„Liebesleben hoch 6“

Die Bundesverbände „Evangelische Frauen in Deutschland“ e.V. und „Männerarbeit der EKD“ haben heute in Kassel eine Tagung zum Thema  „LiebesLeben – Vielfalt sexueller Identitäten und Beziehungen als Herausforderung für Theologie und Kirche“ durchgeführt. Über das Anliegen der Tagung schreiben die Veranstalter.

Die Fachkonferenz lädt dazu ein, über die Vielfalt sexueller Identitäten und Beziehungsformen nachzudenken und der Frage nachzugehen, in welcher Weise die christlichen Grundwerte der Verantwortlichkeit, Verlässlichkeit, Wechselseitigkeit und Kontinuität in der Gestaltungder Beziehungen gelebt werden können. Die Fachkonferenz ermöglicht eine Auseinandersetzung mit Lebensformen, die bislang von der Kirche kaum oder gar nicht in den Blick genommen wurden. In Impulsreferaten soll die Situation und die besondere Herausforderung verschiedenster Lebensentwürfe aufgegriffen und dargestellt werden. Aus dem großen Bereich verschiedener Geschlechtsidentitäten und Beziehungsentwürfe wurden vier ausgewählt: Homosexuelle,Intersexuelle, Singles sowie polyamouröse Beziehungen.

In Impulsreferaten wird die Frage nach „Freiheit und Bindung“ bedacht. Welche Wertvorstellungen prägen im Kern die verschiedenen Lebensentwürfe? Welche Vorstellungen von Treue, Ehrlichkeit, Transparenz und Verbindlichkeitliegen ihnen zugrunde? Das Ziel der Fachkonferenz ist, Menschen für die Vielfalt von Lebensentwürfen zu sensibilisierenbzw. ihren Blick zu weiten und damit auch Prozesse anzuregen, um neue kirchliche Angebote für Menschen in ihrer heutigen Lebens-, Arbeits- und Beziehungssituation zu entwickeln.Die Fachkonferenz will somit zu einem Klima beitragen, in dem es möglich wird, das gemeinschaftliche Leben in Beziehungen verschiedener Art dankbar als gute Gabe Gotteszu verstehen, anzunehmen und zu leben.

Wie die Nachrichtenagentur Idea berichtet, knüpfte die Tagung nicht nur an das neue Familienbild der EKD an, sondern regte bereits dazu an, einen konsequenten Schritt weiter zu gehen:

Wie der Geschäftsführer der Männerarbeit der EKD, Martin Rosowski (Hannover), sagte, sollte die Tagung an die neue Orientierungshilfe der EKD zum Thema Familie anknüpfen. Das Papier hat eine heftige Debatte um das evangelische Ehe- und Familienverständnis ausgelöst. Darin rückt die EKD von der Ehe als der alleinigen Norm ab und vertritt ein erweitertes Familienbild, das vielfältige Lebensformen – zum Beispiel gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften mit Kindern – einschließt. Rosowski zufolge ging die Fachtagung noch einen Schritt weiter, weil sie auch polyamouröse Beziehungen thematisiert habe.

Wie die Soziologin und Gender-Forscherin Marianne Pieper (Hamburg) sagte, geht es dabei um die Praxis intimer Liebes- oder sexueller Beziehungen mit mehr als einer Person. Befragungen polyamor lebender Männer und Frauen hätten ergeben, dass die meisten von ihnen die Beziehungen zu mehreren Partnern als Bereicherung empfänden. Einen neuen Partner zu gewinnen, bedeute nicht automatisch, einen anderen zu verlieren. Grundlagen gelingender polyamorer Beziehungen seien Offenheit, Ehrlichkeit, Vertrauen und Kommunikation. Zudem hätten Befragungen eine Verschiebung moralischer Standards ergeben. So werde Liebe nicht mehr als etwas Unteilbares erlebt, sondern als etwas, das sich vervielfältigen lässt: „Liebe lässt sich potenzieren!“ Die gesellschaftliche Anerkennung dieser Lebensform stehe allerdings noch aus, so die Forscherin.

 

Kommentare

  1. DanielV meint:

    Unglaublich – da möchte man weinen wie damals Nehemia… und gleichzeitig weiter um Gnade und Möglichkeiten zur Buße beten.

  2. mark.us meint:

    Ein passendes Beispiel für die protestantische Kulturnähe, die wir bei Hirsch diskutiert haben.

  3. Alexander meint:

    Na, immerhin kann man jetzt der EKD nicht mehr vorwerfen, dem Zeitgeist *hinterher* zu hecheln. Das Thema Polyamorie ist ja noch gar nicht überall in den Medien präsent, geschweige denn dass es bereits in der Politik angekommen wäre. Doch wartet, wartet nur ein Weilchen …

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