Ligon Duncan: Wie haben wir die Souveränität Gottes zu verstehen?

Der Presbyterianer Ligon Duncan hat über wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Souveränität Gottes gesprochen. Das Festhalten an Gottes Herrschaft über alle Dinge sollte nicht gegen die Verantwortlichkeit des Menschen ausgespielt werden, meint Duncan und illustriert seine Auffassung anhand einiger Beispiele. In ähnlicher Weise, aber natürlich umfassender, hat J.I. Packer das Thema in seinem leider vergriffenen Buch Prädestination und Verantwortung behandelt.

Kommentare

  1. Schandor meint:

    Ein guter Beitrag!

    Und was für eine tröstliche Sache ist es doch, dass alles, alles, alles unter der vollkommenen (totalen ethisch vollkommenen) Herrschaft Gottes steht!

    Man hat immer wieder versucht, die beiden Dinge zusammenzudenken. Das ist naturgemäß äußerst schwierig. Sogar die Komplementaritätstheorie hat man bemüht, aber ich halte diese Bemühung nur für das elegantere Bekenntnis, die Sache nicht zu verstehen (Quantentheorie!).

    Ich glaube, eine Erklärung (nicht Lösung) ist in der Handlungstheorie zu suchen. Eine Handlung beginnt mit dem Gedanken, den der Wille bei ausreichend gegebener Motivation in die Tat umsetzt. Der Gedanke „entzündet“ sich an gegebenen Motiven, schürt den Willen, den Gedanken in die Tat umzusetzen — und der Mensch handelt. Eine menschliche Handlung ist damit zeitlich begrenzt. Aber jetzt entsteht das Problem: Sobald wir hören, dass Gott „handelt“, begehen wir dabei unbewusst einen Anthropopsychismus/Antropomorphismus, indem wir denken, Gottes „Handlungen“ müssten ähnlich (analogisch) ablaufen wie unsere eigenen Handlungen, aber da irrt man sich.

    Wir wähnen unseren Willen auch oft neutral (das hat man theologiegeschichtlich terminologisch fälschlicherweise als „freien Willen“ bezeichnet). Der Wille *ist* frei, auch der Wille des überzeugtesten Calvinisten. Aber seit dem Sündenfall ist er nicht mehr *neutral*, und DAS ist der Punkt. Er hat eine Tendenz, ist quasi prädisponiert — zur Sünde. Philosophisch wird man daher keinesfalls von einem neutralen Willen, sehr wohl aber von freiem Willen sprechen dürfen (viele Christen, die nicht an die Souveränität Gottes glauben, und das sind äußerst viele, stolpern schon über diese sprachliche Hürde).

    Der Wille selbst ist eine Instanz, die bei ausreichender Motivlage Entscheidungen trifft. Die Gefallenheit des Menschen besteht darin, dass er dazu tendiert, die negativen (sündigen) Motive den guten Motiven vorzuziehen (vereinfacht ausgedrückt). Er kann nicht anders (de servo arbitrio).

    Bei Gott allerdings ist das anders: Weder kann man sagen, sein Wille sei von guten Motiven nezessitiert (das wäre ein kruder Anthropomorphismus), noch kann man überhaupt sagen, sein Wille müsse von Motiven gelenkt sein. Wir *wissen* nicht, wie Gottes Wille „zustande“ kommt, und da liegt das Problem: Wir wissen vage, dass es so ist, können aber nicht anders, als beim Gedanken an eine „Handlung“ Gottes unser eigenes Handlungsschema zugrunde zu legen.

    Wäre aufweisbar (was ich aus prinzipiellen Gründen für unmöglich halte), was „Handlung“ bei Gott genau ist (von Anfang, vom Ursprung bis zum Ende), dann könnte man den gordischen Knoten lösen — aber das kann und soll offenbar nicht gelingen, denn

    „Was verborgen ist, das steht bei dem Herrn, unserem Gott; was aber geoffenbart ist, das ist ewiglich für uns und unsere Kinder bestimmt, damit wir alle Worte dieses Gesetzes tun“,

    meint
    Schandor

  2. Richtig. Da Gott ein vollkommener Verstand ist, ist auch sein Wille vollkommen. Vollkommen im ethisch/moralischem Sinn als auch im ewigen, unergründlichen.

    Die Souveränität Gottes ist eine erhabene und menschlich nicht fassbare. Ein Gesetz der Kybernetik besagt, dass zur Analyse eines Systems (wie in diesem Falle bspw. eines PC´s) ein anderes System von höherem Kompliziertheitsgrad erforderlich ist, d.h. das Einfachere vermag das Komplexere nicht zu analysieren. Somit kann der Mensch nicht einmal sein Gehirn völlig ergründen, geschweige denn die Gedanken Gottes.

    Wie D.Martyn-Lloyd Jones auch im Zusammenhang mit der Wiedergeburt bemerkte: Gott ändert die Disposition unseres tiefsten Seins, den Kern dessen was wir sind, und wirkt etwas völlig neues (2. Kor. 5,17). Dadurch erhält unser Wille eine neue Quelle, er findet fortan gefallen am Gesetz Gottes wie Paulus im Römerbrief anmerkt – gleichwohl er sofort darauf feststellt, dass es ihm am Befolgen desselben mangelt.

    Wie Salomo sagt: „Es hilft keine Weisheit, kein Verstand und kein Rat gegen den HERRN.“

  3. Kurz und knackig das wesentliche auf den Punkt gebracht. Danke für den Post!

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