursänderung unter Angela Merkel als rechte Partei. Heute dürfte das noch für die CSU gelten.) Dass ein Evangelikaler nicht populistisch oder extrem sein kann, dürfte unstrittig sein. Aber „unmöglich rechts“?
    Deutschland ist (wie ganz Europa) in einer brisanten Situation. Eine der besten Kennerinnen der Lage ist Frau Prof. Dr. Köcher, die Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, die nicht zu Dramatisierungen neigt. Sie hat kürzlich bei der jährlichen Konferenz der Herrhausen Gesellschaft und der FAZ eine „Deutschland-Diagnose“ vorgetragen: „Erosion des Vertrauens“, die von den etablierten Parteien ignoriert wird. „Die Zusammenballung von Risiken hat nicht nur das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung unterminiert, sondern auch das Vertrauen in die Politik. Insbesondere die Reaktion der etablierten Parteien auf die Flüchtlingskrise hat zu einer tiefen Entfremdung und zu Misstrauen geführt, ob sich die Ziele und Vorstellungen der Politik überhaupt noch näherungsweise mit denen der Bürger decken. Die politische Reaktion auf die Eskalation der Flüchtlingskrise war und ist teilweise noch von einem bemerkenswerten Konsens der im Parlament vertretenen Parteien geprägt. Von der Linken über die Grünen bis zu CDU und SPD wurde die Flüchtlingspolitik im letzten Jahr weitgehend mitgetragen – eine ungewöhnliche Konstellation bei einem Ereignis von derartiger Tragweite und Sprengkraft. Der Schock, die Besorgnis der Mehrheit, hatte im Parlament kaum eine Stimme und wurde so politisch nicht aufgefangen. Dazu kam zeitweise eine Medienberichterstattung, die im Verbund mit dem breiten Konsens im Parlament ein gesellschaftliches Klima beförderte, in dem die Mehrheit der Bevölkerung plötzlich den Eindruck hatte, dass man vorsichtig sein müsse, sich überhaupt mit seiner Meinung zur Flüchtlingssituation zu exponieren.“
    Vetter hat gerade nachgewiesen, dass er zu aktuellen Fragen, zu denen sein Vorgänger ebenso wie der Generalsekretär (gegensätzliche) klare Aus- und Ansagen gemacht haben, diplomatisch gewundene Aussagen zu machen weiß. Im grellen Kontrast dazu steht die plumpe Aussage „Ein Evangelikaler kann unmöglich rechts sein“. Diese Ausgrenzung würde ihn schon in normalen Zeiten disqualifizieren. In Zeiten wie diesen ist sie haarsträubend verantwortungslos.
    Einen Vorteil hat diese Feststellung Vetters. Die Allianz dürfte noch weniger Spenden erhalten, denn viele allzu treue Spender sind „rechts“. Auch Vetters Abqualifizierung verantwortungsbewusster Spender (die also ihre Spenden von der theologischen Ausrichtung abhängig machen) dürfte Spendern zu denken geben. (Siehe oben)

  23. @Johannes Strehle
    Das Problem ist, dass die Kategorien links und rechts sich nicht nur auf die Politik beziehen. Auch wenn es jetzt holzschnittartig klingt: Links im christlichen Bereich heisst emergent, Gender, für alle Lebensformen offen, EKD, hipp und modern. Rechts ist bibeltreu, gegen Homosexualität, für traditionelle Familie, gegen Frauenordination, altmodisch und hinter dem Mond.
    Das Problem in der medialen Darstellung ist aber, dass die Frommen in der Regel nur wegen Homosexualität und Frauenordination auftauchen. Das ist übrigens auch bei „Bibel und Bekenntnis“ das Problem, in der Wahrnehmung sich im wesentlichen auf den Punkt „Homosexualität“ zu beschränken. Deshalb konnte Michael Diener
    auch in seinem letzten Interview sinngemäß sagen, dass die Probleme, die es gab, sich im wesentlichen auf ethische Fragen beschränkten.
    Diese Punkte aber sind nur die Spitze des Eisbergs. Der Grund für eine Ethik, die nicht der Schrift entspricht, ist IMMER ein mangelndes Verständnis derselbigen.
    Darüber und was daraus folgt und wird viel zu wenig diskutiert: Gibt es eine Hölle, Hat das Evangelium einen Absolutheitsanspruch, wie geschieht richtige Bekehrung/ Umsinnung o.ä. , wie bekomme ich einen gnädigen Gott. HIERMIT sollten wir in der christlichen Wahrnehmung „landen“. Dann ist es doch klar, dass die Frommen in der rechten Ecke landen, wo sie eigentlich nicht hingehören.
    Wenn sich aber Vetter nun so äussert und das ist das weitere Problem, stellt er sich zu diesem Thema auf eine Seite. Er müsste die Diskussionen als bisheriger Stellvertreter genau kennen und positioniert sich damit auf der Linie Dieners ohne auf die Frommen zuzugehen. Das geschieht sofort am Beginn seiner Amtszeit und erscheint mir deshalb kein Auftakt zu sein, mit dem sich an der Zerstrittenheit in der Allianz etwas ändern könnte

  24. @Roderich

    wärest Du mit Pfingstlern / Charismatikern zufrieden, die sich wie die Gemeinden im NT und wie Paulus verhalten würden?

    Meine Antwort kannst Du Dir ja denken: Natürlich nicht! Und warum? Weil der Kanon mittlerweile abgeschlossen ist. Wenn sich einer wie Paulus verhalten würde, würde er z.B. auch behaupten, dass er Apostel sei.

    Was machst Du eigentlich beruflich, kommst Du ab und zu unter Menschen?

    Was hat das mit dem Thema zu tun? Ich verstehe den Zusammenhang nicht.

    Meines Erachtens kämpfst Du gerade an der falschen Front. Das Problem ist im Moment die Postmoderne in der Hermeneutik, nicht die Frage der Zungenrede.

    Falscher Gegensatz! Ich habe nie gesagt, dass die charismatische Bewegung das einzige Problem sei. Aber sie ist eine Gefahr und muss unbedingt bekämpft werden!

    z.B. das oben erwähnte Beispiel vom „sich auf Verstorbene legen“

    Sei so gut und recherchiere bitte selbst nach über Bill Johnson und Peter Wenz. Ich habe gerade nicht die Zeit dafür.

  25. Roderich meint:

    @Johannes Strehle,
    zu dem Zitat:

    „Wer in meinem Verständnis evangelikal ist, kann unmöglich rechts sein.“

    Meines Erachtens hat er in der Eile einfach den falschen Ausdruck gewählt. Er meinte: Als Christ kann man nicht (im grundsätzlichen Sinne) ausländerfeindlich oder rassistisch sein. Da würde ich ihm zustimmen, denn jeder Mensch ist im Ebenbilde Gottes gemacht. (Allerdings ist längst nicht alles, was Linke als rassistisch oder ausländerfeindlich bezeichnen, wirklich rassistisch oder ausländerfeindlich).

    Im politischen Sinne rechts kann ja auch heißen: nicht-links, also gegen Sozialismus, für einen schlanken Staat, für die traditionelle Familie, oder für ein rechtsstaatliches Vorgehen bei der Immigration, sowie für eine starke Begrenzung islamischer Immigration, gegen die auch nur ansatzweise Einführung der Scharia.
    Vetter kann als Allianzvorsitzender unmöglich vertreten, dass man diese Punkte als Christ „unmöglich vertreten kann“.

    Ich hätte mir da in der Ausdrucksweise auch mehr Fingerspitzengefühl gewünscht. Sich gegen linke Angriffe der Medien oder dgl. vorsorglich abzusichern, ist das eine, aber die Hälfte des eigenen Gemeindevolks anzugreifen, ist das andere. (Ich denke, es gibt unter Evangelikalen vielleicht 0,01% Rassisten, aber etwa die Hälfte dürften politisch rechts von der Mitte stehen).

    @Matze, ich hatte im Interview nicht den Eindruck, dass er sich auf die Seite Dieners stellt, eher im Gegenteil. Vetter gilt ja allgemein als bibeltreu, und hat auch in dem Interview die bibeltreue Richtung hochgehalten. (Er hat sich für die Judenmission als im Sinne Gottes geäußert, als auch gegen die Homosexualität (als nicht mit dem Willen Gottes vereinbar).)

    In manchen Punkten war er allerdings recht unklar. Da wünschte ich mir auch mehr Klarheit, weniger Schwammigkeit. Er sollte nicht nur selber bibeltreue Positionen vertreten, sondern auch klar diese Sicht vertreten, und auch ruhig sagen, dass bestimmte Meinungen falsch sind.

    @Adler,

    R: Was machst Du eigentlich beruflich, kommst Du ab und zu unter Menschen?
    A: Was hat das mit dem Thema zu tun? Ich verstehe den Zusammenhang nicht.

    Der Grund ist, dass mir Deine Ausführungen eher theoretisch vorkommen, und manchmal ehrlich gesagt auch wie von jemand, der vielleicht gerade nicht so viel mit Menschen zu tun hat. Daher meine Frage, was Du gerade beruflich machst. Aber das muss jetzt nicht online geklärt werden. Nicht als Kritik gemeint.

  26. Johannes Strehle meint:

    @ Roderich
    zum Teil sind wir uns über die Unklarheit und Schwammigkeit einig. Im Übrigen bist Du ein wohlwollender Mensch. Vielleicht hast Du recht, vielleicht auch nicht. Nicht wenige beurteilen und interpretieren Vetter so wohlwollend wie Du. Auch wo Du Dir sicher bist, ist Dein Verständnis dessen, was Vetter gesagt hat, nicht das einzig mögliche.
    Der Mühlheimer Verband ist mir übrigens nicht unbekannt. Ich kenne zwei Gemeinden relativ gut, habe mich auch vor Jahren mit der ursprünglich interessanten Rechtskonstruktion befasst. Der Mühlheimer Verband war bis vor kurzem eine GmbH.
    Ich finde, dass Gemeindemitglieder Anspruch darauf haben, dass ihr Pastor sie ungefragt wissen lässt, was er persönlich in wesentlichen Fragen glaubt oder nicht glaubt. Desgleichen bin ich der Meinung, dass das christliche Fußvolk einen Anspruch darauf hat, dass der Vorsitzende der Evangelischen Allianz ungefragt mitteilt, was er persönlich in wesentlichen Fragen glaubt oder nicht glaubt. Ich finde es als mündiger Christ eine Zumutung, wenn ich dabei auf wohlwollendende oder skeptische Interpretationen und Mutmaßungen angewiesen bin. Dass Schlüsse aus Statuten, „Grundlagen“, Verlautbarungen, Publikationen der Kirche, der Allianz, des Verbandes oder Bundes usw. heutzutage nicht mehr aussagekräftig für Überzeugung und Glauben einzelner Verantwortlicher sind, gehört zum Allgemeinwissen. Es ist auch kein Ausnahmefall, dass Pastoren in Predigten, Bibelgesprächen usw. einen bibeltreuen Eindruck machen, wenn sie aber konkret gefragt werden, dann kommen einerseits unerwartete Antworten wie aus der Pistole geschossen, so wie Vetters Antwort zur Unvereinbarkeit von evangelikal und rechts, oder Antworten, wie Vetter sie zur Verbindlichkeit der Bibel gegeben hat. Fragen, die mit ja oder nein beantwortet werden können, sollten auch mit ja oder nein beantwortet werden. Alle anderen wesentlichen Fragen können, wie wir aus der Kirchengeschichte wissen, klar, kurz und bündig beantwortet werden. Wenn ein führender Repräsentant der Evangelikalen sagt, dass ein Evangelikaler „unmöglich rechts sein kann“, hat er entweder nie darüber nachgedacht, was rechts in der Politik bedeutet, und ist sich der Brisanz dieser Aussage nicht bewusst, dann stellt sich die Frage nach der Eignung für dieses Amt – oder er folgt damit der in Politik und Medien herrschenden Mehrheitsmeinung, dann wissen die konservativen Christen, woran sie sind.
    Ich zitiere 6 von 8 Glaubensgrundlagen der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten:
    Wir glauben und bekennen
    • die göttliche Inspiration und die Unfehlbarkeit der ganzen Heiligen Schrift
    • die völlige Sündhaftigkeit der menschlichen Natur, das ewige Verlorensein des unerlösten Menschen und deshalb die unbedingte Notwendigkeit der Wiedergeburt
    • die Gottheit Jesu Christi, Jungfrauen-Geburt, Kreuzestod, leibhaftige Auferstehung, Himmelfahrt, gegenwärtige Erhöhung zur Rechten Gottes und seine Wiederkunft
    • den stellvertretenden Opfertod Jesu Christi, unseres Herrn und Heilands, der für uns sein Blut vergossen hat
    • die Auferstehung der Erlösten zum ewigen Leben in Herrlichkeit und die Auferstehung der Unerlösten zur ewigen Verdammnis
    • den Missionsbefehl Jesu Christi: „Gehet hin in alle Welt und lehrt alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
    Ich bin kein Phantast. Mir ist klar, dass Vetter das nicht alles glaubt, sonst wäre er kein Vorsitzender der Evangelischen Allianz geworden. Aber ich will wissen, was er persönlich davon glaubt und was nicht und was er statt dessen glaubt und was auf dieser Grundlage in wichtigen Fragen konkret Sünde ist, zum Beispiel: Ist praktizierte Homosexualität Sünde? Denn wie wir wissen und Vetter in dem Interview ausdrücklich sagt: „In einem großen und strukturell lockeren Netzwerk wie der Allianz gibt es unterschiedliche Meinungen – darunter auch manche, die nicht den veröffentlichten theologischen Positionen der Allianz entsprechen.“ Und wie wir gelernt haben: Auch Vorsitzende dürfen Meinungen vertreten, die nicht den „veröffentlichten theologischen Positionen der Allianz“ entsprechen. Es handelt sich um eine Bringschuld.
    Die Allianz hat nach seiner Wahl ein Selbstporträt Vetters veröffentlicht. Über sein Theologiestudium und als Fazit schreibt er: „Eine spannende Zeit mit vielen Diskussionen, friedensbewegten Aktionen und zahlreichen Reibungspunkten mit der von mir oft eng und starr erlebten Frömmigkeit meines Umfeldes in meiner Kinder- und Jugendzeit. Heute weiß ich beides zu schätzen: meinen Kollisionskurs in Bezug auf die enge Frömmigkeit meiner Umgebung, der nötig war um weiter glauben und frei atmen zu können. Aber auch die schlichte, authentische und ganz ohne intellektuelles Fragen auskommende Frömmigkeit meines Elternhauses. Dort habe ich, ohne es damals zu realisieren, die Bibel lieben gelernt – ein Schatz, von dem ich bis heute profitiere.“ Es gibt sicher viele Christen, denen das ausreicht. Deswegen haben wir auch die große evangelikale Katastrophe.

  27. Ich rate ihn doch erst einmal in Ruhe sein Amt antreten zu lassen!
    Zu der Frage der Homosexualität hat er schon anderweitig Position bezogen.
    Übrigens: auch Allianzvorsitzende können bibeltreu sein (bei der Frage der Geistesgaben ist man bekanntlich oft von beiden Seiten vom Pferd gefallen – ist kein Maßstab für Bibeltreue).

  28. Thomas S. meint:

    Nennt mich naiv, aber mir ist es zu allererst wichtig, dass dort jemand sitz, der Jesus, sein Wort und seine Gemeinde liebt und ihnen treu dient. Das sehe ich als das Band an, welches bei allen theologischen Unterschiedlichkeiten die Ev. Allianz doch verbinden sollte. Unter dem Gesichtspunkt ist M. Vetter eine exzellente Wahl.

  29. @Roderich

    jemand, der vielleicht gerade nicht so viel mit Menschen zu tun hat.

    Wirklich lustig, wie Du mich versuchst in bestimmte Schubladen zu stecken. Tja, aber ich muss Dich leider enttäuschen: Ich habe beruflich sehr viel mit Menschen zu tun – wahrscheinlich sogar mehr als Du.

    @Johannes Strehle

    Es gibt sicher viele Christen, denen das ausreicht. Deswegen haben wir auch die große evangelikale Katastrophe.

    So ist es!

    @Thomas S.
    Dann nehme ich Dein Angebot gerne an und nenne Dich hiermit naiv.

  30. Johannes Strehle meint:

    @ Thomas S.
    Es gibt im Christenleben wie im menschlichen Leben eine Phase,
    bevor wir das 1×1 lernen.
    Zum christlichen 1×1 gehört die Erkenntnis,
    dass Liebe wohl das am meisten missbrauchte aller Wörter ist.
    Besonders beliebt ist auch unter Christen
    das Zeitgeistverständnis von Liebe.
    Jesus sagt: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.
    Er sagt nicht: Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote relativieren und subjektivieren und an den Zeitgeist anpassen. Denn die klugen Menschen in 2000 Jahren wissen am besten, was Liebe bedeutet.
    Der (logische) Zusammenhang zwischen Liebe und Geboten
    zieht sich durch die ganze Bibel.
    Jesus sagt: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort festhalten.
    Er sagt nicht: Wenn jemand mich liebt, wird er versuchen herauszufinden, was in der Bibel zeitlos gültiges Wort Gottes ist.
    Bevor sich ein Christ nicht klar über sein Bibelverständnis geäußert hat,
    können wir nicht wissen, ob er Jesus liebt.
    Johannes schreibt in seinem ersten Brief:
    Dieses Gebot haben wir von ihm,
    dass wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebe.
    Und dann kommt ein neuer Vorsitzender der Evangelischen Allianz
    und schließt erst einmal alle politisch Rechten aus,
    denn ein Evangelikaler „kann unmöglich rechts sein“ (idea 13. Dezember), und das obwohl es „in … der Allianz … unterschiedliche Meinungen (gibt) – darunter auch manche, die nicht den veröffentlichten theologischen Positionen der Allianz entsprechen.“ Dank Diener ist allgemein bekannt, dass das auch bei Vorsitzenden vorkommt.
    Vetter ist mit dieser Aussage „bei Jesus“, den politisch Rechten spricht er das ab, weil sie den Menschen nicht „in Liebe und Wahrheit begegnen“, insbesondere den „Geflüchteten“. („Geflüchtete“ ist der bemüht politisch korrekte Begriff für „Flüchtlinge“. Vetter achtet auf’s Wort.)
    Am 17. Dezember hat Vetter auf die lebhafte Kommentierung dieses Artikels (zwischenzeitlich 66 Kommentare) reagiert. Er habe mit der Aussage nur die Flüchtlingspolitik gemeint. Die Beschränkung und das, was er dazu schreibt, machen die Aussage nicht klarer (so auch zwei Kommentare danach) und besser. Auf Vetters Stellungnahme will ich noch besonders eingehen.

  31. @Johannes Strehle

    Lieber Johannes,

    nur mal am Rande: Nach meinem Verständnis geht es bei „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten.“ nicht vordergründig ausschließlich um das (theoretische) Schriftverständnis, sondern um das TUN des in der Schrift zu findenden Willen Gottes. Und da frage ich mich schon manchmal, ob alle die, die sich so ausgiebig an der mangelnden Rechtgläubigkeit anderer abarbeiten, auch manchmal das Gleichnis über die beiden ungleichen Söhne vor Augen haben.

    Und das heißt nicht, dass das Schriftverständnis unwichtig ist! Es ist wichtig!

    Und: bestände überhaupt die theoretische Möglichkeit, einen Allianzvorsitzenden zu finden, mit dem man leben könnte, bei dem das Haar in der Suppe nicht gleich gefunden wird? Müsste der dann nur möglichst oft die Worte „irrtumslos“ und „unfehlbar“ benutzen?

    Deinen Ausführungen zur leider etwas schwammigen Ausdrucksweise gebe ich allerdings recht.

  32. Thomas S. meint:

    @Johannes Strehle Ich stimme grundsätzlich zu, aber der Satz „Bevor sich ein Christ nicht klar über sein Bibelverständnis geäußert hat, können wir nicht wissen, ob er Jesus liebt.“ ist mir dann doch zu ausschließlich. Da würden mir schon noch einige andere Dinge einfallen, an denen man die Liebe zu Jesus ablesen kann.
    Natürlich ist diese Einschätzung fehlbar. Aber dass selbst beste Schriftkenntnis und -gehorsam nicht vor Fehleinschätzung, ja sogar totaler Verirrung schützt, dafür sind uns die Pharisäer des NT ein eindrückliches Beispiel.

  33. Johannes Strehle meint:

    @ Christ meint und Thomas S.
    Ich bin ganz Eurer Meinung.
    Es ist zwar heute ein Minderheitenproblem, aber es gibt doch noch relativ viele Opfer einer „Rechtgläubigkeit“ ohne Liebe im Sinne der Bibel als Wort Gottes.
    Dass ein Christ die Bibel und damit die Gebote Gottes und das Liebesverständnis nicht eigenem Gutdünken unterwirft, ist nur e i n wesentliches Merkmal dafür, dass er Gott liebt (im Sinne der Bibel als Wort Gottes).
    Diejenigen, die auf der anderen Seite abgleiten, die also größten Wert auf die Bibel als Wort Gottes und die Gebote Gottes legen, aber ohne Liebe sind (siehe 1. Korinther 13), reden nach meiner Erfahrung genauso viel von Liebe wie die Zeitgeist-Christen. Sie sind nach meiner Erkenntnis und Erfahrung nur durch das neue Liebesgebot Jesu zu enttarnen: An der Liebe der Christen untereinander werden alle erkennen, dass ihr meine Schüler seid. An der „Liebe“ dieser „Rechtgläubigen“ untereinander kann kein Mensch erkennen, dass sie Schüler Jesu sind. Ihr Umgang miteinander wirkt auf Nichtchristen nicht attraktiv, sondern abschreckend.
    Jesus erzählt zum Thema „Hören seines Wortes ohne Tun“ das Gleichnis vom Bauen auf Sand und der großen Katastrophe als Folge.
    Selbstverständlich gibt es keine vollkommenen Persönlichkeiten für christliche und andere Leitungsfunktionen. Aber es gibt Persönlichkeiten, die Grundvoraussetzungen erfüllen.

Trackbacks/ Pingbacks

  1. […] Leitungswechsel an der Spitze der deutschen Evangelischen Allianz […]

Ihre Meinung ist uns wichtig

*