Lost Generation: Was ist mit den Jungs los?

In gewohnter Qualität spürt Harald Martenstein einem verbreiteten Phänomen nach: Die Jungs sind auffallend antriebsarm:

Eine lost generation. Ich sagte, dass mein Sohn sich eine neue Badehose kaufen möchte. Das Projekt, sich eine Badehose zu kaufen, verfolgt er seit nunmehr acht Wochen. Er hat keine Zeit. Nein, er hat keine Energie. Es ist, als ob jemand den Stecker herausgezogen hätte aus dieser Generation von Jungs. Das wird sich alles auswachsen, sagte ich, das kann ja nicht ewig so weitergehen. Eines Tages wird er sich eine Badehose kaufen. Er wird morgens um neun vor mir stehen, frisch geduscht, und er wird sagen, dass er jetzt zu Karstadt geht und sich die Badehose kauft. Jeden Morgen warte ich darauf. Dann gehe ich ins Büro, er schläft noch, und wenn ich vom Büro heimkomme, ist er gerade aufgestanden, die Cornflakes-Schüssel steht herum, und er macht sich fertig fürs Joggen. Eine Jogginghose hat er ja. Der Kollege sagte: „Es ist überall das Gleiche. Das tröstet dann doch irgendwie.“

Wir haben durchgecheckt, woran es liegen könnte. Ich glaube nicht, dass es an der Erfindung des Computers liegt. Die Mädchen besitzen ebenfalls Computer. Ich glaube auch nicht, dass der Feminismus schuld ist. Gewiss, diese Generation von Jungs wird sich vermutlich extrem schwer damit tun, Spitzenpositionen zu erobern, solche Jobs werden in den nächsten Jahrtausenden hauptsächlich mit Frauen besetzt sein. Aber das kümmert die Jungs nicht, nein, es ist ihnen sogar recht. Unsere Jungs sind begeisterte Feministen. Wenn jemand unseren Jungs die Position eines Bundeskanzlers oder Bankchefs anbieten würde, dann würden unsere Jungs langsam aufstehen, ihre Chipstüte nehmen und in ihr Zimmer schlurfen, um dort in Ruhe Musik zu hören. Waren unsere Erziehungsmethoden zu lasch? Waren wir schlechte Vorbilder? Ist die Schule schuld, zu viel Gruppenarbeit, zu wenig Leistungsdenken, alle Lehrer immer krank?

Die Analyse ist gut. Wer kennt die Gründe?

Mehr: www.zeit.de.

Kommentare

  1. Der Gedanke mit der Wehrpflicht ist im übertragenen Sinne nicht schlecht.
    Ich denke man kann das wie immer nicht an einem einzelnen Umstand festmachen.
    Es fängt doch schon im Kindergarten an – nur Erzieherinnen. Meine Mädels waren da gut versorgt. Aber die Jungs von anderen Eltern wurden immer gebremst. Das geht dann in der Schule weiter. Jungs sitzen nicht die ganze Zeit ruhig da. Wenn sie zu viel Energie haben, werden sie halt ruhig gestellt – zur Not halt mit Ritalin!

    Zu Hause werden die Jungs vor den Fernseher gesetzt, oder vor den PC, anstatt sie vor die Tür zu setzen, auch wenn es regnet. Wir haben uns früher mit Stöcken verprügelt, Banden gegründet oder Hütten gebaut. Wir waren immer unter Dampf. Keiner hat uns gebremst. Wir kamen klatschnass nach Hause, nachdem wir mal wieder (im Winter) in den Bach gefallen sind, weil das Eis zu dünn war. (Wie haben wir das nur überlebt?)

    Dann kam mit 15 Jahren die Lehre. Schluss mit lustig. Arbeiten, bis es einem zu den Ohren rauskam. Jeden Tag auf der Baustelle schuften – und ich meine wirklich schuften! Da hat sich auch keiner an Ausbildungsordnungen etc. gehalten.

    Ich bin jetzt gerade erst 32 Jahre alt. Das heisst, ich bin 1995 in die Lehre gegangen. Hat sich denn so viel seit dem geändert?

    Ich glaube Jungs müssen von klein auf Gas geben, sich auspowern, an Grenzen kommen, sich blutige Knie holen, auch ruhig mal harte Zeiten durchmachen. Das formt den Charakter.

    Wir werden immer bequemer und haben kaum noch harte Herausforderungen zu meistern.
    „Im Schweiße deines Angesichts…“ wer muss dass denn noch leisten?

    Stattdessen muss man sich mit Papierkram, Zeitdruck oder Ritalin rumschlagen……

    Gruß

    Armin

  2. Wenn der Spruch: „Not macht erfinderisch“ stimmt, könnte es daran liegen.

    In der gestrigen ZDF-Ausgabe von „Von Alaska bis nach Feuerland“ konnte man sehen, wie die Menschen auf Armut reagieren: Mit Kleinkriminalität oder mit Erfindungsreichtum (besonders die „Earth-Ships“ fand ich großartig).

    Im Wohlstand läuft das andersherum: Da reagieren die Menschen entweder mit Faulheit (die in Frage stehenden Jugendlichen) oder mit Großkriminalität (z. B. die winzigen Minderheiten der Gender-Durchsetzer, die von staatlicher Seite in Milliardenhöhe unterstützt werden).

    Aber wenn der Jugendliche keinen Antrieb mehr hat, ist das dann nicht exakt das Ergebnis dessen, dass er in seinen Kinderjahren „ruhiggestellt“ worden ist? Die Mädchen brauchte man ja nicht ruhigzustellen, die sind einfach so wie sie sind. Sie können sich also normal weiterentwickeln. Den Jungen hat man aber gegen einen seiner ureigensten biophysikalischen Steuermechanismus (Testosteron) „erzogen“ (besser: konditioniert). Dieser Antrieb wurde erfolgreich umgelogen. Jetzt geht er halt lieber Musik hören, statt Bundeskanzler zu werden. Schade eigentlich, denn als Bundeskanzler würde er bestimmt nicht so extrem viel Schaden anrichten wie so manch europäisches Hochintelligenzexemplar aus den überstaatlich gelenkten Normzüchtungsvereinen (=NWO-Schulen=Universitäten=Ideologieverankerungsinstitutionen).

    Das kann freilich nur einer von vielen Gründen sein. Die immer stärker schwindende Frustrationstoleranz hinsichtlich persönlicher Erfolge mag ein Weiteres dazu beitragen. Was unser Junge hier an den Tag legt, sind besorgniserregende prädepressive Symtome. Das wird ihm sogar selbst auffallen. Hoffentlich greift er nicht irgendwann zur Droge.

  3. Ich würde Armin (als Altersgenosse) weitgehend zustimmen. Zudem würde ich alle Fragen, die oben am Ende des Zitats stehen, bejahen. Abgesehen von der Sache mit dem Leistungsdenken und der Schule.

    Denn mit der Erwartung, dass sein Sohn eine Badehose kauft, ist ja bereits eine Leistungsforderung verbunden. Haben nun die Lehrer in der Schule daran Schuld, dass der Junge sich keine Badehose kaufen kann? Warum wartet der Vater eigentlich acht Wochen? Warum geht er nicht einfach mal mit seinem Sohn einkaufen …? Soll der Wehrdienst dann wieder gut machen, was vorher irgendwo schief gelaufen ist? Also ich weiß nicht. (Davon mal abgesehen: Es würde jungen Menschen sicher nicht schaden, wenn sie ein Jahr ihres Lebens (auf welche Weise auch immer) ihrem Vaterland dienen.)

  4. Da Johannes den „Vater“ genannt hat: Wo sind denn diese? Beruflich (d. h. als einziger Grundschullehrer (männlich) an meiner Schule) habe ich praktisch nur mit den Müttern zu tun. Bei meiner jetzigen Klasse hatte ich bisher nur ein Gespräch mit einem Vater, sonst nur mit den Müttern.

    Gruß
    Peter

    PS: Hat es etwas zu bedeuten, dass bisher weibliche Kommentatorinnen bei diesem Thema fehlen?

  5. @ Peter

    Die Väter haben sich ja auch schon zurückgezogen. Warum das so ist wäre auch mal interessant zu besprechen.
    Ich glaube auch das hat mehrere Gründe. Als „Betroffener“ kann ich ja mal einen anführen:
    Im Kindergarten oder auf Elternabenden der Schule hat man nur mit Frauen zu tun. Ich gebe offen zu, dass ich das furchtbar anstrengend finde! Ich halte diese Weichkocherei nicht mehr aus. Wenn ich dahin gehe ecke ich immer an. Ist mir im Grunde egal, aber es nervt.

    Wehe man setzt sich mal für „männliche“ Belange ein…. (dabei habe ich 2 Töchter..) Auch im Kindergartenausschuss die alt 68er Freuleut sind nicht zum aushalten. Das Problem dabei ist ihre Agressivität mit der sie ihre „Thesen“ vertreten. Ich meine ich halte da gerne gegen. Aber da sitzt man dann mit 2 Männern und hat ca. 15 Frauen, die Jungs einfach nicht verstehen (6 davon sind Männer, die Frauenansichten vertreten 🙂

    Ich als Mann bringe mich gerne ein, aber es ist echt anstrengend. Ich kann Männer verstehen, die lieber unter „Ihresgleichen“ sind. Wer will denn noch Männer mit Verantwortung und Einsatz?
    Männliche Mitarbeit ? Ja gerne, aber nur im Sinne der Frauen oder eben auf ihre Art und Weise…

    In den Gemeinden ist das doch auch so.

    Ich hoffe du verstehst mich richtig!

  6. Lieber Armin,
    ich verstehe dich voll und ganz – oft geht es mir genauso wie dir.
    Peter

  7. hey…ihr Schlauberger… – sagt mal : HAbt ihr selber einen Sohn (oder mehrere)??
    oder… etwa nicht??

    hmmhh… – !?

  8. Roderich meint:

    Lieber Ron,
    man müßte, finde ich, erst mal genauer untersuchen, ob die Jugendlichen heute wirklich so antriebsarm sind.
    Angenommen, es wäre so, bleibt das Nachdenken über die Ursachen doch Spekulation.

    Oder hast Du eine Idee?

  9. @Roderich: Dann finanziere mal eine Studie. 😉

    Ich glaube, dass die Beobachtungen von Martenstein einen tatsächlichen Trend spiegeln. Wahrscheinlich gibt es bereits Untersuchungen dazu. Ich jedenfalls kann bestätigen, dass vielen Jungs die Lust am echten Abenteuer abhanden gekommen ist, sie dafür aber gern 10 h am Tag vor dem PC sitzen und in die Welt der Kriegsspiele abtauchen.

    Was Armin über seine Kindheit geschrieben hat, erlebte ich ähnlich. Wir waren bis zur Dunkelheit in der Natur, freilich vor allem mangels Ausweichmöglichkeiten. Das Kids heute die Welt teilweise nur noch durch das Fenster der digitalen Vermittlung wahrnehmen, wird sich kaum günstig auf die Antriebslust auswirken.

    Liebe Grüße, Ron

  10. @ernst

    ich war selber ein Junge – habs also durchlebt einer zu sein – genauer gehts wohl nicht. Ich habe 2 Töchter.
    Aber darf man sich nun nur noch zu Themen oder Umständen äußern, wenn man selbst direkt betroffen ist?

    Wenn dem so ist, dürfte man sich zu fast nichts mehr äußern! Es soll ja Leute geben, die sich viel mit bestimmten Themen beschäftigen, und daher etwas in der Lage sind sich eine Meinung zu bilden. Ich habe mal gehört, dass der Mensch auch viel durch Beobachtung und Prüfen lernt.

    Wenn das nicht mehr erlaubt ist, dann gute Nacht. Das sind nähmlich genau die Argumente, mit denen man Leute Mundtot machen will.

    Äußerst du dich nur zu Themen, bei denen Du unmittelbare langjährige Erfahrungen sammeln konntest?

    Gruß

    Armin

  11. Roderich meint:

    @Ron,
    Ja, PC, Fernsehen und Handy scheint einer der Hauptgründe zu sein. Das scheint mir plausibel.

    Des weiteren die oben genannte Feminisierung in Kindergärten, Schulen etc.

    Woanders kann man wohl auch kaum die Ursachen suchen, denn das sind ja die Hauptveränderungen.

    Das Problem ist, dass PC, Fernsehen eine *unmittelbare* Aufregung erzeugen, jedoch zu 99% einen schalen und leeren Nachgeschmack haben.
    Gegen diese „unmittelbare“ Aufregung und Sinnesreiz-Überflutung durch Fernsehen kann wohl kein „draußen Spielen“ ankommen.
    Sich mit Menschen abgeben mag auf den ersten Moment weniger „hyperspannend“ sein, ist aber langfristig viel gewinnbringender.

    Günter Rohrmoser sprach mal davon, dass die vollständige Freigabe der Sexualität (jetzt auch über das Internet) das revolutionäre Potential der Jugend ganz zerstört. Denn die jederzeit mögliche „Bedürfnisbefriedigung“ (auch wenn sie nur in einer Scheinwelt ist) nimmt die „Spannung“ weg, die Energie, um sich dann für übergeordnete Ziele oder Ideale einzusetzen.

  12. „Das Problem ist, dass PC, Fernsehen eine *unmittelbare* Aufregung erzeugen, jedoch zu 99% einen schalen und leeren Nachgeschmack haben.
    Gegen diese “unmittelbare” Aufregung und Sinnesreiz-Überflutung durch Fernsehen kann wohl kein “draußen Spielen” ankommen.“

    Hm. Mag sein, aber das liegt auch daran, dass wir es nicht geschafft (vielleicht auch nicht versucht) haben unseren Kindern (in diesem Falle den Jungs) den Reiz des Draußen-Seins und -Spielens zu vermitteln. Denn das ist um LÄNGEN spannender als vor dem PC zu sitzen. Ich habe beides gemacht. Mit meinem älterem Bruder bin ich stundenlang durch die Wälder gelaufen/Fahrrad gefahren (als Winnetou und Old Shatterhand!), und später habe ich durchaus auch nächtelang Doom (ja, so alt bin ich schon) gezockt.

    Der Spaß beim PC-Spielen ist dabei durchaus „einfacher“ und „schneller“ zu kriegen. Langfristig ist das andere aber viel Gewinn bringender.

    Darum ist es ja unsere Aufgabe als Erwachsene/Väter, den Kindern/Jungs diese spannende Welt des draußen-Seins zu vermitteln. Erlebnispädagogische Jungschar/Pfadi-Arbeit ist EIN Mittel dazu. Es gibt sicher auch andere.
    Nur dürfen wir nicht meckern über die „Feminisierung“ der Gesellschaft, wenn wir uns selbst zu schade sind, mal eine Nacht im Wald mit den Kids zu frieren, dreckig zu werden oder was auch immer und statt dessen nur Bücher und Blog-Einträge schreiben.

    Also: Ärmel hochkrempeln und bewusst als Mann in die Sonntagschul-/Jungschar-/Pfadi-Arbeit engagieren!

  13. Unterirdisch hängt die Krise des Mannes ja wohl mit unserer Gottesbeziehung zusammen.

    Sinn des Lebens
    Was für einen Sinn des Lebens bietet denn unsere Gesellschaft? Wenn man ihre Grundlagen wirklich zu Ende denkt, erkennt man nur Nihilismus. Das Leben ist kein Geschenk mehr, das es zu entfalten gilt.

    Schöpfungsordnung
    Die biblische Schöpfungsordnung für Mann und Frau, welche unsere Gesellschaft leugnet, würde ein festes zweipoliges Bezugssystem bieten, das paradoxerweise aber Freiheit für die Entfaltung des einzelnen Mannes oder der einzelnen Frau schafft. Je mehr die schöpfungsgemässe Norm für Frau und Mann klar ist, desto eher kann ein Mann zu seinen weiblichen Charaktereigenschaften stehen und eine Frau zu ihren männlichen. Je weniger das echte, schöpfungsgemässe Bezugssystem gegeben ist, desto unfreier und verkrampfter wird die Geschlechtsidentität. Leider wird auch in den postevangelikalen Gemeinden die Rolle von Mann und Frau trotz der anderslautenden Weisung der Bibel ignoriert.

    Ehe und Familie
    Geschlechtliche Liebe steht nicht mehr in naturgegebenem Zusammenhang mit der gemeinsamen Weitergabe des Lebens. Zwar hat die Mann-Frau-Beziehung damit ihre Dramatik verloren, wurde aber auch entweiht. Dem Mann fällt nicht mehr zwingend die Aufgabe des Ernährers zu.

    Die Ewigkeit in ihren Herzen
    Nichts gegen den Computer an sich, aber leider dient er im Allgemeinen aber der Zeitverschwendung und damit der Verschwendung der Gabe Gottes. Alles geht immer schneller. In diesem allgemeinen Taumel kommt die Stimme Gottes immer schwieriger zu Wort. Die Jugend sollte lesen und nicht Computer-Games spielen. In gutes Buch kann für uns zur Tür werden in das Reich der ewigen Wahrheiten. Man lernt also gewissermassen als lesender Mensch, Geist zu sein und sich selbst zu überschreiten. Die Kindheit in der modernen Welt schenkt diesbezüglich präzedenzlose Möglichkeiten in der sogenannten Freizeit. Ich habe niemals in meinem Leben mehr gelesen als in meiner Kindheit.

  14. Tim-Christian meint:

    Ich würde noch hinzufügen wollen, dass die allgemeine (jugendlich-männliche) Antriebslosigkeit vom Fehlen von wirklichen AntriebsKRÄFTEN her rührt. Die Ideologiekritik der 60er und 70er Jahre, deren Früchte dann auf dem Lehrplan meiner Generation standen, ist über ihr Ziel hinausgeschossen und hat so ziemlich alles dekonstruiert was zu Leistung und Engagement Anreiz geben könnte. Uns ist im Grunde das abhanden gekommen, was Nietzsche in seiner zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung als Monumentalischen Geschichtssinn bezeichnet hat. Pathos und leidenschaftlicher Einsatz für eine Idee, Lehre oder Sache gelten heutzutage weitestgehend als verdächtig. Verfassungspatriotismus? Ja, geht in Ordnung. Liebe zum Vaterland und Aufstehen beim Absingen der Nationalhymne? Nationalistisch und ergo gefährlich! Und überhaupt, wir als Deutsche mit unserer Vergangenheit … Mülltrennung, Abrüstung und Ökostrom? Aber klar doch. Das leidenschaftliche Eintreten für eine politische Sache rechts von Links? Vorsicht, wehret den Anfängen, der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch! Ein bisschen religiös verbrähmte Ethik? Okay. Das Überzeugtsein von der Richtigkeit der eigenen Religion oder gar missionarischer Eifer? Fundamentalistisch und ergo gefährlich! Und so ist das eigentlich in jedem Bereich. Am Ende bleiben als Werte „personal peace and affluence“ (Schaeffer) und als Folge der unambitionierte Rückzug ins Private, welcher sich dann auch noch – dem technischen Fortschritt sei’s gedankt! – recht bequem und komfortabel umsetzen und leben lässt.

    PS.

    Zuweilen begegnet einem online folgendes Chesterton-Zitat, das den Nagel auf den Kopf trifft:

    “Modesty has moved from the organ of ambition. Modesty has settled upon the organ of conviction where it was never meant to be. A man was meant to be doubtful about himself, but undoubting about the truth: this has been exactly reversed. Nowadays the part of a man that a man does assert is exactly the part he ought not to assert-himself. The part he doubts is exactly the part he ought not to doubt – the Divine Reason… The old humility was a spur that prevented a man from stopping: not a nail in his boot that prevented him from going on. For the old humility made a man doubtful about his efforts, which might make him work harder. But the new humility makes a man doubtful about his aims, which will make him stop working altogether.”

  15. Von dem selben Autor gibt es noch einen intersannten Artikel der gehört zwar nicht zum Thema aber er ist sehr lustig.

    „Viele Christen machen sich Sorgen um ihre Haustiere“
    Fundamentale Christen treffen Vorbereitungen für das Jüngste Gericht. Sie brauchen die Atheisten für ihre Hunde und Katzen. Harald Martenstein bietet Hilfe an. [weiter…]
    ZEITmagazin, 06.09.2012

  16. Ich bin wirklich beeindruckt von den Kommentaren hier. Tim-Christian, Markus, ihr sprecht mir aus dem Herzen. Noch ein, zwei weitere Schlaglichter darauf, um nicht das bereits genannte zu wiederholen:

    – Ich selbst (22) mache Jungschar, weil ich die Erlebnisse auf Freizeiten, im Wald, etc. als wertvollste Erfahrung meiner Kindheit sehe. ABER: Es ist in diesem Land nicht einfach, mal „wild“ zu sein. Campen in der Natur? Streng verboten. Durch den Wald – gerne…aber nur auf ausgezeichneten Wegen. Nach einem Geländespiel im Wald bekam ich einmal heftigste Vorwürfe einer Mutter zu hören: Was uns einfiele mit den Jungs in den Wald zu gehen – ihr Sohn hatte eine Zecke! Ich stehe mit einem Fuß im Knast, wenn ich die Jungs mit einem Beil ein Lager bauen lasse. Allgemein wird in Deutschland der Bürger vor sich selbst geschützt und damit entmündigt.

    – Meine Bundeswehrzeit ist nun drei Jahre her und dennoch denke ich noch jeden Tag daran. Teil einer Sache zu sein, für etwas zu stehen und Kameradschaft erleben sind elementare Bedürfnisse im Herzen eines Mannes (vgl. John Eldregde in „Der Ungezähmte Mann“: Jeder Mann sehnt sich nach einem Kampf für eine größere Sache). Letztlich hat mir die Bundeswehr keine tiefe innere Befriedigung gebracht, aber ich bin dort über meine Grenzen gegangen und habe damit eine Bestätigung erfahren, die mir seitdem in vielen schwierigen Situationen Selbstvertrauen geschenkt hat – mehr als irgendetwas in meinem christlichen Umfeld.

    Das sind zwar nur subjektive Empfindungen, aber es wird doch jeden Tag deutlicher, dass das Leben, so wie wir es gewohnt sind zu leben, nicht dazu geeignet ist, aus Jungs Männer zu machen.

  17. @Lukas*: Danke, dass Du diese Erfahrung teilst. Die Erlebnispädagogik im Freien ohne Smartphone etc. ist enorm wichtig. Bleibe also dran, trotz überängstlicher Eltern und der vielen Verbotsschilder.

    Liebe Grüße, Ron

  18. @ Lukas*
    Lieber Namensgenosse, ich kann mich Ron nur anschließen. Du weißt nicht, was für einen Segen Du säst in der Jungschararbeit. Für mich waren die Jungscharerlebnisse draußen in der Natur sehr prägend. Man ging immer raus, egal bei welchem Wetter.

    Und die Gitarre war auch bei jedem Wetter dabei. Viele ältere christliche Lieder kommen mir sofort bekannt vor, wenn ich sie höre, auch wenn ich sie später nicht mehr gesungen habe.

    Ich erinnere mich heute übrigens weniger daran, dass die Jungscharleiter uns das Evangelium sagten, sondern eher daran, dass sie das Evangelium lebten – dass die aus meiner damaligen Perspektive erwachsenen Leiter aufopfernde, liebevolle, faire, ernste und glückliche Menschen waren, echte Vorbilder.

    Die Zeit bei der Armee möchte ich auch nicht missen. Es hilft, sich selbst in der Kategorie der Verantwortung zu sehen, die das eigene Leben überschreitet.

    Leider wurde bei Euch in Deutschland die Wehrpflicht ja abgeschafft, und auch bei uns wird sie sich wohl nicht mehr lange halten können. Damit wird jedoch die Jahrtausende alte Einheit von Bürgerrechten und Bürgerpflichten preisgegeben. Was ich auch positiv finde an der allgemeinen Wehrpflicht, ist, dass sie (normalerweise) nur Männer betrifft – ein letztes, heute geradezu anachronistisch anmutendes Überbleibsel der ursprünglichen Lebensrealität, welche vom Feminismus und Gleichheitswahn noch nicht aufgelöst wurde. Aber jetzt bin ich vom Thema abgekommen…

  19. Bisher haben nur Männer ihre meinung geäußert. ich bin eine frau und möchte trotzdem antworten. ich bin mit zwei brüdern und drei schwestern aufgewachsen, doch gespielt habe ich nur mit meinen brüdern und nachbarsjungen. denn diese spiele haben antrieb verlangt. abenteuer erleben, buden bauen, mitten im wald bäume absägen. wir hatten einen kleinen see zur verfügung, konnten auf seiner insel nur nassen fußes gelangen, also mußten wir uns etwas für die kalte jahreszeit einfallen lassen. haben durch den sumpf von einem baum zum anderen zwei übereinander hängende seile gespannt und sind so trocken zu unserer geliebten insel gelangt. wir durften lagerfeuer machen, hatten unseren hund dabei. wir waren in unserer welt und das sommer wie winter.
    jetzt werden den jungs die biologisch angelegten „Triebe“ aberzogen. ja auch mit retalin! jungs wollen kämpfe, sich beweisen, kräfte messen ihre stärke zeigen egal auf welchem gebiet. sie brauchen ideale und vorbilder. doch nicht einmal in unserer jugendliteratur ist das zu finden. überall muß der junge wohlerzogen und sozial auftreten. immer rücksicht nehmen. er darf nicht durch die wälder ziehen und blödsinn verzapfen, unvernünftig sein, den nachbarn oder lehrer ärgern, etwas aushecken, dann ist er kriminell. er muß sofort vom jugendamt betreut werden und stets beweisen wie er seinen „trieben“ entgegen wirkt. dumme jungenstreiche? bloß nicht!
    diese antriebslosigkeit ist eine sich verbreitende „jugenddepression“ die hauptsächlich jungs bekommen. und dieses wird extra erzeugt. depressive menschen haben nicht die fähigkeit sich zu wehren, sie werden der politik nicht im weg stehen. doch es kann passieren daß diese depressiven den druck nicht mehr aushalten und ihn abgeben, sie wollen nicht mehr antriebslos sein, aber wird dieser neue antrieb in die richtige richtung gehen? wir haben erlebt wohin das führen kann. siehe die massacker in den schulen von amerika? nein auch hier in deutschland!

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